BildKUNST

 

 

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Techniken:
– eine geballte Ladung an starker Aggression dank der richtigen Musik (inklusive Stimmung) im Hintergrund
– Dripping/Rumkleckern/Farbe aus der Ferne ans Bild ranklatschen…peng.
– Bürsting/Kratzing

 
Verwendete Utensilien:
 
mal wieder viel zu kleiner Keilrahmen, Stink-Acryl-Farbe, borstenverlierender Billigpinsel, Bad-Reiniger, Klopapier, Nagelbürste, silberner Streu-Koks, Glanzhaarspray, Metallic-Nagellack, Glitterstifte, Zeitungsbilder (Quelle: egal), Kaugummi-Behälter, Wasser, Luft
 
Bildbeschreibung:
 
Dieses Bild mit dem vielsagenden und zugleich wundertollen Titel ‚Sauscheiße‘ ist einfach scheiße wie Sau.
Für dieses verunglückte Kunstwerk wurden gerade einmal 2,5 stunden und 13 Minuten in Anspruch genommen.
Die Künstlerin hat ihre Kreativität damit ausdrücklich zum Ausdruck gebracht und sich damit selbst unübertroffen.
Das Ausmaß der Farbverschwendung war enorm. Der Schreibtisch + Umgebung blieben von Farbe nicht verschont und fordern nun ein Schmerzensgeld in der Höhe von Smarties. Würde die Wohnung in der Nähe zum Zeitpunkt des gemalten Bildes aus Teppich bestehen, wäre ein sofortiger Auszug aus dieser farbenfrohen Umgebung dieser Wohnung unumgänglich. Die Geruchsbelästigung grenzt an Gestank.
Dieses Kunstwerk wurde in unliebevoller Handarbeit gefertigt.
 
Der rotmetallic-farbene brilliant schimmernde Nagellack wurde endlich nach ca. 7 Jahren nutzlosen Daseins seinem ursprünglichen Zweck entfremdet und unwürdevoll in der Form eines verformten Herzens mittig über das Bild gekippt.
Der Nagellack ist inzwischen an und in Leere verstorben, denn dieses Kunstwerk hat seinen letzten Rest verbraucht. Sein Atemfarbzug ist mit diesem künstlerischen Gesamtkunstwerk dahingeschwunden. Sein Inhalt lebt jetzt in einer besseren Welt – auf dem Kunstwerk nämlich.
Auf dem wenig erkennbaren Herzen befindet sich oben rechts ein großer Hauch von silbernen Kunstkoks, der bedauerlicher Weise auf dem Bild gelandet ist. Es war keine Absicht, sondern ein dämliches Missgeschick ungeschickter Bewegungen, was nie hätte passieren dürfen, denn das Zeug ist jetzt fast alle. Und wenn was alle ist, dann ist es alle. Muss man Neues kaufen.
 
Oben links an der linken Ecke des Bildes befinden sich zwei niedliche Frühlings-Schmetterlinge aus Altpapier die dort mit ein wenig durchsichtigen Kleber befestigt wurden. Sie wurden ohne Fühler aus einer Altpapier-Zeitung ausgeschnitten. Die Künstlerin war nicht in der Lage, die süßen und filigranen lebensnotwendigen Fühler mit auszuschneiden. Das stellte sich als sehr große Schwierigkeit heraus, die nur mit Ungeschick überdeckt werden konnte.
 
Die Künstlerin hat es mit ihren vorgeschädigten Dachschaden gedachschafft, den Untergrund des Kunstwerks perfekt zu verschmieren und zu ruinieren. Der Bad-Reiniger kam zum Einsatz, was diesen chaotischen psychotischen Zustand noch um einige Stufen verschlimmerte. Der nach zitronenriechende Badreiniger wurde sanft mit großen Hüben auf das Bild gesprüht und die nicht deckende Acrylfarbe ist in einem unberechenbaren schnellen Tempo von oben nach unten geflossen. Eine helfende und aufsaugende Küchenrolle befand sich nicht in der Nähe, denn sie stand in der Kaufhalle. Sie hätte die Farbe stoppen können. Es kam zu einer folgenschweren Farbüberschwemmung, die sich bis auf den Boden ergoss und wie ein sanfter Sommerregen vom Schreibtisch tropfte.
 
Auf irgendeine unbekannte Art und Weise hat es die Künstlerin aber doch noch auf die Reihe gekriegt, die Farbe auf dem Bild zu verewigen.
[Dank exklusiver Klopapier-Wischtechnik. Schwamm war nicht vorhanden, grüner Duschschwamm hing unbekümmert und unvergewaltigt im Badezimmer, wird noch für andere weitaus wichtigere Zwecke gebraucht.]
Die lila Nilpferd-Nagelbürste hat ihr, also der Künstlerin, dabei liebevoll geholfen und ihr in der schlimmsten Stunde des unvermeidlichen Kunstwerks Gesellschaft geleistet. Das Nilpferd hatte Farbe an seinen borstigen Hufen und ist damit ritsch ratsch über das Bild gesaust. Das Ergebniss konnte sich sehen lassen. Jetzt befinden sich hier und da putzige Bürstenkratzer in allen erdenklichen Farben auf dem Kunstwerk, deren Anordnung sehr bewundernswert ist. Das hat noch kein Künstler in seinem Leben geschafft. Die Farbwahl ist mehr als nur schön. Wunderschön ist kein Wort dafür. Sondern mehr Wunder als schön.
 
Das Kunstwerk steht nun in vollendeter Vollendetkeit und ausgenüchtert hinter dem Kleiderschrank der künstlerischen Künstlerin, so wie alle anderen Bildleichen auch.
Wer er sich angucken will, ist selber dran Schuld. Es könnten zahlreiche gesundheitliche Folgeschäden auftreten, die nur schwer zu behandeln sind.
 
Mögliche Folgen sind u.a. Augenkrebs, Geschmacksverirrung- und verwirrung, Albträume, abgrundtiefe Abgrundstimmung, Wutausbrüche mit Zerstörungswahn, Intoleranz gegenüber fraglicher Kunst etc..
 
Bei Fragen Fragen fragen.

 

 

 

Mein Mann, das Tier

 

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Es ist morgens, mein Mann schläft noch, auf dem Fußboden vor dem Bett. Aber das ist mir egal, ich habe nicht das Bedürfnis, ihn liebevoll aus seinem Tiefschlaf zu reißen. Aber manchmal stehe ich mit dem falschen Bein auf und dann wird er wach, weil er meinen nackten Fuß im Mund hat.
Mein Mann darf gerne lange schlafen, umso weniger muss ich mich mit ihm beschäftigen und der Tag kann sehr lang sein, wenn man jemanden wie ihn an seiner Seite hat. Bedürfnisse habe ich sowieso keine mehr, was ihn betrifft, denn er ist einfach nur da. Nicht mehr und nicht weniger. Er ist da, um ihn zu versorgen, mit Nahrung und Schutz vor Kälte. Ansonsten nehme ich seine Anwesenheit kaum wahr. Es ist, als würde er mir unsichtbar um die Beine schleichen, ohne mich dabei zu berühren und völlig lautlos. Den einzigen Laut, den er von sich gibt ist Schnarchen, alles andere hat er bewusst verlernt, weil ich es so wollte und ihn nebenbei gut erzogen habe. Sein sinnloses Reden und seine ewigen Standardtexte haben mich sehr genervt, deswegen drohte ich ihm mit Fußtritten, wenn er noch einen Ton sagt.
Seitdem ist Ruhe. Seitdem ist schon fast 20 Jahre.

Meine Stube ist seine Hütte, in der er es schön warm hat und jeden Abend sein Futter auf den Tisch kriegt, hübsch angerichtet auf dem hässlichsten Teller, den ich habe. Er legt keinen Wert auf Ästhetik. Ich bereite ihm sein Essen zu, in 10 Minuten. Auf das Verfallsdatum nehme ich keine Rücksicht, er merkt eh keinen Unterschied und sein Magen hält alles aus. Selbst den größten Klumpen Gammelfleisch.

Für ihn sind Wärme und Essen sehr wichtig, mehr braucht er nicht, um glücklich zu sein. Jedenfalls waren das seine letzten Worte vor paar Jahren.
Hauptsache, warm, trocken und Frauchen, was ihm abends sein Essen auf den Tisch knallt, denn es gibt nur eine Mahlzeit am Tag, mehr ist nicht drin. Kein Geld und keine Lust. Mein Mann soll ja nicht zu sehr verwöhnt werden.
Am liebsten mag er das heiße Pfannenfett, welches ich ihm über sein Fleisch gieße, oder schütte. Er ist ein richtiger Allesfresser, mein Mann, welchen ich auch gerne Hund nenne. Viel anders kann man sein Dasein nicht bezeichnen, denn so verhält er sich. Er wird von einer Ecke in die nächste geschubst, wie ein unliebsamer Straßenköter, der völlig nass vom Regen ist. Umgeben von Tritten und Beschimpfungen. Er sitzt unbeachtet in der Wohnung, wenn sich das Leben um ihn herum tummelt. Alle lachen und er winselt in sich hinein, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Tapfer. Mein Mann schaut anderen beim Leben zu und beobachtet aufmerksam. Aber sein Leben ist vergessen. Er lebt einsam in einer Familie.

Hunde brauchen nicht viel und deren Ansprüche lassen sich mit denen meines Mannes am besten vergleichen. Leider ist es so. Mein Mann interessiert sich nur für Essen, Schlafen und Wärme. Wenn er eine Frau braucht, muss er nur den Fernseher anschalten. Ich bin schon lange nicht mehr seine Frau, sondern nur seine Versorgerin, weil er alleine nicht klarkommt. Selbst die Unterhosen muss ich ihm jeden Morgen raussuchen, denn er weiß nicht, wo sein Kleiderschrank ist. Eigentlich kennt er sich überhaupt nicht zu Hause aus.

Aber etwas ist dennoch anders an ihm, als bei richtigen Hunden: Mit dem Schwanz wedeln tut er nicht mehr. Wenn er spielen will, zeigt er das auf eine andere Art. Er leckt mein Gesicht ab, was ich nicht erwidere. Ich ekel mich davor. Wenn er Annäherungsversuche macht, setze ich ihn vor die Tür oder sperre ihn im Wohnzimmer ein. Früher hat er manchmal versucht, sich auf mich zu stürzen, aber damit war schnell Schluss, weil er dann Futterentzug bekam und über Nacht auf die Straße geschickt wurde. Sollte er doch zusehen, wo er blieb und aus leeren Mülltonnen fressen.

Mein Mann..er ist pflegeleicht, ich muss ihn nur einmal in der Woche in die Wanne schicken, meistens freitags, nach dem Gassi-Gehen (Einkaufen). Ich kaufe ein und er wartet im Auto.
Rasieren muss ich ihn nur selten, denn das gefällt ihm nicht. Er fühlt sich wohl, wenn ihm sein Gesicht zuwächst. Mir ist das ganz recht so, denn ich mag nicht so viel Zeit mit ihm verbringen. Es gibt Wichtigeres.

Vor 20 Jahren war alles noch anders, denn so lange kennen wir uns inzwischen.
Da gab es Gefühle, die mir jetzt schon seit Ewigkeiten fremd sind und an die ich mich schlecht erinnere oder mir nicht vorstellen mag, weil es absurd ist. Gerne würde ich mir frühere Photos anschauen, um das alles nachzuvollziehen, wobei ich jedes Mal feststellen muss, dass ich kein einziges Photo von ihm besitze. Dafür hat er einen ganzen Karton voll mit Bildern von mir.

Mittlerweile weiß ich, warum er schon so lange bei mir wohnt.
Mit der Frage verschwendete ich viele meiner wertvollen Gedanken.. Aber es stimmt, es gab mal eine Zeit, in der ich ihn irgendwie mal kurz geliebt habe und er mich auch. Damals waren wir so überwältigt von unseren übertriebenen Gefühlen, dass wir sofort heirateten, war ja auch so üblich. Betteln konnte er schon immer ganz gut, also ließ ich mich von ihn hinreißen. Die Menschen um mich herum setzten mich zusätzlich mit unter Druck, denn wer nicht gleich heiratete, wurde schief angeguckt. Eigentlich blieb uns gar nichts weiter übrig, als die Sache schnell hinter uns zu bringen. Wir heirateten ohne Gäste und ohne Feier, denn wir sahen das als Zeit- und Geldverschwendung an. Uns reichte die Urkunde, wo drauf stand, dass wir nun offiziell den gleichen Nachnamen haben.

Nun sitze ich hier mit ihm fest und bin enttäuscht, von dem, was ich mir ins Haus geholt habe. All meine Wünsche hat er mir verdorben. Er steht mir im Weg, auch, wenn er sofort geht, wenn ich komme. Wir leben aneinander vorbei auf einer 80 qm² Mietwohnung im tristen Plattenbau, wo die bröckelnde Fassade genau unser Eheleben widerspiegelt.
Die Freude und die Gefühle hielten damals nur kurz an, dann war alles weg und kam nie wieder.

Das einzige Gefühl, welches ich noch habe, ist das Gefühl, mich um ihn kümmern zu müssen, dazu bin ich als Frau schon fast verpflichtet. Ich habe ihn durch unsere Heirat sozusagen adoptiert und fest an mich gebunden. Weggeben kann ich ihn nicht mehr, dazu fehlt mir das Geld. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass er ein neues Frauchen findet, was ihn gern hat. Niemand würde ihn haben wollen. Nur ich damals, weil ich gerade meine Tage hatte und völlig durcheinander war, was Gefühle anging.

Irgendwie tut er mir Leid. Deswegen bleibt er jetzt bei mir, ich muss ja nicht viel dafür tun, damit es ihm gut geht und eigentlich kostet er weniger Geld, als ein echter Hund. Das teure Markenfutter kann sich eh keiner leisten und Tierarzt ist auch teuer. Da habe ich es mit meinem Mann schon leichter, denn er hasst Ärzte und beim Essen stellt er keine Ansprüche, oder kann auch mal verzichten.
Nicht mal Streicheleinheiten braucht er, von denen hat er am Anfang ja genug bekommen. Ihm reicht seine Kuscheldecke, unter der er seinen täglichen Mittagsschlaf hält, die gibt ihm Wärme und paar von meinen langen Haaren hängen auch dran, dann hat er auch etwas Nähe von mir.

Aber manchmal gibt es Momente, da brauche ich meinen Mann doch und rufe ihn mit einem Appell herbei, bei Befehlen wird er hellhörig. Daraufhin kommt er sofort und steht fast hechelnd vor mir, denn er macht gerne etwas für mich, weil er dann ein bisschen Aufmerksamkeit von mir bekommt und vielleicht noch ein kleines Leckerli, im Sinne von Zigaretten oder Kaffee. Je mehr Zigaretten ich ihm gebe, umso schneller kann ich ihn durch einen neuen Hund ersetzen, den ich dann vielleicht länger lieben kann. Wenn es meinem Mann schlechter gehen sollte, werde ich ihn ins Tierheim bringen, dort gibt es gute Pfleger, die mehr Ahnung haben und besser mit ihm umgehen, wenn sein Leben langsam ein Ende nimmt. Ich möchte meinem Mann im hohen Alter einfach nicht mehr belasten.
Vielleicht kriegt er dort auch eine schöne Couch, denn unsere hat er über die Jahre schon ganz schön derb zugerichtet mit seinem Übergewicht und seinem Geklecker. Unsere Couch ist genauso alt wie er.
Und vernünftig essen, ohne, dass etwas daneben geht, konnte er noch nie.

Letztendlich gibt es nur eine Sache, für die ich meinen Mann einmal im Leben brauchte.. Kindermachen. Ohne ihn hätte das nicht geklappt. Damals wollte mein Mann viele Kinder machen, aber ich wollte nur eins. Da war er traurig.
Danach ließ ich meinen Mann kastrieren, damit er nicht mehr auf dumme Gedanken kommt und mich nicht ständig anspringt. Jetzt ist er lieb, so ganz ohne Hormone. Das gefällt mir und alle beneiden mich um mein harmonisches Leben mit meinem Mann, der zugleich mein Hund ist. Der alles macht, was ich ihm sage und der an Ort und Stelle ist, wenn ich ihn brauche. Jemand, der lebt, ohne zu geben (Ausnahme: Kind) und nicht viel nimmt, um zufrieden zu sein. Ich kann machen was ich will und er nimmt es so hin. Widersprechen ausgeschlossen, weil er gut erzogen ist. Dafür ist mein Mann aber ein guter Zuhörer. Wenn ich abends Besuch kriege, steht er an der Schlafzimmertür und lauscht. Am nächsten Morgen stellt er sich ans Fenster, springt raus und hängt sich dem fremden Besucher an die Fersen.
Das passierte einige Male. Bis die Polizei kam und ihn abführte. Ich fragte nicht, wohin.
Auf Wiedersehen, treuer Weggefährte.

Letztens an der Ampel – ich sehe rot neben meinem Ex

 

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Es war Anfang Dezember und somit Zeit, dem Weihnachtsmarkt einen Besuch abzustatten. Meine Mädels und ich hatten diesen Termin schon vor einer Woche vereinbart und nun war es soweit. Ich freute mich. Obwohl ich wusste, dass meine Freundinnen erst bisschen später am Treffpunkt ankommen würden, fuhr ich mit meinem Rad los. Überpünktlich wie immer. Aber was sollte ich alleine zu Hause herumsitzen. Warten konnte ich auch draußen in der Gesellschaft fremder Menschen.

Also zog ich mir meine dicke grüne Winterjacke an, schwarze Handschuhe und eine warme lila Wollmütze über den Kopf. Dazu Stiefel, in denen ich jetzt schon kalte Füße hatte.
Und auch meine schwarze Hose bestand nur aus dünnem Stoff, der kühl auf der Haut lag. Aber alles egal. Hauptsache, ich sah gut aus. Man weiß nie, was noch passiert.
Danach holte ich mein Fahrrad aus dem Keller und machte mich langsam auf dem Weg. Schließlich hatte ich ca. eine halbe Stunde Fahrtweg vor mir, dachte ich.
Ich fuhr gelassen mit dem Rad den üblichen Weg. Natürlich waren wieder alle Ampeln auf rot, an denen ich vorbeikam. Die Straßenbahn kam auch überall dazwischen.
Gerade, als ich wieder freie Fahrt hatte, erspähte ich eine Person aus dem linken Augenwinkel heraus. Ich sah zwar nur seine Umrisse von hinten, aber erkannte sofort, dass es mein Ex war. Er trug eine bunte Jacke und eine schwarze Hose, die ich noch von damals kannte.
Er muss gerade aus der Straßenbahn gekommen sein. Damit fuhr er täglich zur Arbeit, so viel ich wusste. Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich weiter geradeaus fahre oder ob ich mich dreist zu ihm an die rote Ampel stelle. Ganz unbemerkt natürlich.
Innerhalb einer Sekunde wusste ich, was zu tun ist. Ich war aufgeregt und mein Herz sprang wie verrückt.
Mein Weg würde nun an ihm vorbeiführen. Aber bevor ich bei ihm war, musste ich noch wieder an einer roten Ampel warten. Ich hoffte, dass das Timing stimmte und seine Ampel nicht eher grün werden würde als meine. Mein Körper schüttete so viel Adrenalin aus, dass ich zitterte. Trotzdem blieb ich brav an der roten Ampel stehen, obwohl keine Gefahr zu sehen war. Als sie auf grün umschaltete, sprang ich sofort wie eine Wilde auf meinen Sattel, wobei sich die Kabel meiner Ohrstöpsel an den Drähten des Fahrradkorbes verhedderten. Das passierte mir öfters mal. Ein Handgriff genügte, um mich wieder zu befreien.
Mein Ex bekam davon nichts mehr mit, als ich auf einmal neben ihm bremste und zum Stehen kam.
Ich wusste, dass er es ist. Aber ich schaute nicht zur Seite, sondern stur geradeaus zur Ampel. Er stand genau links neben mir und vielleicht ein Stückchen dahinter. Jetzt war ich ihm so nah wie schon lange nicht mehr. Und dennoch wollte ich ihm nicht in die Augen schauen. Das hätte mir wohl den Tag verdorben. Hätte er keine Freundin, wäre die Begegnung sicher anders verlaufen. Aber: Er hat eine Freundin, immer noch. Mein Ex und ich haben zwar Kontakt per SMS, aber er hat eine Freundin. Und die ist mir ein Dorn im Auge. Denn zwischen meinem Ex und mir funkt es immer noch, irgendwie. Aber er kapiert nichts.
Wie dem auch sei. Nun stand er neben mir. Ob er mich erkannte und mich beobachtete? Dass ich eine grüne Jacke hatte, wusste er schließlich von dem Foto, welches ich ihm letztens schickte.
Ich stand mit ihm an der Ampel und zitterte mir einen ab. Kalt war mir nicht. Die Ampel war gefühlte Ewigkeiten auf rot. So gerne hatte ich noch nie an einer roten Ampel gewartet. Ich genoss es richtig, diese Nähe ohne Worte und seine heimlichen Blicke. Erst dachte ich noch, ich spreche ihn an. Aber dann dachte ich, das wäre nicht der richtige Moment. Lieber erst abwarten, was in den nächsten Wochen noch so passiert. Es wäre zu plump gewesen, ihn einfach so überraschend anzuquatschen mit all diesen Standardsprüchen. Für ihn müsste mir ein ganz besonderer Spruch einfallen, den ich gerade nicht auf Lager hatte. Also blieb es bei einem sprachlosen Treffen. Hoffentlich hatte ich einen guten Eindruck bei ihm hinterlassen, mit meiner glamourösen Erscheinung, bei all dem Glitzer an meinem Körper (Handschuhe, Mütze, Tasche).
Nach einer Weile ging die Ampel auf grün und ich fuhr mit vollem Elan weiter auf meinem Fahrrad. Ohne mich umzudrehen, ganz lässig mit der linken Hand in meiner Jackentasche. Auf und davon.
Wahrscheinlich war es richtig, viel zu früh losgefahren zu sein. Dieses ungewollte Treffen ließ mir für den Rest des Tages keine Ruhe.
Nach 15 Minuten war ich am vereinbarten Treffpunkt. Alleine.
Als ich auf mein Handy schaute, sah ich eine Nachricht: Bist du eben mit dem Rad an mir vorbeigefahren?
Ich antwortete erst Stunden später.

Sehnsucht

 

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Ich sitze fast wie erstarrt und still in meinem Zimmer. Es ist Abend und ich bin allein. Das einzige Geräusch ist der Regen, der gegen das Fenster schlägt. Mein Blick fällt auf einen großen Stapel Zeitungen, die in meinem Schrank ungeordnet aufeinander liegen. Wenn ich auf das Datum schaue, überkommen mich Wehmut und Sehnsucht. Die Zeitungen sind alt. Aber wenn ich darin blättere, könnten sie von heute sein. Jedes Bild ist mir bekannt, kein Text ungelesen.

Das Zimmer ist auf einmal gefüllt mit Melancholie und gemischten Gefühlen. Gefühle von heutigem Zweifel und früherer Vorfreude, sowie Glück. Es gab Zeiten, in denen alles perfekt schien. Diese Zeiten liegen heute in Scherben in der Vergangenheit und existieren nur noch in dunkler Erinnerung.

Wird es diese Zeiten je wieder geben – zwar in anderer Form, aber vielleicht ähnlich? Ich werde nachdenklich. Schwer, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Nichts wird wieder so, wie es einmal war. Veränderungen kommen, bleiben und gehen. Nie wieder wird Vorfreude so sein, wie sie einst war, die Enttäuschungen der Zeit hat sie vertrieben.

Und wo ist die Unbeschwertheit, die mich stets begleitet hat? Auch sie hat sich im Laufe der Erfahrungen schleichend verabschiedet.
Draußen ist es nass, kalt und bunt. Der Herbst steht vor der Tür. Die Jahreszeit, die trüben Gefühlen die Tür öffnet und sie traurig begrüßt. Ich bin gerne alleine und genieße es, mich in meiner Sehnsucht nach dem Vergangenen zu suhlen und alte Jahre wieder aufleben zu lassen.

Eine einzige Kerze brennt nur noch, die anderen sind bereits abgebrannt. Um mich herum ist es halbdunkel, aber warm.
Meine Gedanken wechseln zwischen gestern, heute und morgen. Alles ist möglich. Nur ich entscheide, in welcher Realität ich leben möchte und was ich will.

Meine Entscheidung ist: Loslassen und mit einem Lächeln durch den Regen und durch die Pfützen zu springen. Durch das Herbstlaub zu rascheln und mit dem Moment eins zu sein.
Die Kerze erlischt mit einem Hauch, das Zimmer wird dunkel. In mir kehrt Frieden ein, Zweifel verschwinden in der Dunkelheit und verstecken sich. Es liegt an mir, ob ich sie morgen suchen möchte, um sie dann erneut in mein Leben zu holen.

Ich werde müde und schaue im silbernen Mondlicht an die runde verzierte Deckenlampe meiner Oma. Draußen bellt ein Hund in der Nacht, während ich in dem alten Gästebett liege und auf meine Eltern warte, die noch spät in der Küche sitzen und sich mit meinen Großeltern über alte Zeiten unterhalten.

Ich wünschte, die Zeit würde stillstehen oder wiederkommen. Oder wird es eine andere, neue Zeit geben, die dieser ähnelt? Läuft das Leben nicht in einer Endlosschleife, in der sich alles nach einer Weile ähnlich wiederholt?
Der Gedanke lässt mich hoffen und ich werde müde.

 

Schwarz-weiße Schmetterlinge

Es ist Sonntag.
Ein Sonntag, wie kein anderer.
Ich sitze einsam am Strand, feiner Nieselregen fällt auf mich herab.
Doch ich spüre nichts.
Eine eisige Kälte umhüllt mich, wo einst nur Wärme war.
Mein Körper – abgemagert und blass – Spiegelbild meiner Seele.
Mit leerem Blick starre ich auf die Wellen, die bedrohlich und dunkel auf mich zurollen.
Keine Menschenseele am Strand, nur ich alleine mit mir und dem Regen.
Das Gefühl, für Raum und Zeit – verschwunden.
Ich spüre nichts.
Keinen Schmerz, keine Freude.
Es regnet stärker.
Es ist mir egal.

In meinem Kopf lauter Bilder, die wie ein Film nacheinander ablaufen.
Emotionen, die wieder aufleben wollen. Sie drängen sich in mir auf.
Ein Bilderbuch mit vielen schönen Worten.
Und ein Stück Hoffnung.
Die Kälte um und in mir wird eisiger.
Von Wärme längst keine Spur mehr.
Es ist kaum auszuhalten.
Starke Gefühle von Machtlosigkeit.

Eine Träne fließt langsam über mein Gesicht.
Weitere Tränen folgen.
Alles bricht aus mir heraus.
Ich sitze immer noch alleine am Strand.
Inzwischen regnet es in Strömen.
Doch ich nehme es kaum wahr.
Weil ich es verdient habe.
Ich bin mir sicher.

Abends fahre ich nach Hause.
Völlig leer und nass vom Regen.
Apathisch schaue ich aus dem Fenster.
Jede Kurve könnte die letzte sein.
Mir ist es egal.
Wieder viele Bilder in meinem Kopf.
Und die Frage nach dem Warum.
Eine Beleidigung zu viel.
Nach all den netten Worten.
Eine Beleidigung zu viel.
Und alles ist vergessen.
Es geht mir schlecht.
Meine Seele ist verletzt.
Mein Körper auch.

Ein Haufen schwarz weißer Schmetterlinge.
Sie haben ihre Farbe verloren.
Denn ihr Leben ist aus ihnen gewichen.
Sie haben keine Kraft mehr zu flattern.
Denn ihre Flügel sind gebrochen.
Langsam finden sie ihren Tod.
Der Wind fegt sie fort.
Es ist, als hätten sie nie existiert.
Erinnerungen an schöne Zeiten verblassen.
Hoffnung gibt es nicht.
Die Frage nach dem warum, sie wird bleiben.

Ich wünschte, Schmetterlinge leben.

 

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Pizza und unbefriedigter Hunger

Seitdem meine Nahrungszubereitung nicht mehr nur auf zwei nostalgisch primitive Kochplatten beschränkt ist, habe ich oft Heißhunger auf Pizza.
Die alten Kochplatten gaben kurz vor Weihnachten ihren Geist auf, nachdem ich sie ausgiebig mit Reinigungsschaum geputzt habe. Ein akuter Kurzschluss folgte, der kurzzeitig auch meinen Kühlschrank außer Gefecht setzte und eine bescheidene Koch-Ära ging zu Ende.
Der Verlust der Platten ließ sich gut verkraften und schneller Ersatz durch einen hochmodernen Minibackofen kam wenige Tage später per Lieferung ins Haus. Dieser stand nun stolz auf einem Schrank in meiner Küche und hatte sämtliches Zubehör, welches ich sicher nie nutzen würde. Den Verwendungszweck konnte ich teilweise nicht mal identifizieren.
Ich muss zugeben, ich bin ein Kochmuffel. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich nicht kochen kann. Aber: Ich habe keine Lust. Deswegen genügt mir der Minibackofen völlig.
Von da an änderte sich auch mein Leben und neue Türen in Form von Möglichkeiten öffneten sich.
Schon beim ersten Einkauf führte mich mein Weg direkt zu den Tiefkühltruhen, die ich vorher so gut wie gar nicht wahrnahm. Es war verlockend. Ich wusste gleich, was ich wollte: Pizza.
Als Vegetarier bereitet die Entscheidung zum Glück nicht allzu viel Probleme und es dauert nicht lange, bis man seine Tomaten-Mozzarella-Pizza gefunden hat. Bei all der Auswahl war ich froh, Vegetarier zu sein, wie hätte ich mich sonst entscheiden sollen? Da hätte das Nachdenken länger gedauert, als der Verzehr an sich.
Ich nahm die Pizza gleich im Dreierpack mit und verstaute sie in meinem kleinen Tiefkühlfach. Ja, auch dort lege ich nicht so viel Wert auf Größe.
Die drei Pizzen habe ich innerhalb einer Woche aufgegessen. Jeden zweiten Tag eine. Immer nachmittags genau um die selbe Zeit, während im TV meine aktuelle Lieblingssendung lief. Irgendwie entwickelte sich in der Woche ein kleines Ritual daraus. Und endlich kam auch mein Pizza-Cutter zum Einsatz, der ewig in meiner Schublade schlummerte.
Normalerweise bevorzuge ich Ruhe beim Essen. Aber manchmal bestätigen auch bei mir Ausnahmen die Regel. TV gucken und essen – kann das gut gehen? Ich wollte es wissen.
Beim Essen konzentrierte ich mich natürlich trotzdem auf den Geschmack, die Optik und auf den Genuss. Zudem habe ich die Pizza noch mit getrockneten Pasta-Kräutern aus dem Glas verfeinert. Das gab der Pizza mehr Aroma und Intensität.
Am Ende muss ich jedoch zugeben, dass die Pizza nur kurzen Anlass zur Freude gab.
Während des Essens war noch alles in Ordnung und ich zählte nach jedem Bissen, wie viele Pizza-Stücke noch übrig waren. Manchmal wünschte ich, ich könnte wie mein Papa in Zeitlupe essen.
Ich bemühe mich immer sehr, langsam zu essen. Aber auch dann ist nach knapp fünf Minuten schon wieder alles vorbei und sorgt für leichte Traurigkeit. Und Sehnsucht.
Danach war es, als hätte ich gar nichts gegessen und mein Magen fühlte sich leer an.
Es war jedes Mal ein unbefriedigendes Erlebnis. Schon lange hat mich keine Pizza mehr satt gemacht. Manchmal überlege ich sogar, noch eine Pizza in den Ofen zu schieben. Mein Gewissen sagt mir dann aber, dass ich die Kalorien sparen soll, weil es auch dann gefühlsmäßig nicht anders wäre. Vielleicht sollte ich lieber auf Vollkornpizza umsteigen.
Jetzt verstehe ich zumindest den Werbe-Slogan: Ich will noch ’ne Pizza!
Ich habe Hunger.

Mädel, du hast eine Winterdepression

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Dabei haben wir momentan gar keinen richtigen Winter, sondern eher einen kalten Frühling.
Trotzdem ändert das nichts an meinem derzeitigen Gemütszustand.
Ich könnte bei dem Wetter täglich Sport machen, wie sonst auch.
Aber ich finde jeden Tag einen anderen überzeugenden Grund, es nicht zu tun.

Irgendwie habe ich das neue Jahr noch nicht verinnerlicht.
2014? Nein.
Ich fühle mich, als wurde ich vom alten ins neue Jahr geschleudert, ohne es gewollt zu haben. Seitdem empfinde ich alles, was ich tue, als komisch. Dabei sind es genau die Dinge, die ich sonst auch getan habe und viel Spaß daran hatte. Eine Erfüllung in den Dingen sah, die ich täglich mit großem Eifer tue. Aber nun werde ich von der Farbe schwarz umhüllt. Geschmückt mit einzelnen Glitzerpailletten.

Auch geht mir diese ewige Dunkelheit inzwischen völlig auf die Nerven. Ich weiß gar nicht, wie die Leute das in Finnland aushalten. Wahrscheinlich genauso wenig, weswegen die Selbstmordrate entsprechend hoch ist.
Eine Weile ist es schön, wenn es früh dunkel wird, man seine Fensterbeleuchtung anschmeißt und zu Hause überall Duft-Kerzen anzündet. Nun sind alle übrigen Kerzen abgebrannt, die Düfte verflogen und ich vermisse die Sonne.

Dennoch bessert sich meine Stimmung im Laufe des Abends und ich komme in Hochform, werde aktiv bis spät in die Nacht. Bis ich dann irgendwann einschlafe und gegen Mittag wieder matschig aufwache. Gar keine Lust, aufzustehen. Manchmal denke ich, ich könnte den ganzen Tag schlafen oder halbwach im Bett liegen bleiben.
Bis meine innere Stimme mir zuflüstert: „Lass‘ dich nicht gehen! Das Bett ist keine Lösung!“

Also stehe ich unmotiviert auf, füttere meine hungrige Katze und gehe schwermütig ins Bad.
Der erste Blick in den Spiegel ist vernichtend. Auf einmal habe ich an meinem ganzen Gesicht etwas auszusetzen. Bin unzufrieden, mit mir, meinem Körper und meinem Leben. Momentan kann ich es mir selber überhaupt nicht recht machen, obwohl ich im Normalzustand von meinem Leben schwärme oder es zumindest echt toll finde.

Beim Schminken versuche ich dann das Beste aus meinem Gesicht herauszuholen.
Bis mein Blick auf meine Haare fällt. Der nächste Schock folgt. Es kommen Fragen auf:
Ist das die richtige Frisur? Die passende Haarfarbe? Wie kann ich mich verändern?
Auch nachdem ich mir etliche Trendfrisurenmagazine angesehen habe, finde ich keine Antwort. Die Frauen darin sehen alle viel hübscher aus. Blah blah blah.

Also was mache ich nun? Genau, in die Küche gehen und mir etwas zu essen machen.
Natürlich nichts Gesundes. Schließlich habe ich Heißhunger auf alles, was süß ist und genug Fett hat. Auch das nervt mich gerade sehr. Ich bin gar nicht der Typ, der sich den ganzen Tag mit Essen beschäftigt.
Nach dem Essen bin ich dann genauso launisch wie davor. Diese Laune zieht sich dann in Höhen und Tiefen über den Tag.

Ich bin innerlich angespannt, spiele nervös mit meinen Fingern herum und denke auf meiner Couch intensiv über die Zukunft nach.
Eigentlich habe ich einen super Job. Aber eigentlich könnte ich auch etwas ganz anderes machen, was mehr zu mir passt. Unentschlossenheit.
Ja, solche Gedanken gehen mir durch den Kopf. Sie kommen und sie verschwinden. Am nächsten Tag kommen viele neue Gedanken, die bald wieder vergessen sind.

Es ist schlimm, sein inneres Gleichgewicht zu verlieren. Man fühlt sich elendig krank, gespickt mit Minderwertigkeitskomplexen.
Aber nach jedem Tief folgt ein Hoch.
Einen Joker habe ich noch: Ich bin ein Optimist, der auf der Flucht vor dem Pessimismus ist.

Ego-Craving

Kennst du das?
Du liegst nächtelang wach im Bett, obwohl du müde bist.
Stunden später wachst du auf und weißt nicht, warum.
Und vor allem wofür?
Deine Augen schließen sich wieder.
Ein traumloser Schlaf folgt.

Du bist auf der Flucht vor dir selber.
Mit der Hoffnung, irgendwo anders Erfüllung zu finden.
Bist du dort angelangt, bist du wieder auf der Suche.
Ohne jemals Erfolg zu haben.
Diese Suche wird nie beendet sein.

Dein Kopf wird geflutet von Ideen, doch niemand will sie haben.
Es gibt zu viele. Zu viele Ideen und zu viele Menschen.
Dabei sind Ideen dein Leben. Deine Kraft.
Ein Leben, das du nicht teilen kannst.
Eine Kraft, die du für nichts anderes aufbringen kannst.
Dein Leben ist für manche unsichtbar, für dich ist es dein Mittelpunkt.

Du strebst nach dem Unerreichbarem, siehst darin einen Ansporn.
Hast du etwas erreicht, ist es nichts Besonderes mehr.
Ziele verlieren ihren Wert, sobald du sie erreichst.
Deine Zufriedenheit löst sich auf.
Dein Glück ist nicht beständig.
Unmut bedrängt dich.

Du hast Hunger, doch du wirst nicht satt.
Eine ewige Sehnsucht durchzieht deinen Körper und deine Seele.
Befriedigung findest du nur für einen kurzen Moment.
Danach ist alles nichtig.
Alles, was du gewinnst, ist schon halb verloren.
Das Leben ist Risiko und keine Insel der Sicherheit.
Nichts ist für immer.

Dein Werkzeug ist dein Herz, nicht dein Verstand.
Doch was tust du, wenn dein Herz kaputt ist?
Der Motor deines Handelns, deines Daseins.
Was wird dich lenken? Was wird dich treiben?
Es sind die Impulse, die dir den Weg weisen.
Die Intuition ist dein Fahrschein zurück ins Leben.
Folge ihr.

Eine Ballade an den Keks

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Auf meinem Tisch, da liegst nur du
Noch ahnst du nicht, was ich gleich mit dir tu‘.
Alles scheint dir so wie immer
Doch auf der Erde bist du bald nimmer.
Du bist so klein, so krümelig fein
Findest es toll, ein süßer Keks zu sein.
Bedeckt mit vielen samtigen Schockoflocken
So lässt du schnell an dich locken.
Es wird immer später,
Und über dir lauert der hungrige Täter.
Ein unheimliches Knurren erfüllt den Raum,
Du denkst, Oh mein Gott, was ist das – hoffentlich nur ein Traum!
Du kleiner Keks, da hockst du nun,
Ganz unruhig, kannst nicht ruh’n.
Deine Freunde sind schon alle tot,
Verschlungen in großer Not.
Bald wirst du sie alle wiederseh’n,
Nur werden bis dahin einige Stunden vergeh’n.
Dir gefiel dein Leben als kleiner Keks,
Möchtest dich nicht hergeben, keineswegs.
Würdest am liebsten weghüpfen,
Schnell in ein sicheres Versteck schlüpfen.
Doch bald ist es zu spät,
Dein Alptraum wird harte Realität.
Ein Gesicht – ein Mund nähert sich,
Nun ist es gleich aus für dich.
Du schließst deine kleinen Krümelaugen,
Bevor weiche Lippen sich an dich saugen, dir deinen pfeffrigen Atem rauben.
Das war dein Leben, schön und kurz –
Aber so ist es eben, noch bleibt es einen Moment an des Täters Zähnen kleben.