Gefühle sind abends härter

  

Jeden Abend trage ich einen dicken Wollpullover im Bett. XXL in Rosa und viel zu lang.

Er wärmt äußerlich, aber nicht innerlich.

Die Geräusche, die von draußen durch das offene Fenster dringen, killen die Ruhe im Raum. Aber nicht meine lärmenden Gedanken.

Das regelmäßige Ticken meines Weckers täuscht Harmonie vor. Mein Herz überholt den Takt und hämmert dezent im Innenren, unregelmäßig. Es spürt meinen Kummer.

Mein Magen meldet sich zu Wort. Er nörgelt unter der Decke. Er will Arbeit, aber er bekommt keine, weil ich meinen Appetit nicht finde.

In der Küche liegen Lebkuchen, die ich jedes Mal bedürfnislos anschaue. Früher waren sie nur kurze Besucher, heute sind sie Dauergäste.

Eine Stunde liege ich wach im Bett und merke, wie mein Kopf warm wird, weil mir gleich die Tränen aus den Augen schießen und sich mein Bauch zusammenzieht.

Jeden Abend die gleiche Sehnsucht und die gleichen Tränen. Jeden Abend der gleiche Grund: Du.

Weil ich dich vermisse.

Ich stehe auf, um eine Schlaftablette im Schuhkarton zu suchen. Dabei wird mir kurz schwindelig und vor meine Augen tritt ein schwarzer Schleier, der noch durchsichtig ist. Er erinnert mich daran, dass ich heute nicht mehr als eine Tasse Kaffee getrunken habe.

Auch die Tablette schlucke ich ohne Wasser und lege mich wieder ins Bett.

Ich beobachte die bunte Lichterkette vor meinem Bett, die ihre Farben wechselt und fühle mich Minuten später leicht benommen. 

In dem Moment beginne ich, mir etwas zu wünschen.

Ich wünsche mir, dass wir uns wiedersehen und du mich in deine Arme nimmst.

Aber es wird nie passieren, weil du dich längst von mir verabschiedet hast.

 

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Danke Pephan, du Osterhase

– Ein Brief von Herzen, mit Verstand und ohne –

Kleine Anmerkung vorweg: Ob diese Person ‚Pephan, der Osterhase‘ in real life tatsächlich existiert, ist übrigens fraglich. Ich schreibe mir nur alles von der Seele, was mir gerade einfällt und denke nicht genauer über meine teils verkorksten Gedanken nach, die nicht immer einen tieferen Sinn ergeben und nicht immer private Einblicke in Bezug auf meine Persönlichkeit gewährleisten.

Fühlt sich jemand jedoch direkt angesprochenen, sollte er sich wahnsinnig freuen und mich öfter auf ein Bier besuchen kommen oder mir ein Schaumbad mit dem Duft von Wasserlilien in seiner Wanne einlassen. Mit Kerzenschein, Mohnblumen und einer Flasche Maibowle, bitte.

Fast 10 Jahre kennen wir uns inzwischen. Bis dahin müssen wir uns noch 4 Jahre gedulden, was sicherlich keine große Herausforderung mehr sein wird, nachdem, was wir alles zusammen, wie auch getrennt voneinander erlebt haben. Obwohl ‚alles‘ noch viel mehr sein könnte, denn wir beide wissen: Alles kann, nichts muss. Locker bleiben, kein Zwang und schon gar nicht drängeln. 

Dein Spruch, auf den ich gerne absichtlich gereizt reagiere – Dinge verändern sich/dich – mag ich dir manchmal nicht glauben, lieber rebellischer Osterhase. Dennoch stimme ich dir in dieser wahren Aussage zu. Schließlich habe auch ich mich verändert – zum Positiven, wie auch zum Negativen, damit die Bilanz zwischen uns stimmt. Wir beide haben uns verändert, was mich trotzdem nicht davon abhält, dich auf einmal nicht mehr zu mögen. Du kannst machen, was du willst, es wird dabei bleiben.

Du hast mich gefragt, ob ich dich hasse? Nein, wie kommst du darauf. Nur, weil ich dich paar Tage ignoriert habe, da ich viel arbeiten und lernen musste. Egoismus ist eine scheiß Entschuldigung. Aber ich muss gerade lernen, wie man vernünftig Auto fährt, damit ich nicht gleich gegen einen Baum knalle und sich all meine Wünsche für immer in Luft auflösen. 

Ich habe dich nie wirklich gehasst, auch wenn ich manchmal mit gespielter Überzeugung so getan habe, als ob. 

Wir sind miteinander verbunden. Mal mehr, mal weniger und manchmal auch wochenlang/monatelang gar nicht. Aber ein kleines Stück in meinem Herzen und deinem Hirn sorgt nach einem gewissen Abstand jedes Mal zaghaft dafür, dass wir uns nicht für ewig vergessen und uns wieder leicht amüsiert aneinander erinnern. Mit einem belustigten Grinsen, wenn man in die Vergangenheit zurückblickt. Oder auch mit einem genervten Augenrollen. Oder diese unangenehmen Gefühle im Bauch, die vom Sterben der Schmetterlinge verursacht wurden, die du in Etappen getötet hast. Erinnerungen können viele Symptome auslösen und Spuren hinterlassen. 

Egal, ob…

  • Sex oder Enthaltsamkeit.
  • Streit oder Frieden.
  • Liebe oder Hass.
  • Briefe oder Mails.
  • Kompliment oder Beleidigung.
  • Beziehung oder Solo. 
  • Nähe oder Entfernung.
  • Anziehung oder Widerwille.
  • voll oder nüchtern. 
  • glücklich oder traurig.
  • verliebt oder enttäuscht.
  • gelangweilt oder beschäftigt.
  • in der Badewanne oder unter Dusche.
  • im Busch unter der Brücke oder im Zelt am Meer.
  • bei dir oder bei mir.
  • Dominanz oder Dominanz.

All das haben wir irgendwie überstanden, mit einigen intensiven Auseinandersetzungen mit kritischen Folgen: Verletzungen unterschiedlicher Abstammung. Verbal, körperlich und/oder psychisch. 

Wir beide haben eine perfekte freundschaftlich-unplatonische Pseudo-Beziehung, die jeden Scheiß mit frigiden Intervallen völliger Funkstille durchhält. Nur, um nach jeden Streit wieder alles mühsam aufzubauen, was wir oder ich zerstört haben. Meistens ist fast alles meine Schuld, wobei du der provozierende Grund dafür bist. Du, lieber Osterhase, hast die großartige Fähigkeit, ein Feuerwerk an Emotionen in mir auszulösen, das gerne als unkontrollierbare Explosion ausartet. Wie kann es dich da noch wundern, wenn dich paar meiner kantigen Gefühlsbrocken im Gesicht und etwas weiter unten treffen?

Auch damals haben wir schon überlegt, wie wir unsere kuriose Bindung eigentlich nennen sollen. Es gab nie eine wirkliche Definition für uns beide und irgendwann, als du plötzlich eine andere Freundin hattest, war es nicht mehr nötig, weiter darüber nachzudenken. Denn: Sie war eine Freundin, für die es nur eine Erklärung gab -> deine Freundin. 

Ich hatte mich nach einer langen Zeit des Nachdenkens an diese neue bescheuerte Situation gewöhnt und konnte auch mit deinem Liebeskummer umgehen, als es später wieder mit ihr zu Ende war. 

Wir hatten drauf getrunken und meinem Bett einen Besuch abgestattet. Danach warst du wieder anständig nach Hause gegangen und ich hatte mich einige Tage nicht mehr gemeldet.

Am 15.2.09 warst du als verspätetes Valentinstagsgeschenk ganz überraschend in mein Leben getreten. Genau zu dem Zeitpunkt, als ich durch einen blöden Zufall meiner heimlichen Untersuchungen erfuhr, dass mein Ex-Freund ungewollt Vater wurde und ich nichts mehr weiter tun konnte, als stinksauer auf ihn zu sein und ihn mit den bösesten Schimpfwörtern zu überschütten, die ich mir spontan ausdachte.

Herzlichen Glückwunsch, du Arsch!

Durch dich war diese üble Sache allerdings bald vergessen und auf einmal warst du einer der bedeutenden Mittelpunkte meiner chaotischen Gedanken. Manchmal warst du für mich sogar der einzige Mittelpunkt und ich hatte mich oft dafür angestrengt, auch deiner zu werden. Vergebens.

Heute bist du es (leider) nicht mehr. Nur, wenn ich alte Gefühle wieder aufleben lassen möchte und merke, dass es sich lohnt. 

Alles steht offen, nichts läuft weg, sage ich mir immer.

Alles kommt, wie es muss und nichts passiert ohne Grund.

Alles ist so gewollt, auch wenn man es nicht immer wahrhaben und glauben möchte. 

Interesse an philosophischen Themen ist in der Hinsicht recht hilfreich, spannend und tröstend.

Wenn man nichts mehr krampfhaft haben will, ist alles einfacher und fühlt sich besser an, weil man sich keine Sorgen mehr macht. 

Über die ungewisse Zukunft zu grübeln ist Gift. Genau wie das gedankliche Durchwühlen von Erlebnissen aus der Vergangenheit.

Alles passiert jetzt.

Jahrelang war ich total in love und du hast mich dankend abgeschoben. Manchmal auch wütend. Manchmal sauer. Dennoch wolltest du mich nicht zum Mond schießen und mochtest meine Art von ‚Humor‘. Ich habe es gut hingekriegt, ein bisschen mehr Stress in dein sonst so entspanntes Leben zu bringen, obwohl du beruflich und privat genug um die Ohren hattest. Jedenfalls warst du nie ein Langweiler und wirst es auch niemals sein. 

Es war ein ewiges Hin und Her und eine fast jämmerliche Gefühlsverschwendung, weil ich nicht nur eine normale Freundin für dich sein wollte. Sondern bisschen mehr. Oft hatte mein Herz umsonst für dich geschlagen und dennoch wollte es nicht damit aufhören. Trotz gruseligem Herzrasen und nervösem Stolpern im Rhythmus. Manchmal spürte ich ein ekelhaftes Ziehen aus der Mitte meines Herzens bis in die Fingerspitzen meiner linken Hand. Hatte ich womöglich schon einen selbst diagnostizierten Mini-Herzinfarkt überlebt? Oder war es nur dieses moderne Broken-Heart-Syndrom, das mindestens genauso gefährlich werden könnte, wenn man sich sein Herz in Grund und Boden heult?

Mein Herz ist bisschen daran kaputt gegangen, aber es hat sich mittlerweile gut erholt, woran du wahrscheinlich selber nicht mehr geglaubt hattest, nach all dem kindischen Drama mit mir. Mein Herz hat sich erholt, weil es nicht mehr jeden in sich hineinlässt und mögliche Schadenverursacher vorher gründlich abcheckt. Es fühlt, was richtig und was falsch für mich ist. Ansonsten verharrt es in absoluter Verschlossenheit. 

Wenn ich an dich denke, leuchtet eine gelb-grüne Lampe auf, die für ’neutral mit Tendenz zum unverhofften Glück‘ steht.

Heute bin ich froh, dass wir uns unbeschwert sehen können – distanziert von jeglicher Erzwungenheit und frei im Herzen.

Heute bin ich erleichtert, dass alles entspannter zwischen uns ist und dir nicht mehr beweisen muss, wer ich bin, was ich mache und was ich kann. Dafür habe ich umso mehr erkannt, wer du bist, was du machst und was du kannst. Obwohl ich dich schon immer für all das bewundert habe. Damals nur aus einem anderen Blickwinkel, der heute erwachsener geworden ist. 

Heute muss ich nichts mehr an mir verändern, um zu gefallen, denn ich weiß, wer ich bin und was mir steht. Wobei du an diesem komplizierten Prozess nicht ganz unbeteiligt warst. Du hast mir einen Schubs gegeben und für einen Anreiz in die richtige Richtung gesorgt. Ich habe keine Ahnung, wie ich ohne dich geworden wäre, wenn wir uns nie kennengelernt hätten. Sicher hätte sich einiges vollkommen anders entwickelt und wir hätten jetzt nicht in der selben Stadt und im selben Stadtteil gewohnt, in nur zehn Minuten Entfernung. Vor paar Jahren war diese Vorstellung noch utopisch, als du mich immer voller Vorfreude mit dem Zug besuchen kamst und durch mich zwei neue Orte im Abseits des Lebens kennengelernt hast, an die du sonst wohl nie gekommen wärst. Jetzt gäbe es noch viele andere Orte, die uns näher bringen könnten.

Heute bin ich froh, dass wir über alles reden können und ehrlich sind, ohne dass jemand von uns gekränkt ist oder ich wieder ununterbrochen heulen muss, wenn du ein neues Date hattest. Ich kann mir deine Ex-Freundin ansehen, ohne sie zu hassen. Weil es mir egal ist und ich generell niemanden hasse.

Ich kann mich auf dich freuen, ohne dabei extremes Herzklopfen zu bekommen und total verrückt zu werden. Freude ohne Erwartungshaltung ist die beste Vorsorge gegen Peinlichkeiten und Enttäuschungen.

Außerdem muss ich nicht mehr ewig vorm Kleiderschrank stehen, um die passendsten Klamotten auszuwählen. Ich trage einfach das, worauf ich Lust habe, ohne daran zu denken, ob es dir gefällt. 

Heute kann ich dich mögen, ohne verträumte Hintergedanken zu haben, obwohl der runde Geburtstag immer näher rückt und das Ticken bei manchen Mädels gerade in dem Alter immer lauter wird. Bei mir nicht, ich höre nichts, sondern bleibe gelassen.

Bald können wir wieder gemeinsam Ostern feiern, ganz nach unserer alten Tradition, die schon eine Weile zurückliegt. Kuchen backen, frische Luft, viel Spaß, bisschen Alkohol und der Rest, an dem gearbeitet werden muss, ergibt sich vielleicht von alleine.

Dann kann ich sagen: Danke für deine Eier, lieber Osterhase!