Momente

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…Und dann kam auf einmal mein Kater in einem rasanten Tempo mit fluoreszierenden Augen um die Ecke geschossen, während ich den grünen Tannenzweig in der linken und die Kamera in der rechten Hand hielt. Und machte diese spektakuläre Momentaufnahme einer einmaligen Begegnung in meiner Küche.
Kurz bevor der Tannenzweig vor den gierigen Augen meines Katers in den Tiefen der Mülltonne verschwand.
Unzernadelt.

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Frisör? – Nein, danke. Mach‘ ich selber.

 

 

 

 

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Mal wieder einer dieser Tage: Ich schaue kritisch in den Spiegel, sehe meine Haare und denke:  Oh mein Gott, was für ein wildes Gestrüpp.
Dann kommen meine Hände nervös hinzu und versuchen, durch gezieltes Zupfen die gefrizzten Spitzen wieder in Form zu kleben und den Haardefekt zu kaschieren.
Mit Hilfe von speziellen und überteuerten Szene-Stylingprodukten ist dies sogar gut möglich, wenn man an die Wirkung der Werbung glaubt und sich einbildet, dass diese Produkte einem den Frisörbesuch lebenslang ersparen und die Haare wieder gesund bis in die Spitzen reparieren. Natürlich mit extra Glanz als Finish nach einer langen feinmotorischen Fingerfertigkeits-Prozedur.
Mit viel Übung hält die Geduld das auch aus.

Ich muss zugeben, dass ich es noch nie leiden konnte, zum Frisör zu gehen und als Kind anfing zu weinen, sobald ich auf diesem kalten Lederstuhl mit den Armlehnen aus Metall saß und den Kopf nach hinten überstreckt ins Waschbecken halten musste. Horror.
Die Duschbrause hat mir beim Haarewaschen immer den Rest gegeben. Das ist auch der Grund für meine Angst vorm Frisör. Ich bin wasserscheu und ertrage keine Nasswäsche durch fremde Leute, deren Handlungen ich nicht kontrollieren kann.

Aber heute gibt es auch genug andere Gründe, nicht zum Frisör zu gehen. Zumal man sich vorher immer gründlich überlegen sollte, ob man eine Veränderung überhaupt nötig hat oder ob man mit dieser Veränderung nicht zeitweise sogar sein Leben zerstört, wenn man dann optisch nicht mehr den Vorlieben seines ‚Lieblings‘ entspricht. Die Länge der Haare entscheidet dann vorübergehend über Nähe und Distanz eines Paares. Klingt genauso oberflächlich, wie es auch ist.
Von daher kann man zumindest als Single nichts falsch machen und darf sich auf dem Kopf uneingeschränkt austoben.

Mich persönlich stört einiges an Frisörbesuchen.
Das fängt schon bei der Terminvereinbarung an – Termine = Druck und Unflexibilität. Ein roter Tag im Kalender.
Erscheint man dann zum Termin geht es weiter mit netten, aber erzwungenen Small-Talk-Gesprächen = Eindringen in die Intimssphäre und gespieltes Interesse.
Dazu dieses lange Stillsitzen, während fremde Leute mit ihren spitzen Fingernägeln in meinen Haaren herumwühlen und sich ständig mit ihrer Schere in meinen Ohrringen verhaken, was trotz Entschuldigung mehrmals passiert.
Hat man einen schlechten Tag erwischt, ist die starre Selbstbeobachtung des Spiegelbilds auch eine sehr schwere Herausforderung, da man den eigenen Blicken nicht ausweichen darf, damit der Frisör einem nicht auch noch ins Gesicht schneidet.
Am Ende des Frisörbesuchs wird erwartet, dass das frisch erschaffene Haarwerk bezahlt wird. Bestenfalls mit einer Hand voll Trinkgeld obendrauf. Ganz egal, ob die Frisur gelungen ist oder nicht. Fest steht, so richtig zufrieden ist man doch nie.
Das Model mit der gleichen Frisur sieht auf der Vorlage immer besser aus, als die Frau, die sich danach skeptisch im Spiegel betrachtet. In diesem Fall ich.

Nachdem ich mir paar Gedanken über meinen Kopf machte und mir etliche trendige Frisurenzeitungen angeschaut habe, um zu sehen, was haartechnisch alles möglich wäre, beschloss ich, dass erstmal alles so bleibt, wie es ist. Denn man sollte keine Veränderung überstürzen, wenn man noch nicht bereit dazu ist und gerade seine Tage hat.
Dennoch handelte ich nur wenige Minuten später spontan, griff zur Küchenschere und folgte meinem Gefühl…

Jeder kann sein eigener Frisör sein, denn die machen schließlich auch nichts anderes als Schneiden.
Just do it yourself!

Gefühlsschabracke

 

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Manchmal sitze ich entspannt auf meiner Couch und denke darüber nach, was ich will. Eigentlich weiß ich, was ich will. Nur manchmal bin ich mir da nicht mehr so sicher. Gerade dann, wenn meine Hormone alle total verrückt spielen und meine Neugier in die Höhe treiben. Die Neugier vor dem Unbekannten, um es mal übertrieben auszudrücken, da ich nichts kenne, was mir nicht bekannt ist. Im Klartext: Meine Gedanken drehen sich gerade um Männer, die doppelt so alt sind wie ich und meine Vernunft gnadenlos ausschalten.

 

Auf einmal kann ich mich zwischen ‚jung‘ und ‚alt‘ nicht mehr entscheiden und fange an, die einzelnen Pros und Contras miteinander abzugleichen.
Wobei ‚alt‘ mit der Höchstpunktzahl gewinnt und scheinbar weniger Nachteile hat, als jung.

 

40+: Sie stehen mitten im Leben, wissen, wer/was/wie/wo sie sind und was sie wollen. Kurz: Sie haben einen gefestigten Charakter und sind nicht mehr auf der Suche nach ihrer wahren Identität. Hoffe ich zumindest, denn natürlich kann alles auch ganz anders sein.  
Vor allem aber lassen die Männer der reiferen Liga den einst verborgenen Vaterkomplex wachwerden.
Und anders herum deren leicht pädophile Neigungen oder netter ausgedrückt: väterlicher Beschützerinstinkt. (Womit ich bei diesen Gedanken den Bogen der Provokation sicher schon überspannt habe.)
Endergebnis: Geborgenheit und Wärme.

 

20+: Sie stehen noch am Anfang ihrer Identitäts-Metamorphose und sind auf der Suche nach dem, was ihnen eventuell gefallen könnte und was sie sich vielleicht wünschen. Sind sich aber in ihren Entscheidungen noch nicht sicher, was zu mehr oder weniger ausgeprägten Meinungsschwankungen führt und verwickeln sich damit in Widersprüchen, von denen sie selber nichts merken und kaum bereit sind für klärende Diskussionen.
Endergebnis: Streit und Stress.

 

Ja, alles bisschen schwierig.
Hin- und hergerissen zwischen oberflächlichen Schubladendenken, traditionellen Klischees und erträumten Traummännern.
Sich zwischen zwei Altersgenerationen zu entscheiden, ist schon eine echte Herausforderung, wenn man selber noch zu den Mittzwanzigern gehört.
Entscheide ich mich jetzt für das Neue und Spannende oder bleibe ich meinen Altersgenossen treu? 
Diese Männer kann man eher als Wundertüten bezeichnen – überraschend, aber auch enttäuschend. Sie behaupten, sie wissen, was sie wollen, aber verwickeln sich währenddessen schon in Widersprüchen, ohne es zu merken.
Sie sagen, sie wären selbstbewusst, aber sind eifersüchtig ohne Ende. Widerspruch.
Klar haben sie auch ihre Reize, aber das Kind kommt immer noch zum Vorschein. Gerade dann, wenn es ungünstig ist.

 

Wie dem auch sei.
Mir kann’s egal sein, da ich mich gerade nicht zwischen zwei verschiedenen Männer-Generationen entscheiden muss, sondern nur mit dem naiv verträumten ‚Was-wäre-wenn-Gedanken‘ spiele.
Entschieden habe ich mich schließlich schon lange.