Verbotenes Wiedersehen

Ein kurzer Anfang ist schnell gemacht. Aber ein schnelles Ende kann nicht immer kurz sein. 

Ich stehe unangemeldet vor deiner Tür und weiß nicht, was ich tue. Mein Hirn spielt wieder Verstecke und muss meinen Verstand finden. Unser letztes Treffen ist seit Ewigkeiten blühende Vergangenheit und ich habe keine Ahnung, ob dich mein Besuch erfreuen wird oder ob du dich überhaupt an mich erinnern willst. Es war viel passiert und letztendlich blieb nur ein wirrer Schrotthaufen aus emotionalen Konflikten, der sich irgendwann auflöste und in der Distanz verschwand. Ich war wieder frei und unabhängig. Bis heute.

Nun stehe ich wartend vor der Klingel, obwohl die Eingangstür offen ist, weil sich dein Haus tagsüber in ein unauffälliges Bürogebäude verwandelt. Eigentlich weiß ich nicht einmal deinen Nachnamen, aber den brauche ich nicht, da es einfach ist, mit dem Fahrstuhl in die letzte Etage zu fahren. Wenn ich es bis dahin erst einmal schaffen würde, denn noch stehe ich mit diffusen Schwarz-Weiß-Gedanken unten. Eigentlich bin ich falsch hier. Aber eigentlich ist es genau richtig so. Weil ich dich wiedersehen möchte. Auch, wenn ich es vielleicht nicht darf oder lieber nicht sollte. Obwohl du auf kleine Mädchen stehst, die manchmal vielleicht ungezogen sind und Quatsch sagen.
Es ist Freitag, ein guter Zeitpunkt, um einen Abstecher vor deine Haustür zu machen. Dabei bedeuten die Tage gar nichts. Freitag ist ein Tag, wie Montag, Mittwoch oder Sonntag, wenn man so viel arbeitet wie du. Ob ich dich antreffen werde, weiß ich also nicht. Ich hätte dir gerne eine Nachricht geschrieben, aber da du mich seit Monaten aus gutem Grund blockiert hast, geht das leider nicht mehr. Deswegen ist es umso fataler, dass ich mich überhaupt hier her traue. Mein schlechtes Gewissen sollte viel größer sein, als mein Mut.

Dann gehe ich hinein, geradeaus auf den Fahrstuhl zu. Niemand drin, außer mein Spiegelbild in kurzen gold gepunkteten Hotpants, dunkelblauer Baumwolljacke und schwarzer Glitzermütze. Ansehnlich, denke ich. Keine Zeit für Selbstzweifel, denn der Fahrstuhl ist gleich oben. 

Innerlich ist alles beim Alten geblieben: Herzrasen, Aufregung mit ein bisschen Angst vor dir. Danach wage ich die letzten Schritte bis zu deiner Tür, setze mich an die Wand und vergrabe meine Hände über den Kopf. 

Was mache ich hier, frage ich mich wieder. Mit dem Hintergedanken, ob ich schon krank bin. Als ich mein Handy in die Hand nehme, um meine Freundin anzurufen, geht die Tür neben mir plötzlich auf und ich schrecke zusammen.

Ich sage nur: „Oh“, weil ich nichts anderes herausbringen kann.

Dir geht es ebenfalls nicht anders, als du überrascht zu mir nach unten auf den Fußboden guckst. Ich hocke dort wie eine erbärmliche Klofrau, die nach dem letzten Rest Trinkgeld sucht, bevor ich mich entschließe, wieder aufzustehen, um auf Augenhöhe zu gelangen, obwohl ich viel kleiner bin, als du. 

Mein Gesicht fühlt sich knallrot an, als ich dich selbstbewusst im Türrahmen stehen sehe. 

Du sagst: „Hey, was machst du hier?“ Dabei hörst du dich deutlich entspannter an und gar nicht so empört, wie ich dachte.

„Ich..wollte dich kurz sehen..kurz…“, stammele ich verlegen, obwohl das längst nicht alles ist, was ich gerade denke.

„Hast du Zeit oder störe ich“, hake ich schüchtern nach.

„Eigentlich ist es grad schlecht, ich hab noch einen Termin.“

Genau der Satz, den ich nicht hören wollte. Nicht jetzt. Aber ich hätte es mir denken können.

„Nur ganz kurz, bitte“, sage ich, wobei der quengelige Unterton nicht zu überhören ist. Ein Wunder, dass ich mir das noch zutraue. 

Als du mich von oben bis unten anschaust, ahne ich, was in dir vorgeht. 
„Na komm“, sagst du entschlossen und schiebst mich einfach in deine Wohnung. Ein angenehmes Gefühl, mal wichtiger als ein Termin zu sein und dennoch nicht selbstverständlich.

„Alles nach deinen Regeln“, sage ich, während wir uns anschauen. 

Wir stehen so dicht beieinander, wie damals vor unserem Abschied. 

Und da ist sie wieder, diese spezielle Anziehung, die mich dazu bringt, meine Arme um dich zu schließen. Diesmal fühlt sich deine Nähe intensiver an, da so viel angestaute Sehnsucht dazwischenliegt. Ich lege meinen Kopf auf deine Brust, mache die Augen zu und höre deinen Atem. Ein unwirklicher Moment, von dem ich lange geträumt habe, wird allmählich wahr. 

Du bist ruhig und sagst kein Wort. Meine Umarmung erwiderst du nur halb, bis du dich ganz davon löst und dich abwendest. 
Du gehst zum Kühlschrank, um Alkohol zu holen, aus dem du mit ein paar anderen Getränken deine eigenen Cocktails machst und mir ein Glas hinstellst, um das Eis zwischen uns zu brechen. 

Wir sitzen uns schweigend gegenüber und trinken. Viele Worte brauchen wir nicht mehr, da schon alles gesagt ist. Vor allem, weil Worte nur kaputtmachen. 

Ich gehe zu dir, weil ich deine Nähe will. Du sitzt offen und entspannt auf deinem Stuhl, als ich mich provokant zu dir auf den Schoß setze. Deine Hose allerdings ist angespannt, das kann ich durch den dünnen Stoff meiner Hotpants gut spüren und es gefällt mir. Das habe ich vermisst. Weitere Blicke folgen. In dem Moment, als ich dich küssen will, schiebst du mich schroff vom Schoß, packst mich fest am Handgelenk und drückst mich gegen die Wand. 
„Willst du das wirklich“, fragst du eindringlich.

„Ja“, antworte ich leise. 

„Dann komm mit“, sagst du entschieden und ziehst mich energisch an deiner Hand hinterher. 

Wir gehen zum Fahrstuhl und fahren ganz nach unten ins Untergeschoss, wo sich die Keller befinden. Wir laufen einige Schritte, wobei du mich immer noch fest an der Hand hältst und mich dann in eine dunkle Nische ziehst.
„Willst du das wirklich“, fragst du wieder und ich merke dir an, dass du dich kaum noch halten kannst.

„Ja, alles, was du willst“, wobei ich deinem ernsthaften Blick nicht mehr standhalten kann und dir ausweiche.

„Hey, schau mich an!“

Dabei umfasst du mein Handgelenk so stark, dass es wehtut und ziehst mein Kinn zu dir hoch, sodass ich dich anschauen muss.

Dann nimmst du meine Hand und führst sie zu deiner Hose. Jetzt kann ich deine Erregung deutlich spüren und dein Atem wird schneller.

„Los, knie dich hin“, bestimmst du.

Mit dem Öffnen der Gürtelschnalle springen auch gleich alle Knöpfe an deiner Jeans auf. Diesen Trick beherrschst du gut. Deine Jeans und Shorts rutschen zu Boden, als du anfängst, dich vor mir zu befriedigen. Teilweise so heftig, dass ich dich am liebsten ablösen würde. Aber du lässt mich nicht. Bei dem Versuch, dir zu helfen, verpasst du mir eine gezielte Ohrfeige, die richtig scheuert.

„Hey, du machst, was ich dir sage, okay“, flüsterst du barsch.

Ich nicke eingeschüchtert.

Dann ziehst du mich zu dir hoch, legst deinen Finger auf meine Lippen und öffnest sie. Du zwingst mich an deinem Finger zu lutschen und bewegst ihn langsam in meinem Mund. Währenddessen guckst du mir die ganze Zeit dabei zu und es macht mich verdammt an. Als du genug hast, drückst du mich erneut auf die Knie.

„Mach weiter“, lautet deine Aufforderung.

Danach schiebst du mir dein Glied in den Mund und ich mache weiter, so, wie du es mir vorgibst. Du schiebst ihn immer tiefer rein und ich umschließe ihn fest mit meinem Lippen. Mit deiner Hand fasst du mir grob in den Nacken und gibst den Takt an. Es geht so tief, dass mir fast die Luft wegbleibt. Dann hältst du inne.

„Los, zier dich nicht“, befiehlst du mir in einem teils abwertenden Ton.

Ich fange an, dich zu verwöhnen. So gut, wie ich kann und merke, dass du Gefallen daran findest, als ich auf meiner Zunge einen salzig-bitteren Geschmack wahrnehme. Der erste Tropfen hat sich verabschiedet und ich genieße dieses sinnliche Gefühl und mache weiter. Ich umschließe dein Glied fest und lasse meine Zungenspitze über deine Eichel gleiten, als ich in dem Moment ein leichtes Zucken spüre. Du ziehst abrupt meinen Nacken zurück, sodass ich mein Spiel sein lasse. 
„Steh auf“, verlangst du barsch.
Ich tue, was du sagst und warte, was du als nächstes willst. Noch etwas zitterig auf den Beinen, stehe ich erwartungsvoll vor dir und schaue dir folgsam in die Augen. Dein Blick tut weh, denn er strahlt Kälte aus und du verziehst keinen Mundwinkel zu einem Lächeln, sondern bleibst rigoros. 

Meine innere Stimme redet mir ungeduldig zu: Los, küss ihn. Sonst wirst du es später wieder bereuen. Weißt du noch? – Ja, ich weiß es noch. Es fühlt sich schlecht an, einen unvergleichlich erotischen Kuss zu verpassen.

Ich lege meine Hände auf deine Schultern und lasse deine Wärme durch meinen Körper jagen. Dann berühre ich vorsichtig deinen Hals und streiche mit meinem Zeigefinger zärtlich über deinen Kehlkopf. Du lässt dir nichts anmerken und tolerierst meine Berührungen. Dein Atem erfüllt die Stille und ich höre dir zu. Deine Stimme und dein Atem verschärfen die Situation enorm. 

Dann streife ich mit meinen Fingern über deinen Bart und bin froh, dass ich dich nicht unrasiert kenne, denn dein Bart passt zu deiner Männlichkeit. Noch immer reagierst du nicht, obwohl ich weiß, dass es in dir kocht.

Langsam bewege ich mich Richtung Mund und hoffe, dass du meine Andeutung erwiderst. Doch du siehst mich nur an. Als meine Lippen deine berühren, nimmst du meine Hand und ziehst sie an dein hartes Glied. Während ich dich küsse, bewegt sich meine Hand gleichmäßig auf und ab. 

Dadurch wird mein harmloser Kuss unter deiner Erregung bestätigt und entwickelt sich zu einem wilden. Es ist der geilste Kuss, den ich je erlebt habe. Mein Körper verströmt heiße Wellen, die im Bauch stranden und ein starkes Prickeln hinterlassen. 

Die Berührung unserer Zungen macht mich wahnsinnig. Ich wünsche mir, dass es weitergeht und dass du mich in die Tiefe ziehst. Vielleicht auch in den Abgrund. Mein Slip ist inzwischen feucht und ich kann es nicht erwarten. 

Dann fängst du an, mich auszuziehen – komplett. In einem Tempo, das mit langsam nicht viel gemeinsam hat, obwohl du zwischendurch verharrst und kleinere Pausen riskierst, um mich noch verrückter zu machen. Innerhalb weniger Minuten bin ich nackt und wieder guckst du mich prüfend von oben bis unten an, ohne eine Miene zu verziehen.
Dann ziehst du deine Hose wieder hoch und ich bin mir zuerst nicht sicher, was ich denken soll und bin etwas durcheinander. Was soll das jetzt? Willst du mich etwa zappeln lassen? Ich traue mich nicht zu fragen und warte ab, was geschieht.

„Komm“, kommandierst du plötzlich und auch diesmal ziehst du mich forsch am Handgelenk hinterher. Weg aus der schützenden Dunkelheit der Kellernische und hinein in einen kühlen Gang, der schwach durch eine blassblaue Deckenleuchte angestrahlt wird. Alles, damit du mich besser betrachten und danach beurteilen kannst, ob ich gut genug für dein Vorhaben bin. 
In diesem kalten Licht haben deine Blicke eine viel intensivere Wirkung und fühlen sich schmerzhaft an. Es ist wie eine Demütigung. Jetzt merke ich, wie streng du sein kannst und weiß, dass das hier längst nicht alles ist. Du kennst keine Tabus und ich will auch keine kennen. Ich gehe schweigend deinen Wünschen nach.
Du holst mich zu dir ran und drückst mir mit einer Hand leicht den Hals zu, während deine andere Hand anfängt, mich zu fingern. Ich habe das Gefühl, dass mir gleich schwarz vor Augen wird, da es so einen starken Reiz in mir auslöst. Deine Finger in mir zu spüren ist tatsächlich noch geiler, als der Kuss vorher und du bist nicht gerade einfühlsam, was die Lust noch verstärkt und ausreizt. Am liebsten würde ich dich auch ausziehen. Aber ich habe verstanden, dass ich das nicht darf, weil du das Wort hast. 

Du fingerst mich so lange, bis ich fast nicht mehr kann und es brennt. Aber ich sage nichts, sondern flehe innerlich, dass du mich endlich flachlegst.

Hier auf diesem kalten Betonboden oder gleich an der Wand. Es ist mir egal. Während du mich fingerst, löst sich dein Blick nicht von meinen Augen und jedes Mal, wenn ich wegsehe, drehst du meinen Kopf wieder zu dir hin. Ich kann deinen Atem in meinem Gesicht spüren und es macht mich an. Du bist mir so nah, dass ich dir nicht entkommen und mich winden kann. Du drückst dich mit aller Gewalt an die Wand.

Dein Gürtel reibt bei jeder Bewegung meinen Bauch und deine Hose spannt. Der Jeansstoff fühlt sich dadurch noch härter und grober an. Warum ziehst du dich nicht endlich aus? Aber der Gedanke will nicht aus meinem Mund rutschen. Obwohl das sonst so leicht ist.

Auf einmal öffnest du deine Hose und reißt mich rabiat zu Boden. Du dringst mit einem tiefen Stoß fest in mich ein und übernimmst vollständig die Kontrolle. Deine Bewegungen sind teils ruckartig, teils sanft und keineswegs berechenbar. Ganz nach deinem Willen. Es tut weh, weil es heftige Stöße sind, die sehr tief gehen und hart sind. Sobald du zärtlicher wirst, kann ich es kaum ertragen, weil das zu viel für mich ist. Ich will nicht zu viel von deiner zärtlichen Seite, denn vielleicht tut das am Ende noch mehr weh. 
Ich bin überwältigt. Mit einem Mal sind alle Gedanken verschwunden. Wieder steckst du mir deine Finger in den Mund und beobachtest meine Reaktion. Der Blickkontakt macht mich fertig, da ich das Gefühl habe, mich gleich unendlich zu verlieren, weil du unheimlich scharf aussiehst und dich auch genauso anfühlst. Von wegen, du tust mir nicht gut, wie du oftmals meintest. Wie kann mir jemand nicht guttun, wenn ich mit dieser Person den erregendsten und leidenschaftlichsten Sex habe? 
Ich umarme dich die ganze Zeit innig und gleite mit meiner Hand über dein Rücken. Dieser Moment ist unwirklich. Allein dich zu spüren kann nicht wahrsein, weil das der tägliche Tagtraum von mir war, dessen Erfüllung immer verzögert wurde. Durch Termine oder von mir verursachten Stress. Wie sehr ich mir diesen Moment gewünscht habe und es immer nahezu unmöglich war.

Ich genieße jeden deiner kraftvollen Stöße und dein angedeutetes Stöhnen, da wir immer noch im Keller sind und keine weitere Aufmerksamkeit brauchen. Manchmal erinnert mich deine Stimme an die eines Löwen. Ein gar nicht allzu unpassender Vergleich.

Irgendwo im Hintergrund höre ich hallende Schritte. Sie irritieren mich, weil ich Angst habe, dass wir erwischt werden. Die Schritte kommen zwar nicht auf uns zu, aber sie sind da und wir sind nicht alleine im Keller. Zurück in die Realität. Doch du machst weiter, immer schneller und fordernder. Wieder drückst du mir den Hals zu und küsst mich mit einer Intensität, die mich alles vergessen lässt. Ich gehöre wieder vollkommen dir und lasse mich gehen. 
Während ich endgültig dahinschwinde, stöhnst du auf und lässt mich los. Dein Hemd ist ganz und gar durchgeschwitzt und du streichst dir eine Strähne aus dem Gesicht. 

„Alles gut“, fragst du.

Ich nicke nur. 

Danach verbringen wir nicht mehr viel Zeit auf dem Boden und ich ziehe meine Sachen an, die noch in der Nische liegen. Du hingegen ziehst dir nur deine Hose an und brauchst ein neues Hemd. 

Auf dem Weg zum Fahrstuhl begegnen wir niemandem. Wir beide sind noch ganz rot im Gesicht und ziemlich erschöpft. Und wir schweigen wieder. Taten sagen mehr als Worte – es stimmt tatsächlich.

Als wir zurück in deiner Wohnung sind, verpasst du mir völlig unverhofft eine Ohrfeige und sagst:“Dafür, dass du es gewagt hast, herzukommen.“

„Entschuldigung“, antworte ich leise und gucke auf den massiven Holztisch.

Bitte, Herr Maertyrer
 

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