Alte Nachrichten von früher

Früher, früher,….ich.

Wieder ein Date vollständig abgeschreckt! Männer kriegen nen Ständer, wenn sie mich sehen und verabscheuen dann meine beruflichen Tätigkeiten!

PsychiatrieKS // Autor zwiespältiger Texte & Geschichten // dauergeile Zwangsprostituierte meiner Fantasie – die Qualifikationen des Grauens!

Eifersucht, Humorlosigkeit und Dummheit muss man nicht verstehen, oder?
Immer die gleichen bescheuerten Fragen, ob die Texte von mir sind – JAAHAA, ihr Arschlöcher!!
Alles von MIR!!

Und immer die Frage, ob einer der Patienten mich wieder angemacht hat??JAAHAA, die Männer da sind alle total krank, die dürfen das….!!!

Der nächste Patient, der mir eine Ohrfeige verpasst, darf mich dann auch richtig hart ficken…

Neues Alibi: Beruflich engagierte Hausfrau.
Steh’ vorm Herd und tue so, als ob ich Pudding im Kopf hätte!

Männer, die mit extremer Eifersucht reagieren, weil ich eine Zusage für die Veröffentlichung einer ErotikStory kriege, ticken doch nicht mehr richtig!!
Wo bleibt die Freude?? Die Empathie??

Und wenn mich jemand fragt, ob meine Texte ernst gemeint sind – VIELLEICHT.

Als nächstes schreibe ich einen kranken Liebesbrief an den Liebeskiller.
Aber am besten, Mann verbietet mir gleich das Schreiben und sperrt mich zu Hause in der Küche ein.

Manchmal habe ich das Gefühl, als ob den Leuten die Intelligenz fehlt, versteckte Ironie zu verstehen. Liegt das am Alter, dass die Männer so dumm sind und nix kapieren??

Fühle mich verarscht, enttäuscht und irgendwie auch verletzt.

Obwohl ich gerade zu müde zum Nachdenken bin und morgen auf einen Filmriss hoffe.

Meine Ansprüche möchte ich jedenfalls nicht ändern, da ich mich nicht aufgeben will, nur, um nicht alleine zu sein.
Wenn man weiß, was man will, wird die Schale immer härter. Das ist das Einzige, was ich gerade spüre. Wie ich zuwachse..

Nächstes Jahr bin ich dann eine fette männernihilistische Panzerschildkröte mit Bindungsphobie und Penisneurose.
Sexy, oder?

Sag Bescheid, wenn du oder ihr irgendwann mal frei sein solltest/solltet. 
Ich brauche einen richtigen Mann..und jemanden, mit dem man jeden Abend nackt ins Bett will..Daran darf ich gerade nicht denken. Wunsch Nummer 1…

Mies, wenn man sich alles kaufen kann, aber die Liebe nicht im Angebot ist..

Kann mir nicht vorstellen, dass dich oder euch das hier alles ganz unberührt lässt. Vor allem untenrum.
Wie wär’s mal wieder mit einem neuen Prestigeobjekt?

‚Vergiss nie die vielen aufregenden Vorteile einer jungen Frau, die dich will…‘

Auf hart und dreckig stehe ich besonders, aber auch nicht immer. Außerdem unterhalte ich mich gern über alles und rede auch über Sex, wenn ich anderen dabei in die Augen schaue.

Eigentlich bin ich ziemlich tabulos. Aber damit dürftest ja keiner Probleme haben, stimmt’s?

Und ich habe genug Selbstbewusstsein für…für alles.

Ich weiß nicht, inwiefern man sich von mir sexuell belästigt fühlt, aber für meine Meinung kann ich mich nicht entschuldigen. 
*Quelle: alter Notizzettel 


Werbeanzeigen

Jemand und Gin 4

[…]

Ich muss lächeln, als ich mich an meine früheren Wutanfälle erinnere, wo ich sämtliche Klamotten zerrissen habe. Am liebsten Unterhemden, weil ich die richtig hasste. Jeder, der mich heute kennenlernt, kann sich glücklich schätzen, dass diese Zeiten vorbei sind und ich andere Bewältigungsmechanismen verwende. Unter anderem Arbeiten. Aber nicht nur das. 
Türen schlagen ist übrigens auch lange out. Genauso wie eine volle Kellogg’s-Schale auf dem Küchentisch zerschmettern zu lassen. Ich weiß nicht mehr, warum. Eigentlich reichte manchmal nur ein einziges falsches Wort, welches sich dann als Missverständnis entpuppte. Früher konnte ich mit Kritik nicht umgehen, deswegen wurde ich schnell Klassenbeste, damit niemand mehr etwas zu sagen hatte. Perfektion motivierte mich enorm und ich bekam umso mehr Taschengeld, welches ich für Plüschtiere ausgab. Und für Chupa Chups Lutscher, sowie deren Apparaturen, wo man sie reinstecken konnte.

Die weiße Decke, unter der ich liege, fühlt sich angenehm an. Sie riecht nicht so muffig, wie manch andere Decke, unter der ich schon geschlafen habe. Ich finde die Aura der Decke bezaubernd. Meine Handtasche liegt auf dem Fußboden. Ich krabbel mit der linken Hand rein und versuche blind die Pillendose zu ertasten, weil ich meinen Kopf unter der Decke lasse und nichts sehen kann. Zwischen all dem Kram finde ich sie nicht, weil sie wahrscheinlich ganz unten liegt. Alles liegt unten, wenn man etwas sucht. Das ist mit den Akten auf Arbeit nicht anders.  Aber ich will nicht unter der Decke hervorkommen, um nachzugucken.

In dem Moment geht das Licht an, meine Hand erstarrt in der Tasche. Dann herrscht einen Atemzug völlige Ruhe.

„Was machst du denn da“, herrscht er mich an.

Ich weiß nicht, was er sich bei dem Anblick denkt. Wenn er zehn Minuten später gekommen wäre, wäre vielleicht alles gut. Aber er hat zu früh das Zimmer betreten, weil ich immer noch etwas durcheinander bin und nicht weiß, was mit mir los ist. Deswegen wollte ich meine Pillen haben. Die hätten mich zurück ins Gleichgewicht gebracht.

„Also, was ist los“, fragt er. 

Er hat eine logische Antwort verdient. Aber die kann ich ihm jetzt nicht geben.

„Mein Unterbewusstsein ist los.“

Für mich die logischste Antwort. Anders lassen sich spontane Stimmungsschwankungen nicht beschreiben. Sie kommen und gehen unangekündigt, wenn irgendwas in mir ausgelöst wird, ohne zu wissen, was.

„Und was machst du da in deiner Tasche?“

„Ich suche etwas.“

Er lacht kurz. Dann macht er das Licht wieder aus und unter der Decke wird es so dunkel, wie vorher.

Dass er so schnell geht, hätte ich nicht gedacht. Vor allem, weil es inzwischen ziemlich spät sein muss. Irgendwann wird er sicher ins Bett wollen. Als es auf einmal klingelt, werde ich aus meinen Was-wäre-wenn-Gedanken herausgerissen.

Ich schaue auf mein Handy. Es ist 23 Uhr. Später, als ich dachte. Dass ich schon einige Stunden hier bin, kann ich mir gar nicht vorstellen und ich bin nicht einmal müde.

Viel wichtiger ist: Wer ist da an der Tür? 

Ich bleibe im Bett, denn alles andere wäre zu gewagt. Besucher haben sich im Hintergrund zu halten. Ich bilde mir ein, eine Frauenstimme zu hören. Was auch sonst. Zwei Stimmen wechseln sich ab. Er und sie. Ich fühle mich wie ein versteinerter Vulkan, weil ich ausbrechen will und nicht darf. Es wäre ja sowieso viel zu übertrieben, da ich nicht weiß, worum es geht und alles nur Kopfsache ist. Und weil es mich eigentlich absolut nichts angeht. Aber die Neugier bleibt. 

Ich stelle mich still vor die Schlafzimmertür, um durch den offenen Spalt mehr mitzukriegen. Mein Strickpullover klebt. Entweder habe ich unter der Decke zu sehr geschwitzt oder der Vulkan findet sein Ventil und läuft gerade in Form von Angst an mir hinunter. Wut ist es nicht, sondern Angst vor Verlust.

Nach ewigen Minuten ist das Gespräch an der Tür vorbei. Es geht mir nicht besser und nicht schlechter. Ich befinde mich nun eher in dieser Egal-Stimmung, die mir ganz gut gefällt. Lieber so, als zu viel Emotionen. Letztendlich kann ich doch sowieso nichts ändern und muss die Dinge so hinnehmen, wie sie sind.
Ich komme vorsichtig aus dem Zimmer, wie nach einem Streit zwischen zwei Erwachsenen, der gerade an der Haustür beendet wurde. Die Luft ist rein und das nächste Drama könnte beginnen.

„War das die mit dem Duschbad?“, frage ich zusammenhangslos.

Er schaut mich irritiert an. 

„Ich meine, ob das pinke Duschbad auf dem Wannenrand von ihr ist.“

Irgendwie gibt es dafür wohl keine Antwort, die mich etwas angeht. Oder er weiß nicht, wovon ich rede.

Ein Glück, dass ich innerlich gerade stumm bin und nicht das Bedürfnis habe, sehr viele Fragen zu stellen. Die beantworte ich mir lieber selber in meiner Fantasie, denn die Wahrheit will ich echt nicht wissen. Ich weiß nicht, wie meine Wohnung dann aussehen würde und ob mich der Gin Toxic aus meiner Küche vernichten könnte, wenn mir vorher nicht schlecht wird. Mit Apfelsaft hätte er gute Chancen, zusammen mit einer anschließenden Zugfahrt. Das hat schon einmal geklappt. 

Nach meinem Statement gehe ich zurück ins Schlafzimmer. Ich trotte eher lässig zurück. So, als ob ich bei ihm wohnen würde. Dabei könnte er mich immer noch rausschmeißen, wenn ich zu anstrengend werde. 
Wieder liege ich unter der Decke. Bis er sie wegnimmt und es wieder richtig hell wird. 

„Jetzt ist Schluss. Du machst jetzt, was ich sage. Ist das klar?“

Er sieht ernst aus und ich spüre sofort, dass es keine leere Drohung ist. Mir ist sowieso schon die ganze Zeit bewusst, dass ich mit meinem Verhalten zu weit gehe. Ich wollte nur testen, wie weit ich gehen kann. Und jetzt muss ich artig sein und mich benehmen. Seine Wohnung, seine Regeln. Ich der Gast.

Aber wahrscheinlich testet er mich. Er hat solche Sachen schon einmal erwähnt und behauptet, er würde mich testen. Es ist schon länger her, aber ich weiß es.

Er guckt mich an, ohne seinen Blick aufzulockern und zeigt mir, dass ich Grenzen überschritten habe. 
„Jetzt komm unter der Decke vor, ich will dich sehen, Kleine.“

Ich mache was er sagt und schaue zu ihm hoch. Alles wie beim letzten Mal, nur dass das hier kein Abschied ist, sondern die Fortsetzung. 

„Und jetzt zieh dich aus. Das solltest du vorhin schon tun.“

Ich halte kurz inne, ziehe zuerst die Leggings und dann den Pullover aus. 

Diesmal trage ich pastellfarbene Reizwäsche in weiß und rosa. Passt ja auch perfekt, wenn man blass und unvorbereitet ist. 

Er betrachtet mich und sein Blick gleitet von oben nach unten und wieder zurück.

„Dreh dich mal.“

Nachdem ich mich einmal gedreht habe, positioniert er mich so, dass ich mit dem Hintern vor ihm stehe. Dann zieht er mir den Slip runter und streichelt meinen Po. Es fühlt sich so angenehm an, dass mir warm wird. Am liebsten würde ich mich umdrehen und ihn umarmen. Aber das geht nicht. Seine Hände zu spüren ist toll. Mein kleiner Po passt genau in seine großen Hände. 

Dann macht er meinen BH auf. So geschickt und zart, dass ich es kaum bemerke. 

Ich drehe mich wieder zu ihm, um ihn sehen zu können. Seine Augen sind so faszinierend blau und tief. Ich las einmal ein Buch über Charisma. Er könnte es geschrieben haben, denn er besitzt davon reichlich. 

Ich liebe es, wie er mich anschaut und dabei ernst bleibt. Er steht selbstbewusst in Jeans und Hemd vor mir und ich bin völlig nackt. Seine Blicke scheinen keine Stelle meines Körpers auszulassen. Er nimmt mich mit zu dem Stuhl, der immer noch mitten im Raum steht.

„Setz dich dort hin“, befiehlt er. 

Der Stuhl ist aus Holz und fühlt sich kalt an, unter meiner warmen Haut. Er steht angelehnt an der Tischkante und beobachtet mich, ohne einen Hauch von Mimik. Er hat das Sagen und ich habe nicht mehr das Bedürfnis, etwas zu tun, was dem widerspricht. Ich habe mich wieder unter Kontrolle, so lange er den Ton angibt und direkte Ansagen macht. Ich möchte ihn nicht provozieren. Ich will nichts kaputt machen. Nicht wieder.

Er sitzt minutenlang einfach nur da und schaut mich an. Ich kann seinen Blick nicht halten und schaue Weg. Dennoch sagt er dazu nichts. 

Dann kommt er zu mir. 

„Und jetzt guck mich an!“

Seine Stimme ist trotzdem leise und ruhig. 

Während er mich anguckt denke ich ‚fick mich‘. Ich denke es die ganze Zeit, bis ich es ausspreche:“Fick mich.“

Ich spüre, dass es ihn sofort anmacht. Es ist, als würden seine Augen etwas aufblitzen, ohne dass man es wirklich sieht. Ich kann es nur spüren. Sein Blick wirkt danach noch eindringlicher. 

„So so“, sagt er nur. „Und wie heißt das richtig?“

„Fick mich,..bitte.“

„Schon besser, Kleine.“

Ich verstehe nicht, warum ich noch auf diesem Stuhl sitze, anstatt mit ihm sofort ins Bett zu gehen. Innerlich bin ich unruhig und heiß geladen. Ich gucke ihn flehend an und merke, dass es ihm nicht anders geht. 

Ungefähr eine Viertelstunde sitze ich auf diesem Stuhl mit der Hoffnung, dass es gleich weiter geht. Dann klingelt sein Handy. Es ist längst Nacht! Wer ruft denn da noch an? Ich ahne gleich, dass das alles irgendwie nicht gut ist. Er verzieht sich mit dem Handy ins Schlafzimmer, damit ich nicht zu viel mitkriege von seiner Arbeit. Ich höre seine Stimme, aber keine Worte. Inzwischen fühle ich mich unwohl. Meine Sachen liegen direkt vor der Schlafzimmertür und kann sie nicht holen, da ich sonst zu nah am Telefongeschehen wäre. Er würde denken, dass ich neugierig bin. 
Aber weil ich mich zunehmend unbehaglicher fühle, hole ich schnell meine Sachen und entferne mich gleich wieder von der Tür.

Es dauert nicht lange, bis er fertig ist und ich angezogen auf dem Stuhl warte. 
„Es tut mir Leid, aber du musst gehen. Ich habe noch zu tun.“

„Wie jetzt? Mitten in der Nacht? Wo soll ich denn hin? Ich kann doch hier bleiben.“

„Nein, es kommen gleich ein paar Kollegen, wir haben was zu besprechen.“

Ich kann das fast gar nicht glauben, aber ich versuche es zu verstehen. 

„Ich weiß nicht, wo ich hin soll.“

„Nehme dir ein Hotel, ich bezahle es.“

„Nein, brauchst du nicht. Ich hab genug Geld. Aber ich find es nicht gut, jetzt gehen zu müssen.“

„Ich auch nicht. Ich habe mir die Nacht auch anders vorgestellt. Aber es ist wichtig. Nehme es bitte nicht persönlich, okay?“

Ich schweige und gucke betreten weg. Mir gefällt das nicht.

„Wie soll es denn weitergehen? Sehen wir uns wieder?“

„Ja, auf jeden Fall. Mach dir keine Gedanken. Versprochen?“

„Es wird mir schwerfallen. Aber ich versuche es.“

„Du musst jetzt gehen, Kleine.“

Ich strenge mich an, die Tränen zu verdrängen. Es fällt mir jedoch enorm schwer. 

„Meldest du dich dann bitte wieder bei mir? Ich meine, du hast mich blockiert, was ich nicht verstehe.“

„Ja, dafür gibt es andere Gründe. Ich werde mich bei dir melden, wenn ich mehr Zeit habe. Und bitte warte nicht auf mich, sondern genieße dein Leben bis dahin.“

„Das macht mich traurig.“

„Nicht doch, dafür gibt es keinen Grund. Ist doch alles toll!“

Alles toll. Jaja. Ich hole enttäuscht meine Tasche aus dem Schlafzimmer und ziehe mich an. Mit dem Taschentuch trockene ich mir die Tränen ab, bevor sie sichtbar herunterkullern. Das will ich nicht. Er soll nicht denken, dass ich labil bin oder klammere. Oder sonst was.

Ich gucke ihn an und es bricht mir fast das Herz, jetzt von ihm nach Hause geschickt zu werden.

„Darf ich dich umarmen?“, frage ich.

Und dann tue ich es einfach. Es fühlt sich so gut, wie bei keinem anderen. Ich würde aus diesem Moment gerne eine Stunde machen. Aber es geht nicht, er löst sich aus der Umarmung. 

„Bis zum nächsten Mal?“, frage ich leise.

„Ja, bis bald.“

Ich werde versuchen, mir keine Hoffnungen zu machen, wann bald ist. Bald kann auch irgendwann sein. Oder vielleicht sogar nie. 

Dann lässt er mich aus der Wohnung und hinaus in die Nacht. Ich drehe mich nicht noch einmal um, denn das würde wehtun. 

In meiner Tasche liegt mein iPod. Er ist noch an und steht seit dem Lied ‚Never be like you‘ von Flume auf Pause. Schöner Song, der gerade gut passt. In der anderen Jackentasche befindet sich mein kleiner Notizblock, der für unterwegs immer wichtig ist, um Gedanken sofort aufzuschreiben. Leider habe ich diesmal keinen Stift dabei. Mein Ausflug war ja nicht geplant.
Ansonsten bin ich gerade mitten in Berlin, auf der Suche nach irgendeinem Hotel, welches mir den Abschiedsschmerz nimmt und mir einen verträumten Schlaf schenkt. Leider werde ich so ein Hotel niemals finden. 

Mein Handy vibriert in der Tasche. Ich hole es sofort heraus und erwache schnell wieder aus meiner Traurigkeit, als ich die Nachricht lese.

‚Komm gut nach Hause, Süße. Du warst bezaubernd.‘
Ich bin glücklich und warte mit Sehnsucht auf unser Wiedersehen. Irgendwann. 

– Ende –

Bitch

Mit 14 chattete ich mit Männern, die heute 60+ sind. Alle werden älter. Nur ich nicht.

… EVEN THOUGH YOU’RE WITH ANOTHER GIRL

Good morning
Are you alone today?
I'm burning 
Can I call you later and say?
I will wait for you
Even though you're with another girl
And so am I
Neglecting, you're running out of time
Forgetting, you couldn't stay the night
I will wait for you
Even though you're with another girl
And so am I
I'll stay the night, I'll stay the night
I will wait for you
Even though you're with another girl
I will wait for you
Even though you're with another girl
Aaaaaa-and so am I
[Trentemøller]

 

„Guck mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede und mach deinen Job“, sagt er im fordernden Tonfall. Ich zögere. Ich kann ihn gerade irgendwie nicht angucken, meine Gedanken sind irgendwo anders festgehakt. Ich träume und bin weit weg, weil ich inzwischen gut darin bin, die Realität zeitweise auszublenden. Ich bin eigentlich bei jemand anderem und vor mir sitzt niemand. Natürlich bin ich mal wieder in dem Zustand einer dissoziativen Störung. Wenn ich will, kann ich alles komplett ausblenden und vergessen. Also: Talent oder Krankheit?

„Guck mich an“, fordert er mich erneut auf. „Von was träumst du gerade? Du hast doch alles! Oder denkst du etwa an jemand anderen? Los, sag!“ Er klingt alles andere als freundlich und er kann es nicht leiden, wenn mir andere Männer durch den Kopf gehen. Er hasst es. Seine Worte erreichen mich noch nicht. Aber ich merke, dass er böse ist und dass gleich etwas passiert, was mich aus meinem Traum reißen wird.
„Los!“ Er langt energisch über den Tisch und rüttelt an meinem Handgelenk. Seine Hand umschließt mein Handgelenk völlig und er drückt zu, bis es ein wenig knackt. Es tut weh, weil er viel Kraft hat und genau weiß, wie man mit Druck zum Ziel kommt. Besonders bei mir. Druck macht mich schwach und ich darf nicht Nein sagen. Das ist verboten.

Danach wache ich tatsächlich auf und spüre die Wirklichkeit. Ich schaue ihn an und werde verlegen. Mein Verhalten geht gar nicht und er wirkt sehr ernst. Vor mir sitzt mein Chef und nicht niemand.
„Also, ich höre“, sagt er.

Ich schweige, weil ich nachdenke, aber ich habe keinen klaren Gedanken. Nur rosa Nebel mit Sternchen und kaputten Herzchen, die schwarz sind. Dann wende ich meinen Blick ab, um mich besser konzentrieren zu können. Wenn ich ihn sehe, kann ich mich nicht konzentrieren. Vor allem, weil er meine Antworten gleich möchte, ohne dass ich ausreichend Zeit zum Nachdenken habe. Er möchte sehen, ob meine spontanen Antworten dumm oder clever sind. Er mag beides gemischt. Immerhin bin ich ihm um viele Jahre unterlegen.

Er beobachtet mich genau und kommentiert die Situation sofort:“Hey, nicht weggucken!“ Ich fühle mich eingeengt und dennoch macht es mich an. Willkommen in der Ambivalenz.
Das einzige, was ich herausbringe ist ein schwaches Ja.

Die Kellnerin kommt und nimmt die Bestellung auf. Bevor ich etwas sagen kann, bestimmt mein Chef einfach, was ich esse. Ich bin etwas verärgert, aber wahrscheinlich ist es eher schüchterner Frust.
„Eigentlich wollte ich lieber Pizza“, sage ich betont nett.

„Das ist mir egal. Du musst dich mir anpassen und nicht anders herum. Verstanden?“

Ich nicke. Es ist in Ordnung, er wird vielleicht besser wissen, was gut für mich ist. Während ich versuche, seinen Blicken nicht allzu oft auszuweichen, guckt er mir in den Ausschnitt. Selbstverständlich muss er sich nicht dafür entschuldigen, denn das ist Teil meines Jobs – gut auszusehen und meine Figur zu betonen.

„Worüber denkst du nach die ganze Zeit?“, fragt er. Irgendwie spürt er alles, er weiß genau, dass in mir etwas vorgeht. Ich kann nichts vor ihm verbergen.

„Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

„Warum nicht?“

Weil es immer wieder die selbe ewige Geschichte ist, denke ich.

Ich antworte nicht und starre ihn an. Vielleicht um die Antwort bei ihm zu finden, die nichts mit ihm zu tun hat. Sondern mit….

„Du wirst mir jetzt sagen, was mit dir heute los ist! Sofort!“
Er steht abrupt auf und zieht mich hinter sich her, Richtung Toilette. Die Leute gucken alle, wie ich hinter ihm her stolpere und fast umknicke.

Als wir auf der Toilette sind, verpasst er mir eine Ohrfeige.

„Du wirst mir vernünftig meine Fragen beantworten, okay? Sonst kannst du auf dein tolles Gehalt und dieses Leben bald verzichten, und das willst du doch sicher nicht – oder?“

„Nein.“

Er zieht mein Kinn hoch. „Was habe ich dir zum verbotenen Wort gesagt?“ Ich bekomme Hitzewallungen und Ohrenrauschen, weil mir in dem Moment alles hochsteigt. Ich kann überhaupt nicht mehr denken.

Er will zu viel von mir und ich habe Angst, seinen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Und dennoch kribbelt es in mir, weil dieser Moment auch genauso erregend ist. Dieser Widerspruch zerreißt mich. Ich stehe leider auf Gewalt und ich mag es, wenn er mich zwingt.

Ich kann ihm seine Fragen nicht beantworten, weil er die Antwort eigentlich kennt. Er möchte mich mit seinen Fragen nur demütigen und Macht ausüben.
„Hast du einen anderen Mann kennengelernt“, will er wissen.

„Habe ich nicht.“

„Denkst du an jemanden?“

„Ich weiß es nicht, das ist alles ganz komisch.“

„Was ist komisch? Werde genauer.“

Ich hasse seine Psychotricks, die mich ganz sprachlos und meinen Kopf leer machen. Er kann solche Gespräche unendlich weit führen und alles bis ins Detail hinterfragen. Nur mein Verstand ist teilweise zu oberflächlich für tiefgründige Sofortantworten. Und mein Gefühl steckt woanders fest. Ich will jetzt kein widersprüchliches Gespräch über abstrakte Liebe führen.

„Ich kann es nicht beschreiben. Bitte, ich möchte da jetzt nicht drüber reden.“
„Ich aber und du hast zu gehorchen. Merk dir das!“

Ich fange an zu weinen, weil ich mich eingeschüchtert und bedrängt fühle. Zumal er um einiges größer ist als ich und ich neben ihm ganz klein und zerbrechlich wirke. Ich kann mich kein Stück bewegen, weil er genau vor mir steht und ich an der Wand. Ich bin ihm ausgeliefert und er genießt es. Noch nicht einmal ein Taschentuch habe ich dabei. Meine Tränen laufen ununterbrochen die Wangen herunter und ich fange wie ein kleines Kind an zu schluchzen. Er beobachtet mich weiterhin genau und scheint sich ein wenig über mich zu amüsieren. Am liebsten würde ich direkt vor ihm zusammenbrechen und weg sein.

„Hey“, er zieht mein Kinn wieder zu sich hoch. „Guck mich an, wenn du weinst.“ Ich drehe meinen Kopf weg, weil ich es hasse. Ich will nicht, dass er mich so sieht. Mein Kopf pulsiert und dröhnt. Jedes Mal, wenn ich weine, bekomme ich Kopfschmerzen und fühle mich absolut erschöpft. Eigentlich würde ich gerne einschlafen, weil Tränen müde und gleichgültig machen. Ich sacke ein wenig in mich zusammen, aber er zieht mich gleich wieder hoch, kommt mir ganz nah und presst mich mit seinem ganzen Körper an die Wand.

„Dich weinen zu sehen erregt mich“, äußert er in einem Ton, der fast wie ein gefährliches Flüstern klingt. Aber in meinem Ohr rauscht es nur. Dann kommt er ganz dicht an mich heran und flüstert mir etwas Warmes ins Ohr. Ich spüre seinen feuchten Atem und höre ihm zu, während er mich mit einer Hand intensiv unter dem Kleid berührt, um sich davon zu überzeugen, dass ich auch wirklich keinen Slip trage.

„Warte ab, bis wir im Hotel sind. Dann wirst du noch mehr weinen, okay?“

Dann streicht er mir mit seinem Zeigefinger zärtlich über die Wange und lächelt zum ersten Mal an diesem Abend.

August, 1 Jahr später


Diese Seite verstummt, ich weiß. Eigentlich gibt es viel zu sagen, würde ich mich nicht so verdammt gelähmt fühlen. Innerlich. Alles ist lahm geworden, dabei passiert in meinem Leben so viel. So viel Aufregendes. Neuer Job, neue Figur, neues Aussehen – all sowas. Dinge, über die man sich freuen kann und die für viele Menschen erstrebenswert sind. Ich habe so vieles erreicht. Und dennoch: Richtig gut geht es mir seit einem Jahr nicht mehr. 
Eigentlich gibt es für diese starke Melancholie, die ich spüre, gar keinen Grund, weil eigentlich alles nahezu perfekt ist. Ich müsste also glücklich und fröhlich sein, den ganzen Tag lächeln…
Der Knackpunkt ist eigentlich. Eigentlich, eigentlich, eigentlich. Wie soll ich etwas erklären, für das es eigentlich keine vernünftige Erklärung gibt. Unvernünftig ist der passendste Ausdruck für mein Verhalten. Naiv, gar kindisch. Irgendwie. Etwas stimmt einfach nicht und dieser ewige Kreislauf nimmt kein Ende, weil das Erlebnis vom vergangenen Sommer so sehr an mir haftet. Es klebt an mir und ich kann mich nicht davon befreien. Dabei ist es so schädlich, an der Vergangenheit zu kleben. Weil sie nicht mehr aktuell ist und sich Dinge nicht mehr rückgängig machen lassen. 

Was zurückbleibt ist Zerstreuung. Ich versuche mich jeden Zag zu ordnen, aber bis jetzt habe ich es an keinem Tag geschafft. Zumindest nie so, wie es sein sollte. Ich sollte in der Gegenwart leben und nicht jeden Abend in diese Traurigkeit und Sehnsucht abdriften. So gut ich mich jeden Tag auch ablenke, es funktioniert niemals vollständig. Die Wehmut findet immer zurück zu mir. Dann liege ich im Bett, starre minutenlang Gegenstände an und verschwinde in der Verlorenheit. Das passiert mir immer häufiger, dass ich einfach nur daliege und gar nichts tue. Oder morgens schlecht aus dem Bett komme und immer wieder die Decke über den Kopf ziehe, um im Dunkeln zu liegen. Oder die Rollos den ganzen Tag unten zu lassen, weil mir die Dunkelheit mehr zusagt und mein Innerstes widerspiegelt. Ich fühle mich wohl im Dunkeln. Vor einem Jahr war das noch anders. Da war ich energiegeladener und nicht so komisch drauf, wie jetzt. Mein jetziger Zustand beschreibt eher den Rückzug, der von der völligen Isolation trotzdem noch weit genug entfernt ist, denke ich.

Heute, vor genau einem Jahr hatte ich dieses Treffen, das mich emotional so sehr veränderte, dass ich mich kaum noch mit früher vergleichen kann. Manche Erlebnisse sind einfach einschneidend, auch wenn es übertrieben scheint, zu behaupten, dass man sich sofort in jemanden ‚verlieben‘ kann. Aber irgendwie kann man es. Obwohl es mehr als absurd klingt. Ich weiß…
Dabei ging das Treffen nur knapp drei Stunden und ich wurde danach aus ‚geschäftlichen‘ Gründen nach Hause geschickt. Ich wurde sogar fast vor die Straße gesetzt, ohne zu wissen, ob ich mit dem Zug noch um die Zeit nach Hause komme. Aber er war so nett und fuhr mich dann doch noch zum Bahnhof, nachdem ich mich so hilflos und weinerlich verhielt. Klingt also nicht gerade nach einem Super-Date. Genau das ist eben das Absurde daran. Eigentlich hat nichts weiter stattgefunden als: Abholen/Bahnhof/Spaziergang – Erzählen/Gin/Blickkontakt – Verabschieden/Vespa/Bahnhof. Jeder Part davon dauerte aufgeteilt also jeweils eine Stunde. Und der Blickkontakt hat es mir am meisten angetan. 

Alles so banal, und doch so wahnsinnig gravierend für mich. Weil er mich so verdammt anzog, mit allem. Seiner Persönlichkeit, seinem Aussehen, seinem Charakter.. Und dass, obwohl ich ihn so gut wie gar nicht kannte, sondern nur erahnen konnte, wie er wohl wäre,..mit all meiner Menschenkenntnis war ich der Annahme, mir von vornherein ein exaktes Bild von ihm machen zu können. Welch dummer Gedanke,..eigentlich.
Es klingt alles so schwachsinnig, obwohl ich meine Gefühle und Gedanken damit nicht verleugnen möchte. Weil sie immer noch so präsent sind, wie damals. Meine Gefühle sind immer noch da, trotz all der Umstände. 

Klar fand ich es nicht toll, als ich nach drei Stunden spontan nach Hause geschickt wurde, trotz seines tollen Gästezimmers. Aber es hatte nichts mit mir zu tun, sondern mit einem Meeting, das sich ziemlich rasch via PC aufdrängelte. Wie auch immer..Vielleicht gab es im Nachhinein doch ganz andere Gründe. Wahrscheinlich war er auch zu dem Zeitpunkt schon in einer Beziehung. Ich habe keine Ahnung. Immerhin sagte er später oft genug, er sei vieles nicht wert. Schon gar nicht, dass ich ihn mag und ihn so begehre. Entweder litt er an falscher Bescheidenheit oder weil er wusste, dass er gerne mal Frauen betrügt. Ich wüsste gerne, was damals genau passierte. Eigentlich wüsste ich am liebsten noch viel mehr über ihn. Ich hätte ich so gerne kennengelernt, insgesamt. 
Heute vor einem Jahr war noch alles in Ordnung. Ein gewöhnlicher Samstagvormittag mit meinen Lieblings-TV-Serien und einer gewaltigen Portion Aufregung. Nebenbei texteten wir miteinander und erzählten davon, was wir alles miteinander vorhatten an diesem Abend. 
Alles war super und klang eindeutig nach Happy End. Etwas anderes wäre undenkbar gewesen, da alles zwischen uns perfekt war. 

Heute weiß ich, dass es perfekt nicht mehr gibt. Er war perfekt. Aber seit ungefähr zwei Monaten brach er den Kontakt ab, da er meine seltsamen Liebeserklärungen und mein bettelndes Verhalten nicht mehr länger ertrug. Verständlich. Warum habe ich mich nicht endlich mal zusammen gerissen? Er ist schließlich in einer Beziehung und scheint diese Frau mehr zu mögen, als mich. Denn wäre es anders, hätte er sich für mich entschieden. Dieser Fakt schmerzt. Seit zwei Monaten wohne ich auf seiner Blockierliste, da ich es einfach nicht verstehen wollte, dass er jeglichen Kontakt zu mir ablehnte. Da es nicht gut für ihn war und für mich sowieso nicht. Leider wollte ich nichts davon verstehen. Ich lebte immer noch in der Überzeugung, ihn umstimmen zu können. 

Es schmerzt. Kein Kontakt mehr, keine Möglichkeiten, kein Wiedersehen. Nie mehr. Dabei versprach er mir, dass wir uns im August wiedersehen. Ein Jahr später, ganz unverbindlich. Kaffee trinken, ganz kurz. Hauptsache, wir sehen uns. Aber daraus wurde nichts und meine Traurigkeit wuchs dadurch umso mehr. Wie sehr hatte ich mich auf dieses Treffen gefreut…jeder einzelne Moment hätte für mich gezählt und mich glücklich gemacht. Jede Sekunde ist wertvoll.
Seitdem herrscht in mir Leere, emotionale Leere. Diesen Abbruch verkrafte ich nicht. Ich spüre genau, dass er mir extrem fehlt. Mir fehlt diese eigentlich fremde Person, die immer zu mir sagte, er wäre eine Projektion. So etwas, wie ein Fantasiegebilde. Vielleicht war er das auch, und dennoch kann ich ihm nicht zustimmen. Für mich war er mehr. Manche Männer muss man nicht kennen, um zu wissen, dass sie die richtigen sind. Man weiß es einfach aus dem Herzen. 

Diese Story hört sich nach einem einzigen Chaos an. Und ja, es gibt tatsächlich kaum Worte und eine Erklärung dazu. Für mich ist es auch Chaos. Diese Story ist einfach nur Gefühl und beinhaltet diese starke unerfüllte Sehnsucht, die vielleicht niemand mehr stillen kann. Es ist schwer. 
Dieses Treffen spielt sich in meinem Kopf jedes Mal wie ein Film ab. Gerade heute. Ich erinnere mich genau daran, was ich wann getan habe, wann ich wann wo war… Dieser ganze Tag ist komplett in mir abgespeichert, mit all seinen Szenen und Wort- und Gedankenfetzen. Ich habe nur Schnipsel im Kopf. Auch der damalige Chat schläft auf meinem Handy. Alles ist so frisch, obwohl es schon ein Jahr her ist und ich frage mich, ob ich jemals aus dieser Endlosschleife flüchten kann, wenn ich doch so sehr an ihm hänge. Obwohl es überhaupt gar nichts bringt. Aber diesen Gedanken verdränge ich… 

Verbotenes Wiedersehen

Ein kurzer Anfang ist schnell gemacht. Aber ein schnelles Ende kann nicht immer kurz sein. 

Ich stehe unangemeldet vor deiner Tür und weiß nicht, was ich tue. Mein Hirn spielt wieder Verstecke und muss meinen Verstand finden. Unser letztes Treffen ist seit Ewigkeiten blühende Vergangenheit und ich habe keine Ahnung, ob dich mein Besuch erfreuen wird oder ob du dich überhaupt an mich erinnern willst. Es war viel passiert und letztendlich blieb nur ein wirrer Schrotthaufen aus emotionalen Konflikten, der sich irgendwann auflöste und in der Distanz verschwand. Ich war wieder frei und unabhängig. Bis heute.

Nun stehe ich wartend vor der Klingel, obwohl die Eingangstür offen ist, weil sich dein Haus tagsüber in ein unauffälliges Bürogebäude verwandelt. Eigentlich weiß ich nicht einmal deinen Nachnamen, aber den brauche ich nicht, da es einfach ist, mit dem Fahrstuhl in die letzte Etage zu fahren. Wenn ich es bis dahin erst einmal schaffen würde, denn noch stehe ich mit diffusen Schwarz-Weiß-Gedanken unten. Eigentlich bin ich falsch hier. Aber eigentlich ist es genau richtig so. Weil ich dich wiedersehen möchte. Auch, wenn ich es vielleicht nicht darf oder lieber nicht sollte. Obwohl du auf kleine Mädchen stehst, die manchmal vielleicht ungezogen sind und Quatsch sagen.
Es ist Freitag, ein guter Zeitpunkt, um einen Abstecher vor deine Haustür zu machen. Dabei bedeuten die Tage gar nichts. Freitag ist ein Tag, wie Montag, Mittwoch oder Sonntag, wenn man so viel arbeitet wie du. Ob ich dich antreffen werde, weiß ich also nicht. Ich hätte dir gerne eine Nachricht geschrieben, aber da du mich seit Monaten aus gutem Grund blockiert hast, geht das leider nicht mehr. Deswegen ist es umso fataler, dass ich mich überhaupt hier her traue. Mein schlechtes Gewissen sollte viel größer sein, als mein Mut.

Dann gehe ich hinein, geradeaus auf den Fahrstuhl zu. Niemand drin, außer mein Spiegelbild in kurzen gold gepunkteten Hotpants, dunkelblauer Baumwolljacke und schwarzer Glitzermütze. Ansehnlich, denke ich. Keine Zeit für Selbstzweifel, denn der Fahrstuhl ist gleich oben. 

Innerlich ist alles beim Alten geblieben: Herzrasen, Aufregung mit ein bisschen Angst vor dir. Danach wage ich die letzten Schritte bis zu deiner Tür, setze mich an die Wand und vergrabe meine Hände über den Kopf. 

Was mache ich hier, frage ich mich wieder. Mit dem Hintergedanken, ob ich schon krank bin. Als ich mein Handy in die Hand nehme, um meine Freundin anzurufen, geht die Tür neben mir plötzlich auf und ich schrecke zusammen.

Ich sage nur: „Oh“, weil ich nichts anderes herausbringen kann.

Dir geht es ebenfalls nicht anders, als du überrascht zu mir nach unten auf den Fußboden guckst. Ich hocke dort wie eine erbärmliche Klofrau, die nach dem letzten Rest Trinkgeld sucht, bevor ich mich entschließe, wieder aufzustehen, um auf Augenhöhe zu gelangen, obwohl ich viel kleiner bin, als du. 

Mein Gesicht fühlt sich knallrot an, als ich dich selbstbewusst im Türrahmen stehen sehe. 

Du sagst: „Hey, was machst du hier?“ Dabei hörst du dich deutlich entspannter an und gar nicht so empört, wie ich dachte.

„Ich..wollte dich kurz sehen..kurz…“, stammele ich verlegen, obwohl das längst nicht alles ist, was ich gerade denke.

„Hast du Zeit oder störe ich“, hake ich schüchtern nach.

„Eigentlich ist es grad schlecht, ich hab noch einen Termin.“

Genau der Satz, den ich nicht hören wollte. Nicht jetzt. Aber ich hätte es mir denken können.

„Nur ganz kurz, bitte“, sage ich, wobei der quengelige Unterton nicht zu überhören ist. Ein Wunder, dass ich mir das noch zutraue. 

Als du mich von oben bis unten anschaust, ahne ich, was in dir vorgeht. 
„Na komm“, sagst du entschlossen und schiebst mich einfach in deine Wohnung. Ein angenehmes Gefühl, mal wichtiger als ein Termin zu sein und dennoch nicht selbstverständlich.

„Alles nach deinen Regeln“, sage ich, während wir uns anschauen. 

Wir stehen so dicht beieinander, wie damals vor unserem Abschied. 

Und da ist sie wieder, diese spezielle Anziehung, die mich dazu bringt, meine Arme um dich zu schließen. Diesmal fühlt sich deine Nähe intensiver an, da so viel angestaute Sehnsucht dazwischenliegt. Ich lege meinen Kopf auf deine Brust, mache die Augen zu und höre deinen Atem. Ein unwirklicher Moment, von dem ich lange geträumt habe, wird allmählich wahr. 

Du bist ruhig und sagst kein Wort. Meine Umarmung erwiderst du nur halb, bis du dich ganz davon löst und dich abwendest. 
Du gehst zum Kühlschrank, um Alkohol zu holen, aus dem du mit ein paar anderen Getränken deine eigenen Cocktails machst und mir ein Glas hinstellst, um das Eis zwischen uns zu brechen. 

Wir sitzen uns schweigend gegenüber und trinken. Viele Worte brauchen wir nicht mehr, da schon alles gesagt ist. Vor allem, weil Worte nur kaputtmachen. 

Ich gehe zu dir, weil ich deine Nähe will. Du sitzt offen und entspannt auf deinem Stuhl, als ich mich provokant zu dir auf den Schoß setze. Deine Hose allerdings ist angespannt, das kann ich durch den dünnen Stoff meiner Hotpants gut spüren und es gefällt mir. Das habe ich vermisst. Weitere Blicke folgen. In dem Moment, als ich dich küssen will, schiebst du mich schroff vom Schoß, packst mich fest am Handgelenk und drückst mich gegen die Wand. 
„Willst du das wirklich“, fragst du eindringlich.

„Ja“, antworte ich leise. 

„Dann komm mit“, sagst du entschieden und ziehst mich energisch an deiner Hand hinterher. 

Wir gehen zum Fahrstuhl und fahren ganz nach unten ins Untergeschoss, wo sich die Keller befinden. Wir laufen einige Schritte, wobei du mich immer noch fest an der Hand hältst und mich dann in eine dunkle Nische ziehst.
„Willst du das wirklich“, fragst du wieder und ich merke dir an, dass du dich kaum noch halten kannst.

„Ja, alles, was du willst“, wobei ich deinem ernsthaften Blick nicht mehr standhalten kann und dir ausweiche.

„Hey, schau mich an!“

Dabei umfasst du mein Handgelenk so stark, dass es wehtut und ziehst mein Kinn zu dir hoch, sodass ich dich anschauen muss.

Dann nimmst du meine Hand und führst sie zu deiner Hose. Jetzt kann ich deine Erregung deutlich spüren und dein Atem wird schneller.

„Los, knie dich hin“, bestimmst du.

Mit dem Öffnen der Gürtelschnalle springen auch gleich alle Knöpfe an deiner Jeans auf. Diesen Trick beherrschst du gut. Deine Jeans und Shorts rutschen zu Boden, als du anfängst, dich vor mir zu befriedigen. Teilweise so heftig, dass ich dich am liebsten ablösen würde. Aber du lässt mich nicht. Bei dem Versuch, dir zu helfen, verpasst du mir eine gezielte Ohrfeige, die richtig scheuert.

„Hey, du machst, was ich dir sage, okay“, flüsterst du barsch.

Ich nicke eingeschüchtert.

Dann ziehst du mich zu dir hoch, legst deinen Finger auf meine Lippen und öffnest sie. Du zwingst mich an deinem Finger zu lutschen und bewegst ihn langsam in meinem Mund. Währenddessen guckst du mir die ganze Zeit dabei zu und es macht mich verdammt an. Als du genug hast, drückst du mich erneut auf die Knie.

„Mach weiter“, lautet deine Aufforderung.

Danach schiebst du mir dein Glied in den Mund und ich mache weiter, so, wie du es mir vorgibst. Du schiebst ihn immer tiefer rein und ich umschließe ihn fest mit meinem Lippen. Mit deiner Hand fasst du mir grob in den Nacken und gibst den Takt an. Es geht so tief, dass mir fast die Luft wegbleibt. Dann hältst du inne.

„Los, zier dich nicht“, befiehlst du mir in einem teils abwertenden Ton.

Ich fange an, dich zu verwöhnen. So gut, wie ich kann und merke, dass du Gefallen daran findest, als ich auf meiner Zunge einen salzig-bitteren Geschmack wahrnehme. Der erste Tropfen hat sich verabschiedet und ich genieße dieses sinnliche Gefühl und mache weiter. Ich umschließe dein Glied fest und lasse meine Zungenspitze über deine Eichel gleiten, als ich in dem Moment ein leichtes Zucken spüre. Du ziehst abrupt meinen Nacken zurück, sodass ich mein Spiel sein lasse. 
„Steh auf“, verlangst du barsch.
Ich tue, was du sagst und warte, was du als nächstes willst. Noch etwas zitterig auf den Beinen, stehe ich erwartungsvoll vor dir und schaue dir folgsam in die Augen. Dein Blick tut weh, denn er strahlt Kälte aus und du verziehst keinen Mundwinkel zu einem Lächeln, sondern bleibst rigoros. 

Meine innere Stimme redet mir ungeduldig zu: Los, küss ihn. Sonst wirst du es später wieder bereuen. Weißt du noch? – Ja, ich weiß es noch. Es fühlt sich schlecht an, einen unvergleichlich erotischen Kuss zu verpassen.

Ich lege meine Hände auf deine Schultern und lasse deine Wärme durch meinen Körper jagen. Dann berühre ich vorsichtig deinen Hals und streiche mit meinem Zeigefinger zärtlich über deinen Kehlkopf. Du lässt dir nichts anmerken und tolerierst meine Berührungen. Dein Atem erfüllt die Stille und ich höre dir zu. Deine Stimme und dein Atem verschärfen die Situation enorm. 

Dann streife ich mit meinen Fingern über deinen Bart und bin froh, dass ich dich nicht unrasiert kenne, denn dein Bart passt zu deiner Männlichkeit. Noch immer reagierst du nicht, obwohl ich weiß, dass es in dir kocht.

Langsam bewege ich mich Richtung Mund und hoffe, dass du meine Andeutung erwiderst. Doch du siehst mich nur an. Als meine Lippen deine berühren, nimmst du meine Hand und ziehst sie an dein hartes Glied. Während ich dich küsse, bewegt sich meine Hand gleichmäßig auf und ab. 

Dadurch wird mein harmloser Kuss unter deiner Erregung bestätigt und entwickelt sich zu einem wilden. Es ist der geilste Kuss, den ich je erlebt habe. Mein Körper verströmt heiße Wellen, die im Bauch stranden und ein starkes Prickeln hinterlassen. 

Die Berührung unserer Zungen macht mich wahnsinnig. Ich wünsche mir, dass es weitergeht und dass du mich in die Tiefe ziehst. Vielleicht auch in den Abgrund. Mein Slip ist inzwischen feucht und ich kann es nicht erwarten. 

Dann fängst du an, mich auszuziehen – komplett. In einem Tempo, das mit langsam nicht viel gemeinsam hat, obwohl du zwischendurch verharrst und kleinere Pausen riskierst, um mich noch verrückter zu machen. Innerhalb weniger Minuten bin ich nackt und wieder guckst du mich prüfend von oben bis unten an, ohne eine Miene zu verziehen.
Dann ziehst du deine Hose wieder hoch und ich bin mir zuerst nicht sicher, was ich denken soll und bin etwas durcheinander. Was soll das jetzt? Willst du mich etwa zappeln lassen? Ich traue mich nicht zu fragen und warte ab, was geschieht.

„Komm“, kommandierst du plötzlich und auch diesmal ziehst du mich forsch am Handgelenk hinterher. Weg aus der schützenden Dunkelheit der Kellernische und hinein in einen kühlen Gang, der schwach durch eine blassblaue Deckenleuchte angestrahlt wird. Alles, damit du mich besser betrachten und danach beurteilen kannst, ob ich gut genug für dein Vorhaben bin. 
In diesem kalten Licht haben deine Blicke eine viel intensivere Wirkung und fühlen sich schmerzhaft an. Es ist wie eine Demütigung. Jetzt merke ich, wie streng du sein kannst und weiß, dass das hier längst nicht alles ist. Du kennst keine Tabus und ich will auch keine kennen. Ich gehe schweigend deinen Wünschen nach.
Du holst mich zu dir ran und drückst mir mit einer Hand leicht den Hals zu, während deine andere Hand anfängt, mich zu fingern. Ich habe das Gefühl, dass mir gleich schwarz vor Augen wird, da es so einen starken Reiz in mir auslöst. Deine Finger in mir zu spüren ist tatsächlich noch geiler, als der Kuss vorher und du bist nicht gerade einfühlsam, was die Lust noch verstärkt und ausreizt. Am liebsten würde ich dich auch ausziehen. Aber ich habe verstanden, dass ich das nicht darf, weil du das Wort hast. 

Du fingerst mich so lange, bis ich fast nicht mehr kann und es brennt. Aber ich sage nichts, sondern flehe innerlich, dass du mich endlich flachlegst.

Hier auf diesem kalten Betonboden oder gleich an der Wand. Es ist mir egal. Während du mich fingerst, löst sich dein Blick nicht von meinen Augen und jedes Mal, wenn ich wegsehe, drehst du meinen Kopf wieder zu dir hin. Ich kann deinen Atem in meinem Gesicht spüren und es macht mich an. Du bist mir so nah, dass ich dir nicht entkommen und mich winden kann. Du drückst dich mit aller Gewalt an die Wand.

Dein Gürtel reibt bei jeder Bewegung meinen Bauch und deine Hose spannt. Der Jeansstoff fühlt sich dadurch noch härter und grober an. Warum ziehst du dich nicht endlich aus? Aber der Gedanke will nicht aus meinem Mund rutschen. Obwohl das sonst so leicht ist.

Auf einmal öffnest du deine Hose und reißt mich rabiat zu Boden. Du dringst mit einem tiefen Stoß fest in mich ein und übernimmst vollständig die Kontrolle. Deine Bewegungen sind teils ruckartig, teils sanft und keineswegs berechenbar. Ganz nach deinem Willen. Es tut weh, weil es heftige Stöße sind, die sehr tief gehen und hart sind. Sobald du zärtlicher wirst, kann ich es kaum ertragen, weil das zu viel für mich ist. Ich will nicht zu viel von deiner zärtlichen Seite, denn vielleicht tut das am Ende noch mehr weh. 
Ich bin überwältigt. Mit einem Mal sind alle Gedanken verschwunden. Wieder steckst du mir deine Finger in den Mund und beobachtest meine Reaktion. Der Blickkontakt macht mich fertig, da ich das Gefühl habe, mich gleich unendlich zu verlieren, weil du unheimlich scharf aussiehst und dich auch genauso anfühlst. Von wegen, du tust mir nicht gut, wie du oftmals meintest. Wie kann mir jemand nicht guttun, wenn ich mit dieser Person den erregendsten und leidenschaftlichsten Sex habe? 
Ich umarme dich die ganze Zeit innig und gleite mit meiner Hand über dein Rücken. Dieser Moment ist unwirklich. Allein dich zu spüren kann nicht wahrsein, weil das der tägliche Tagtraum von mir war, dessen Erfüllung immer verzögert wurde. Durch Termine oder von mir verursachten Stress. Wie sehr ich mir diesen Moment gewünscht habe und es immer nahezu unmöglich war.

Ich genieße jeden deiner kraftvollen Stöße und dein angedeutetes Stöhnen, da wir immer noch im Keller sind und keine weitere Aufmerksamkeit brauchen. Manchmal erinnert mich deine Stimme an die eines Löwen. Ein gar nicht allzu unpassender Vergleich.

Irgendwo im Hintergrund höre ich hallende Schritte. Sie irritieren mich, weil ich Angst habe, dass wir erwischt werden. Die Schritte kommen zwar nicht auf uns zu, aber sie sind da und wir sind nicht alleine im Keller. Zurück in die Realität. Doch du machst weiter, immer schneller und fordernder. Wieder drückst du mir den Hals zu und küsst mich mit einer Intensität, die mich alles vergessen lässt. Ich gehöre wieder vollkommen dir und lasse mich gehen. 
Während ich endgültig dahinschwinde, stöhnst du auf und lässt mich los. Dein Hemd ist ganz und gar durchgeschwitzt und du streichst dir eine Strähne aus dem Gesicht. 

„Alles gut“, fragst du.

Ich nicke nur. 

Danach verbringen wir nicht mehr viel Zeit auf dem Boden und ich ziehe meine Sachen an, die noch in der Nische liegen. Du hingegen ziehst dir nur deine Hose an und brauchst ein neues Hemd. 

Auf dem Weg zum Fahrstuhl begegnen wir niemandem. Wir beide sind noch ganz rot im Gesicht und ziemlich erschöpft. Und wir schweigen wieder. Taten sagen mehr als Worte – es stimmt tatsächlich.

Als wir zurück in deiner Wohnung sind, verpasst du mir völlig unverhofft eine Ohrfeige und sagst:“Dafür, dass du es gewagt hast, herzukommen.“

„Entschuldigung“, antworte ich leise und gucke auf den massiven Holztisch.

Bitte, Herr Maertyrer
 

Imaginärer Traum//Mann

 

Heute, vor einer Woche, war ein schöner Tag, der eigentlich ein Traum war.Es war ein kurzer Traum, aus dem ich während der Zugfahrt zögerlich erwachte und mich fragte, wie ich nachts noch schlafen sollte. Schließlich gab es keinen schöneren Traum.

Heute träume ich wieder den Traum von letzter Woche. 

Dieses Mal ein bisschen abgewandelt, mit Details, die noch fehlen. Details, nach denen ich mich sehne. 

Wenn ich an dich denke, dann bist du Wärme und Kälte zugleich. Anziehend durch Unnahbarkeit und Stärke.

Wenn ich an deinen Körper denke, dann spüre ich Männlichkeit. Und Geborgenheit mit einer gewissen Distanz. Halte mich. Ganz fest in deinen Armen.

Wenn ich mich an deine Stimme erinnere, dann ist sie ruhig, gefährlich und eindringlich. Genau wie dein Blick, der mich auffordert, dir zu gehorchen.

Wenn ich daran denke, wie du mich küsst, spüre ich etwas, das mit einem lächerlichen Kribbeln nicht zu vergleichen ist. Ich spüre rote Wangen, die vor Überwältigung glühen und mehr wollen. Alles, was du mir antun kannst. Mit deiner Hand, deinen Worten und mit deinem Willen. Oder mit Gewalt.

Wenn ich mir vorstelle, wie du mich fickst, dann vergesse ich mich und gehöre dir. Vielleicht für einige Stunden oder vielleicht auch länger.