Der Auslöser

In einem Monat ist viel passiert. Eigentlich schon seit mehreren Monaten. Passiert nicht im Sinne von real, sondern es ist gedanklich sehr viel geschehen. Zuerst war es nur ein undefinierbares Chaos aus vielen kleinen Gedanken, die kein Ganzes ergaben. Aber irgendetwas schlummerte in mir und machte mich unruhig. Das Schlimme daran war, dass ich nicht wusste, was da genau in mir schlummert. Ich spürte nur die Auswirkungen dessen. Es war unangenehm. Da ich mich zuerst um mich selbst kümmern musste, litten mein Blog und meine Energie leider darunter. Ich füllte mich innerlich ziemlich schwarz und taub.

Ich hatte das Gefühl, etwas völlig Neues im Leben machen zu wollen – aber ich wusste nicht, WAS? Daraus entstand nach und nach eine Art von Getriebenheit, die ins Leere führte… oder eben zum Psychologen. Tausend Gedanken, die zu nichts führten. Nur Unruhe, die mich innerlich mehr und mehr zerfraß und kaputt machte. Unzufriedenheit ist Gift. Dabei war das gar keine richtige Unzufriedenheit, sondern eher eine erfolglose Suche nach meinen wahren Wünschen und Lebenszielen. Irgendwie gab es nichts Konkretes, sondern nur umnebelte Grübeleien.

Dieses Chaos beherrschte mich ungefähr ein halbes Jahr und vielleicht schon länger. Nur da spürte ich noch nicht bewusst, dass irgendetwas nicht stimmt. Es fing einfach an und ich konnte dieses Gedankenchaos kaum ertragen.

Viele der Gedanken sind inzwischen wieder vergessen. Im Nachhinein finde auch ich sie absurd und bin froh, daraus nichts gemacht zu haben, da ich Entscheidungen gerne schnell treffe und meine spontanen Ideen aktiv verarbeite.

Die ersten Gedanken waren:

Ich muss etwas machen.

Bloß kein Stillstand.

Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein?

Ich muss eine tolle Idee haben.

Mein Leben muss anders werden. Irgendwie.

So ging das jeden Tag – ich grübelte viel, kaufte Bücher. Teilweise welche, die mich in meinen Gedanken bestärkten (Bücher über Erfolg, Finanzen…) und welche, die mich beruhigen sollten (Bücher über Achtsamkeit, Glück und Spirituelles…). Wenn man täglich den Gegensatz lebt, wird man unruhig, weil die Gefühle nicht zueinanderpassen und sich abstoßen. Ich konnte mich nicht entscheiden zwischen Aktivität und Entspannung. Im Nachhinein fällt es mir schwer, darüber zu schreiben, weil ich nicht beschreiben kann, was vor einigen Monaten in meinem Kopf vorging. Es fühlte sich wie eine Krankheit an. Mein Denken war krank und zerstört. Irgendwie hätte ich mir zu dem Zeitpunkt schon Hilfe suchen sollen, damit es wieder mehr Klarheit in mir gegeben hätte. Meine Begründung für mein Befinden ist, dass ich vielleicht manisch war. Im normalen Leben befinde ich mich ja auch meist an der Grenze zur Manie. Vielleicht erklärt das diese verwirrten Episoden, an die ich mich später kaum richtig erinnern kann, wenn alles wieder in Ordnung ist und Ruhe einkehrt.

Berufliche Ideen die ich hatte: einen Modeladen haben, Parapsychologe werden, der Traum vom Künstler (wie auch immer), …und zum Schluss Seelsorger… und all das am besten nebenberuflich, da ich mit meinem Hauptjob zufrieden bin oder ab jetzt – war.

Mir wurde von allem abgeraten und ich stimme dem zu. Auch, wenn es zuerst nicht ganz leicht war und meine Sturheit eine Weile anhielt, bis ich kapierte, dass mein Kopfkino verloren hatte. Manchmal dauert die Einsicht ein wenig länger.

Dann stand ich völlig ohne Ideen und ohne Ziele da. In mir völlige Leere und wenig Motivation. Wenn ich kein Ziel habe, kehrt die Gleichgültigkeit in mir ein. Alles so zu akzeptieren, wie es ist und damit zufrieden zu sein. […Bloß nicht zu viel nachdenken. ist doch eh egal…] Das ist natürlich nicht verkehrt und man kann damit leben. Aber in mir fehlte trotzdem etwas. So normal kann ich einfach nicht leben. Ohne Ziele fühle ich mich ziemlich tot. Wenn ich mich frage, wohin mich dieses ’normale Leben‘ führt, dann sehe ich da keine große Motivation. Was gibt es da für mich zu erreichen? Antwort: Nichts. Auf meiner Arbeit gibt es nichts mehr zu erreichen. Es gibt keinen Fortschritt, der mich reizen würde. Stationsleitung ist nicht mein Ding und Co-Therapeut auch nicht. Ich arbeite also nur, ohne Steigerung und ohne Happy End. Ich bin Mitarbeiter, Vollzeit bis zur Rente. Wahrscheinlich wird es mit zunehmendem Alter nur viel anstrengender dort. Ich arbeite in der Geronto-Psychiatrie, die in den nächsten Jahren noch erweitert wird. Soll ich da wirklich bis zur Rente bleiben und jeden Tag ungefähr 20 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit fahren? Bei Wind und Wetter? Ein Auto will ich nicht, weil ich den Führerschein gar nicht verdient habe und in einer Großstadt eine Gefahr für mich und andere bin. Und öffentliche Verkehrsmittel schließe ich sowieso aus, weil ich es nicht mag, von Zeiten abhängig zu sein und mehrmals umsteigen zu müssen. All das hindert mich nur in meiner Unabhängigkeit. Es passt alles nicht mehr so gut zueinander. Ich sehe da nicht mehr so viel Glücks-Potential.

Vor einigen Wochen hat sich ein neuer Gedanke unbewusst in mir eingenistet. Ich wusste nicht, welches Ausmaß er noch annehmen wird. Meine Mutter ist Künstlerin und führt den Laden meines Bruders. Sie hat dort etliche selbst gemalte Bilder und vieles anderes. Als ich einmal mit meiner Mutter telefonierte, kamen wir auf das Thema zu sprechen, was eigentlich mit dem Laden und den Bildern passiert, wenn sie in Rente geht. Sie meinte, dann wird es den Laden nicht mehr geben und man muss sehen, was mit den Bildern passiert. Die Vorstellung tat mir sehr Leid, da es den Laden seit fast 30 Jahren gibt und ich damit aufgewachsen bin. Ich kenne die ganze Entstehung und das Wachstum. Daran zu denken, all das in wenigen Jahren aufzulösen, ist Horror für mich. Ich dachte nur: Das geht nicht… Aber über eine Lösung machte ich mir vorerst keine Gedanken, da es noch nicht soweit ist.

Mir war immer klar, dass die Arbeit als komplett Selbständiger nichts für mich wäre, weil man weniger Sicherheit hat, als wenn man als Angestellter arbeiten würde. Deswegen hatte ich kein Interesse daran, das Gleiche wie meine Eltern zu machen und wurde lieber Krankenschwester. Ein Beruf, mit dem man überall zurecht kommt und keine Angst haben muss, dass man keine Arbeit findet. Sicherheit war mir immer wichtig. Obwohl ich als Krankenschwester zuerst völlig ungeeignet war. Hätte ich mich nicht weiter entwickelt, hätte ich das tatsächlich vergessen könne. Ich war damals extrem schüchtern und hatte Schwierigkeiten, mit fremden Menschen zu reden und offen mit ihnen umzugehen. In meinem ersten Praktikum bekam ich eine sehr schlechte Beurteilung, weil ich mich mehr mit dem Befüllen des Wäschewagens beschäftigte, als mit den Patienten. Ich hatte überhaupt keinen Draht zu hilflosen Menschen, die krank waren. Aber in kurzer Zeit entwickelte ich mich zu einem anderen Menschen, der nicht mehr so schüchtern war und hatte insgesamt weniger Probleme.

Nach dem Anruf ging alles so weiter wie sonst. Nur dass ich öfter an den Laden dachte. Und dem Untergang der Kunst. Zu einigen Bildern habe ich sogar eine emotionale Bindung. Dass der Laden von jemand anderem übernommen wird, ist für meine Familie bzw. meinem Bruder keine Option. Alles wäre irgendwann weg. Und die 30 Jahre, in denen all das entstand, hätte keine Präsenz mehr. Das wäre so schade. Ich ließ den Gedanken jedoch so stehen.

Momentan besteht kein Grund zur Sorge, meine Mutti ist noch da, jeden Tag. Das war mein vorletzter Gedanke zu dem Thema.

Aber meine Einstellung zum Traumjob in der Psychiatrie hat sich an einem Tag schlagartig und auch für mich unerwartet geändert. Auf unserer Station herrscht seit Monaten starke Unruhe, aus diversen Gründen, die ich hier nicht erwähnen muss. Ich möchte mich auch gar nicht weiter über die Situation aufregen.

Der Auslöser für einen beruflichen Neustart war der Dienstplan und alles, was damit zusammenhängt. Ich habe gemerkt, dass das Privatleben als Angestellter kaum zählt und auf manche Umstände keine Rücksicht genommen wird. Eigentlich ist man nur ein moderner Sklave, der keine Wünsche haben darf. Sollte man z.B. einen Dienstplanwunsch haben, muss man diesen genau erklären und sich dafür rechtfertigen. Man muss seinen Wunsch gut begründen können, damit man ihn sich verdient. Was für ein Scheiß?? Mich hat das absolut fertig gemacht. Wenn man merkt, dass das Privatleben egal ist und man nicht genug Tage am Stück frei bekommt, damit man sich um sein privates Glück kümmern kann. Mich hat das sehr niedergeschlagen. Mir wurde sofort klar: Das will ich nicht.

Außerdem wurde mir bewusst, dass sich alles, wonach ich insgeheim gesucht habe, bereits in meinem Leben befindet und ich gar nichts Neues erschaffen muss, aus dem sich vielleicht etwas entwickeln könnte. Nein, es ist alles schon da. Auf einmal war es für mich ganz offensichtlich: Ich übernehme in ein paar Jahren den Laden meiner Mutter. Bis dahin ist noch genug Zeit, um sich mit den Vorbereitungen zu beschäftigen. Es wird nichts überstürzt. Auch wenn die Idee sehr überraschend kommt. Aber wahrscheinlich ist das jetzt tatsächlich das Richtige für mich, weil sich die Vorstellung gut anfühlt. Ich sehe darin nichts Negatives.

Wo vorher Leere war, sind nun ganz viele Ziele. Auf einmal ist alles da, was wichtig ist. Ohne Ziele kein Halt im Leben und das zieht einen runter. Momentan bin ich euphorisch. Ich mag den Gedanken, in wenigen Jahren selbständig zu arbeiten und mein eigenes Ding zu machen. Nur ich allein bin dafür verantwortlich, was passiert. Kein Stress mehr mit Kollegen und unmöglichen Dienstplänen. Keine Feiertagsdiskussionen mehr. Sondern Freizeit und Arbeit wie ich es will. Meine Verantwortung und meine Kreativität sind gefragt und das ist der perfekte Deal.

Aber letztendlich ist das erst einmal Träumerei. Auch, wenn ich mich bereits entschieden habe, gibt es immer noch zwei andere Personen, die mitentscheiden müssen. Von deren Entscheidung hängt meine Zukunft leider ab. Deswegen hoffe ich, dass sich alles zum Guten entwickelt und mein Wunsch erfüllt wird.

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Bitch #3

…Fortsetzung…

Gegen 2 Uhr nachts kommt er wieder zurück und ich werde gleich wach, da ich mich nur in einem lockeren Halbschlaf befand. In Hotels kann ich nie richtig schlafen, so bequem die Betten auch sein mögen. Es dauert nicht lange und mein Chef steht neben mir am Bett. Er macht die Nachttischlampe an, um mich zu sehen. Dabei sieht er mein Nachthemd und sagt: „Was soll das, warum hast du das an? Du hast nackt zu sein, wenn ich da bin.“ 

Ich erinnere mich. Aber mir war so kalt und ich wollte nicht nackt im Bett liegen, zumal ich gar nicht wusste, wann er wiederkommt. Außerdem war es nur ein dünnes kurzes Nachthemd, das man schnell ausziehen kann. Sofort streift er mir das Nachthemd über den Kopf und wirft es auf den Boden.

Unsere Blicke haften aneinander. Ich nackt vor ihm und er angezogen. Er sieht nicht müde aus, im Gegensatz zu mir. Schließlich war es vorher angenehmer, ohne Licht. Meine Augen mögen lieber Dunkelheit. Mir ist die Nachttischlampe zu hell und mein Körper wird von dem Licht angestrahlt, das kann ich nicht leiden.
Wieder herrscht Schweigen und ich warte darauf, bis er etwas sagt und diese brennende Stille bricht. Aber er schaut mich nur an. 

„Leg dich hin und mach die Beine auseinander“, fordert er mich auf.

Ich gehorche und mein Körper zittert leicht, weil mir gleich wieder kalt wird. Wahrscheinlich, weil er mich anguckt und ich mich nicht verstecken kann. Ich bin schutzlos, wenn er da ist. Und gleichzeitig fühle ich mich auf eine Art bei ihm geborgen, weil er mir Schutz gibt. Nur in anderen Formen. Er ist mein Chef.

Er guckt mir zwischen die Beine und dann wieder hoch zu meinen Brüsten. 
„Steck dir deinen Finger in den Mund und lutsch daran herum“, befielt er.

Wäre ich Schauspielerin, wären seine Befehle sicher ein einfacheres Spiel für mich. Aber im Moment ist es teilweise noch ungewohnt. Ich brauche länger, um mich an etwas zu gewöhnen. Manchmal. Also stecke ich mir nach einem kurzen Zögern den Zeigefinger in den Mund und lutsche daran herum. Es erinnert mich ein bisschen an ganz früher. Ich mochte es immer gerne, etwas im Mund zu haben und meine Eltern bekamen es nur mit viel Mühe hin, es mir abzugewöhnen. 

„Und guck mich dabei an“, ergänzt er.

Ich versuche es und merke, dass es mich anmacht. Hätte ich vorher Alkohol getrunken, hätte ich sicher noch weniger Hemmungen und mir wäre wärmer.

„Und nun fass deine nasse Fotze an“, erwartet er von mir, während er immer noch an selber Stelle steht, ohne selbst aktiv zu werden. Er geilt sich an meinem Anblick auf.

Ich tue, was er sagt und er hat recht: ich bin nass. Trotz meiner Schüchternheit gefällt mir die Situation und seine Erwartungen. Wieder ist mein Empfinden widersprüchlich. Für mich gehören Gegensätze zusammen, ich kann sie nicht trennen.

Meine Hand wird leicht klebrig von meiner Feuchtigkeit und es wird immer mehr. Aber so richtig Lust, es mir selbst zu machen, habe ich nicht. Ich wünsche mir, dass er gleich den nächsten Schritt macht und auf mich zukommt, ohne ewiges Vorspiel und anderweitiges Umhergespiele.

Dann zieht er sich tatsächlich bald aus und alles geht ziemlich schnell. 
Er drängt sich zwischen meine Beine und küsst mich, ohne mit seinem Schwanz in mich einzudringen, obwohl ich das jetzt am liebsten hätte und nicht mehr warten möchte. Während er mich küsst, werde ich immer feuchter und spüre die zunehmende Klebrigkeit zwischen meinen Beinen und an seinem Schwanz. Meine Feuchtigkeit breitet sich schnell überall aus und haftet nun auch an ihm. Sein Kuss macht mich scharf und ich genieße die Reife, die darin steckt. Sein Kuss verspricht Erfahrung und stillt die Sehnsucht, die ich immer hatte und nicht befriedigt wurde. Sein Kuss löst in mir das Gefühl aus, ihn spüren zu wollen. Egal wie. 

Ich mag es, dass er zärtlich zu mir ist und ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist und nicht lange anhalten wird. Aber es ist unsere erste gemeinsame Nacht und wir müssen uns kennenlernen, Stück für Stück. Diese eine Nacht wird nicht reichen, um zu wissen, wo seine Grenzen sind und zu was er alles bereit ist.

Der Kuss dauert ziemlich lange und ich spüre, wie einige kleine Tröpfchen auf meinem Bauch landen, die nicht von mir sind. 
Eigentlich erwarte ich die ganze Zeit ein Zeichen für einen BlowJob, aber da kommt nichts. Nicht, wie der übliche Ablauf. Es ist anders. Im Bett herrscht eine gefährliche Romantik, die schlagartig aufhört, als er plötzlich hart in mich eindringt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob es mir wehtut. Sein Schwanz ist ziemlich dick und ich ziemlich eng. Das sagt selbst mein Frauenarzt und nicht nur Männer. Vielleicht ist es ein Vorteil, so eine jungfräuliche Fotze zu haben. Vor allem, wenn es richtig hart zur Sache geht. Welcher Mann steht da nicht drauf? 

Seine Stöße sind tief und fest. Mein Chef hält zudem konsequent Blickkontakt, um mich weiter zu erniedrigen und klein zu kriegen.
„Gefällt es dir, wie ich dich ficke, du geile Schlampe?“

Als ich nicht schnell genug antworte, fällt die nächste Ohrfeige, die noch mehr schmerzt, als auf der Toilette. Er schlägt heftiger zu, weil wir ungestört sind und es nicht schlimm ist, wenn meine Wange rot wird und glüht. 

Seine Bewegungen auf meinem Körper und seine Stöße schmerzen, weil sie teilweise unregelmäßig und sehr ruckartig sind. Deswegen weiß ich nicht, wann der nächste schmerzhafte Stoß folgt. Und jedes Mal stöhne ich leise auf. 
„Los, sag, dass es dir gefällt!“

Ich stöhne nur ein Ja aus mir heraus. 

„Was gefällt dir?“

„…dass Sie mich ficken“, antworte ich ehrlich. 

Mir schießen auf einmal Tränen in die Augen und ich fange an zu weinen. Mein Chef löst irgendein verdrängtes Gefühl in mir aus, aber ich weiß nicht welches. Nur eines weiß ich: Es ist ein altes Gefühl, das ich in mir trage und er bringt es wieder in mein Bewusstsein. 

Als er sieht, dass ich weine, schlägt er mich erneut. Er sieht mich gerne weinen und möchte diesen Zustand ausreizen, indem er mir noch mehr wehtut. Tränen schrecken ihn nicht ab und er wird dadurch nicht sanfter zu mir. Ganz im Gegenteil – es macht ihn umso geiler. 

Seine Schläge brennen und ich habe es lange nicht erlebt. Und dennoch möchte ich nicht, dass er aufhört. Er soll mich weiterficken und mich so oft schlagen, wie er will.

Mit jedem weiteren Stoß spüre ich ihn tiefer in mir. Ich versuche ihn zu küssen, aber er lässt sich nicht darauf ein. Damit habe ich eine Grenze überschritten, weil nicht ich die Regeln mache, sondern er. Die Bestrafung folgt gleich darauf, als er mir einige Sekunden den Hals zudrückt. Das habe ich noch nie erlebt und ich bekomme Angst. Schnell kriege ich kaum noch Luft. Es ist kein Spiel. Wenn ich mich mit ihm anlege, kann ich nur verlieren. Ich kann mich nicht wehren und ich darf es auch nicht. Es ist wirklich kein Spiel. Diesen Satz muss ich oft wiederholen, bis ich ihn endlich kapiere. 
Sein Wille, nicht meiner.

„So nicht, Fräulein“, droht er mit strengem Blick.

„Verstanden?“

Ich versuche mich irgendwie bemerkbar zu machen und krächze ein Ja hervor.

Danach lässt er mich los und ich kann wieder atmen. Ich fühle mich benommen. Seine Hände um meinen Hals spüre ich noch Minuten später, so fest hat er zugedrückt. 

Meine Bestrafung bereitet ihn seinen Höhepunkt. Mein Chef verhält sich recht still dabei und lässt es sich kaum anmerken. Aber ich spüre es trotzdem. 

Zwischen meinen Beinen brennt und pulsiert es weiter. Allein, weil ich so eng bin, brauche ich mehr Zeit, um mich zu erholen. Ich bin erschöpft und hätte mir am Ende etwas Nähe gewünscht. Aber mein Chef hält die gewohnte Distanz trotz Intimität ein und kümmert sich danach nicht weiter um mich. Er liegt auf der anderen Seite des Bettes, jedoch in Blickrichtung zu mir. 
„Nun leg dich endlich hin und schlaf, Kleine.“ Seine Stimme ist dabei ganz ruhig.

Dieser Satz bedeutet für mich Geborgenheit.

– Ende –

Bitch #2

…Fortsetzung…
Nach der Aktion auf der Toilette schleift er mich an seiner Hand zurück ins Restaurant. Natürlich gucken die Leute wieder und denken sich ihren Teil. Dabei haben sie keine Ahnung, wie es wirklich war. Man trifft sich nicht immer auf der Toilette, um zu ficken. Manchmal geht es auch um andere Dinge, zum Beispiel um Erziehung und Klärung von Konflikten. Mein Chef und ich setzen uns an den Tisch. Schweigen. Ich schaue ihn flüchtig an, aber er guckt gerade woanders hin. Glück gehabt. 

Mein Handgelenk ist ganz rot und schmerzt bei jeder Bewegung. Ich reibe mit den Fingern daran, um festzustellen, ob es angebrochen ist und ob es knackt. Mein Chef nimmt mich wieder ins Visier und ich vernehme ein ganz leichtes, kaum sichtbares Grinsen. Sehr unscheinbar und dennoch weiß ich, dass es ihn sehr amüsiert, wenn ich so hilflos in seiner Nähe bin und ich mich nicht wehren kann. Und es gefällt ihm umso mehr, wenn ich Schmerzen habe, die er mir zugefügt hat.

Dann kommt die Bedienung mit dem Essen. Ich habe immer noch Lust auf Pizza. Stattdessen erwartet mich eine große Portion Nudeln mit Sauce. Irgendein Pastagericht. Nicht wirklich mein Ding an diesem Abend, aber akzeptabel. Ich hasse es, so viel zu essen. Vor allem ahne ich schon, dass ich die Portion eh aufessen muss. Er passt auf, dass ich nicht zu wenig esse. 
Mein Chef sieht mein dezent negativ überraschtes Gesicht sofort. 

„Stimmt etwas nicht?“, fragt er mich gleich.

„Alles gut, Pasta geht auch. Danke.“

Er nickt und gibt damit einer weiteren Diskussion keine Chance. Ich wollte auch keine Diskussion mehr, eine hat schon gereicht. 

Beim Essen reden wir nicht. Das Thema von vorhin ist Vergangenheit. Die Toilette wirkt scheinbar als Ort des Vergessens. Nachdem ich dort bestraft wurde. 
Anschließend bezahlt er die Rechnung und sagt:“Bist du schon nass?“

Ich werde verlegen. So eine Frage passt nicht in ein Restaurant und schon gar nicht nach dem Essen.

Auf seine Frage kann ich gar nicht antworten, sie ist so unpassend. Was soll das jetzt? Mal wieder gucke ich ihn nur schüchtern an. Ich will nichts sagen, weil ich untenrum momentan gar nichts spüre.

„Ich hoffe, dir ist klar, was gleich im Hotel passiert, so ungezogen, wie du heute warst.“

Ich entweiche seinem Blick, um darüber nachdenken. 

„Fräulein“, wieder reißt er mein Kinn zu sich hoch und sein Blick brennt sich in meine Augen. Oh Mann. 

„Das hier ist alles kein Spiel, okay? Hast du das noch nicht verstanden?“

Nein, ist es nicht. Zumal er mich vor den ganzen anderen Leuten gerade bloßstellt, mitten im Restaurant. Aber niemand traut sich etwas zu sagen. 

„Ich hab verstanden“, bringe ich nur kleinlaut hervor.

Worauf habe ich mich hier nur eingelassen, denke ich. Das alles IST tatsächlich kein Spiel, sondern Ernst. Wenn das alles nicht in der Öffentlichkeit stattfinden würde, wäre es für mich wahrscheinlich weniger schlimm. Aber so fühlt es sich einfach nur nach Demütigung an.

Genau das, was ich wollte. Allerdings lieber im Privaten, fernab von der Öffentlichkeit.

Dann zieht er mich an meinem schmerzenden Handgelenk nach draußen. Die Limousine wartet schon auf uns und wir werden privilegiert ins Hotel gefahren. Natürlich eines dieser eleganten Nobelhotels, was sonst. Zum Staunen ist jetzt jedoch keine Zeit. 
„Los, du Schlampe, steig aus“, befiehlt er, während er die Tür für mich aufhält. Beim Aussteigen schaut er mir genau in den Schritt, mit der Hoffnung, etwas zu sehen. Eigentlich wartet er nur darauf, dass ich kurz abgelenkt bin und nicht mehr daran denke, dass ich keinen Slip trage.

Die Limousine ist so tiefgelegt, dass ich wirklich Probleme habe, auszusteigen. Mein Chef merkt das und reicht mir die Hand – sehr charmant. Auch so etwas kann man von ihm erwarten. Nur ohne ein Lächeln. 

„Danke“, sage ich.

„Und jetzt beweg deinen Arsch, mein Gott nochmal“, zischt er mich an.

Er legt mir den Arm um die Hüfte, damit er mein Schritttempo besser bestimmen kann, um gegebenenfalls etwas nachzuhelfen, falls ich zu langsam bin. Immerhin muss ich mich gleichzeitig auf meine Absätze konzentrieren. 

Wir erreichen wenige Minuten später das Hotelzimmer, welches riesig und extravagant ist. Kein Vergleich zu den Hotels, in denen ich mich bisher aufhielt. 
Mein Chef lässt mir nicht viel Zeit, um mich umzuschauen, denn darum geht es nicht. Deswegen sage ich auch nichts. Für ihn ist so ein Hotel nichts Neues und ich habe meinen Mund zu halten. Er steht hinter mir und sagt:“Dreh dich um, du kleine Schlampe!“ 

Ich gehorche. Im Nu hat er mir das Kleid über den Kopf gezogen und ich stehe völlig nackt vor ihm.

Seine Mimik ist ernst, während er mich anschaut, von oben bis unten. 

„Deine Titten sind wirklich schön.“ Er berührt mich dort und fängt an, sie zu massieren und zu kneten. 

Es ist ein wenig unbehaglich, so mitten im Raum zu stehen, obwohl das Bett ganz in der Nähe ist. Aber was ich fühle ist im Moment egal. Nur sein Wille zählt.

Mein Chef ist sehr erregt. Sein Atem und seine Hose verraten ihn. Ich kann meinen Blick nicht abwenden und starre die Beule in seiner Hose heimlich an. Sonst gäbe es wahrscheinlich gleich die nächste Ohrfeige. 

Obwohl mich das gerade auch ziemlich anmachen würde. 

„Komm, geh zum Bett“, bestimmt er. 
Ich höre auf ihn, weiß aber nicht, was ich dann machen soll und warte auf einen weiteren Befehl. Er bemerkt das und sagt:“Sehr gut, du lernst dazu. Leg dich aufs Bett, auf den Bauch.“ 

Gehorsam tue ich, was er sagt. Ich will nichts falsch machen. Was wird er als nächstes tun? Es ist komisch, hinten keine Augen zu haben. Obwohl ich nicht gefesselt bin, fühle ich mich ihm schon ausgeliefert. Ich höre, wie er sich die Hose auszieht und das metallische Geräusch seines Gürtels. Dann spüre ich, wie er sich mir nähert. Als er an meinen Haaren zieht, klingelt sein Handy. Er zögert kurz und schimpft, geht dann aber doch ran, da er beruflich sehr beschäftigt ist und es somit genug wichtige Anrufe gibt. Für das Gespräch zieht er sich in ein anderes Zimmer zurück, sodass ich nichts davon mitbekomme, weil es mich nichts angeht. Ich bleibe dennoch ruhig auf dem Bett liegen und gedulde mich. 

Nach zehn Minuten kommt er zurück und höre, wie er sich wieder anzieht. Ich frage nicht, was los ist. Er wird es mir schon sagen. 
„Hey Kleine, ich muss los. Du geh erstmal duschen. Ich komme später wieder. Schön lieb bleiben.“

„Okay“, erwidere ich nur. Und dann ist er, nach einem kurzen Blick in dem Spiegel, auch schon weg und ich bin allein in diesem teuren Hotelzimmer.  

Bitch

Mit 14 chattete ich mit Männern, die heute 60+ sind. Alle werden älter. Nur ich nicht.

… EVEN THOUGH YOU’RE WITH ANOTHER GIRL

Good morning
Are you alone today?
I'm burning 
Can I call you later and say?
I will wait for you
Even though you're with another girl
And so am I
Neglecting, you're running out of time
Forgetting, you couldn't stay the night
I will wait for you
Even though you're with another girl
And so am I
I'll stay the night, I'll stay the night
I will wait for you
Even though you're with another girl
I will wait for you
Even though you're with another girl
Aaaaaa-and so am I
[Trentemøller]

 

„Guck mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede und mach deinen Job“, sagt er im fordernden Tonfall. Ich zögere. Ich kann ihn gerade irgendwie nicht angucken, meine Gedanken sind irgendwo anders festgehakt. Ich träume und bin weit weg, weil ich inzwischen gut darin bin, die Realität zeitweise auszublenden. Ich bin eigentlich bei jemand anderem und vor mir sitzt niemand. Natürlich bin ich mal wieder in dem Zustand einer dissoziativen Störung. Wenn ich will, kann ich alles komplett ausblenden und vergessen. Also: Talent oder Krankheit?

„Guck mich an“, fordert er mich erneut auf. „Von was träumst du gerade? Du hast doch alles! Oder denkst du etwa an jemand anderen? Los, sag!“ Er klingt alles andere als freundlich und er kann es nicht leiden, wenn mir andere Männer durch den Kopf gehen. Er hasst es. Seine Worte erreichen mich noch nicht. Aber ich merke, dass er böse ist und dass gleich etwas passiert, was mich aus meinem Traum reißen wird.
„Los!“ Er langt energisch über den Tisch und rüttelt an meinem Handgelenk. Seine Hand umschließt mein Handgelenk völlig und er drückt zu, bis es ein wenig knackt. Es tut weh, weil er viel Kraft hat und genau weiß, wie man mit Druck zum Ziel kommt. Besonders bei mir. Druck macht mich schwach und ich darf nicht Nein sagen. Das ist verboten.

Danach wache ich tatsächlich auf und spüre die Wirklichkeit. Ich schaue ihn an und werde verlegen. Mein Verhalten geht gar nicht und er wirkt sehr ernst. Vor mir sitzt mein Chef und nicht niemand.
„Also, ich höre“, sagt er.

Ich schweige, weil ich nachdenke, aber ich habe keinen klaren Gedanken. Nur rosa Nebel mit Sternchen und kaputten Herzchen, die schwarz sind. Dann wende ich meinen Blick ab, um mich besser konzentrieren zu können. Wenn ich ihn sehe, kann ich mich nicht konzentrieren. Vor allem, weil er meine Antworten gleich möchte, ohne dass ich ausreichend Zeit zum Nachdenken habe. Er möchte sehen, ob meine spontanen Antworten dumm oder clever sind. Er mag beides gemischt. Immerhin bin ich ihm um viele Jahre unterlegen.

Er beobachtet mich genau und kommentiert die Situation sofort:“Hey, nicht weggucken!“ Ich fühle mich eingeengt und dennoch macht es mich an. Willkommen in der Ambivalenz.
Das einzige, was ich herausbringe ist ein schwaches Ja.

Die Kellnerin kommt und nimmt die Bestellung auf. Bevor ich etwas sagen kann, bestimmt mein Chef einfach, was ich esse. Ich bin etwas verärgert, aber wahrscheinlich ist es eher schüchterner Frust.
„Eigentlich wollte ich lieber Pizza“, sage ich betont nett.

„Das ist mir egal. Du musst dich mir anpassen und nicht anders herum. Verstanden?“

Ich nicke. Es ist in Ordnung, er wird vielleicht besser wissen, was gut für mich ist. Während ich versuche, seinen Blicken nicht allzu oft auszuweichen, guckt er mir in den Ausschnitt. Selbstverständlich muss er sich nicht dafür entschuldigen, denn das ist Teil meines Jobs – gut auszusehen und meine Figur zu betonen.

„Worüber denkst du nach die ganze Zeit?“, fragt er. Irgendwie spürt er alles, er weiß genau, dass in mir etwas vorgeht. Ich kann nichts vor ihm verbergen.

„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Warum nicht?“

Weil es immer wieder die selbe ewige Geschichte ist, denke ich.

Ich antworte nicht und starre ihn an. Vielleicht um die Antwort bei ihm zu finden, die nichts mit ihm zu tun hat. Sondern mit….

„Du wirst mir jetzt sagen, was mit dir heute los ist! Sofort!“
Er steht abrupt auf und zieht mich hinter sich her, Richtung Toilette. Die Leute gucken alle, wie ich hinter ihm her stolpere und fast umknicke.

Als wir auf der Toilette sind, verpasst er mir eine Ohrfeige.

„Du wirst mir vernünftig meine Fragen beantworten, okay? Sonst kannst du auf dein tolles Gehalt und dieses Leben bald verzichten, und das willst du doch sicher nicht – oder?“

„Nein.“

Er zieht mein Kinn hoch. „Was habe ich dir zum verbotenen Wort gesagt?“ Ich bekomme Hitzewallungen und Ohrenrauschen, weil mir in dem Moment alles hochsteigt. Ich kann überhaupt nicht mehr denken.

Er will zu viel von mir und ich habe Angst, seinen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Und dennoch kribbelt es in mir, weil dieser Moment auch genauso erregend ist. Dieser Widerspruch zerreißt mich. Ich stehe leider auf Gewalt und ich mag es, wenn er mich zwingt.

Ich kann ihm seine Fragen nicht beantworten, weil er die Antwort eigentlich kennt. Er möchte mich mit seinen Fragen nur demütigen und Macht ausüben.
„Hast du einen anderen Mann kennengelernt“, will er wissen.

„Habe ich nicht.“

„Denkst du an jemanden?“

„Ich weiß es nicht, das ist alles ganz komisch.“

„Was ist komisch? Werde genauer.“

Ich hasse seine Psychotricks, die mich ganz sprachlos und meinen Kopf leer machen. Er kann solche Gespräche unendlich weit führen und alles bis ins Detail hinterfragen. Nur mein Verstand ist teilweise zu oberflächlich für tiefgründige Sofortantworten. Und mein Gefühl steckt woanders fest. Ich will jetzt kein widersprüchliches Gespräch über abstrakte Liebe führen.

„Ich kann es nicht beschreiben. Bitte, ich möchte da jetzt nicht drüber reden.“
„Ich aber und du hast zu gehorchen. Merk dir das!“

Ich fange an zu weinen, weil ich mich eingeschüchtert und bedrängt fühle. Zumal er um einiges größer ist als ich und ich neben ihm ganz klein und zerbrechlich wirke. Ich kann mich kein Stück bewegen, weil er genau vor mir steht und ich an der Wand. Ich bin ihm ausgeliefert und er genießt es. Noch nicht einmal ein Taschentuch habe ich dabei. Meine Tränen laufen ununterbrochen die Wangen herunter und ich fange wie ein kleines Kind an zu schluchzen. Er beobachtet mich weiterhin genau und scheint sich ein wenig über mich zu amüsieren. Am liebsten würde ich direkt vor ihm zusammenbrechen und weg sein.

„Hey“, er zieht mein Kinn wieder zu sich hoch. „Guck mich an, wenn du weinst.“ Ich drehe meinen Kopf weg, weil ich es hasse. Ich will nicht, dass er mich so sieht. Mein Kopf pulsiert und dröhnt. Jedes Mal, wenn ich weine, bekomme ich Kopfschmerzen und fühle mich absolut erschöpft. Eigentlich würde ich gerne einschlafen, weil Tränen müde und gleichgültig machen. Ich sacke ein wenig in mich zusammen, aber er zieht mich gleich wieder hoch, kommt mir ganz nah und presst mich mit seinem ganzen Körper an die Wand.

„Dich weinen zu sehen erregt mich“, äußert er in einem Ton, der fast wie ein gefährliches Flüstern klingt. Aber in meinem Ohr rauscht es nur. Dann kommt er ganz dicht an mich heran und flüstert mir etwas Warmes ins Ohr. Ich spüre seinen feuchten Atem und höre ihm zu, während er mich mit einer Hand intensiv unter dem Kleid berührt, um sich davon zu überzeugen, dass ich auch wirklich keinen Slip trage.

„Warte ab, bis wir im Hotel sind. Dann wirst du noch mehr weinen, okay?“

Dann streicht er mir mit seinem Zeigefinger zärtlich über die Wange und lächelt zum ersten Mal an diesem Abend.

Das Gespräch

Lieber bisschen drunter, als bisschen drüber.

Heute war ein sehr wichtiger Tag und ich war zum ersten Mal seit langer Zeit extrem aufgeregt. Zum Glück konnte ich in der Nacht gut schlafen, nachdem ich mich eingehend im Netz über Vorstellungsgespräche und deren Tücken informierte.

Meine letzte große Aufregung ist inzwischen über ein halbes Jahr her, als ich das ‚beste Date‘ meines Lebens hatte. Eigentlich mehr imaginär, als echt…und eine angebliche Projektion. Das waren seine späteren Worte in Bezug auf meine Vorstellungen und Wünsche. An dem Tag war ich genauso aufgeregt und enorm glücklich. Ja, das waren tolle Gefühle, die ich heute noch einmal in einer etwas abgewandelten Form erleben durfte. Danke!

Allerdings kann ich im Nachhinein sagen, dass ein Vorstellungsgespräch viel schlimmer ist, als ein Date. Es geht um die Liebe zum Beruf (bzw. zur Berufung) und mit dem ist man meist länger verbunden, als mit einem Mann. Eine Trennung vom Traumberuf ist eher unwahrscheinlich und man hat keine Lust, fremdzugehen, wenn man das tut, was man unbedingt mit Leidenschaft tun will. Mein Beruf ist zugleich mein Hobby. Aber es gibt dennoch eine Menge Gemeinsamkeiten für diese beiden Ausnahmesituationen der Gefühle zwischen Mann und Beruf. Liebe verbindet letztendlich alles miteinander.

Ich habe mir viele Gedanken über mein Outfit gemacht, denn das sollte man für so einen besonderen Anlass selbstverständlich tun. Lange überlegen musste ich als Mode-Victim nicht und entschied mich für ein leger schickes Business-Outfit. Das entsprach meinem Stil und meiner Persönlichkeit, ohne dass ich verkleidet wirkte oder mich unecht darin fühlte. Meine Klamotten besorgte ich mir gleich, nachdem ich die Bewerbung abschickte, da ich mir sicher war, dass ich eingeladen werde. Ich dachte mir, dass sich für diesen Job sowieso fast niemand bewirbt, da er zu speziell und gefährlich ist. Eventuell. Also ging ich recht selbstbewusst an die Sache heran. Ich wusste einfach, dass ich es dorthin schaffen werde und nach zwei Wochen bekam ich die Bestätigung meiner Vorahnung per Post. Die Freude war riesig und ich war überglücklich, eine Chance bekommen zu haben, mich in dieser fremden neuen Welt präsentieren zu dürfen, denn ich brauche dringend ein anderes Umfeld und eine spannende Herausforderung.

Meine Business-Klamotten wurden bereits vor dem Vorstellungsgespräch eingeweiht und zwar in Berlin, beim Shoppen. Es gab mir ein besseres Gefühl, die Sachen schon einmal getragen zu haben und ins Leben zu bringen, bevor es richtig ernst wurde. Das Wochenende in Berlin machte Spaß und ich fühlte mich wohl in dieser eleganten dunkelblauen Hose. Ich ging in diesen Klamotten abends ins Kino und genoss anschließend das Berliner Nachtleben. Danach fiel ich kaputt ins Hotelbett. Schlafen konnte ich vor Aufgedrehtheit jedoch nicht. Die Klamotten waren jedenfalls bewerbungstauglich. Diese Erinnerung an das Wochenende in Berlin mochte ich.

Heute Morgen stand ich um sieben auf, da ich um acht los musste. Ich wurde ein Viertelstunde vorher wach, da meine innere Uhr wirklich gut funktioniert. Etwas müde war ich noch, da das normalerweise nicht meine normale Aufstehzeit ist und ich mich nicht unbedingt als fröhlichen Morgenmenschen bezeichnen würde. Außer im Sommer, wenn die Sonne schon morgens scheint.

Als ich mich anzog, hatte ich keine Zweifel, zwecks meines Aussehens. Ich spürte, dass es immer noch das perfekte Outfit war und kein bisschen zu abgehoben. Der Blazer bestand nämlich aus Bouclé-Stoff mit eingewebten dezenten Goldfäden und ein wenig Kunstleder an den Rändern. Jedoch fernab von Extravaganz. Insgesamt war alles stimmig.

Mein Make-Up blieb zurückhaltend, denn zu viel Schminke ist in der Branche nicht angesehen und macht einen oberflächlichen Eindruck. Man sollte sich fragen, wie man am besten Vertrauen erweckt und wie man sein Selbstbewusstsein angemessen zum Ausdruck bringt. Natürlichkeit ist die Lösung. Auf zu viel Schmuck verzichtete ich natürlich auch und setzte auf Bescheidenheit. Als ich meine Haare zum Schluss mit Glanzspray einsprühte, war ich zufrieden. So konnte ich mich sehen lassen.

Danach gab es ein großes Frühstück und eine kleine Tasse Kaffee, damit sich meine Nervosität nicht steigerte. Ein ausgiebiges Frühstück ist in solchen Fällen immer gut, denn man hat das Gefühl, dass man dadurch mit genug Energie versorgt ist und diese Aufregung besser durchhält. Außerdem hat Essen oft eine beruhigende Wirkung. Bananen und Schokolade sind da ein passendes Mittel. Oder Haferflocken und Nüsse.

Bei mir gab es Joghurt mit Kuchengeschmack und ein warmes Käsebrötchen. Danach blieb mir nicht mehr viel Zeit und ich machte mich auf den Weg zur Straßenbahn. Draußen war es ziemlich windig und kalt. Ich trug keinen Schal und nur eine dünne Jacke, weil ich nicht schwitzen wollte. Aber es war definitiv zu kalt in den Sachen. Ich war froh, dass ich wenigstens dicke Winterstrümpfe trug, die meine Füße wärmten, denn meine Hände waren bereits nach wenigen Schritten eiskalt. Wenn ich so jemanden mit der Hand begrüßte, würde das keinen guten Eindruck machen. Kalt vor Angst, könnte man annehmen.

In der Straßenbahn fühlte ich mich wieder entspannt und ausgeglichen. Alles war recht normal und ich konnte die Nervosität ausblenden. Die halbe Stunde Fahrt, die mir sonst so lang vorkam, war schnell vorbei und ich wunderte mich, wo die Zeit geblieben war. Schon erreichte ich das Ziel und hatte noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Gespräch. Ich war mir nicht sicher, ob ich so lange in der Kälte warten sollte oder lieber im Zielgebäude.

Wie sieht das denn aus, wenn man viel zu früh bei einem Termin erscheint?

Und vor allem: Was würde mich in dieser fremden und abgesperrten Umgebung erwarten?

Ich hatte keine Ahnung, was mir bevorstand.

Außerdem wollte ich keinen schüchternen verängstigten Eindruck hinterlassen. Ich wollte auch in unbekannter Umgebung selbstbewusst sein – denn ich bin selbstbewusst.

Ich entschied mich und ging zum Ziel meiner Träume. Die Zeit war mir dann egal, weil: Lieber zu früh, als zu spät. Kurz, bevor ich am Eingang klingeln wollte, sah ich eine Mitarbeiterin, die ich nett begrüßte und die mich in diese Sperrzone begleitete. Ich war froh, dass gerade jemand kam und ich nicht ganz alleine dastand. Bei der Wache gab ich meinen Ausweis ab und kurz, nachdem ich mich in den Wartebereich setzte, kam eine Frau, die mich woandershin begleitete, wo ich weiter warten musste.

Halb zehn hatte ich das Gespräch. Neben mir saß meine Konkurrentin, die sich auch auf diese Stelle bewarb – das konnte ich kaum glauben. Es gab tatsächlich noch andere Bewerber für diesen Beruf! Unfassbar. Ich scannte diese Frau beim Vorbeigehen kurz ab, ohne sie direkt anzuschauen. Aber man kann auch indirekt vieles wahrnehmen. Auf jeden Fall war sie etwas lockerer gekleidet. Scheinbar nicht ganz so ausgewählt, sondern eher Alltagslook. Sie trug einen roten Pullover. Dabei habe ich gelesen, dass man diese Farbe in Vorstellungsgesprächen eher meiden soll, da sie zu dominant ist und teilweise erotische Andeutungen macht. Die Frau hatte lange blonde offene Haare und saß mit überschlagenen Beinen auf ihren Stuhl.

Ich hingegen saß völlig entspannt dort und verschränkte meine Körperteile nicht. Jedem, der an mir vorbeikam, sagte ich lächelnd ‚Guten Morgen‘. Sie lächelten zurück. Einmal rutschte mir sogar ein leises ‚Hallo‘ heraus. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass jeder an mir interessiert wäre, der mich dort sitzen sah und ich fühlte mich empfangen. Ich wollte ein Teil dieser Klinik sein und dazugehören. Um jeden Preis sogar.

Bald wurde die Frau neben mir aufgerufen und ich konnte sie gedämpft durch die Tür reden hören. Sie erzählte viel und ich hörte einen osteuropäischen Dialekt heraus. Allerdings konnte ich nicht verstehen, worüber gerade gesprochen wurde. Ich war ziemlich neugierig, was meine Konkurrenz zu bieten hatte und ob sie ‚besser‘ war, als ich. Ihr Gespräch dauerte knapp zwanzig Minuten und sie war pünktlich um halb zehn wieder draußen, mit einem Strahlen im Gesicht und der Aussage, dass sie nun Urlaub hat.

Als ich aufstehen wollte, wurde ich gebeten, noch ein wenig zu warten. Ich war zu übereifrig, freudig und aufgedreht. Die Nervosität war immer noch weg und ich war froh darüber. Nach weiteren fünf Minuten durfte ich den Begegnungsraum betreten und es überraschte mich, dass dort noch zwei andere Personen saßen. Ich ging nämlich davon aus, dass ich mich nur auf eine Person konzentrieren muss. Das bereitete mir erst einmal einen kleinen Schock, obwohl in meinen bisherigen Gesprächen immer ca. 3-4 Personen saßen. Aber diesmal ging es um das wichtigste Gespräch überhaupt und zu viele Personen empfand ich als irritierend.

Ich legte meine Jacke und meine Handtasche auf den Stuhl und setzte mich drauf. Sehr gelassen und nicht hastig. Aber ich glaube, sie sahen meinen Hintern etwas zu lange. Alle begrüßten mich, aber keiner reichte mir die Hand. Also tat ich es auch nicht, weil man das nicht tun soll, wenn es die Vorgesetzten einem nicht anbieten. Immerhin war ich die Unterlegene. Ich atmete tief ein und schaute mir die Leute an, die am Tisch saßen. Alles okay. Alle mit Pokerface.

Das Gespräch begann damit, dass ich mich vorstellen sollte. In dem Moment begann die pure Aufregung wieder und ich hatte die absolut schwärzesten Blackouts. Ich wusste eigentlich nichts mehr und konnte so gut wie gar nichts von alledem sagen, was mich ausmacht und wie meine Motivation für diese besondere Stelle lautet. Obwohl ich die Antworten alle sehr genau wusste und überzeugt von mir war. Ich wusste, warum ich diese Stelle wollte. Aber mir fehlten die Worte, um mich auszudrücken. Stattdessen stammelte und stotterte ich abgebrochene Sätze, sowie einzelne Wortfetzen vor mich hin. So etwas würde mir bei einem Date zum Beispiel niemals passieren. Von meiner Eloquenz blieb nicht mehr viel übrig. Alles vergessen, der ganze Wortschatz verschwand. Ich kam mir vor, wie ein Trottel, der sich selbstüberschätzte und sich für eine Stelle bewarb, die sie sein Niveau stark überstieg. Ständig wiederholte ich Worte wie ‚manchmal‘, ‚vielleicht‘, ‚immer‘ und andere fantasielose Füllwörter. Der Chef hat also nicht erfahren, warum ich diese Stelle unbedingt möchte, was ich mir vorstelle und was mich ausmacht. Er hat nicht viel von meiner Persönlichkeit kennengelernt und weiß trotz des Gespräches immer noch nichts von mir. Allerdings hat er meine Persönlichkeit gesehen und wahrgenommen. Und ich habe die gestellten Fragen einfühlend, ehrlich und gut durchdacht beantwortet.

Natürlich habe ich auch erwähnt, wie aufgeregt ich bin und dass ich mich unter normalen Umständen ganz anders verhalte. Klar, das kann jeder sagen. Eigentlich muss man immer so sein, wie man ist. Egal, in welcher Situation. Selbstbewusste Leute würden sich wohl kaum etwas von ihrer Aufregung anmerken lassen. Von daher verhielt ich mich in deren Augen bestimmt ziemlich widersprüchlich und fragwürdig. Aber ich weiß nicht, was sie wirklich dachten. Vielleicht bin ich auch zu hart zu mir selber.

Nach meinem Geständnis wurde ich ein bisschen lockerer und entspannter. Für den Chef waren meine kurzen Antworten scheinbar nachvollziehbar und die anderen Leute brachten mir mit Zunicken Vertrauen entgegen. Außerdem bekam ich die Rückmeldung, dass die Dinge gut waren, die ich sagte. Ich hätte am Anfang einfach einen kleinen Small Talk gebraucht. Das hätte mich aufgetaut.

Aber nun ist alles so, wie es ist und ich akzeptiere das. Allerdings finde ich es sehr schade, dass die Aufregung mich so kaputt gemacht hat, sodass ich völlig neben mir stand und mich in den ersten Minuten wie gelähmt fühlte. Ich war so apathisch, als stände ich unter Drogen. Das ergab ein blödes Bild von mir, das mir nicht entsprach. Dennoch wirkten alle recht interessiert und waren freundlich. Zwischendurch goss ich das Glas mit Wasser voll und trank es bis zur Hälfte aus. Den Rest hinterließ ich nach dem Abschied, ohne Lippenstiftabdrücke.

Kekse standen leider nicht auf dem Tisch. Ich hätte sie auch nicht angerührt, obwohl ich Kekse über alles liebe. Denn wer Kekse im Gespräch isst, hat keine Manieren. Kekse dienen also nur zum Test.

Das Gespräch dauerte knapp vierzig Minuten und endete mit den Schlussworten: Wir melden uns. Angeblich soll das heißen, dass ich eine Absage erwarten kann. Aber das denke ich nach diesem Satz nicht, schließlich wollten noch andere Bewerber im Gespräch überzeugen. Ich konnte also noch keine direkte Zusage bekommen, denn das wäre nicht fair.

Zum Schluss bedankte ich mich nochmals und wünschte den Leuten einen schönen Tag. Den Spruch ‚Frohe Ostern‘ verkniff ich mir. Humor und komische Sprüche passten nicht zur Situation. Damit hätte ich mich lächerlich gemacht. Meine einzelnen Wortbrocken waren schon schlimm genug.

Jetzt sitze ich zu Hause und bin noch aufgeregter, als vor dem Gespräch. Ich denke ständig darüber nach, was gut lief und was nicht. Grübele darüber, wie ich äußerlich und persönlich herüberkam und google im Internet nach Fehlern im Vorstellungsgespräch. Sicherlich wäre es ohne Aufregung anders gelaufen. Aber auch, wenn es diesmal nichts wird: Es wird nächstes Mal was.

Wenn ich eine Absage bekomme, werde ich anrufen und sagen, dass sie meine Bewerbung aufheben können. Jemand hat mich daran erinnert, dass alles seine Zeit hat und davon bin auch ich überzeugt. Vielleicht muss ich noch ein wenig an mir arbeiten, damit ich richtig reif für diesen Job bin. Aber vielleicht muss ich auch gar nichts tun und werde aufgrund von vielen Sympathiepunkten gleich genommen. Das wäre ein Traum. Und ich hoffe, der Chef hat es erkannt.

Nun heißt es warten. Wie lange, das weiß ich nicht. Aber wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, da sie sich nach dem Gespräch beraten und sich die Bewerbung hoffentlich noch einmal genauer angeschaut haben. Letztendlich habe ich verbal all das wiederholt, was ohnehin schon drin stand. Meine Worte waren also nachlesbar.

Eine Zusage wäre mein bestes Ostergeschenk.

Nach dem Gespräch kaufte ich mir Schminke und Klamotten, um wieder halbwegs auf das Normallevel zu kommen. Einen Grund zum Shoppen gibt’s immer…

Zu Hause gab es dann noch Schokolade zur Beruhigung und ‚The Way‘ von Gigi D’agostino. Leider wirkungslos.