Hallo, wer bin ich?

Alles ist nicht genug.

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Ich wache ein paar Minuten vor dem Weckerklingeln auf. Es ist 6:40 Uhr, um 7 sollte der Wecker klingeln. Ich denke über den Traum von eben nach. Es ging um ein Kriegs-U-Boot, das zuletzt von Fischen aufgefressen wurde. So, als würde es aus Plankton bestehen. Was für ein Quatsch..?!

Mehrere Minuten liege ich völlig verdutzt im Bett und google nach, was ein U-Boot im Traum bedeutet. Angeblich befinde ich mich gerade auf einer Reise in mein Inneres und will mich selbst erkunden. Das könnte tatsächlich stimmen, denn ich wollte heute zum Arzt gehen, weil irgendetwas in mir komisch ist, obwohl ich die Antwort eigentlich schon kenne. Aber diesmal fühlt es sich besonders komisch an. Wahrscheinlich dauert dieser Zustand nur wenige Stunden, aber trotzdem. Ich bin aufgeregt und habe deswegen nachts kaum geschlafen, bevor ich die Unterwasserwelt erkundet habe. Warum ich aufgeregt bin, weiß ich jedoch nicht. Es gibt keinen bestimmten Grund. Zumindest keinen Grund, der normale Menschen beunruhigen würde.

Mein Zimmer hängt voll mit Wäsche, die an den offenen Schranktüren trocknet und zwei bunte Lichterketten sind an. Eine mit Tannenbäumen und eine mit glitzernden Schneeflocken. Ausmachen wollte ich sie nicht, obwohl es zum Schlafen sicher besser gewesen wäre. Aber ich wollte es einfach nicht. Die Zeit der bunten Lichter geht so schnell wieder vorbei.

Eigentlich möchte ich überhaupt nicht zum Arzt gehen, wenn ich daran denke, wie voll das Wartezimmer ist und wie viele Stunden ich jedes Mal warten muss. Zeit genug, um darüber nachzudenken, was ich sagen werde, denn das fällt mir jedes Mal schwer. Weil es keinen Ausdruck für das gibt, was in mir vorgeht. Vor allem, weil es sich nur um Momente handelt. Genauer gesagt: Kurzschlussmomente. Meist gehe ich nur zum Arzt, wenn ich richtig krank bin. Aber diesmal bin ich nicht richtig krank. Also nicht körperlich krank. Nicht so wie die anderen Patienten um mich herum, die es viel nötiger haben, weil deren Leben wirklich in Gefahr ist. Manchmal würde ich tatsächlich gerne mit ihnen tauschen. Ich weiß nicht, warum. Aber ich denke, dass deren Leben besser ist.

Gegen 7 Uhr stehe ich auf und ziehe mich an. Mehr tue ich nicht, weil ich keine Lust habe, mich zu schminken und gerade denke, dass sowieso alles total scheiße ist, obwohl gar nichts passiert ist, um solche Gedanken in meinem Kopf zu haben. Wenn ich mich schminken würde, würde der Arzt außerdem denken, dass es mir doch gar nicht so schlecht geht. Ich kämme mir nur die Haare und das war’s. Dennoch stehen sie zu allen Seiten ab, weil das immer so ist. Ich stehe auf meine Bad-Hair-Days. Das passt schließlich zu mir. Mit einem Grinsen stehe ich vor dem Spiegel und denke, dass ich auch ohne Schminke nicht so hässlich aussehe, wie manch anderer oder besser gesagt: manch andere. Ich bin ja schließlich kein Typ. Ein Glück auch..? Ja, wahrscheinlich schon, sonst wäre ich nicht so, wie ich bin. Typen neigen ja nicht häufig zu solchen Charakteren, wie den, den ich habe und manchmal bin ich schon ein wenig stolz drauf, wenn ich mich nicht gerade dafür hasse.

Meine Klamotten sind wohl arzttauglich. Lässige dunkle Jogginghose und ein roter Strickpullover, damit ich dem warmen Wartezimmer nicht friere, falls jemand das Fenster aufreißt. Unter dem Pullover trage ich noch ein weißes T-Shirt mit einem Glitzersaum. Auf meinen Socken befinden sich aufgedruckte Weihnachtsmänner, passend zur Jahreszeit. Ist nunmal so. Die Socken wird wohl niemand sehen, weil meine Hose auch im Sitzen lang genug ist.

Dann nehme ich meine Handtasche und gehe los. Bis zum Arzt sind es nur zehn Minuten. Aber wenn es einem richtig schlecht geht, dann ist das meist schon zu viel. Ich erinnere mich daran, wie ich schon zwei Mal fast zusammengebrochen wäre, als ich krank war. Einmal im Wartezimmervorflur und einmal fast in der Apotheke, sodass mir dort sofort geholfen werden musste, als ich ausdrücklich sagte, dass es mir gerade sehr schlecht geht und ich dass ich gleich umkippe. Die Apothekenfrau handelte schnell, als sie meinen Zustand vernahm. Das war ziemlich dramatisch, als mir dann noch ein Taxi angeboten wurde, nachdem mir ein Glas Wasser gereicht wurde und ich auf der Apotheken-VIP-Bank für Altersschwäche so lange Platz nehmen durfte, wie ich wollte. Nach dem Glas Wasser und einer Viertelstunde auf der Bank ging es mir dann besser. Im Nachhinein habe ich sehr darüber gelacht. Weil das wirklich unmöglich von mir war. Aber es ging mir halt schlecht. Dafür muss man sich nicht rechtfertigen.

Natürlich ist es beim Arzt wieder voll. Es ist kurz nach halb acht und die Nachfrage ist bereits groß. Jeder der hier ist, dachte, er wäre der Erste. Ich denke an so etwas nicht mehr. Meist geht es sowieso nicht nach Reihenfolge, sondern nach anderen Prinzipien. Ich hatte mal ein Praktikum in einer Arztpraxis, deswegen kenne ich die internen Vorgänge. Die anderen Leute sehen auch alle nicht besonders krank aus. Sieht eher aus, als wären sie hier, um zu reden und um Freunde zu treffen. In dem Vorflur gibt es nur drei Sitzplätze, die natürlich schon vergeben sind. Dort sitzen drei Omas, die sich angeregt unterhalten und sich scheinbar gerade kennenlernen, für den späteren Kaffeeplausch.

Ich stehe im Gang und es geht mir gut, weil ich diesmal keine Kreislaufprobleme und Hitzewallungen habe. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur das trostlose Dach mit Unkraut bewachsen. Es gibt nicht viel zu sehen. Es ist langweilig, wenn man hier warten muss, bis um acht die Tür zum Wartezimmer geöffnet wird und es alle eilig haben, um ihre Jacken auszuziehen und um ihre Rollatoren in der Garderobe zu verstauen, weil da nicht viel Platz ist. Ich lasse meine Jacke nie in der Garderobe, sondern behalte sie auf meinem Schoß. Dort ist sie sicher. Ich habe oft Angst, dass Sachen von mir geklaut werden, da sie meist viel gekostet haben und Kenner nach solchen Details Ausschau halten.

Punkt acht wird die Tür aufgemacht und der Alltag geht los. Bis ich zur Anmeldung komme, dauert es ewig. Es tauchen zu viele Fragen auf, die noch geklärt werden müssen. Alle sind irgendwie genervt. Die Schwestern müssen sich immer wieder die selben Dinge anhören und die Patienten merken eh nichts mehr. Auch, wenn sie sich anstrengen. Als ich endlich rankomme, geht alles ganz schnell und ich kann mich hinsetzen. Wie ich diese Zeit hasse. Ich werde bestimmt erst ganz spät herankommen und solange kann ich mir meine Gedankenfetzen in passender Reihenfolge zurecht legen, sodass der Grund, warum ich heute hier bin, irgendwie sinnvoll wird. Letztendlich werden meine Sätze eh anders klingen und kommen spontan aus mir heraus. So hoffe ich es, weil es besser ist.

Ich sitze zwei Stunden passiv im Wartezimmer und die Zeit vergeht, wenn auch auf eine andere Art. Ohne Zeitung lesen, ohne Handy, ohne alles. Ich beobachte die Leute, das ist interessant. Achte auf ihre Mimik, Gestik und auf ihren Stimmen. Oder gucke dabei zu, was sie tun. Oder wer kommt und geht.

Irgendwann höre ich meinen Namen und mache mich auf dem Weg ins Arztzimmer. Oh Mann.

Der Arzt begrüßt mich und sagt: „Nehmen Sie schon mal Platz, ich komme gleich.“

„Okay.“

Ich setze mich auf den Stuhl und versuche eine angenehme Pose zu finden, rutsche dabei auf dem Sitz hin und her und suche einen Ort für meine Hände. Offene Posen sind perfekt. Alles, was verschränkt und miteinander verhakt ist, wirkt distanziert. Also versuche ich, mich irgendwie zu öffnen. Füße nebeneinander und Hände locker auf dem Schoß. Fühlt sich komisch an in dieser Situation. Also schlage ich die Beine übereinander und verschränke die Arme vor meinem Bauch. Auweia. Aber egal, ich muss mich jetzt wohlfühlen und bin nicht auf Arbeit, sondern selbst Patient. Es dauert eine Weile, bis der Arzt kommt, wahrscheinlich muss er erst Rezepte unterschreiben. Im Arztzimmer hat sich nichts verändert, noch immer die gleichen Bücher, die dort eher als Deko dienen und immer noch die gleichen Bilder an den Wänden. Ich schaue auf den Computerbildschirm, dort steht mein Name und leere Zeilen. Auf dem Tisch liegt meine Akte, die gut gefüllt ist mit speziellem Infomaterial von mir. Es liest sich an mancher Stelle bestimmt wie ein Psychothriller. Ich weiß nicht, ob sich der Arzt manchmal darüber amüsiert. Aber es kann mir auch egal sein. Dann kommt der Arzt zurück und ich kriege plötzlich Herzklopfen und leichte Panik. Was soll ich dem jetzt eigentlich genau erzählen?

„Hallo“ sage ich und lächele kurz.

Er lächelt kurz zurück und verhält sich natürlich recht professionell in Gegenwart meiner Schüchternheit. Eigentlich bin ich sonst ja anders.

„Hallo, weswegen sind Sie denn heute hier?“

War ja klar, dass die Frage kommt.

„Ich fühl mich einfach nur total komisch.“

„Aha.“

Er guckt mich natürlich an und sucht nach äußeren Auffälligkeiten.

„Wissen Sie, wie viel so momentan wiegen?“

„Ja, glaub schon…53 Kilo..vielleicht. Also ich denk schon, dass ich auf jeden Fall zugenommen hab.“

Er zeigt auf die Waage in einer Ecke des Raumes: „Stellen Sie sich da bitte mal rauf.“

Etwas zögernd gehe ich zur Waage, wie ich das hasse. Ich will die Zahl nicht wissen, weil die Waage dann bestimmt auf die 57 springt.

Als ich drauf stehe, versuche ich nicht raufzugucken, aber am Ende schaffe ich es nicht.

„47, 2 Kilo“, notiert der Arzt verbal. „Das ist zu wenig. Ein Kilo weniger, als beim letzten Mal. Erinnern Sie sich daran?“

Ich denke kurz nach. „Nee, nicht wirklich. Ich sehe mich anders. Also ich würde mich persönlich jetzt nicht als untergewichtig sehen.“

„Sie können sich wieder hinsetzen.“

Dann legt er mir standardgemäß die Blutdruckmanschette um den Arm.

„Der Blutdruck ist auch recht niedrig. Und Ihr Puls rast. Haben Sie Fieber?“

„Ja, zwischendurch immer mal. Vor allem, wenn ich mich über Dinge aufrege.“

„Worüber regen Sie sich auf?“

„Ich weiß es nicht. Über mein Leben, obwohl eigentlich alles stimmt. Innere Unruhe eben. Und der Gedanke, ständig etwas tun zu müssen, damit ich von der Ruhe nicht bedrängt werde. Wenn ich frei hab, drehe ich immer ziemlich am Rad, weil ich denke, etwas zu verpassen. Deswegen kann ich nicht alleine sein,..obwohl ich gerne alleine bin..Ich mag keine Ruhe. Und das macht mich unruhig. Ruhe entspannt mich nicht. Sie macht mich nervös. Ich hasse es, nichts zu tun. Ruhe stört mich. Ich kann die Ruhe eher genießen, wenn ich nicht alleine bin.“

Ich höre auf zu reden, weil ich selber merke, wie verwirrend der Schwachsinn ist, den ich rede. Dabei sage ich nur, was innerlich in mir vorgeht.

Mein Arzt sitzt nur da und hört mir zu, ohne zu urteilen.

„Haben Sie heute schon Frühstück gegessen?“

„Nein..“

Wahrscheinlich ahnt er, dass mein Blutzucker im Keller ist und ich deswegen so einen Schwachsinn rede.

„Wann war Ihre letzte Mahlzeit?“

Ich denke nach, aber irgendwie erinnere ich mich kaum.

„Weiß nicht…wahrscheinlich gestern früh…oder so..“

„Trinken Sie genug?“

„Naja,..ich glaub nicht..wahrscheinlich nur knapp einen Liter am Tag und davon die Hälfte Kaffee. Ich hab einfach keinen Durst und keinen Appetit. Ich hab keine Bedürfnisse…“

Er schreibt währenddessen alles auf.

„Haben Sie ein schlechtes Gewissen nach dem Essen?“

Was für eine Frage.

„Ja, es passt nicht zu mir, würde ich sagen. Essen ist ein Fremdkörper in meinem Bauch. Und..wer isst hat keine Kontrolle über sich selbst…“

„Warum nicht? Also warum passt Essen nicht zu Ihnen?“

„Weil ich mich danach fett fühle. Sehr beklemmend.“

Inzwischen antworte ich spontan. Ich merke, dass ich gar nicht nachdenken muss, wenn er mir Fragen stellt.

„Wie oft haben Sie ungefähr Fieber?“

„2-3 Mal pro Woche. Und es vergeht meist schnell wieder.“

„Leiden Sie unter Panikattacken?“

„Ich weiß nicht, ob man es so nennen kann. Panik hab ich irgendwie ständig. Aber ich kann’s nicht so richtig einordnen.“

„Fühlen Sie sich vielleicht verfolgt?“

„Nein, das nicht. Aber mir passieren komische Sachen, die mir manchmal Angst machen.“

„Was ist Ihnen denn passiert?“

Ich glaube, jetzt wird er erst recht aufmerksam.

„Naja, einmal bin ich nachts wachgeworden, weil der Rauchmelder anging. Ich habe dieses laute Piepen gehört, ich bin dann wachgeworden, völlig erschrocken. Als ich dann richtig wach war, war er aber wieder aus. Er hat nur einmal gepiept, denke ich. Ich war auf dem Flur gucken, aber da war nichts. Bis auf dieses unangenehme Gefühl. Es war extrem unangenehm.“

„Sehr interessant. Haben Sie noch etwas erlebt?“

„Ich erlebe die komischsten Sachen immer nur nachts. Einmal bin ich vom Telefon wachgeworden. Als ich ranging, rauschte es nur. Ich kenne sowas auch aus Horrorgeschichten und war deswegen umso ängstlicher. Besonders, als das Telefon paar Minuten danach nochmal klingelte, und ich wieder nur dieses Rauschen hörte. Am nächsten Tag hab ich das Telefon dann abgebaut, weil ich es sowieso nicht nutzte und ich so etwas nicht nochmal erleben wollte. Ich fand das schon echt gruselig. Und ich dachte, dass ich vielleicht irgendwas anziehe oder so..Wenn man Angst hat, zieht man verstärkt die Dinge an, vor denen man Angst hat. Und das hat mich nachdenklich gemacht.“

„Sind Ihnen noch andere Dinge passiert?“

„Nein, das waren die beiden Sachen, die mich bis jetzt beunruhigt haben.“

„Was denken Sie, was Sie verpassen, wenn Sie alleine sind?“

„Schwierige Frage. Das Leben der anderen wahrscheinlich.“

„Und was ist mit Ihrem Leben?“

„Manchmal denke ich, dass ich kein Leben hab..oder nicht richtig am Leben bin..irgendwas dazwischen. Also ich fühle mich oft nicht. Nicht als ich. Ich spüre mich nicht.“

„Was macht Ihre Persönlichkeit aus?“

„Ich weiß es nicht. Ich weiß manchmal nicht, wer ich bin oder was ich soll. Oder zu was oder wem ich gehöre. Ich weiß nicht, was mir wirklich wichtig ist.“

„Was ist an anderen Menschen anders?“

„Dass sie ein Leben haben, das anders ist als meins.“

„Und was haben Sie? Haben Sie denn etwa kein Leben?“

„Doch wahrscheinlich schon, sonst würde ich nicht hier sitzen. Aber ich spüre mein Leben nicht, wenn ich alleine zu Hause bin.“

„Wie fühlt es sich an, wenn Sie alleine sind?“

„Leer und unruhig. Herzrasen, oft begleitet mit Fieber. Ich hasse es, wenn ich Freizeit hab. Gerade jetzt im Winter.“

„So, wie ich Sie kenne, haben Sie aber gar nicht viel Freizeit. In Ihrem Lebenslauf steht, dass Sie 3 Jobs haben, darunter einen Vollzeitjob, der Sie ziemlich ausfüllt. Andere Leute würden schon längst an Burnout leiden. Und Sie? Für Sie ist all das immer noch nicht genug?“

„Ja, das stimmt. Aber das alles reicht nicht. Ich habe trotzdem noch genug Freizeit, um nicht zu leben und um mich tot zu fühlen. Ich mache immer noch nicht genug, obwohl ich schon viel erreicht hab. Mehr als andere. Aber..wie gesagt..ich spüre sowas nicht wirklich. Es ist mir nicht richtig bewusst.“

„Wie fühlt sich tot an?“

„Freudlos und unglücklich. Völlige Leere, ..dunkel.“

„Warum denken Sie, dass andere Menschen leben und Sie nicht?“

„Weil die anders sind.“

„Was ist an anderen Menschen anders, als bei Ihnen?“

„Dass sie wissen, wer sie sind und Dinge unternehmen, die mir nichts bedeuten,..oder mich nicht wirklich glücklich machen, obwohl sie das sollten. Die leben ihr Leben, haben Spaß und ich weiß nicht, welches Leben ich lebe. Oder wo es mich hinzieht.“

„Wann haben Sie das letzte Mal etwas mit Freunden unternommen?“

„Vor paar Tagen, wir waren was trinken und haben lange zusammengesessen. Alle haben sich für den schönen Abend bedankt und ich dachte nur: Warum? Letztendlich ist doch eh wieder jeder alleine und für sich. Ich fand den Abend jetzt nicht so besonders toll, weil danach meist alles wieder egal ist. Und jeder seinen Weg geht.“

„Das ist normal. Jeder geht seinen Weg und Sie tun das genauso, wie jeder andere auch. Und ich denke, dass gerade Sie dafür von anderen bewundert werden. Ich kenne und begleite Sie schon eine Weile, vergessen Sie das nicht.“

Natürlich bin ich in dem Moment den Tränen nahe. Gerade, weil ich seine Worte eben NICHT verstehe. Ich verstehe ihn nicht.

„Sie wissen also, wer ich bin“, sage ich fast trotzig. „Sie kennen mich also besser, als ich mich, oder wie..?!“

„Ja, und anscheinend sehe ich in Ihnen viel mehr, als Sie in sich sehen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass es gar keinen Grund für Ihre Zweifel gibt.“

„Schön, dass Sie mich sehen. Aber ich sehe mich nicht.“

„Ja, und das ist das Problem. Sie sollten offen dafür sein, sich selbst kennenzulernen und herauszufinden, wer Sie sind und was Sie wollen. Ein anderer wird Ihnen dabei kaum helfen können. Und all die Leute um Sie herum dienen als Spiegel. Das kann hilfreich sein. Aber Sie müssen Ihren eigenen Weg finden. Kopieren bringt nichts und den Idealen anderer nachzueifern, auch nicht.“

„Letzte Nacht dachte ich verzweifelt daran, dass ich tot sein will, damit das alles endlich zu Ende ist. Mir wäre es lieber, wenn ich bei dem Unfall vor paar Wochen, gestorben wäre. Stattdessen war ich wieder ziemlich schnell fit, obwohl andere Leute danach länger gebraucht hätten. Mir ging es körperlich schnell wieder gut. Das war seltsam.“

„Sehen Sie, allein das zeigt schon, dass es für Sie noch nicht so weit ist und Sie noch Aufgaben haben, die nur für Sie sind und die Sie erledigen sollten, bevor sie wirklich sterben.“

„Ich will aber tot sein. Egal, wie toll ich und wichtig ich für andere sein sollte, was ich sowieso nicht verstehe. Ich bin nicht toll. Ich gehöre hier nicht mehr hin. Ich kann mich über nichts mehr freuen. Früher hab ich mich über neue Klamotten gefreut und heute kann ich mich vor Klamotten nicht mehr retten, weil ich mit meiner Shoppingssucht andere Lücken ausfülle. Was eigentlich totaler Quatsch ist. Aber eine Sucht ersetzt ja immer irgendeinen Mangel.“

„Welchen Mangel versuchen Sie denn zu ersetzen?“

„Ich weiß nicht, welchen…Ich hab es bisher nicht richtig rausgefunden. Ich weiß nur, dass ich alles hab und mir nichts fehlt. Ich kann mir alles kaufen, materiell. Aber alles kann man nicht kaufen. Nicht alles..und die Dinge, die ich nicht kaufen kann, ersetze ich wahrscheinlich mit meinem Konsum.“

„Gibt es Tage, an denen Sie Fressanfälle haben?“

Wie kommt er denn jetzt wieder auf das Thema zurück?

„Nein, eigentlich nicht. Und wenn, dann nur selten oder wenn ich meine Tage kriege.“

Er lacht kurz auf, vielleicht kennt er das von zu Hause.

„Wissen Sie vielleicht jetzt, um was für einen Mangel es geht?“

„Naja, den Mangel an Essen versuche ich jedenfalls nicht zu übershoppen. Das ist ja ein Mangel, den ich will.“

„Ich nehme an, Sie wohnen immer noch alleine, ohne Partner, oder?“

„Ja, daran hat sich nichts geändert.“

Blöde Frage. Ich hasse ihn dafür. Lasse mir aber nichts anmerken.

„Empfinden Sie das als Mangel? Also das Single-Sein?“

„Nein, irgendwie ist es auch nicht das. Wenn ich einen Freund hätte, würde es mir innerlich auch nicht viel anders gehen. Früher hatte ich mich ja auch nur gestritten und immer für neuen Zündstoff gesorgt, soweit ich mich dran erinnere. Irgendwas war immer. Ich war nie wirklich zufrieden. Aber das war auch keine echte Beziehung.“

„Kann es nicht sein, dass die Unzufriedenheit Ihr Mangel ist?“

„Keine Ahnung,..es ist komisch. Da es ja nie einen Grund gab, unzufrieden zu sein. Ich hatte ja immer alles, schon als Kind. Ich wurde ziemlich verwöhnt, stand immer an erster Stelle und alles lief nach mir. Aber es gab auch andere Situationen. Wo ich ignoriert und verletzt wurde. Oder wo ich Angst hatte. Es war alles immer sehr sehr zwiespältig. Sicher fühlte ich mich nie. Eher wie in so einem Krimi. Also ich hatte alles, aber das Emotionale bekam ich nie. Nicht mal eine Umarmung. Diese normalen Kleinigkeiten fehlten. Und viel Streit und andere Unstimmigkeiten zwischen meinem Papa und mir. Ich hab ihn wirklich oft gehasst und seine Worte haben sich in mir eingebrannt.“

„Das sind typische Ursachen für Ihr Krankheitsbild, das wissen Sie. Oder?“

„Ja,..schon.“

„Sie sollten wissen, dass Sie daran keine Schuld haben und Ihr Gefühlsleben eigentlich nur Ihre Erfahrungen widerspiegelt. Sie kennen es ja nicht anders, wenn Sie in so einem Zwiespalt aufgewachsen sind, der noch weitaus tiefer geht, wenn ich an unsere vorigen Gespräche denke. Aber wichtig ist nicht die Vergangenheit, sondern das Jetzt. Wichtig ist, was Sie jetzt daraus machen. Ihre Vergangenheit ist sozusagen Ihr Mangel. Aber die Vergangenheit ist nicht mehr real.“

„Ein Mangel an Liebe.“

„Sie müssen sich die Liebe selbst geben, ganz einfach. Wenn Sie das nicht selbst können, kann das auch kein anderer. Und schon gar nicht Klamotten. Die können diese Lücke auch nicht füllen. Sie täuschen nur. Und wenn Sie selbst meinen, dass es Sie nicht besonders glücklich macht…“

„Nein, meist ziehe ich sie noch nicht mal an. Alles stapelt sich im Schlafzimmer. Andere wären froh darüber und für mich ist es nur ein Zeichen von Einsamkeit.“

„Einsamkeit haben Sie bisher aber noch nicht angesprochen. Sie meinten jedes Mal, Sie fühlen sich nicht einsam.“

„Nein, ..doch..naja, nicht wirklich eigentlich. Wenn ich verabredet bin, geht es mir meist auch nicht viel besser und dann kann man das auch als einsam bezeichnen. Man sagt ja oft genug, man wäre zu zweit einsam. Aber es gab seltene Ausnahmen und ich wusste nicht, wie die Leute es geschafft haben, so etwas wie Glück in mir auszulösen, wenn ich mit ihnen zusammen war. Das waren halt Blitzlichter. Einmalige kurze Momente, die auch länger hätten anhalten können.“

„Und dann unternehmen Sie alles, damit es nicht aufhört, stimmt’s?“

„Ja, natürlich. Das ist normal. Weil mir das zeigt, wer oder was mir wichtig ist.“

„Und davon sind Sie überzeugt? Das sind auch nur Menschen, wie Sie und ich. Vielleicht sind sie sogar langweiliger, als Sie denken. Haben Sie daran schon mal gedacht?“

„Nein, die sind nicht langweilig. Sonst würde ich sie nicht mögen.“

„Was überzeugt Sie so davon? Kennen Sie die Leute persönlich oder ist das vielleicht nur ein Wunschgedanke?“

„Ich weiß es einfach. Ich kann mein Gefühl dafür nicht erklären. Es ist nunmal so und ich bin mir sicher, dass ich recht hab mit meiner Vermutung. Ich bin schließlich nicht dumm.“

Er lächelt.

„Das sind Sie tatsächlich nicht. Aber teilweise sind Ihre Aussagen schon sehr naiv. Sie denken, dass die Leute so sind, wie Sie es gerne hätten. Das ist Quatsch. Meist sind sie anders und ich bin mir sicher, dass Sie bald umso mehr enttäuscht wären, je näher Sie bestimmte Personen kennenlernen. Die sind schließlich normaler als Sie denken. Wären Sie dann noch interessant für Sie?“

„Ja klar, wenn ich jemanden toll finde, dann finde ich ihn toll. Dann sind mir auch die schlechten Seiten egal. Egal, was. Derjenige bleibt toll.“

„Und was ist, wenn derjenige nachher gar nicht so toll ist und viel mehr negative Seiten hat, als positive? Wären Sie dann noch beeindruckt oder würden Sie es sich einreden? Sie wollen die Wahrheit doch gar nicht wissen. Glauben Sie mir, Sie wären enttäuscht!“

Versucht er mich die ganze Zeit zu provozieren? Ich weiß gar nicht mehr, was ich sagen soll. Es fängt wieder leicht an, in mir zu kochen.

„Wollen Sie mich damit zum Nachdenken anregen oder wollen Sie sehen, wie schnell ich wütend werde und ausraste?“

„Nein, ich will Ihnen sagen, dass vieles nur Illusion ist. Jeder Mensch wird damit täglich konfrontiert und die meisten merken es nicht. Schauen Sie sich doch nur die Medien an. Was denken Sie, welcher Bruchteil davon am Ende wahr ist?“

„Das weiß ich. Aber wir reden hier grad nicht von Medien und TV.“

„Ich wollte damit sagen, dass Menschen auch Illusion sind. Sie denken oft an das Leben anderer. Was soll an deren Leben besser sein, als an Ihrem Leben? Da fängt die Illusion doch schon an!“

„Ich frag mich halt immer, was andere Leute privat so machen und ob die glücklich sind.“

„Wichtig ist doch, was Sie privat machen und ob Sie glücklich sind. Oder in Ihrem Fall..kümmern Sie sich selber darum, wie Sie glücklich werden. Alle anderen spielen doch dabei überhaupt keine Rolle. Man kann doch nicht alle Leben miteinander verknüpfen, obwohl letztendlich natürlich alles Eins ist auf der Welt und alles zusammengehört..und verbunden ist, wenn Sie der Gedanke beruhigt.“

„Ja, das sind alles Sachen, die ich weiß. Es fällt mir nur alles so schwer. Es fällt schwer, mich zu finden. Immer, wenn ich denke, alles ist gut, ist einige Stunden später wieder alles kaputt. Es wechselt immer so stark hin und her.“

„Ja, das sind Ihre Stimmungsschwankungen. Aber die werden wahrscheinlich immer präsent sein. Sie müssen versuchen, damit umzugehen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Stabil bleiben, egal, was kommt. Sie sind nicht Ihre Stimmungen. Tauchen Sie mal tiefer in Ihre Seele, dann werden Sie sehr viel mehr finden.“

„Das ist schwierig, weil auch das mich fertig macht. Diese Schwankungen sind meist stärker als ich. Und Seele..ja, blah blah,..das ist alles nicht so einfach, wie gesagt.“

„Und warum denken Sie denn, dass Sie tot sind, wenn Sie so oft mit solch lebendigen Emotionen konfrontiert werden, die Sie so aufwühlen?“

„Weil mein inneres Gefühl trotzdem stumpf ist, nachdem ich mich so abgekämpft hab.“

„Das ist normal, wenn man erschöpft ist. Haben Sie Probleme, morgens aus dem Bett zu kommen?“

„Ja, aber ich bin generell kein Frühaufsteher. Außer, wenn ich um vier aufstehe, wenn ich zur Arbeit muss. Dann geht es irgendwie. Das ist auch was anderes.“

„Wie viel Stunden Schlaf brauchen Sie im Durchschnitt?“

„9-10 Stunden.“

„Und sind Sie danach fit?“

„Unterschiedlich, kommt auf die Jahreszeit an.“

„Denken Sie, dass es Ihnen im Winter psychisch schlechter geht, als im Sommer?“

„Ja, auf jeden Fall, obwohl ich den Herbst und Winter am liebsten mag.“

Der Arzt runzelt die Stirn.

„Sie wirken sehr ambivalent, besonders im Unterton. Sie wissen das wahrscheinlich, oder?“

„Ich weiß es nicht nur, ich fühle es permanent. Und ich hasse es.“

„Ja, Sie sind zwiegespalten. Und dennoch sehr festgelegt, was manche Dinge betrifft, sodass Sie sich nicht von anderen Meinungen überzeugen lassen. Das ist schwierig. Wenig Einsicht. Wie soll man da helfen? Sagen Sie es mir?“

„Sie sind der Arzt. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie Sie mit mir umgehen müssen, damit es mir besser geht. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie Sie mir helfen sollen. Versuchen Sie es einfach.“

„Es wird Ihnen erst dann besser gehen, wenn Sie sich selbst verstehen und sich dann selbst helfen können.“

„Ich verstehe mich seit 20 Jahren nicht.“

„Ich weiß. Und deswegen führen wir fast immer wieder dieselben Gespräche, merken Sie das?“

„Nein, für mich ist es jedes Mal wieder ein Anfang, überhaupt hier her zu kommen, wenn ich mich komisch fühle. Ich muss mich eigentlich jedes Mal überwinden, um mit Ihnen zu reden. Und dann können Sie mir nicht helfen?“

„Nein. Sie erzählen mir seit Jahren das Gleiche und zeigen keine Fortschritte. Die Therapie haben Sie abgelehnt, weil die nicht Ihrem Interesse entsprach. Essen tun Sie weiterhin nicht, trotz Ernährungsberatung. Die Bücher, die ich Ihnen gab, haben Sie gelesen, aber deren Inhalt nicht verstanden. Jedes Mal gebe ich Ihnen den Rat, sich selbst zu finden und jedes Mal fragen Sie mich, wer Sie eigentlich sind und was der Sinn Ihres Lebens ist. Obwohl Sie, meiner Ansicht nach, wirklich glücklich sein müssten mit Ihrem Leben. Sie haben alles, nur Sie sind zu blind, um es zu sehen. Das tut mir Leid dafür. Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen einfach so zufliegen und freuen Sie sich endlich darüber. Nehmen Sie sie wahr. Andere Leute wären froh darüber, so ein Leben zu führen. Aber dauernd sind andere Menschen wichtiger, als Sie. Noch einmal: Fangen Sie endlich bei sich an. Ich würde mich über Ihre Fortschritte wirklich freuen. Zeigen Sie mir, wer Sie sind! Erst dann möchte ich Sie wiedersehen. Alles andere bringt nichts.“

Ich fange an zu weinen. Das ist mir alles echt zu viel. Ich kann gar nicht glauben, dass wir seit Jahren über die gleichen Sachen reden. Das kann nicht wahr sein. Ich stehe vom Stuhl auf und sage auch nichts weiter dazu. Was soll ich noch sagen?

Er reicht mir die Hand verabschiedet sich und ich schaue ihm dabei nur flüchtig in die Augen. Sein Blick ist tatsächlich wohlwollend, und nicht gemein oder gehässig oder gleichgültig. Er meint es gut mit mir. Nur ich kann es nicht erwidern, weil ich wieder am Anfang stehe. Mit mir.

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Das 5 Minuten Date

 

klein

„Ich dachte, du wohnst in Warnemünde“, schrieb Alex.
Ich saß auf meiner Couch und schaute Nachrichten, als die Mitteilung als vibrierendes Glockenping eintraf. Normalerweise schaltete ich mein Handy meist auf stumm, um nicht genervt zu werden. Aber diesmal wartete ich auf Ablenkung, egal in welcher Form. Inzwischen war ich auf alles gefasst und der Unterschied zwischen guten und schlechten Erfahrungen verwandelte sich allmählich in neutrale Oberflächlichkeit. Eine Mischung aus großem Interesse und dem nötigen Abstand zur unnötigen Vorfreude. Denn letztendlich muss man sich auf nichts freuen, was im Herzen noch gar nicht existiert.

„Nee, aber fast“, antwortete ich nach ein paar Minuten. „Warum?“
„Na weil ich jetzt in Warnemünde auf dich warte. Hab die richtige Straße im Navi eingegeben, aber den falschen Ort. Und nun bin ich hier gelandet.“
Okay, das bedeutete spontane Planänderung.
„Na gut, ist nicht schlimm. Bin in einer Stunde in Warnemünde, falls du so lange warten willst.“
„Sehr gut, dann kann ich noch einige Dinge besorgen, mein Wagen ist leer.“
„Würde vorschlagen, wir treffen uns am Bahnhof. Okay?“
„In Ordnung! Bis später.“

Kurz darauf klingelte mein Handy wieder. Meine beste Freundin schickte mir ein Video von unserem letzten gemeinsamen Urlaub in Moskau, als ich vor Lachen kaum noch atmen konnte.
Sie schrieb: „Ich liebe dein Lachen, mein Herz! Du machst mich so glücklich!“
„Ich liebe dich auch, Süße“, schrieb ich grinsend zurück und freute mich.
Wir machten uns fast täglich Liebeserklärungen, das war normal.
Aber von meinem Blinddate erzählte ich ihr nichts. Irgendwie wollte ich nicht darüber reden. Weil ich noch selber nicht wusste, was ich davon halten sollte. Immerhin war der Typ nur zwei Jahre älter als ich. Das hieß, es war das erste Date mit einem Gleichaltrigen und entsprach absolut nicht meinem Schema. Aber ich wollte mal sehen, wie es ist.

Natürlich finde ich es immer besser, wenn man sich nicht zu Hause trifft.
Ich mag es nicht, wenn jemand in mein kreatives Revier eindringt und die Harmonie meiner Wohnung stört. Allerdings wollte ich es diesmal wagen und wissen, wie es ist, einen fremden Mann direkt in meiner Wohnung kennenzulernen. Einfach aus Neugier, Bequemlichkeit und um mir zu beweisen, wie extrem locker ich sein kann. Als Frau sollte man eigentlich auf solche gefährlichen Experimente verzichten. Immerhin kann man durch fremde Typen schnell umgebracht werden, falls man versehentlich seinen Mörder datet. Dennoch kamen mir solche Ängste nie ins Bewusstsein, weil ich nicht ängstlich bin und nicht Monika heiße.

Also schnappte ich mir noch ein paar Gummitiere und machte mich fertig. Zehn Minuten stand ich nachdenklich im Flur, weil mir die letzten Entscheidungen unglaublich schwer fielen: Welche Jacke? Welche Schuhe? Vielleicht sollte ich meinen Konsum endlich einmal einschränken. Viel zu haben macht das Leben nicht unbedingt leichter. Ich entschied mich für bequeme Strand-Schuhe und einer femininen Militärjacke, die ich erst eine Woche hatte. Die liebte ich sofort, weil sie unvernünftig teuer war.

Bevor ich aus dem Haus ging, fragte ich mich, ob man es mir ansah, dass ich innerhalb einer Woche ein Glas Nutella vernichtet hatte. Jeden Tag Nutella zwischen zwei Scheiben Weizenbrot mit Vollkornanteil. Meine ausgelaugten Fettzellen freuten sich bestimmt. Ich zog abrupt mein Shirt hoch, kniff mir in den Bauch und stellte beruhigt fest, dass meine Figur perfekt ist.
Danach plante ich trotzdem eine Detox-Woche mit viel Sport, um den ganzen Müll wieder aus dem Körper zu spülen. Ich kaufte mir die wichtigsten Detox-Produkte und war begeistert, was diese Dinge nach wenigen Tagen im Körper bewirkten. Ich fühlte mich besser und glücklicher, als sonst. Detox-Tee und Detox-Creme gehörten von da an zum Alltag dazu, obwohl ich nicht behaupten würde, dass es bei mir einen gewöhnlichen Alltag gibt.

Ich fuhr mit der Straßenbahn, weil ich keine Lust auf den Feierabendverkehr hatte. Außerdem brauchte ich mein Auto nur für die Arbeit und für die Insel, wenn ich mal einige Tage frei hatte.
In der Straßenbahn saßen einige Menschen, die auch ohne Feierabendverkehr gestresst wirkten. Vielleicht hatten sie nicht so tolle Arbeitsstellen oder Stress mit ihren Partnern oder waren mit sich unzufrieden. Wie auch immer. Beobachten mochte ich gerne. Die Aktionen auf meinem Handy beobachtete ich allerdings kaum. So kam es, dass ich in Warnemünde ankam und nicht wusste, nach wem ich eigentlich Ausschau halten soll. Ich suchte einen Fremden.

Mir kamen viele Leute entgegen und alle wuselten um mich herum. Dazwischen ein Mann, der mir gleich auffiel. Groß, mit Sonnenbrille, Mütze und schwarzem Parka. Ich sprach ihn nicht an, ärgerte mich über meine seltsame Schüchternheit und lief weiter. Immer noch auf der Suche nach Mr. Unbekannt, der Alex hieß.
Am Bahnhof stand niemand, der auf mich wartete.
Aber um ehrlich zu sein, wollte ich gar nicht zu genau hingucken. Es gehörte nicht zu meinem Talent, offensiv nach Personen Ausschau zu halten und zu suchen.
Es dauerte nicht lange, und der Bahnhof leerte sich wieder. Die Leute aus dem Zug tummelten sich auf den Wegen des Hafengeländes und strebten mit Essen in der Hand zum Wasser.
Ich ging woanders hin und setzte mich auf eine Steinmauer. Es war ziemlich kalt, der Wind zog durch meinen Parka und kroch unter mein sommerliches Blumenshirt. Ich fror so sehr, dass ich spürte, wie ich blass anlief und wieder dieses ungesunde Aussehen annahm, das durch die Nutella-Woche noch verstärkt wurde.

Mein Handy lag immer noch unbeachtet in der Handtasche. Als mir immer kälter wurde, stand ich auf, irrte verfroren zum Bahnhof zurück und landete dort auf einer Bank aus Metall. Die kältere Steigerung. Der nächste Zug kam und wieder stiegen zig Leute aus, die alle spazieren gehen und Fischbrötchen essen wollten. Viel mehr konnte man in Warnemünde im Frühling nicht machen. Essen, Shoppen und Wasser, das waren die Hauptattraktionen. Gefolgt von Kaffeetrinken und den beliebten Schlagerpartys im Sommer.

Dann schaute ich auf mein Handy.
Die letzten beiden Nachrichten von Alex waren zwanzig Minuten her.
„Schwarzer Parka.“
„Warte am Bahnhof auf dich!“
Okay, hätte ich vielleicht doch mal früher mein Handy benutzen sollen.
Ich schrieb: „Hab dich vorhin gesehen.. bin vorbeigelaufen..zu spät…wo bist du nun?“
Danach wartete ich auf seine Antwort. Er war eine ganze Weile online, las meine Nachricht, aber nichts kam. Seltsam.
Ich versuchte ihn anzurufen, aber die Computerstimme am anderen Ende meinte, dass er gerade nicht erreichbar wäre. Noch komischer. Zum Schluss sendete ich ihm eine altertümliche SMS und hatte somit alles unternommen, um Kontakt aufzunehmen. Aber keine Antwort.

Wollte er mich jetzt etwa verarschen? Ich fand das alles sehr merkwürdig. Aber dennoch störte es mich nicht besonders. Schließlich störte mich überhaupt nichts mehr. Ich nahm es so hin, wie es war. Was soll mich an einem Fremden stören? Diese anonyme Funkstille passte doch super zum Image eines Fremden! Der Krimi konnte beginnen. Aber mir wurde diese Situation schnell zu blöd.

Ich ging zum Ticketautomaten und kaufte die Rückfahrt, denn länger einsam frieren wollte ich nicht. Die Bahn fuhr in zwei Minuten und als ich mich auf den Weg dorthin machte, meldete sich Alex plötzlich.
„Sorry, mein Handy ist abgestürzt.“
Wie kann denn so etwas passieren, dachte ich mir. Welch ungewöhnlicher Zufall.
„Hmm, ich wollte gerade nach Hause, weil ich dachte, das wäre alles nur ein Scherz.“
„Waaaas? Quatsch…hatte am Bahnhof gewartet und als ich dich nicht sah, bin ich woanders hingegangen.“
Er schickte mir seinen aktuellen Standort, der sich in der Nähe befand. Trotzdem wusste ich erst einmal nicht genau, wie ich dort hinkam und lief in die entgegengesetzte Richtung. Navis waren nämlich nicht so mein Ding.
„Sitze draußen im Café.“
„Na gut, ich komme gleich.“
Das Café war nach einigen Orientierungsfehlversuchen schnell gefunden, aber ich wollte nicht über diesen menschenbesiedelten Vorplatz laufen und ihn irgendwo in der Menge suchen.
„Trink du mal deinen Kaffee aus, ich sitze an der Seite bei den Büschen.“
Ich fand es gut, dort zu sitzen und zu warten, was passiert. Sonst hatte ich mit Büschen ja nicht viel zu tun.

Nach einer Minute kam Alex schon die Straße entlang gelaufen und fand mich. Er lachte. War mein verlorener Anblick etwa so lustig?
Keine Spur von Aufregung bei mir, weil seine Sonnenbrille zu schwarz war und ich insgesamt nicht viel von ihm erkennen konnte, bis auf die Größe und seine Stimme, die ziemlich normal war. Er war schließlich erst dreißig. Was sollte ich also erwarten?
Alles war unauffällig und seine schwarze Mütze versteckte den Rest. Alles schwarz, bis auf die Jeans. Damit hatte er mit gewissen Branchen doch gar nichts zu tun.
Außerdem war er viel dicker angezogen, als ich. Konnte Mann eigentlich noch mehr übertreiben? Ich dachte immer, Männer wären nicht solche sensiblen Frostbeulen. Als er dann noch sagte, es ist ganz schön kalt und windig, rollte ich heimlich mit den Augen.

Wir gingen am Hafen entlang und endeten an der Ostsee vorm Leuchtturm. Sein Blick fiel gleich auf die Wassersportler, die seine vollste Aufmerksamkeit erregten. Alex war schließlich ein vielfältiger Abenteurer, der mit wenig Geld auskam und sogar auf ein richtiges Zuhause verzichtete. Das war ihm alles nichts, er wollte Freiheit und in den Tag hineinleben. Immer woanders sein, ohne richtigen Job und ohne Verpflichtungen. Außerdem war das Meer seine Leidenschaft. Alex war ein moderner Robinson Crusoe und somit wieder jemand, der völlig anders tickte.
Man denkt immer, man kennt alle Arten von Typen, bis man neu überrascht wird. Ich hörte zu, ohne mir ein Urteil zu bilden. Einfach nur zuhören mit keinen Zwischentönen im Kopf. Ich verhielt mich entspannt.
Bis er mir eine Frage stellte: „Und du so?“
„Ich bin deine Nicht-Wellenlänge“, antwortete ich knapp, weil mein Leben komplett anders war.
Daraufhin folgte ein Schweigen, das erst an einem Fischbrötchenstand wieder gebrochen wurde.
„Kannst du mir eine Sorte empfehlen? Du musst doch Ahnung haben, wenn du am Meer wohnst.“
„Nein, ich hab da keine Vorlieben. Ich esse alles, was aus dem Wasser kommt. Auch Muscheln und Mini-Hummer.“
Muscheln gab es am Stand leider nicht.
Alex guckte von links nach rechts und war sichtlich überfordert mit der Auswahl.
Dann nahm er ein geräuchertes Makrelenfischbrötchen.
„Und was möchtest du?“
„Nichts, danke.“
„Wie nichts?“
„Ich hab keinen Hunger, weil ich noch satt bin.“
„Wirklich nicht?“
„Nein, danke, hab vorhin zu Hause Mittag gekocht.“ Mein Mittag war eine Tüte Gummibärchen und zwei Kekse.
„Na gut..ich kann jedenfalls immer sehr viel essen und hab immer Hunger.“
Wie unterschiedlich Männer und Frauen doch ticken. Frauen sind Künstlerinnen in Zurückhaltung und Disziplin. Manchmal jedoch auch im Lügen.
„Willst du dich nicht hinsetzen beim Essen?“
„Nein, stört mich nicht, wenn wir laufen.“

Dann liefen wir einfach ohne Ziel und ohne Plan durch Warnemünde. Zusammen mit einer Menge Gesprächsstoff, trotz der Ungemeinsamkeiten.
Alex wollte gerne Kaffeetrinken und bevorzugte den besten Laden, den es gab. Er wollte den besten Kaffee und guckte sich jede Kaffeemaschine von draußen an.
Nach all der Sucherei setzten wir uns doch in ein recht einfaches Bäcker-Café. Dann nahm er endlich mal seine Brille ab. Ich hatte schon Angst, dass er sie nie abnehmen würde. Es gab schließlich keinen Grund, so undercover unterwegs zu sein.

Erst, als er die Brille abnahm, begann für mich das richtige Date. Er hatte so tolle Augen, dass ich nicht verstand, warum er sie so versteckte. Gerade, weil die Sonne an dem Tag gar nicht schien. Alex hatte ungewöhnlich strahlend blaue Augen. Fast so, als würde sich das Meer permanent darin befinden.
Ich bestellte einen schwarzen Kaffee und Alex einen Cappuccino.
„Mist, ich hab so gut wie nie Bargeld dabei“, gestand ich Alex, als ich nachguckte, wie viel Geld ich überhaupt mit hatte. Es waren 5 Euro.
„Ich bezahle sowieso alles, ist doch selbstverständlich.“
„Wollen Sie den Kaffee hier trinken, oder mitnehmen“, fragte die Frau, die neben Getränken auch Kuchen und andere Backwaren verkaufte.
„Zum hier trinken“, sagte ich fix, bevor Alex die aktivere Variante vorschlug. Denn ich hatte keine Lust, den Kaffee beim Spazierengehen im Wind zu trinken.
Alex nahm das Tablett mit den beiden Tassen und als wir den Tisch erreichten, floss die oberste Schicht meines Kaffees auf dem Tablett und umarmte den Boden der weißen Porzellantasse.
Sein Cappuccino hingegen blieb in Topform, denn der Schaum beschützte den wertvollen Inhalt.

Dann kam wieder diese Situation: Das intime Gegenübersitzen zwischen zwei Fremden. Oft erlebt, aber immer wieder unterschiedlich. Jeder Mann ist nicht gleich und schenkt mir diverse Erfahrungen im Bereich meiner persönlichen Männerpsychologie.
Ich konnte nicht anders, als Alex genau zu beobachten und starrte ihn regelrecht an. Vor allem seine Augen, die so toll waren mit den dunklen dichten Augenbrauen. Faszinierend! Diese Augen zogen mich an. Danach analysierte ich seine Mimik und Gestik, obwohl ich mir das langsam einmal abgewöhnen sollte, da ich mich nicht auf der Arbeit befand. Dabei möchte ich meinen Job so gerne heiraten.

Alex trank seinen Cappuccino, obwohl er noch heiß war. Dann stand Alex plötzlich auf und ging nicht zur Toilette, sondern holte sich einen Löffel, damit sich der Schaum besser essen ließ. Er stippte den Löffel in den Schaum und leckte den Löffel ab. Ich empfand das als interessantes Schauspiel und ließ meinen penetranten Blick nicht von ihm. Scheinbar hatte Alex auch kein Problem damit. Mein limbisches System hatte sich schon etwas auf Alex eingeschossen, denn ich fand ich einfach richtig toll, ohne es erklären zu können. Es war eben so. Plötzlich auftretende Gefühle unterliegen keiner Rechtfertigung.

Ich trank meinen Kaffee, der nicht so heiß war, wie ich dachte. Alex erzählte währenddessen von seiner letzten aufregenden Weltreise und von Kopi Luwak, den ich auch gerne mal trinken wollte.
Als ich sah, dass Alex mit seinem Cappuccino fertig war, trank ich meinen Kaffee umso schneller aus.
Alex musste lachen, als er feststellte, dass in Warnemünde nur alte Leute in Funktionskleidung herumliefen, das kannte er gar nicht. Und meist trugen sie diese Kleidung im Partnerlook.

Das Kaffeetrinken war unser kurzes Hauptdate. Innerlich fühlte ich mich zwar euphorisch, aber diese Euphorie sprudelte nicht über, sondern ebbte schnell ab. Alex passte nicht zu mir, meine Begeisterung für ihn lebte nur kurz. Es war komisch und ich merkte, wie sehr mich meine innere Schutzmauer im Griff hat und meine Emotionen immer mehr abschwächt, damit nichts zu stark für mich wird. Ich spürte diese Schutzmauer zum ersten Mal in ihrer vollsten Intensität und fühlte mich beschützt.
Alex zog seine Jacke an und ließ das Tablett einfach auf dem Tisch stehen, bis ich es nahm und es in die dafür vorgesehene Ablage schob. Als Gast kann man sich schließlich auch benehmen und selber den Tisch abräumen. Zumal wir uns auch nicht in einem Restaurant befanden.

Draußen war es immer noch windig und bewölkt. Nicht gerade mein Lieblingswetter.
„Ich muss noch mal zur Sparkasse. Ich brauche Bargeld“, sagte ich.
„Okay, danach können wir ja wieder zum Strand.“
„Gerne!“
Ich ging in die Sparkasse und Alex spielte draußen mit seinem Handy. Es war ein gutes Gefühl, wieder echtes Geld bei sich zu haben, als immer nur mit Kreditkarten unterwegs zu sein, obwohl es bequemer ist, weil man seltener nachdenkt.

Die Sparkasse war leer und geräumig. Ich schaute mich um und danach zu Alex, der beschäftigt war.
Dann sah ich noch einen zweiten Ausgang. Ich musste nicht lange überlegen, was ich als nächstes tun würde. Der zweite Ausgang rettete mich und ich schlich mich unbemerkt aus diesem weniger erfolgsversprechenden Dating-Verhältnis. Es handelte sich um einen einseitigen Kompromiss, dessen Folgen nicht weiter schlimm sein würden. Ich wollte nicht wieder mit Vollgas im nächsten Gefühlschaos landen. Vor allem lohnte sich dieses Chaos bei diesem chaotischen Typen noch nicht einmal. Außerdem war mir Alex bedeutend zu jung.

Ich suchte mir ein anderes Café zum Verweilen und hoffte, dass Alex mich nicht suchen würde. Aber da er Warnemünde eh nicht kannte, hatte er schon verloren. Ich bestellte mir wieder einen großen Kaffee und ein Stück Quarkkuchen. Mein Handy bekam natürlich keine Beachtung.
Im Café war nicht viel los, da die Saison noch nicht begonnen hatte. Deswegen konnte ich die Ruhe um mich herum genießen. Ich nahm mein Notizbuch aus der Tasche und schrieb die wichtigsten Gedanken, die mir in den Kopf kamen, wie gewöhnlich auf. Diese Notizen sind oft nützliche Bruchstücke, die mein Leben mit neuen Inspirationen füllen. Zumal ich auch nervös werde, wenn ich mein Notizbuch nicht dabei habe. Zu Hause hatte ich 184 volle Notizbücher, die sich seit meinem 9. Lebensjahr ansammelten. Ich hatte schon eine Menge Gedanken.

Was Alex jetzt wohl machte? Inzwischen musste er bemerkt haben, dass ich nicht mehr anwesend war und mir einen anderen Ausweg suchte.
Ich schaute kurz auf mein Handy, auf dem ‚Wo bist du?‘ stand. Zwar war es gemein, einfach abzuhauen. Aber ob man nun abhaut oder gleich sagt, dass man kein Interesse hat, ist doch das gleiche. Das Band zwischen zwei Fremden ist unverbindlich und ich wollte daraus nicht mehr werden lassen, weil ich wusste, dass es nicht gut ist. Alex ist ein Weltenbummler. Dem macht es sicher nichts aus, wenn er kein menschliches Souvenir mit sich herumtragen muss. Wenn er stets Unabhängigkeit wollte, so durfte er diese auch behalten. Bindung wäre eine Sackgasse mit Zaun auf seiner Reise.

Nach einer Stunde ging ich zurück zum Bahnhof und da die Züge ständig fuhren, musste ich auch nicht warten. Alex sah ich nirgendwo. Wahrscheinlich fuhr er zu anderen Freunden, da er überall jemanden kannte, der ihn aufnahm und sich freute, ihn zu sehen. Schließlich war er selten in Deutschland. Im Zug war ich wie erstarrt, da mein Zustand immer noch vage zwischen Begeisterung und Ablehnung pendelte. Wenn aus zwei extrem gegensätzlichen Gefühlen ein Gefühl wird, dann ist es meistens die feine Apathie. Eine gute Lösung, um mit emotionalen Widersprüchen klarzukommen und um wieder zu sich zu finden. Apathie macht alles ein wenig einfacher, da man Dinge so hinnimmt, wie sie sind und oft anfängt, zu träumen.

Als ich zu Hause war, schmiss ich mich auf die Couch, lag minutenlang einfach so da und schaute mir das surreale Ölbild mit den Schafen an. Das drückte meine Stimmung immer perfekt aus, da es nach meinen Vorstellungen gemalt wurde.
Danach schaute ich mir einen Film an und freute mich mit einem Glas Champagner auf den Rest des Abends.
Alex schrieb: „Was ist denn los mit dir? Geht’s dir gut? Was machst du?“
Dann schaute ich den Film weiter, ohne weitere innere Regung und ohne Antwort. Meine Konzentration galt nur dem Film, der war spannender und wirkte bei mir besser, als Alex.
Anschließend machte ich noch ein bisschen Bauchtraining und ging duschen. Ich verblieb eine ganze Weile im Bad, da ich regelmäßig einen Wellnesstag mit Komplettprogramm einlegte. Gerade nach dem Date mit Alex war das auf jeden Fall nötig.
Als ich im Bett lag, beschloss ich, Alex zu antworten, damit er sich keine Sorgen machte.
„Mein Herz ist woanders“, schrieb ich, machte die Augen zu und schlief bald darauf ein.

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