Coffeetime

Die letzten 6 Stunden vorm Urlaub. Und dann geht es hoffentlich in die Sonne.

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Meeting Heidelberg

Der Anlass für meine Reise war ein Job. Aber ich erlebte noch viel mehr.

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1. Tag/Donnerstag: Anreise & Stadtrundgang

Frühstück:
– 1 Vanille-Pudding mit Sahne
– 3 kleine Schokoriegel
Vormittag/Nachmittags:
– 1 Tüte Gummibärchen
Abends:
1 Veggie-Sandwich mit Chili-Sauce
Tonic

9 Stunden in einem Zug mit reserviertem Sitzplatz am Fenster – das konnte nur gemütlich werden! Zumindest blieb ich verschont von Verspätungen, kurzen Umsteigezeiten oder Sitzplatzgedrängel.
Der Platz neben mir blieb frei. Ich war gespannt, wie lange das so bleiben würde.
Nach ungefähr einer Stunde bekam ich einen Sitznachbarn – einen älteren Herrn Ende 60. Er war höflich und fragte sogar, ob der Platz noch frei wäre. Dann legte er sein Gepäck auf die Ablage über mir ab und verhielt sich still. Seitdem er da war, hatte ich den Geruch von Alkohol in der Nase. Auf seinen Füßen stand eine Tüte. Aber ich konnte den Inhalt nicht erkennen.

Bis Hamburg fuhr ich rückwärts und irgendwie gewöhnte ich mich daran. Mit der Hoffnung, dass sich die Fahrtrichtung später noch änderte.
Als der Zug in Hamburg hielt und sich der Mann neben mir kurz abmeldete, schaffte ich es endlich, die Tüte mit den Süßigkeiten aufzumachen. So konnte ich wenigstens niemanden mit diesem Tütengeraschel belästigen und in Ruhe essen, so lange der Mann weg war. Mein Papa hasste es früher, wenn ich aus ‚knisternden Tüten‘ aß. Ich durfte es nicht und mache es heute immer noch heimlich. Er sagte: „Ich will nicht, dass du dick, hässlich und dumm wirst.“
Die Macht der Erziehung. Mein Papa war Kapitän und Lehrer, da gab es keine Widerrede. Ich höre seine Worte noch heute jeden Tag in mir.
Als der Mann wiederkam, versteckte ich die Tüte schnell in der Handtasche. Ich hatte keine Ahnung, von wo er kam. Vielleicht war er draußen rauchen oder auf der Toilette.
Als der Zug nach einer halben Stunde wieder seine Fahrt fortsetzte, ging es zum Glück in Fahrtrichtung weiter. Das entspannte mich sehr.

Dann kam die Schaffnerin. Als ich ihr mein Handy hinhielt und sie das Ticket mit einem Blitzgerät abscannte, staunte der alte Mann.
Er kommentierte: „Mit dieser neuen Technik würde ich nie zurecht kommen und das will ich auch gar nicht. Diese komischen Codes sind nichts für mich. Das ist alles kompliziert. Da sind die normalen Fahrkarten immer noch am besten. Aber Sie sind ja noch sehr jung. Sie verstehen das sicher alles, oder?“
„Klar, sonst hätte ich nicht so ein Ticket“, antwortete ich. Aber auch für mich war es eine Premiere – mein erstes Handyticket und ich war mir nicht sicher, ob das wirklich problemlos funktionierte.
„Ja, Sie sind noch sehr jung.“
Gehörte dieser Satz schon in die Kategorie der semi-charmanten Anzüglichkeiten? Mir kam es ein bisschen so vor. Immerhin hatte der Mann inzwischen eine angefangene Bierdose in der Hand. Im Alter verträgt man nicht mehr so viel Alkohol und übertritt Grenzen. Besonders in Verbindung mit beginnendem Alzheimer. Da kommt es leicht zur Selbstüberschätzung und man fühlt sich plötzlich viel jünger, wenn die Vergangenheit wieder zur Gegenwart wird.
Ich sagte nur: „Ja, bin ich“, und drehte mich zum Fenster, um durch meine Körpersprache Desinteresse zu verkünden.
„Okay, dann hören Sie mal weiter Musik. Ich will Sie nicht weiter belästigen.“
Oh, er verstand mich und ich musste lächeln.
„Sie hören doch Musik, oder“, hakte er noch einmal neugierig nach.
„Ja.“
Danach sagte er kein Wort mehr und nippte an seiner Büchse Alkohol.
Fand ich nicht gerade prickelnd. Musste das im Zug sein?
In Osnabrück stieg er aus. Mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Reise und viel Spaß!“
Das war freundlich von ihm und mein abweisendes Verhalten tat mir in dem Moment etwas leid.
„Danke! Gleichfalls“, erwiderte ich. Dann war er weg.

Ein wenig später kam der nächste Mann, der neben mir sitzen wollte. Er fragte nicht und sagte kein Wort. Er war dick und nahm den ganzen Sitz ein. Außerdem hatte er ein Buch, worin er mit einem Kugelschreiber einzelne Sätze unterstrich. Ich konnte nicht entziffern, was das für ein Buch war. Aber der Mann blieb nicht lange und stieg nach zwei Stationen wieder aus.

Mein Platz neben mir blieb nie lange frei. Aber wenn er frei war, nutzte ich die Zeit, um etwas zu essen. Ich brauchte Zucker, da ich langsam müde wurde. In der vorigen Nacht schlief ich kaum und der Mangel machte sich nun allmählich bemerkbar. Dennoch wollte ich im Zug nicht schlafen, um nichts zu verpassen und zählte die Stunden bis zur Ankunft. Es waren viele Stunden, die schnell vergingen. Wahrscheinlich, weil ich mich nie langweilte.

Dann bekam ich ausnahmsweise Gesellschaft von einer Frau. Auch diese erkundigte sich erst einmal nach der Verfügbarkeit des Platzes. Ich nickte ihr zu. Sie sah aus, als würde sie bei RTL arbeiten und sie stieg passend in Köln wieder aus.

Im Ruhrpott war viel los, der Zug war ständig voll und die Gäste wechselten im Stationentakt. Ich konnte mich also darauf gefasst machen, dass ich sensorisch bald wieder einen neuen Nachbarn kennenlernte. Selbstverständlich kam ein Mann. Ohne zu fragen, ohne Worte und sehr neutral. Ich hatte nichts an ihm auszusetzen und hatte auch keine Lust mehr, ihn in irgendeine Schublade zu stecken. Meine Beobachtungen endeten und ich achtete umso mehr auf die Landschaft, die sich inzwischen stark veränderte – zum Flachland zum Bergland. Der Zug fuhr nun direkt am Neckar entlang, mit all seinen verträumten bunten Häusern mit vielerlei Schnörkeln. Es war wie eine andere Welt. Wie ein kleines Märchen. Ich war schon mehrmals in dieser Gegend und jedes Mal machte diese Idylle mich glücklich.
Zwischendurch kam der Schaffner durch die Reihen. Jedes Mal fragte er im Pfälzer Dialekt: „Servus! Ist noch irgendwer zugestiegen?“ Er klang schon beinahe genervt, als die Gäste sich desinteressiert verhielten, sich absichtlich in ihre Zeitungen vertieften und sich niemand angesprochen fühlte.

Die restlichen 1.5 Stunden Fahrt verbrachte ich alleine mit meiner Handtasche neben mir, da inzwischen genug andere Plätze frei waren. Es wurde deutlich ruhiger im Zug und es gab keinen Stress mehr an den Bahnhöfen. Ich aß ungestört die restlichen Gummibärchen. Zwischendurch checkte ich mit dem Handy die Lage meines Hotels, das sich direkt in der Innenstadt befand. Wäre also kein Problem, es zu finden. Ich konnte es kaum erwarten, endlich dort zu sein. Meine Beine wurden schon lahm. Flüssigkeits- und Bewegungsmangel sowie die Einnahme der Pille zählten zu den perfekten Thrombose-Risikofaktoren. Ich könnte bald Patient werden, die Heidelberger Uni-Klinik ist bestimmt aufregend!

Als ich am Abend in Heidelberg ankam, war der Bahnhof überfüllt mit Menschen. Es irritierte mich. So viele Menschen. Zu viele. Erster Eindruck: Heidelberg ist eine sehr internationale Stadt. Zweiter Eindruck: Viel Verkehr und das Hochhaus mit dem Namen ‚Print Media Academy‘ verlieh der Stadt einen außergewöhnlich wichtigen Touch.
Während ich an den zahlreichen Ampeln wartete, stellte ich fest, dass Mercedes, Audi und BMW die Hauptvertreter der Verkehrsmittel waren. Zwischendurch schlich sich auch mal ein Ferrari ein.

Ziemlich erschöpft erreichte ich bald das Hotel. Eigentlich war ich völlig fertig. Beim Einchecken wurde ich gefragt, ob ich jeden Tag Frühstück essen will und in welcher Form ich gerne bezahlen möchte. Dabei war ich mir sicher, dass ich diese Angaben schon bei der Buchung machte.
Also sagte ich: „Ich hab mit Frühstück und mit Kreditkarte gebucht.“
Aber irgendwie waren die Daten wohl nicht vollständig angekommen. Dann kam mir plötzlich der Gedanke auf, dass die Karte vielleicht nicht mehr richtig funktioniert. Oder dass alles am Ende doppelt abgebucht wird. Ich wartete erst einmal ab. Dann steckte die Frau an der Rezeption meine Karte ins Gerät und als ich sie wiederbekam fragte ich: „Hat alles geklappt? Also mit der Karte?“ Die Frau schaute mich etwas verwundert an und sagte dann: „Alles in Ordnung. Hier ist der Beleg.“
Dann gab sie mir den Schlüssel und ich huschte eilig die Treppen hoch. Die Tür bekam ich erst beim vierten Versuch auf. Ein Glück, dass mich in solchen Momenten nie jemand beobachtete.

Das Zimmer in der 2. Etage war perfekt. Rosa Wände, lila Vorhänge, Nachttischlampen mit Schirmen in Perlmutt und ein Boxspringbett mit einer winzigen Tüte Gummibärchen auf der Bettdecke. Und dass, obwohl ich noch zwei Tüten in der Tasche hatte. Eine Tüte reichte schon, um nicht mehr davon essen zu wollen. Die Lust auf Süßigkeiten verschwand schnell wieder.
Der Schreibtisch war super, denn den brauchte ich zum Arbeiten. Der große Flachbildfernseher hing direkt darüber. Ich musste sofort an einen Freund denken und sendete ihm ein Bild vom TV: ‚Den Fernseher würdest du lieben, du Freak.‘ Er schrieb gleich zurück: ‚Oh jaaaaa…….‘ Dann schickte er mir Bilder von seinem gestrigen Filmabend. Im Vordergrund standen einige Flaschen Alkohol, Nüsse und Chips.
‚Das erinnert mich an deine Nussgeschichte‘, antwortete ich. Danach rief er mich an und wir lachten uns über diese Geschichte tot. Heidelberg wurde kurz zur Nebensache. Am Ende des Gesprächs gab er mir jedoch die Aufgabe, genug Fotos zu machen.
Leider hatte das Zimmer keine Badewanne. Leider. Aber so konnte ich mich abends besser auf die Arbeit konzentrieren. Obwohl Baden ein schöner Ausklang gewesen wäre.

Nachdem ich meine Sachen ausgepackt und mich genug ausgeruht hatte, machte ich meinen ersten Rundgang durch die Stadt, um mir eine Gesamtorientierung zu verschaffen, damit ich wusste, was mich in den nächsten Tagen erwartete und wo ich überall hinmusste.
Zuerst schaute ich mich in der Weststadt um und danach in der Altstadt, wo viel mehr los war. Abends wirkte die Stadt leicht orientalisch und ich bildete mir ein, ständig den Geruch von Gewürzen in der Nase zu haben. Ein Stück Indien und in einer anderen Ecke wieder ein Hauch Asien. Mein Blick war mal wieder wie erstarrt, als ich die ganzen Menschen sah. Die Restaurants waren auch alle voll.

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Die Geschäftsstraße (Hauptstraße) war ewig lang. Mir kam sie endlos vor. Sie ist tatsächlich die längste Shoppingmeile Deutschlands mit einer Länge von über 2 km. Die Läden machten mich fertig, es waren zu viele und sorgten bei mir für eine alarmierende Reizüberflutung, auf die ich lieber verzichten sollte. Mir wurde etwas schwindlig. Aber das lag wahrscheinlich eher daran, dass ich nach der langen Anreise etwas essen musste.

Ich hatte Hunger und konnte das Gefühl nicht länger ignorieren. Aber ich wollte in kein Restaurant. Ich wollte etwas Einfaches, aber auch kein Fast Food. Letztendlich stand ich wieder vor dem üblichen Desaster: Ich wusste nicht, was ich will – wie immer, wenn ich richtig Hunger habe. Bevor ich mit Nichts wieder zurück ins Hotel ging, holte ich mir ein warmes Veggie-Vollkorn-Sandwich.
Danach ging ich bis zum Ende der Hauptstraße und kehrte um. Die Leute waren teilweise sehr komisch und beängstigend, deswegen wollte ich den Abend auf der Straße nicht allzu lange hinauszögern, da ich alleine unterwegs war und somit genug Angriffsfläche bot.

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Gegen 20 Uhr war ich zurück im Hotel, aß mein Sandwich und es machte wahnsinnig satt. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Stein gegessen. Mit diesem Stein im Bauch ging ich duschen. Eine Viertelstunde goss ich mir viel zu heißes Wasser über den Körper und fand es entspannend. Mein gestörtes Schmerzempfinden war daran Schuld, dass ich es toll fand.
Nach dem Duschen war das halbe Bad überschwemmt und voller Dampf. Die weißen Handtücher wurden nach dem Abtrocknen als Bodenwischer und Teppich zweckentfremdet.

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(22 – 1 Uhr Meeting)

Nach dem Meeting endete der lange Tag und ich schlief sofort ein. Ohne meiner besten Freundin weitere Infos zu geben.

2. Tag/Freitag: Altstadt, Schloss & Bergbahn
Frühstück:
1 Brötchen mit Käse und Nutella
Vanille Quark
Banane
Mini-Quarkschnecke
Kaffee, Multi-Saft
Nachmittags:
Kaffee + Vanille-Eis + Sahne
Abends:
1 Kurfürstenkugel
Tonic

Am 2. Tag wurde ich gegen 4 Uhr wach, so, wie es neuerdings üblich ist. Danach folgte ein Halbschlaf: Ich träumte die Gedanken, die gerade in meinem Kopf aufblitzten. Schön, wenn man seine Träume so beeinflussen kann.
Gegen 7:30 Uhr klingelte mein Wecker und holte mich aus einem erotischen Wachtraum, in dem es um einen Mann ging. Ich atmete erst einmal tief durch, bevor ich aufstand und zum Frühstück ging.
Auf das Buffet war ich gespannt, da das Frühstück hier den Part der Hauptmahlzeit übernahm.
Das Bad war immer noch nass vom letzten Abend. Aber ich schaffte es irgendwie, nicht darin auszurutschen und ich schaffte es auch nicht, über diese kleine Stufe zu stolpern, die sich genau in der Mitte zwischen Klo und Dusche befand. Ich stieß mir nur kurz den Zeh daran und merkte es mir für die nächsten Tage.

Dann ging ich zum Frühstück. Meine Schuhe machten ungewöhnliche Geräusche, als ich die Treppen hinunterging. Die Sohlen waren mit Luft gefüllt und ließen bei jeder Stufe Dampf ab. Nach jeder Stufe ertönte ein leichtes luftiges Zischen.
Ich begrüßte die Frau an der Rezeption so, als wäre ich kein Morgenmuffel und bog zum Frühstücksraum ab, in dem nur vier Leute saßen. Alles Männer mit Notebooks und Handys. So so…
Ich hatte mein Handy nicht dabei. Grund: Achtsamkeitstraining.
Das Buffet war in Ordnung. Es gab Dinge, die ich sonst auch esse. Aber es gab auch Dinge, die sie nicht hatten. Ich war trotzdem zufrieden, da essen ja nicht so wichtig ist.

Nach dem Frühstück blieb ich nicht mehr lange im Hotel, sondern ging durch die Stadt. Es waren weniger Leute unterwegs, als am vorigen Abend. Viele Läden machten erst um 10 Uhr auf. Ich lief flüchtig die Straße entlang und schaute, welche Läden mich interessierten. Es waren nicht viele, da es die meisten davon auch in meiner Stadt gab und ich sowieso Königin im Internet-Shopping bin, weil ich zum ‚richtigen‘ Shoppen einfach zu wenig Zeit habe.

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In Heidelberg sah man viele Asiaten, die ständig Selfies von sich machten und denen nichts zu peinlich war. Ich konnte es kaum fassen, wie verrückt die waren, mit ihren Metallstäben in der Hand und dem Handy dran. Immer wieder beobachtete ich diese Grüppchen, die kichernd sich und alles knipsten. Einfach so. Und jedes Mal zog ich die Augenbrauen hoch, wenn direkt vor mir schon wieder Selfies gemacht wurden. Verrückt. Was war bloß los mit diesen Leuten? Ich würde schlechte Laune kriegen, wenn ich dauernd Bilder von mir machen würde. Vor allem: Was macht man mit diesen Bildern, die alle gleich aussehen? Für ein Fotoalbum ziemlich langweilig.
Okay, ich versuchte, mich nicht zu sehr auf diese Leute zu fixieren, obwohl mich deren Verhalten teilweise sehr schockierte.

Dann fand ich endlich mal jemanden, den ich ansprechen konnte. Er stand neben seinem Mini-Cabriolet-Bus auf dem Karlsplatz und ich hatte Interesse an einer Sightseeingtour.
„Hey! Kann ich hier noch mitfahren?“, fragte ich etwas aufgedreht.
„Erst in einer Stunde wieder. Die Fahrten sind stündlich!“
„Okay, dann bis nachher.“

Um 11 Uhr also. Eine Stunde Zeit zum Shoppen. Die Souvenirläden waren überraschend unspektakulär. Nur teure Kuckucksuhren und verzierte Kannen aus Zinn für ältere Generationen. Erinnerte mich ein wenig an den Zinnmann aus ‚Der Zauberer von Oz‘.
Die Läden bestanden größtenteils aus Kitsch. Dinge, die man sich anschaut, ohne einen Zweck darin zu finden. Die Japaner fanden das bestimmt alles toll und aufregend. Deswegen gab es den Laden ‚Unicorn‘. Zauberhaft im ersten Moment. Aber nach Betreten des Ladens stellte sich heraus, dass dort alles in chinesischer Schrift gekennzeichnet war. Ein Paradies für die Selfie-Paparazzi.
Es gab so viele Asiaten, dass (ungefähr) zwei von ihnen beschlossen, ein eigenes Geschäft zu gründen, in dem genau die selben Dinge verkauft wurden, wie in den deutschen Läden, die sich fast genau daneben befanden. Wow! Und anscheinend hatten sie eine gute Idee, denn der Laden zog genug Besucher an. Ich hingegen war nach einer Runde schnell wieder draußen, als ich mitbekam, dass sich darin eine andere Welt ohne Buchstaben befand. Eigentlich fühlte ich mich ein bisschen unwillkommen.

Ich hatte die Nase voll. Kein Shoppen mehr!
Mittlerweile füllte sich die Stadt immer mehr mit Menschen, die wahrscheinlich besser wussten, wonach sie suchen und was sie brauchen. Mir fehlte nichts, deswegen hatte ich keine Ahnung, was ich brauche. Das einzige, was ich brauche, sind neue Erfahrungen, die sind am wertvollsten. Den Rest der Zeit vertrieb ich mir, in dem ich hin und her lief.
Kurz vor elf war ich beim Cabriolet-Sightseeing-Bus, der schon fast komplett voll war mit alten Leuten. Okay. Wenn ich Glück hatte, war noch ein Platz frei.
„Ist noch was frei?“, fragte ich den Fahrer.
„Bist du alleine?“
„Ja.“
„Dann ist noch was frei.“
„Wie teuer ist das?“
„9 Euro.“
Ich gab ihm das Geld, suchte mir einen Platz und guckte mir die anderen Fahrgäste an, die alle ein halbes Jahrhundert älter waren und mit den Kopfhörern am Sitz nicht klarkamen.
Ich entdeckte nun auch durch Zufall, dass unten ein Aufsteller (mit Preisen, Route, Abfahrtzeiten in rot) stand. Wie blind ich manchmal bin.
Bevor der Bus losfuhr, erklärte der Fahrer, wie man die Kopfhörer einstellte: 2 + (++++ je nachdem, wie taub man schon war). Mein Kopfhörer hatte ab und zu einen Wackelkontakt, wenn der Bus eine Kurve fuhr und es wurde nicht besser, wenn ich daran herumfummelte.
Die Sightseeing-Tour war toll und half mir dabei, mich auch mal wie ein Tourist zu fühlen, obwohl ich nicht zum Urlaub dort war. Der Bus fuhr durch alle Stadtteile – bei ca. 150 000 Einwohnern auch kein Problem.
Ich war als Kind schon einmal in Heidelberg, habe aber nur die Erinnerung, dass die Rutsche so heiß war, dass ich schrie und bei der Hitze ständig extremen Durst hatte. Ansonsten fehlen alle Erinnerungen, weil ich noch zu klein war.
Die Bustour ging knapp 45 Minuten. Da es sonnig und warm war, wurde auch niemand nass.

Nach der Bustour war Leerlauf.
Vor der Heiliggeistkirche standen auf einmal viele schwarze Autos. BMW, Mercedes, Audi.
Hinweis auf eine wichtige Audienz. Aber ich sah niemanden, bis auf die Leute, die alle um mich herum standen. Als ob irgendetwas gewesen wäre.
Hm.
Ich ging in die Kirche, um zu gucken, was da los war. Vielleicht fand ich dort die Leute, die zu den Autos gehörten. Und ja, sie hielten sich tatsächlich in der Kirche auf. Auf jeden Fall ging es um keine Beerdigung und um keine Hochzeit, sondern um andere Dinge.
Später, als all der Trubel weg war, ging ich noch einmal in die Kirche. Für ein paar stille Minuten.

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Danach guckte ich mich in der Stadt weiter um. Nachdem ich in zwei Läden doch noch etwas Schönes fand, ging ich zurück ins Hotel, um mich auszuruhen und um die Sachen wegzubringen, die ich nicht länger mit mir herumschleppen wollte. Ich hatte Angst, dass die Papiertüte durch die Schwere des Inhalts (2 Flaschen Alkohol) riss. Im Hotel legte ich mich hin und entspannte mich eine Stunde.

Zurück in der Stadt holte ich mir beim Bäcker (Cafe Gundel) 2 Kurfürstenkugeln, um mir rechtzeitig mein Abendbrot zu organisieren. Vor mir stand jemand, der wissen wollte, was das für runde Dinger sind und was da drin ist. Ich konnte seinen Dialekt kaum verstehen. Wisch-Wasch-Deutsch. Die Kugeln füllten die Hälfte meiner Handtasche aus und ich hoffte, dass sie nicht allzu sehr kaputt gingen, nach dem Herumgetrage in der Wärme.

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Was ich eigentlich noch machen wollte: Ich wollte zu Fuß zum Schloss hochgehen.
Aber die Bergbahn kam dazwischen, dessen Haltestelle ich zufällig groß ausgeschildert mitten in der Altstadt fand. Okay, dann mache ich das zuerst, dachte ich. Zum Schloss konnte ich später immer noch gehen. Oder morgen.
Die Warteschlange vorm Ticketschalter löste sich schnell, es war nur eine Familie mit Kindern.
Als ich dran war, bekam ich ein Kombi-Ticket: Hin- & Rückfahrt zum Königstuhl + Eintritt für das Schloss. Alles 12 Euro. Wirkte nicht nach Touristen-Abzocke.
Die Bergbahn kam nach wenigen Minuten. Ich setzte mich in einen mittleren Wagon an den Rand und wagte es einige Male, einen Blick nach unten zu werfen. Es sah komisch aus, weil die Bahn ziemlich schräg nach oben fuhr (ca. 40 % Steigung) und nur an Seilen, die sich unter den Schienen befanden, ‚hochgezogen‘ wurde. So verstand ich es jedenfalls. Über der Bahn waren keine Kabel und Masten zu sehen.
Die Bahn hielt am Schloss und ich stieg aus. Es war wahnsinnig heiß und mir wurde komisch. Kreislaufprobleme. Ich habe leider immer noch nicht gelernt, IMMER Wasser und Traubenzucker dabei zu haben. Oder mir zwischendurch einfach mal etwas zu kaufen.
Überall waren Menschen und eine Menge Asiaten, die auch hier wieder bei jeder Gelegenheit ihr typisches Selfie-Programm abzogen. Aber okay, ich gewöhnte mich langsam daran. Sie waren einfach so und ich akzeptierte es.

Das Schloss war natürlich riesig, teils gut erhalten, teils zerstört. Ich ging durch das hübsche Elisabethentor, vor dem sich die Japaner schon fleißig knipsten und landete danach mitten im Geschehen. Jedoch hatte ich mir von dem Schloss irgendwie mehr vorgestellt. Letztendlich gelangte ich zur Aussichtsplattform, die mir am besten gefiel. Man hatte den perfekten Blick über die Altstadt und ich versuchte mir vorzustellen, wie sich die Leute früher wohl gefühlt haben, als sie dort standen.

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Ins Schloss selber kam ich leider nicht. Oder ich war einfach zu blind, um den Eingang zu finden. Ich sah ’nur‘ das große Fass des Heidelberger Schlosses. Aber ich wusste nicht genau, was es damit auf sich hatte (…und ob es gefüllt war?…Mit Wein?). Es hatte jedenfalls monströse Maße. Ich konnte dem Fass nicht viel abgewinnen und entfernte mich rasch aus dem Keller, ohne mir das Fass noch einmal von oben angeschaut zu haben.
Als ich draußen war, suchte ich nach anderen Eingängen und fand nur die Tür zum Apothekenmuseum. Bevor ich dort meine Erkundungstour fortsetzte, lief ich durch den großen Schlossgarten. Enttäuschend, so ganz ohne Blumen und Prunk. Lediglich einige Baustellen waren zu sehen. Die Aussicht wurde zudem mit zugebretterten Zäunen versperrt – netterweise mit ausgestanzten Gucklöchern, damit man zumindest ein bisschen was sehen konnte. Ich hätte mir den Schlossgarten gerne weiter angeschaut, hatte aber das Gefühl, dass die Zeit drängt und ich mich beeilen müsse. Wahrscheinlich sah ich nur ein Bruchstück des Gartens. Die Schilder um mich herum zeigten mir, dass es noch andere Ecken gab.

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Auf dem Rückweg kreuzte ich eine Hochzeit, die auf dem Innenhof des Schlosses stattfand. Genau die Situation, die ich am allerliebsten meide. Leider musste ich erst einmal warten, bis der Fotograf ausreichend Fotos gemacht hatte. Also stand ich ungeduldig auf der Treppe und schaute mir ziemlich angepisst die ganze Szenerie an. Ich hasse Hochzeiten. Das ist der glänzende Weg ins Aus, obwohl ich es inzwischen manchmal auch anders sehe, mir aber trotzdem nicht sicher bin, was ich von einer Hochzeit halten soll. Selbst bei der Hochzeit meines Bruders konnte ich mich damals nicht zusammenreißen und zickte nur herum. Meine Antwort auf alle Fragen (Essen? Tanzen? Sekt?) lautete: Nein. Und dass, obwohl ich seine Trauzeugin war und für diese Aufgabe sogar mit einer ehrwürdigen Urkunde belohnt wurde. Heute weiß er, dass seine kleine Schwester mit ihrer Heiratsphilosophie recht hatte.
Als sie mit dem Hochzeits-Posing fertig waren und ich schon fast durch den Ausgang lief, bemerkte ich das Plakat mit dem Apothekenmuseum. Ich las nur: Eintritt frei. Das wusste ich vorher nicht. Da ich vorrangig in einem medizinischen Beruf arbeite, war es nicht verkehrt, sich nebenbei mal etwas weiterzubilden. Es war ein normales Museum: 50% Text und 50% ‚Anschauungsmaterial‘ (Gefäße, Pillen, Utensilien aller Art und die Gerüche alter Kräuter in der Luft). Ich hielt mich dort knapp eine Stunde auf, weil es mich einiges sehr interessierte.

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Ich stieg wieder in die Bergbahn. Beim Einsteigen vergewisserte ich mich noch einmal bei einem Opa und fragte, ob die wirklich nach oben fährt. Obwohl der LED-Pfeil es deutlich anzeigte. Der Opa nickte. Die Bahn hielt zwischendurch einmal und ein kleines Stück später musste man umsteigen in die historische Bergbahn (alte Version). Sie bestand aus Holz. Ich stieg mal wieder in ein mittleres Abteil, da die besten Plätze selbstverständlich schon belegt waren. Jeder wollte gerne entweder ganz vorne oder ganz hinten sitzen, denn das war am spannendsten. Mich erinnerte es im entferntesten Sinne an eine Achterbahnfahrt, nur in Zeitlupe und ohne Loopings. Aber vom Prinzip her ähnlich. Gemischt mit dem Gedanken, was passiert, wenn die Seile reißen. Rollt die Bergbahn dann rasant in den Abgrund oder bleibt sie stehen? Paar der Leute filmten die ganze Fahrt mit ihrem Handy. Wieder eine Sache, die ich nicht verstand. Denn: Wer will das sehen?
Die Endstation der Bergbahn rückte immer näher. Manchmal hatte ich den Eindruck, als würde sich die Station im 90° Grad-Winkel befinden. Jedes Mal, wenn man irgendwo ausstieg, musste man sein Ticket in einen Automaten stecken, damit sich die Schranke öffnete. Ich grinste, weil ich an meine Arbeit denken musste. Dort war auch alles geschlossen.
Die Aussicht auf dem Königstuhl (Berg, ca. 570 m hoch) war überwältigend. Die Häuser waren winzig, man erkannte nicht mehr viel. Aber man spürte den Wind, der deutlich kühler und stärker war. Als ich sah, dass es in den Bergen Heidelberg’s noch viel höher ging, faszinierte es mich umso mehr. Leider kam ich nicht weiter. Der Königstuhl bot an sich nicht viel. Dort stand nur ein Imbiss mit einigen Stühlen, daneben eine Falknerei und zahlreiche Wanderwege in der Umgebung. Ein schwarzer BMW fuhr an mir vorbei. Ich sah eine Mountainbikestrecke und Möglichkeiten für andere Arten des Extremsports, wie z.B. Paragliding. Daneben Schilder mit dem Vermerk, wie lebensgefährlich das alles sei.
Ungefähr 10 Minuten hielt ich mich auf dem Gelände auf. Sportler kamen mir mit ihren Mountainbikes entgegen und ich war in dem Moment neidisch auf sie, weil ich auch gerne fahren wollte. Ich hatte Lust auf Mountainbiking. Stattdessen konnte ich nur dastehen und zugucken, wie sie Spaß hatten. Etwas enttäuscht ging ich zurück zur Bergbahn. Ein letzter Blick von oben nach unten und dann hatte sich die Sache mit dem Königstuhl schon erledigt.

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Diesmal musste ich länger warten, bis die Bahn kam. Ich beobachtete einen älteren Mann in Hemd und Jeans, der dringend auf die Toilette musste und seine Familie mit seinem kindlichen Gequengel schon nervte. Seine Laune verschlechterte sich zusehends und ich amüsierte mich darüber sehr. Keiner wusste, wann die Bahn kommt und er war sich deshalb nicht sicher, ob er es schaffen würde, rechtzeitig eine Toilette zu finden. Als er es nicht länger aushalten konnte, drehte sich um und verschwand hinter der erstbesten Tür, die irgendwo hinführte. Er war weg und die Bahn kam. Alle stiegen ein, seine Familie saß mit mir im selben Abteil und auch der Mann war pünktlich wieder da. Danach quengelte er weiter. Er wollte ganz vorne im ersten Wagen sitzen, weil man da besser Fotos und Filme machen kann. Ich guckte den Mann komisch an. Er wirkte nämlich recht überdreht. Als wir beim zweiten Mal umstiegen, schaffte er es endlich, in den ersten Wagen zu gelangen und bekam zum Schluss seinen Willen. Süß.

Nach dem Erlebnis stand für mich nichts mehr an, außer das spätere Meeting. Ich wollte einfach nur noch einen Kaffee trinken und mich hinsetzen. Schließlich hatte ich bisher keine Pause gehabt.
Ich setzte mich in ein Café und trank Kaffee mit Eis. Mein Körper hatte es nötig, so unterversorgt, wie er war. Trotz meines Kreislaufproblems musste er noch einige Stunden auf diese Energiezufuhr warten. Welch selbstzerstörerischer Spleen. In meinem Magen herrschte danach Winter.

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Am Abend probierte ich die erste Kurfürstenkugel. Sie steckten den Transport in der Tasche nicht allzu gut weg. Immerhin waren die Kugeln dabei, als ich das Schloss besichtigte und den Königstuhl erklomm. Deshalb waren sie abends etwas angeschlagen. Egal, der Inhalt zählte.
Feines Mohrenkopfbiskuit, innen mit einem Kern aus Nugatcréme und außen köstlich von Marzipan und Schokolade umhüllt (Quelle: http://www.kurfuerstenkugel.com/cms/iwebs/default.aspx )

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Nach einer Kugel war ich so satt, dass ich die andere nicht mehr schaffte.

(19 – 22 Uhr Meeting)

3. Tag/Samstag: Philosophenweg & Neckar

Frühstück:
1 Vollkornbrötchen mit Quark, Käse und Nutella
Banane
Schoko-Gries-Pudding
1 Eclair
1 Keks
Kaffee, Saft
Nachmittags:
Cola
Abends:
Salat mit Mozzarella und getrockneten Tomaten mit Balsamico-Dressing
1 Kurfürstenkugel
Wasser

Der Tag begann wie gestern: Aufstehen, Frühstück und Planung des Tages via Handy.
Als ich beim Frühstück saß, kam plötzlich eine Horde Touristen in den Raum. Niemand wusste, ob die Plätze reichen, deswegen wurden die freien Plätze erst einmal gründlich ausgezählt. Aber irgendwie würde es wohl gehen, meinten die Leute dann. Ich war schon fast fertig mit dem Frühstück, wollte mir aber noch einen Saft holen. In der Zwischenzeit räumte die emsige Küchenhilfe schon meinen Platz ab, samt voller Tasse Kaffee, damit die anderen Gäste dort sitzen konnten. Ich rief: „Hey, ich bin noch nicht fertig! Da ist noch Kaffee drin!“ Ich hatte die Tasse eigentlich extra dort stehen lassen, damit klar war, dass ich gleich zurückkomme. Die Tasse war mein Platzhalter! Sofort stellte die Küchenhilfe alles wieder hin, bis auf das benutzte Geschirr. Sie entschuldigte sich und auch eine Frau unter den Gästen entschuldigte sich 2x bei mir. Ich sagte: „Nicht so schlimm. Alles gut.“ Lächeln.

An diesem Tag wollte ich wandern gehen. Im Odenwald auf dem Philosophenweg, der insgesamt ca. 3 km lang war und sich danach noch in andere Richtungen und Höhen schlängelte. Nur der Weg nahm dann andere Namen an.
Wie an jedem Tag musste ich dazu erst durch die gesamte Altstadt laufen, denn um die kam ich nie herum.
Meine Sonnenbrille trug ich immer. Inzwischen kannte ich die Vorteile, die man dadurch hat: Privatsphäre. Die Hauptstraße in der Altstadt war Heidelberg’s Catwalk. Jeder präsentierte sich dort und viele von ihnen leider ziemlich unvorteilhaft. Wenn man dick ist, sollte man sich nicht in einen bunten Jumpsuit quetschen, der von der Muschi gefressen wird. Aber es gab auch andere unschöne Styling-Sünden, bei denen ich nicht weggucken konnte.
Manchmal, wenn mir alles zu viel wurde, ging ich stur geradeaus – ohne nach links und nach rechts zu schauen – Kopf ein bisschen weiter nach oben, ohne Mimik im Gesicht und wartete ab, was passierte. Die Leute machten Platz und einige guckten hinterher, wobei die Gäste in den Cafés immer die Schlimmsten waren. Die waren schließlich eh nur zum Gucken da.
Manchmal, wenn mir danach war, nahm ich meine Sonnenbrille ab, suchte mir ältere Männer aus und lächelte sie einfach mal an. Da die meisten von denen Familie hatten, waren sie mit meinem Lächeln schon überfordert. Pech gehabt. Es tat mir ein wenig Leid – für sie und für mich.

Ich suchte die Gasse, durch die ich zur Alten Brücke kam. Aber ich nahm immer die falsche Gasse und ging letztendlich woanders lang, wo ich jedoch auch zum Ziel kam. Auf der Alten Brücke stand sie wieder – die Selfie-Population. Sie machten Bilder von sich und dieser dunklen Katzenstatue.
Die Brücke war mit Menschen überfüllt. Ich blieb stehen, sah herunter zum Wasser und als ich weitergehen wollte, stand vor mir ein Liebespaar, das sich knutschte. Mann, bitte nicht das auch noch, dachte ich. Die Frau war jedenfalls dick und gefiel mir nicht. Und er gefiel mir auch nicht. Nach diesem Check ging es mir gut. Wenn ich arrogant wäre, würde ich sagen: Mich darf fast niemand haben.

Von der Alten Brücke war es nicht mehr weit bis zum Philosophenweg. Einmal über die Ampel gehen und neben der Bushaltestelle begann der Weg. Zuerst ein geschachtelter Steinweg, mit groben Pflastersteinen und hohen Mauern an den Seiten. Der Weg verlief konsequent bergauf, schlängelte sich nach oben und ab und zu durfte man flache Treppen steigen. Es war anstrengend, gerade auch wegen der Hitze. Selbst ich kam aus der Puste, obwohl ich sportlich bin. Zwischendurch musste ich immer kurz innehalten und genoss die tolle Aussicht. Mittendrin gab es Aussichtsplattformen und Bänke, die aber alle schon besetzt waren. Eine längere Pause hatte ich auch nicht nötig. Nach ungefähr 12 Minuten kam ich oben an, total fertig und kaputt. Außerdem war ich komplett durchgeschwitzt und das mit 28 Jahren. Ein Grund, sich doll zu schämen. Aber ich stellte fest, dass jeder kaputt war und/oder unter Luftnot litt, der den ersten Teil des Philosophenwegs bewältigte. Alle schnieften und schwitzten. Jeder, der es nicht tat, war ein Fake oder ein ehrgeiziger Hochleistungssportler.

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Oben angekommen. Alles war wieder einfach und gut. Der Weg ging nach links und nach rechts. Ich ging zuerst in die linke Richtung. Viele Meter hoch, entlang der Stadt. Wunderschöne Aussicht und überall Bänke. Typisch für Wanderwege: Viel Grün, viel Natur. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Der Weg gabelte sich zwischendurch in andere Richtungen. Es war nicht nur ein Weg. Ich kam an einer Imbissbude vorbei. Dort gab es Eis und Getränke. Ich lief so lange geradeaus, bis ich in einem Stadtteil wieder herauskam. In dem Stadtteil, wo die teuersten Häuser und Villen stehen. Ich ging wieder zurück, da ich den kompletten Philosophenweg erleben wollte. Der Weg führte wenig später in den Wald hinein. Dort war ich völlig alleine und ich wunderte mich, wo all die anderen Menschen waren. Mit so viel Einsamkeit rechnete ich nicht. Aber ich dachte auch nicht daran, zurückzugehen. Ich hatte keine Angst. An Männer, die einem auflauern, denke ich sowieso nicht. Trotzdem kam der Gedanke in diesem Wald immer mal wieder durch. Ich fühlte mich tatsächlich sehr alleine und drehte mich ständig um, ob nicht doch andere Leute in Sicht sind.

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In großen Abständen kamen mir Jogger und Radfahrer entgegen. Sonst niemand. Ich gab mir Mühe, nichts Negatives zu denken. Mich würde hier schon niemand umbringen, obwohl dieser Wald perfekt dazu war. Überall hohe Bäume und Vogelgezwitscher. Die Stimmung fühlte sich teilweise unwirklich an. So, als ob ich nicht wirklich da war. Meine Gefühlswelt spielte mir einen Streich. Derealisation. Dieses Gefühl, als ob man tot wäre und irgendwo anders ist. Und vor allem: Nicht im eigenen Körper. Es überwältigte mich, was dieser Weg mit mir anrichtete. Es war eine dieser intensiven Erfahrungen und dieser Weg regte einen tatsächlich dazu an, sehr nachdenklich zu werden und zu sich zu kommen – auf welche Art auch immer. Ich lief bis zum Ende. Natürlich war es längst nicht das Ende, es ging noch viel weiter. Nur wie weit? Auf meinem Navi ließ es sich nicht erkennen. Ich denke, es waren noch mehrere Kilometer. Auf Steinen standen in weißer Farbe die Namen der Wege, sodass man sich kaum verlaufen konnte.
Zumindest hatte ich mein Ziel für diesen Tag erreicht und mir qualmten die Füße. Sie taten weh. Aber Blasen waren noch nicht in Sicht.

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Auf dem Rückweg, gegen Mittag, kamen mir mehr Menschen entgegen. Der Weg füllte sich mit Leben, im Gegensatz zu morgens. Ich war erleichtert, nicht mehr alleine zu sein und wurde innerlich deutlich ruhiger, als vorher. Jetzt weiß ich, dass es doch Dinge gibt, vor denen ich Angst habe.
Als ich den Schlängelweg (eigentlich Schlangenweg) wieder hinunterging, war ich genauso platt. Auch der Abgang erwies sich als nicht allzu prickelnd. Es war auch anstrengend. Ich musste mich konzentrieren, nicht über die unebenen Steine zu stolpern oder über die Stufenkanten. Ich hielt mich wie eine alte Oma an den Seiten fest und bewegte mich nur vorsichtig. Trotzdem stolperte ich. Aber nicht so, dass ich hinfiel. Froh war ich, als ich heil vor der Alten Brücke stand.
Jetzt brauchte ich Entspannung und mir fiel spontan eine Bootstour ein. Wenn ich schon mal hier bin, dann auch AUF dem Neckar. Außerdem liebte ich Schiffe als Kapitänstochter.

Boote gab es genug. Ich entschied mich für die ‚Neckar-Sonne‘ – ein solarbetriebenes Boot mit nichtüberdachten Plätzen. Es fuhr stündlich und machte Rundfahrten über den Neckar.
Da ich noch Zeit hatte, ging ich am Neckar entlang und guckte mir die anderen Schiffe an, die alle unterschiedliche Fahrten im Angebot hatten. Unter anderem auch Burgenfahrten, die länger dauerten. Auch interessant, aber ich wollte gerade nichts Großes planen, wo man sich vorher anmelden musste. Als ich zur Neckar-Sonne zurückging, saßen schon Leute auf dem Schiff. Eine Fahrt kostete 8€ und ich suchte mir einen Platz direkt am Ende. Gleich wurde ich gefragt, ob ich was trinken möchte und ich bestellte mir eine Cola. Die Sonne schien die ganze Zeit und verursachte einen Sonnenbrand auf meinem Nacken.
Auf dem Boot war ein Mädel in meinem Alter mit einem Freund, der ungefähr 20 Jahre älter war. Ich konnte das Mädel absolut verstehen. Und ihn auch. Wie schnell ich bei dem Anblick wieder ins Schwärmen geriet – oh Mann!

Die Fahrt auf dem Schiff war normal. Nur dass die Geräusche des Motors fehlten, da solarbetrieben. Eine ruhige Fahrt und aus dem Lautsprechern wurde Heidelberg erklärt. Allerdings verstand ich kaum etwas. Das Schiff fuhr langsam über den Neckar, sodass man die Stadt von allen Seiten betrachten konnte. Eigentlich sah man nur Häuser und Teile des großen Klinikgeländes, sowie Liegewiesen und halbnackte Menschen. Wasser, Brücken und mehrere Krankenwagen und Polizei fuhren im Schnelltempo durch die Stadt. Das war die Schifffahrt. Am Ende musste ich noch meine Cola bezahlen. An Trinkgeld dachte ich allerdings nicht.

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Nach dem Ausflug ging ich Shoppen und lief durch die Weststadt zum Hotel zurück, um nicht immer die gleichen Wege zu nehmen. Auch die Weststadt bestand aus sehr schicken Häusern und war anscheinend eine beliebte Wohngegend. Ziemlich gediegen und ohne Trubel.

Abends trieb es mich zu Kaufland, das war gleich in der Nähe. Ich wollte einen Salat und hatte keine Lust mehr, mich in ein überfülltes Restaurant zu setzen. Sicherheitshalber kaufte ich noch Blasenpflaster, bevor alles zu spät war und ich nicht mehr laufen konnte. Meine Füße waren von der Wandertour schwarz. Entweder war es Dreck oder meine Schuhe färbten ab. Im Kaufland suchte ich außerdem noch eine Flasche Wasser, komischerweise fand ich nur eine Sorte. Eine andere Frau suchte auch erfolglos nach Wasser. Die hatten alles, aber nur eine Sorte Wasser? Verrückt. Den Salat musste ich genauso suchen, fand dann aber ein ganzes Regal. Mehr wollte ich auch gar nicht.

Als ich im Hotel war, aß ich den Salat samt Kurfürstenkugel und wartete auf das Meeting.

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(21 – 1 Uhr Meeting)

4. Tag/Sonntag: Bergfriedhof & Philosophenweg

Frühstück:
1 Vollkornbrötchen mit Käse und Nutella
Pfirsich Quark
kleine Portion Müsli
Kaffee, Apfelsaft
Nachmittags:
Eiskaffee mit Vanille-Sirup und Sahne
Cola
Abends:
1 Veggie-Burger
Mc Flurry

Frühstück wie immer. Nur, dass ich diesmal so clever war und mir mein Frühstück nicht stückchenweise, sondern gleich komplett holte. Für den Fall, dass mein Platz wieder zu früh abgeräumt wurde.

Dieser Tag begann auf dem Bergfriedhof. Am Eingang stand eine Tafel mit Informationen und Wegbeschreibungen.Wie sein Name schon verrät, handelt es sich um einen Berg mit Friedhof. Ich erzähle nicht viel über den Friedhof, weil Friedhöfe sich von selbst erklären. Dennoch fand ich den Friedhof aufregend. Er war aufgebaut wie ein Labyrinth. Zahlreiche Wege und manche von ihnen endeten im Nichts. Ich fand immer wieder neue Stufen und stieg immer höher auf den Berg, auf dem überall Steine, größere und kleinere Grabstellen verteilt waren. Auf diesem Friedhof lagen definitiv viele Professoren, Mediziner und sogar Erfinder. Ich war beeindruckt. Manche Treppen waren alt und verwildert. Außerdem gab es kaum Absperrungen auf den schmalen Wegen. Wenn man nicht aufpasste, konnte man leicht abrutschen und abstürzen.
Als nach 3.5 Stunden Bergfriedhof dieses seltsame Gefühl in mir aufkam, wusste ich, dass ich jetzt lieber gehen sollte. Das Gefühl von tiefer Nachdenklichkeit, körperlicher Vergänglichkeit, Mitleid und Melancholie. Wenn man sich fragt, ob man privat alles richtig macht oder was einem noch im Leben erwartet. Oder auch nicht…? Oder was ich mache, wenn ich nur noch einen Tag lebe oder krank werde,..körperlich. Oder einen Unfall habe, obwohl ich diese bisher immer mit nachfolgender Belastungsstörung überlebte. Gewisse Situationen bleiben für immer präsent und tauchen als Flashback wieder auf.
Bevor ich mich in diese Gedanken weiter hineinsteigern konnte, verließ ich den Friedhof sehr zügig. Ich wollte so schnell wie möglich weg und fand keinen Ausgang. Dabei wirkte der Friedhof zuerst noch recht überschaubar. Zum Glück fand ich den Ausgang bald.

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Danach schaltete ich sofort meinen MP3-Player an, um mich abzulenken.Vor dem Friedhof stand ein Lamborghini und ich war völlig geschockt, so ein Auto dort stehen zu sehen, wo ich es am allerwenigsten erwartete. Ich konnte es wirklich nicht fassen und blieb erst einmal wie erstarrt stehen. Vielleicht war der ja nur gemietet und kein Eigentum. Obwohl ich so geflasht war, schaffte ich es trotzdem, weiterzugehen. Ich musste ja nicht sehen, zu wem der gehört.

Mein nächster Weg: Altstadt – Alte Brücke – Philosophenweg.

Bevor ich mit der Wanderung anfing, machte ich einen Abstecher zum Kaffeetrinken, sonst würde ich umkippen, bei dem Durst, den ich hatte. Ich bestellte Kaffee mit Vanille-Eis, aber leider war der ausverkauft. Kein Wunder, bei der Hitze war das der begehrteste Kaffee. Mir wurde stattdessen Eiskaffee mit Vanille-Sirup angeboten. Der schmeckte zwar nicht ganz so gut, war aber okay. So wählerisch war ich nicht. Hauptsache, Kaffee – kalt.

Danach ging es sofort weiter. Obwohl man bei der Wärme auch super herumsitzen konnte. Zufällig kam ich noch an einem Wellness-Laden vorbei. Hauptthema: gesundes Essen. Bio natürlich und aus eigener Herstellung. Ich nahm Kräuter-Kräcker, denn mit Apfelchips, Vollkorn-Orangenkeksen und Saucen konnte ich nichts anfangen. Der Laden war nicht wirklich mein Fall. Zu viel Bio und Geschmacksvariationen, die nicht meine waren.

Ansonsten: Gleiches Programm wie gestern. Anstrengender Aufstieg, Schweiß und Hitze.
Unterschied: Auf dem Philosophenweg war mehr los (ab 14 Uhr).
Ich lief die gleiche Strecke, wie am Tag zuvor – nur ein Stück weiter. Überall wanderten Leute, auch tiefer im Wald. Dann kam eine Frau auf mich zu, die eine Wanderkarte in der Hand hielt: „Kennen Sie sich hier aus“, fragte sie mich.
„Nein, ich bin auch nicht von hier. Leider kann ich Ihnen nicht helfen.“
„Okay, trotzdem danke!“

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All meine Eindrücke bzw. mein Erleben auf dem Weg glichen dem Vortag: Nachdenklichkeit, Freiheit und Glück. Ich merkte, dass Wandern eine gute Entspannungsalternative ist und dass ich es öfters machen sollte, wenn ich mich seltsam fühle oder wenn sich irgendetwas in mir anbahnt. Wahrscheinlich brauche ich diese Mischung aus Ruhe und Aktivität. Vielleicht ist das für mich genauso passend, wie meine aktuellen Favoriten: Fitnessstudio, Chiasamen und Detox.

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Ich bekam wieder wahnsinnigen Durst. Natürlich hatte ich auch diesmal nichts zum Trinken mit und musste warten, bis ich wieder am einzigen Imbiss vorbeikam. Vorher war eine Pause auf der Bank nötig, da meine Füße und Beine vom vielen Laufen pulsierten. Nach 10 Minuten machte ich mich wieder auf den Weg. Jetzt fiel das Aufstehen umso schwerer, da mein ganzer Körper nur noch wehtat. Wenn ich zählte, wie viele Kilometer ich in den letzten Tagen insgesamt zurücklegte, war das kein Wunder. Am Tag kam ich locker auf 15 Km und vielleicht sogar noch mehr. Ich kaufte mir eine Cola und setzte mich auf eine etwas abgelegenere Bank in den Schatten. Dann dachte ich kurz darüber nach, dass es bis zum Hotel noch weit war und beschloss, nicht weiter daran zu denken, sondern nachher einfach zu laufen. Wenn man an unangenehme Dinge denkt, werden sie schlimmer. Ich dachte also an nichts mehr. Nur noch ans Jetzt.

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Auf dem Rückweg zog sich allmählich der Himmel zu und es wurde immer dunkler. Ich ging also genau im richtigen Moment los. In der Altstadt sah es nach Gewitter aus und es wehte plötzlich ein kühler Wind durch die Straße. Trotzdem standen die Leute Schlange, um ein Eis zu bekommen. Ich begriff nicht, warum sie so viel Geduld hatten, so lange zu warten, wenn vor ihnen schon 20 Leute bedient werden wollten. Sollte man für ein Eis so viel Zeit investieren?
Wenn sie Glück hatten, durften sie ihr Eis gleich im Regen mit Blitz und Donner essen.

Ich lief im Schnellschritt, weil ich nicht im Gewitter enden wollte. Allerdings musste ich mir noch irgendwo etwas zu essen kaufen, obwohl ich die Kräuter-Kräcker in der Tasche hatte. Nur hatte ich darauf gerade keinen Appetit und wollte etwas Anständiges.
Also lief ich auf dem Rückweg zu Mc Donald’s, da ich keine Lust auf andere Experimente und unbekannte Läden hatte. Der Bio-Shop reichte schon. Zwar der Besuch bei Mc Donald’s für mich eine Seltenheit, aber ich wusste, dass ich dort fündig werde. Ich nahm einen Veggie-Burger und einen Mc Flurry. Alles andere interessierte mich kaum. Allerdings verstand mich die Bedienung nicht richtig und fragte, welche Sorte Fleisch ich drin haben wollte. Was war an Veggie nur falsch zu verstehen? Lag vielleicht daran, dass der Typ unaufmerksam war, bei all den Geräuschen.

Im Hotel wartete ich nicht lange. Zuerst aß ich den Burger und dann das Eis. Danach Einatmen, Ausatmen, Ruhe. Und später Meeting. Plötzlich fing ich an zu weinen. Viel zu spontan, unangemessen und ziemlich ohne Grund. Oh Mann, bitte nicht schon wieder diese Emotionen, die aus dem Nichts kommen. Ungefähr 5 Minuten weinte ich heftig und ließ es einfach geschehen. Niemand sah mich, also musste ich mich nicht für meine kranke Seite rechtfertigen. Die gestörte Seite, die immer mal wieder ohne Ankündigung durchkommt und den Zustand meiner angeschickerten Seele repräsentiert. Mir war bewusst, dass es an diesem Tag eine Situation gab, die mein Unterbewusstsein triggerte. Dann wusste ich es: Es war der Friedhof, der in mir etwas auslöste. Was genau, das kann ich nicht sagen. Meine Emotion hing mit irgendeinem unbekannten Defizit und innerem Konflikt zusammen, den ich nicht kannte. Ich muss also erst herausfinden, um was für einen Defizit es sich handelt und beschloss, die Sache erst einmal ruhen zu lassen, bis sie sich von alleine löst, z.B. durch neue Erfahrungen oder mehr Reife.
Nach 5 Minuten war alles wieder in Ordnung und ich fühlte mich kein bisschen schlecht. Sondern ganz ’normal‘.

(21 – 1 Uhr Meeting)

Als ich nachts wieder zurück kam, war alles so anders, denn das war der letzte Tag in Heidelberg. Die Zeit verging – wie immer – viel zu schnell. Aber es hat gereicht, um die schönsten Orte zu sehen und ein wenig kennenzulernen. Wäre ich ein Heidelberger, würde ich jeden Tag wandern gehen. Dabei kann ich bei mir zu Hause sogar am Strand entlangwandern. Ist das nicht eigentlich auch schön? Würden das die Heidelberger nicht auch gerne tun? Man will doch immer das, was man nicht haben kann und wenn man es hat, dann ist es nicht mehr so spannend. Man schätzt die Dinge und manche Gelegenheiten einfach zu wenig.
Ich packte noch schnell die Sachen für meine Reisetasche zusammen, denn morgen früh war es mir zu spät. Zwar hatte ich nicht allzu viel mit, aber es reichte, dass die Tasche schwerer wurde, als auf der Hinfahrt. Nachdem die Tasche gepackt und ich duschen war, konnte ich mit einem ruhigen Gewissen einschlafen. Alles war reisefertig und passte in die Tasche.

Draußen regnete es, sowie abends schon. Ich hörte ein Donnern, aber letztendlich waren es nur die Geräusche eines Feuerwerks oder einer Party. In Heidelberg war abends viel los, völlig ruhig wurde es nie. Großstadtfeeling. Manchmal hörte man betrunkene Leute und manchmal war es nur das Rollen eines Koffers auf dem Asphalt. Obwohl ich in einer noch größeren Stadt lebte, war es hier anders. Lauter, kultivierter und lebendiger. Oder ich wohnte bei mir einfach in der falschen Ecke, in der es zu gediegen zuging. Im gegenüberliegenden Haus fielen die Rollläden zu. Ich schaute nach, ob es an meinem Fenster auch so etwas gab – ja.
Dann tat ich dem Nachbarn gleich und ließ sie zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt herunter.
Anschließend ging ich zu Bett. Im Zimmer war es schwarz. Dieses Schwarz machte mir Angst, es engte mich ein und schnürte mir die Luft ab. Ich bekam Panik. Reflexartig machte ich die Nachttischlampe an und zog die Rollläden wieder hoch. Wie konnte man nur in so einem schwarzen Raum schlafen? Grausam. Mir war es lieber, das Licht der Laternen oder des Mondes zu sehen, als in dieser völligen Schwärze verschlungen zu werden und sich wie tot zu fühlen. Mit offenem Fenster und lichtdurchlässigen Vorhängen fühlte ich mich wohler.

Die Nacht war dennoch schlaflos. Innere Unruhe, viele Pläne und die unterschiedlichsten Gedanken. Es war kein Grübeln. Aber in meinem Kopf war es bunt, wie es für einen kreativen Geist üblich ist. Ich möchte viel machen und habe Angst, dass mein Leben zu kurz dafür ist. Es ist schlimm, wenn man den eigenen Erfolg nicht sieht und denkt, dass man nie genug tut, obwohl man jeden Tag überdurchschnittlich viel arbeitet. Ich bin einfach verkorkst und blind für meine Leistung, weil es für mich zu selbstverständlich ist, all das zu tun, was ich tue.

5. Tag/Montag: Abreise

Frühstück:
1 Vollkornbrötchen mit Käse, Nutella und Schinken (Sorry…Ausnahme)
Mini Quarkschnecke
Erdbeer Griespudding
1 Ecke Camembert
Kaffee
Abends:
paar Kräuter-Kräcker
Ginger Ale

Frühstück wie immer. Nur diesmal hatte ich Appetit auf Schinken und wunderte mich, warum. Warum plötzlich dieser Heißhunger auf Schinken? Es war zum Glück nur eine Scheibe.
Den Rest des Morgens verbrachte ich im Zimmer, auf dem Bett sitzend. Ohne dabei etwas anderes zu tun. Ich war also ziemlich bei mir. Neutral und abreisebereit.
Gegen 10 Uhr checkte ich aus. Mit wenigen Worten und einem Lächeln.

Am Bahnhof kam ich an dem Donut-Laden vorbei. Aber ich hatte keinen Appetit und brauchte nichts für den Zug. Bei den vielen Sorten von Donuts konnte ich mich eh wieder nicht entscheiden. Ich ging zwar kurz in den Laden, schaute über die Theke, aber es war mir zu viel. Zu viel Auswahl. Ich wollte nicht mit diesem Überangebot konfrontiert werden und hatte keine Lust, Entscheidungen zu treffen. Auch wenn es nur um einen einfachen bekloppten Donut ging. Dann lieber gar nichts. Lieber Hungern.

Ich saß 45 Minuten am Bahnhof auf der Bank. Es war trübe und kalt. Ich trug nur ein dünnes T-Shirt unter der Jacke und fing bald an zu frieren. Ekliges Wetter, so ganz ohne Sonne und mit Regenwolken. Trotzdem verging die Zeit überraschend schnell und dass, obwohl ich nicht mal mehr Gedanken im Kopf hatte, weil ich zu müde war.
Der Zug kam pünktlich und auf meinem reservierten Platz saß jemand. Ohh, dachte ich. Aber reserviert ist reserviert – ein bezahlter Platz. Also warum sollte ICH mir dann einen anderen Platz suchen? Das sah ich gar nicht ein.
Ich sagte freundlich: „Guten Morgen! Dürfte ich Sie bitten, aufzustehen? Ich habe diesen Platz reserviert [smile].“
Die Frau, die dort am Fenster saß packte in Windeseile ihre Sachen zusammen und sagte verlegen: „Oh, entschuldigen Sie! Tut mir Leid!“
Und während sie ihre Sachen packte, versuchte ich nett weiterzulächeln und tat so, als wäre alles gar nicht so schlimm.
Als sie an mir vorbeihuschte, sagte ich aufrichtig: „Danke….[smile]….Danke! [smiiiillllllllee]“
Nun konnte ich ungestört auf meinem Platz sitzen. Und dachte danach darüber nach, ob es wirklich okay war, die Frau wegzuscheuchen. Aber ich denke, jeder Anwalt wäre rechtlich auf meiner Seite gewesen. Ich versuchte also, die Sache aus den Augen meines Anwalts zu sehen und mich in sein Wissen hineinzufühlen, obwohl ich in Rechtskunde immer eine Eins auf dem Zeugnis hatte und es selber wissen musste.

Nächster Umstieg war in Frankfurt/Main.
Der ICE kam und ich stand genau vorm falschen Wagen – Wagen Nr. 14 und Wagen Nr. 2 war mein Ziel. Ich rannte so weit vor, wie ich es in der kurzen Zeit schaffte und stieg in den Wagen Nr. 4, damit der Zug nicht eher losfuhr, als ich drinnen war. Der ICE wartete immerhin nicht ewig und alle anderen Leuten waren schon eingestiegen, sodass ich draußen die Letzte war. Den Zug hätte ich nicht verpassen dürfen.
Im Abteil 2 suchte ich den Platz und mein Fuß verhedderte sich in irgendetwas. Ich befreite mich aus diesem komischen Bandsalat und die dazugehörige Person entschuldigte sich, als sie das Malheur bemerkte. Ich wusste nicht, was das war. Die Schnur war rot und es handelte sich nicht um Kopfhörer. Ich hoffte, dass ich nichts kaputt gemacht hatte. Die Person sagte nichts weiter.
Ich fand meinen Platz nicht. 116. Beim Umkehren fand ich heraus, dass Platz Nr. 116 eine 6er Kabine war. Dort saß schon eine Familie mit einem Teenie und einem Kind. Zum Glück verhielten sich alle ruhig und ließen keinen Stress aufkommen. Trotzdem war ich nicht gerade begeistert. Lieber wollte ich meine Ruhe haben, als mit anderen in so einer engen Kabine zu sitzen. Es wurde häufig gegessen und die Handys wurden dauerbespielt.
Nächste Frage: Warum muss man sein Handy permanent in der Hand haben? Geht es denn gar nicht mehr ohne? Die Frage stelle ich mir oft. Es ist so, als würde man ohne nicht mehr klarkommen. Als ob man kein eigenes Leben mehr hätte. Ständig mit anderen Menschen kommunizieren oder dumme Spiele-Apps herunterladen. Klar brauche ich mein Handy auch, um berufliche Kontakte zu knüpfen und auch für Nebensächliches. Aber ich hänge nicht daran und bin auch nicht süchtig nach Aufmerksamkeit und Gesellschaft. Man muss auch mal alleine sein können.

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Letzter Umstieg: Hamburg.
Dort war ich wieder auf gewohntem Boden. Mein Anschlusszug stand schon, das sah ich vom Weitem. Nun musste ich es nur noch irgendwie dorthin schaffen. Wieder schlängelte ich mich durch die Leute, die überall herum und ziemlich im Wege standen. Rolltreppe hoch und Treppe runter. All das im besonders schnellem Tempo, denn ich wollte nur noch in den Zug und die letzte Etappe starten, denn ich war körperlich und psychisch sehr angeschlagen nach der langen Fahrt. Das überraschte mich selber, denn normalerweise steckte ich Reisen bisher immer gut weg und mochte es sogar. Nur diesmal war es anders und ich kann gar nicht sagen, warum. Vielleicht wollte ich gerade einfach nicht in Hamburg sein. Nicht jedes Mal die gleichen Erinnerungen spüren, wenn ich mich dort am Hauptbahnhof befand. Sehnsucht. Nach jemandem, der in Hamburg gleich in der Nähe vom Bahnhof wohnte.

Im Zug setzte ich mich ans Fenster und in die Richtung, die meiner Meinung nach,vorwärts fuhr.
Ich schaute aus dem Fenster, nachdenklich und wehmütig. Dachte an die letzten Tage, den Job und die vielen Erlebnisse. Dann dachte ich an Hamburg und beobachtete die Menschen, die am Bahnsteig standen. Nichts Besonderes zu sehen.
Immer wieder der Gedanke: Ich möchte die Zeit um ein Jahr zurückspulen – bitte. Noch nie habe ich mir so sehr eine Zeitreise gewünscht und kam ins Träumen. Was wäre wenn…
Als der Zug nach ca. 20 Minuten losfuhr, wurde ich in die Realität zurückgeholt. Ich durfte die Fahrt mal wieder rückwärts genießen. Oh Mann! Langsam hatte ich es wirklich satt. Einen neuen Platz konnte ich mir nicht suchen, da aus meinem Blickwinkel heraus alles besetzt schien. Na gut, die drei Stunden bis nach Hause würde ich jetzt auch noch aushalten. Es dauerte nicht lange, als sich eine dicke Frau zu mir setzte und Kreuzworträtzel machte. Aber sie blieb nicht lange, sondern setzte sich nachher woanders hin, als es im Zug leerer wurde.
Die Fahrt kam mir vor, wie eine Ewigkeit, da der Zug zwischendurch immer mal wieder anhalten musste, um andere Schnellzüge vorbei zu lassen.
Ab Schwerin wurde alles wie früher, da ich diese Strecke sehr oft fuhr. Auch das weckte einige alte Erinnerungen. So schnell wird man älter, ohne es zu spüren.

Ich freute mich, als ich endlich am Bahnhof zu Hause ankam und das letzte Stück mit der Straßenbahn fuhr.
Sogar der Briefkasten war, bis auf einen Gutschein, diesmal leer. Eigentlich fühlte ich mich viel zu kaputt, um meine Tasche noch auszupacken. Aber nach einer Tasse Kaffee riss ich mich zusammen und packte meine Sachen aus. Danach war der Abend für mich gelaufen, ging duschen und verschwand anschließend sofort im Bett.
In dieser Nacht wachte ich kein einziges Mal auf.

Das 5 Minuten Date

 

klein

„Ich dachte, du wohnst in Warnemünde“, schrieb Alex.
Ich saß auf meiner Couch und schaute Nachrichten, als die Mitteilung als vibrierendes Glockenping eintraf. Normalerweise schaltete ich mein Handy meist auf stumm, um nicht genervt zu werden. Aber diesmal wartete ich auf Ablenkung, egal in welcher Form. Inzwischen war ich auf alles gefasst und der Unterschied zwischen guten und schlechten Erfahrungen verwandelte sich allmählich in neutrale Oberflächlichkeit. Eine Mischung aus großem Interesse und dem nötigen Abstand zur unnötigen Vorfreude. Denn letztendlich muss man sich auf nichts freuen, was im Herzen noch gar nicht existiert.

„Nee, aber fast“, antwortete ich nach ein paar Minuten. „Warum?“
„Na weil ich jetzt in Warnemünde auf dich warte. Hab die richtige Straße im Navi eingegeben, aber den falschen Ort. Und nun bin ich hier gelandet.“
Okay, das bedeutete spontane Planänderung.
„Na gut, ist nicht schlimm. Bin in einer Stunde in Warnemünde, falls du so lange warten willst.“
„Sehr gut, dann kann ich noch einige Dinge besorgen, mein Wagen ist leer.“
„Würde vorschlagen, wir treffen uns am Bahnhof. Okay?“
„In Ordnung! Bis später.“

Kurz darauf klingelte mein Handy wieder. Meine beste Freundin schickte mir ein Video von unserem letzten gemeinsamen Urlaub in Moskau, als ich vor Lachen kaum noch atmen konnte.
Sie schrieb: „Ich liebe dein Lachen, mein Herz! Du machst mich so glücklich!“
„Ich liebe dich auch, Süße“, schrieb ich grinsend zurück und freute mich.
Wir machten uns fast täglich Liebeserklärungen, das war normal.
Aber von meinem Blinddate erzählte ich ihr nichts. Irgendwie wollte ich nicht darüber reden. Weil ich noch selber nicht wusste, was ich davon halten sollte. Immerhin war der Typ nur zwei Jahre älter als ich. Das hieß, es war das erste Date mit einem Gleichaltrigen und entsprach absolut nicht meinem Schema. Aber ich wollte mal sehen, wie es ist.

Natürlich finde ich es immer besser, wenn man sich nicht zu Hause trifft.
Ich mag es nicht, wenn jemand in mein kreatives Revier eindringt und die Harmonie meiner Wohnung stört. Allerdings wollte ich es diesmal wagen und wissen, wie es ist, einen fremden Mann direkt in meiner Wohnung kennenzulernen. Einfach aus Neugier, Bequemlichkeit und um mir zu beweisen, wie extrem locker ich sein kann. Als Frau sollte man eigentlich auf solche gefährlichen Experimente verzichten. Immerhin kann man durch fremde Typen schnell umgebracht werden, falls man versehentlich seinen Mörder datet. Dennoch kamen mir solche Ängste nie ins Bewusstsein, weil ich nicht ängstlich bin und nicht Monika heiße.

Also schnappte ich mir noch ein paar Gummitiere und machte mich fertig. Zehn Minuten stand ich nachdenklich im Flur, weil mir die letzten Entscheidungen unglaublich schwer fielen: Welche Jacke? Welche Schuhe? Vielleicht sollte ich meinen Konsum endlich einmal einschränken. Viel zu haben macht das Leben nicht unbedingt leichter. Ich entschied mich für bequeme Strand-Schuhe und einer femininen Militärjacke, die ich erst eine Woche hatte. Die liebte ich sofort, weil sie unvernünftig teuer war.

Bevor ich aus dem Haus ging, fragte ich mich, ob man es mir ansah, dass ich innerhalb einer Woche ein Glas Nutella vernichtet hatte. Jeden Tag Nutella zwischen zwei Scheiben Weizenbrot mit Vollkornanteil. Meine ausgelaugten Fettzellen freuten sich bestimmt. Ich zog abrupt mein Shirt hoch, kniff mir in den Bauch und stellte beruhigt fest, dass meine Figur perfekt ist.
Danach plante ich trotzdem eine Detox-Woche mit viel Sport, um den ganzen Müll wieder aus dem Körper zu spülen. Ich kaufte mir die wichtigsten Detox-Produkte und war begeistert, was diese Dinge nach wenigen Tagen im Körper bewirkten. Ich fühlte mich besser und glücklicher, als sonst. Detox-Tee und Detox-Creme gehörten von da an zum Alltag dazu, obwohl ich nicht behaupten würde, dass es bei mir einen gewöhnlichen Alltag gibt.

Ich fuhr mit der Straßenbahn, weil ich keine Lust auf den Feierabendverkehr hatte. Außerdem brauchte ich mein Auto nur für die Arbeit und für die Insel, wenn ich mal einige Tage frei hatte.
In der Straßenbahn saßen einige Menschen, die auch ohne Feierabendverkehr gestresst wirkten. Vielleicht hatten sie nicht so tolle Arbeitsstellen oder Stress mit ihren Partnern oder waren mit sich unzufrieden. Wie auch immer. Beobachten mochte ich gerne. Die Aktionen auf meinem Handy beobachtete ich allerdings kaum. So kam es, dass ich in Warnemünde ankam und nicht wusste, nach wem ich eigentlich Ausschau halten soll. Ich suchte einen Fremden.

Mir kamen viele Leute entgegen und alle wuselten um mich herum. Dazwischen ein Mann, der mir gleich auffiel. Groß, mit Sonnenbrille, Mütze und schwarzem Parka. Ich sprach ihn nicht an, ärgerte mich über meine seltsame Schüchternheit und lief weiter. Immer noch auf der Suche nach Mr. Unbekannt, der Alex hieß.
Am Bahnhof stand niemand, der auf mich wartete.
Aber um ehrlich zu sein, wollte ich gar nicht zu genau hingucken. Es gehörte nicht zu meinem Talent, offensiv nach Personen Ausschau zu halten und zu suchen.
Es dauerte nicht lange, und der Bahnhof leerte sich wieder. Die Leute aus dem Zug tummelten sich auf den Wegen des Hafengeländes und strebten mit Essen in der Hand zum Wasser.
Ich ging woanders hin und setzte mich auf eine Steinmauer. Es war ziemlich kalt, der Wind zog durch meinen Parka und kroch unter mein sommerliches Blumenshirt. Ich fror so sehr, dass ich spürte, wie ich blass anlief und wieder dieses ungesunde Aussehen annahm, das durch die Nutella-Woche noch verstärkt wurde.

Mein Handy lag immer noch unbeachtet in der Handtasche. Als mir immer kälter wurde, stand ich auf, irrte verfroren zum Bahnhof zurück und landete dort auf einer Bank aus Metall. Die kältere Steigerung. Der nächste Zug kam und wieder stiegen zig Leute aus, die alle spazieren gehen und Fischbrötchen essen wollten. Viel mehr konnte man in Warnemünde im Frühling nicht machen. Essen, Shoppen und Wasser, das waren die Hauptattraktionen. Gefolgt von Kaffeetrinken und den beliebten Schlagerpartys im Sommer.

Dann schaute ich auf mein Handy.
Die letzten beiden Nachrichten von Alex waren zwanzig Minuten her.
„Schwarzer Parka.“
„Warte am Bahnhof auf dich!“
Okay, hätte ich vielleicht doch mal früher mein Handy benutzen sollen.
Ich schrieb: „Hab dich vorhin gesehen.. bin vorbeigelaufen..zu spät…wo bist du nun?“
Danach wartete ich auf seine Antwort. Er war eine ganze Weile online, las meine Nachricht, aber nichts kam. Seltsam.
Ich versuchte ihn anzurufen, aber die Computerstimme am anderen Ende meinte, dass er gerade nicht erreichbar wäre. Noch komischer. Zum Schluss sendete ich ihm eine altertümliche SMS und hatte somit alles unternommen, um Kontakt aufzunehmen. Aber keine Antwort.

Wollte er mich jetzt etwa verarschen? Ich fand das alles sehr merkwürdig. Aber dennoch störte es mich nicht besonders. Schließlich störte mich überhaupt nichts mehr. Ich nahm es so hin, wie es war. Was soll mich an einem Fremden stören? Diese anonyme Funkstille passte doch super zum Image eines Fremden! Der Krimi konnte beginnen. Aber mir wurde diese Situation schnell zu blöd.

Ich ging zum Ticketautomaten und kaufte die Rückfahrt, denn länger einsam frieren wollte ich nicht. Die Bahn fuhr in zwei Minuten und als ich mich auf den Weg dorthin machte, meldete sich Alex plötzlich.
„Sorry, mein Handy ist abgestürzt.“
Wie kann denn so etwas passieren, dachte ich mir. Welch ungewöhnlicher Zufall.
„Hmm, ich wollte gerade nach Hause, weil ich dachte, das wäre alles nur ein Scherz.“
„Waaaas? Quatsch…hatte am Bahnhof gewartet und als ich dich nicht sah, bin ich woanders hingegangen.“
Er schickte mir seinen aktuellen Standort, der sich in der Nähe befand. Trotzdem wusste ich erst einmal nicht genau, wie ich dort hinkam und lief in die entgegengesetzte Richtung. Navis waren nämlich nicht so mein Ding.
„Sitze draußen im Café.“
„Na gut, ich komme gleich.“
Das Café war nach einigen Orientierungsfehlversuchen schnell gefunden, aber ich wollte nicht über diesen menschenbesiedelten Vorplatz laufen und ihn irgendwo in der Menge suchen.
„Trink du mal deinen Kaffee aus, ich sitze an der Seite bei den Büschen.“
Ich fand es gut, dort zu sitzen und zu warten, was passiert. Sonst hatte ich mit Büschen ja nicht viel zu tun.

Nach einer Minute kam Alex schon die Straße entlang gelaufen und fand mich. Er lachte. War mein verlorener Anblick etwa so lustig?
Keine Spur von Aufregung bei mir, weil seine Sonnenbrille zu schwarz war und ich insgesamt nicht viel von ihm erkennen konnte, bis auf die Größe und seine Stimme, die ziemlich normal war. Er war schließlich erst dreißig. Was sollte ich also erwarten?
Alles war unauffällig und seine schwarze Mütze versteckte den Rest. Alles schwarz, bis auf die Jeans. Damit hatte er mit gewissen Branchen doch gar nichts zu tun.
Außerdem war er viel dicker angezogen, als ich. Konnte Mann eigentlich noch mehr übertreiben? Ich dachte immer, Männer wären nicht solche sensiblen Frostbeulen. Als er dann noch sagte, es ist ganz schön kalt und windig, rollte ich heimlich mit den Augen.

Wir gingen am Hafen entlang und endeten an der Ostsee vorm Leuchtturm. Sein Blick fiel gleich auf die Wassersportler, die seine vollste Aufmerksamkeit erregten. Alex war schließlich ein vielfältiger Abenteurer, der mit wenig Geld auskam und sogar auf ein richtiges Zuhause verzichtete. Das war ihm alles nichts, er wollte Freiheit und in den Tag hineinleben. Immer woanders sein, ohne richtigen Job und ohne Verpflichtungen. Außerdem war das Meer seine Leidenschaft. Alex war ein moderner Robinson Crusoe und somit wieder jemand, der völlig anders tickte.
Man denkt immer, man kennt alle Arten von Typen, bis man neu überrascht wird. Ich hörte zu, ohne mir ein Urteil zu bilden. Einfach nur zuhören mit keinen Zwischentönen im Kopf. Ich verhielt mich entspannt.
Bis er mir eine Frage stellte: „Und du so?“
„Ich bin deine Nicht-Wellenlänge“, antwortete ich knapp, weil mein Leben komplett anders war.
Daraufhin folgte ein Schweigen, das erst an einem Fischbrötchenstand wieder gebrochen wurde.
„Kannst du mir eine Sorte empfehlen? Du musst doch Ahnung haben, wenn du am Meer wohnst.“
„Nein, ich hab da keine Vorlieben. Ich esse alles, was aus dem Wasser kommt. Auch Muscheln und Mini-Hummer.“
Muscheln gab es am Stand leider nicht.
Alex guckte von links nach rechts und war sichtlich überfordert mit der Auswahl.
Dann nahm er ein geräuchertes Makrelenfischbrötchen.
„Und was möchtest du?“
„Nichts, danke.“
„Wie nichts?“
„Ich hab keinen Hunger, weil ich noch satt bin.“
„Wirklich nicht?“
„Nein, danke, hab vorhin zu Hause Mittag gekocht.“ Mein Mittag war eine Tüte Gummibärchen und zwei Kekse.
„Na gut..ich kann jedenfalls immer sehr viel essen und hab immer Hunger.“
Wie unterschiedlich Männer und Frauen doch ticken. Frauen sind Künstlerinnen in Zurückhaltung und Disziplin. Manchmal jedoch auch im Lügen.
„Willst du dich nicht hinsetzen beim Essen?“
„Nein, stört mich nicht, wenn wir laufen.“

Dann liefen wir einfach ohne Ziel und ohne Plan durch Warnemünde. Zusammen mit einer Menge Gesprächsstoff, trotz der Ungemeinsamkeiten.
Alex wollte gerne Kaffeetrinken und bevorzugte den besten Laden, den es gab. Er wollte den besten Kaffee und guckte sich jede Kaffeemaschine von draußen an.
Nach all der Sucherei setzten wir uns doch in ein recht einfaches Bäcker-Café. Dann nahm er endlich mal seine Brille ab. Ich hatte schon Angst, dass er sie nie abnehmen würde. Es gab schließlich keinen Grund, so undercover unterwegs zu sein.

Erst, als er die Brille abnahm, begann für mich das richtige Date. Er hatte so tolle Augen, dass ich nicht verstand, warum er sie so versteckte. Gerade, weil die Sonne an dem Tag gar nicht schien. Alex hatte ungewöhnlich strahlend blaue Augen. Fast so, als würde sich das Meer permanent darin befinden.
Ich bestellte einen schwarzen Kaffee und Alex einen Cappuccino.
„Mist, ich hab so gut wie nie Bargeld dabei“, gestand ich Alex, als ich nachguckte, wie viel Geld ich überhaupt mit hatte. Es waren 5 Euro.
„Ich bezahle sowieso alles, ist doch selbstverständlich.“
„Wollen Sie den Kaffee hier trinken, oder mitnehmen“, fragte die Frau, die neben Getränken auch Kuchen und andere Backwaren verkaufte.
„Zum hier trinken“, sagte ich fix, bevor Alex die aktivere Variante vorschlug. Denn ich hatte keine Lust, den Kaffee beim Spazierengehen im Wind zu trinken.
Alex nahm das Tablett mit den beiden Tassen und als wir den Tisch erreichten, floss die oberste Schicht meines Kaffees auf dem Tablett und umarmte den Boden der weißen Porzellantasse.
Sein Cappuccino hingegen blieb in Topform, denn der Schaum beschützte den wertvollen Inhalt.

Dann kam wieder diese Situation: Das intime Gegenübersitzen zwischen zwei Fremden. Oft erlebt, aber immer wieder unterschiedlich. Jeder Mann ist nicht gleich und schenkt mir diverse Erfahrungen im Bereich meiner persönlichen Männerpsychologie.
Ich konnte nicht anders, als Alex genau zu beobachten und starrte ihn regelrecht an. Vor allem seine Augen, die so toll waren mit den dunklen dichten Augenbrauen. Faszinierend! Diese Augen zogen mich an. Danach analysierte ich seine Mimik und Gestik, obwohl ich mir das langsam einmal abgewöhnen sollte, da ich mich nicht auf der Arbeit befand. Dabei möchte ich meinen Job so gerne heiraten.

Alex trank seinen Cappuccino, obwohl er noch heiß war. Dann stand Alex plötzlich auf und ging nicht zur Toilette, sondern holte sich einen Löffel, damit sich der Schaum besser essen ließ. Er stippte den Löffel in den Schaum und leckte den Löffel ab. Ich empfand das als interessantes Schauspiel und ließ meinen penetranten Blick nicht von ihm. Scheinbar hatte Alex auch kein Problem damit. Mein limbisches System hatte sich schon etwas auf Alex eingeschossen, denn ich fand ich einfach richtig toll, ohne es erklären zu können. Es war eben so. Plötzlich auftretende Gefühle unterliegen keiner Rechtfertigung.

Ich trank meinen Kaffee, der nicht so heiß war, wie ich dachte. Alex erzählte währenddessen von seiner letzten aufregenden Weltreise und von Kopi Luwak, den ich auch gerne mal trinken wollte.
Als ich sah, dass Alex mit seinem Cappuccino fertig war, trank ich meinen Kaffee umso schneller aus.
Alex musste lachen, als er feststellte, dass in Warnemünde nur alte Leute in Funktionskleidung herumliefen, das kannte er gar nicht. Und meist trugen sie diese Kleidung im Partnerlook.

Das Kaffeetrinken war unser kurzes Hauptdate. Innerlich fühlte ich mich zwar euphorisch, aber diese Euphorie sprudelte nicht über, sondern ebbte schnell ab. Alex passte nicht zu mir, meine Begeisterung für ihn lebte nur kurz. Es war komisch und ich merkte, wie sehr mich meine innere Schutzmauer im Griff hat und meine Emotionen immer mehr abschwächt, damit nichts zu stark für mich wird. Ich spürte diese Schutzmauer zum ersten Mal in ihrer vollsten Intensität und fühlte mich beschützt.
Alex zog seine Jacke an und ließ das Tablett einfach auf dem Tisch stehen, bis ich es nahm und es in die dafür vorgesehene Ablage schob. Als Gast kann man sich schließlich auch benehmen und selber den Tisch abräumen. Zumal wir uns auch nicht in einem Restaurant befanden.

Draußen war es immer noch windig und bewölkt. Nicht gerade mein Lieblingswetter.
„Ich muss noch mal zur Sparkasse. Ich brauche Bargeld“, sagte ich.
„Okay, danach können wir ja wieder zum Strand.“
„Gerne!“
Ich ging in die Sparkasse und Alex spielte draußen mit seinem Handy. Es war ein gutes Gefühl, wieder echtes Geld bei sich zu haben, als immer nur mit Kreditkarten unterwegs zu sein, obwohl es bequemer ist, weil man seltener nachdenkt.

Die Sparkasse war leer und geräumig. Ich schaute mich um und danach zu Alex, der beschäftigt war.
Dann sah ich noch einen zweiten Ausgang. Ich musste nicht lange überlegen, was ich als nächstes tun würde. Der zweite Ausgang rettete mich und ich schlich mich unbemerkt aus diesem weniger erfolgsversprechenden Dating-Verhältnis. Es handelte sich um einen einseitigen Kompromiss, dessen Folgen nicht weiter schlimm sein würden. Ich wollte nicht wieder mit Vollgas im nächsten Gefühlschaos landen. Vor allem lohnte sich dieses Chaos bei diesem chaotischen Typen noch nicht einmal. Außerdem war mir Alex bedeutend zu jung.

Ich suchte mir ein anderes Café zum Verweilen und hoffte, dass Alex mich nicht suchen würde. Aber da er Warnemünde eh nicht kannte, hatte er schon verloren. Ich bestellte mir wieder einen großen Kaffee und ein Stück Quarkkuchen. Mein Handy bekam natürlich keine Beachtung.
Im Café war nicht viel los, da die Saison noch nicht begonnen hatte. Deswegen konnte ich die Ruhe um mich herum genießen. Ich nahm mein Notizbuch aus der Tasche und schrieb die wichtigsten Gedanken, die mir in den Kopf kamen, wie gewöhnlich auf. Diese Notizen sind oft nützliche Bruchstücke, die mein Leben mit neuen Inspirationen füllen. Zumal ich auch nervös werde, wenn ich mein Notizbuch nicht dabei habe. Zu Hause hatte ich 184 volle Notizbücher, die sich seit meinem 9. Lebensjahr ansammelten. Ich hatte schon eine Menge Gedanken.

Was Alex jetzt wohl machte? Inzwischen musste er bemerkt haben, dass ich nicht mehr anwesend war und mir einen anderen Ausweg suchte.
Ich schaute kurz auf mein Handy, auf dem ‚Wo bist du?‘ stand. Zwar war es gemein, einfach abzuhauen. Aber ob man nun abhaut oder gleich sagt, dass man kein Interesse hat, ist doch das gleiche. Das Band zwischen zwei Fremden ist unverbindlich und ich wollte daraus nicht mehr werden lassen, weil ich wusste, dass es nicht gut ist. Alex ist ein Weltenbummler. Dem macht es sicher nichts aus, wenn er kein menschliches Souvenir mit sich herumtragen muss. Wenn er stets Unabhängigkeit wollte, so durfte er diese auch behalten. Bindung wäre eine Sackgasse mit Zaun auf seiner Reise.

Nach einer Stunde ging ich zurück zum Bahnhof und da die Züge ständig fuhren, musste ich auch nicht warten. Alex sah ich nirgendwo. Wahrscheinlich fuhr er zu anderen Freunden, da er überall jemanden kannte, der ihn aufnahm und sich freute, ihn zu sehen. Schließlich war er selten in Deutschland. Im Zug war ich wie erstarrt, da mein Zustand immer noch vage zwischen Begeisterung und Ablehnung pendelte. Wenn aus zwei extrem gegensätzlichen Gefühlen ein Gefühl wird, dann ist es meistens die feine Apathie. Eine gute Lösung, um mit emotionalen Widersprüchen klarzukommen und um wieder zu sich zu finden. Apathie macht alles ein wenig einfacher, da man Dinge so hinnimmt, wie sie sind und oft anfängt, zu träumen.

Als ich zu Hause war, schmiss ich mich auf die Couch, lag minutenlang einfach so da und schaute mir das surreale Ölbild mit den Schafen an. Das drückte meine Stimmung immer perfekt aus, da es nach meinen Vorstellungen gemalt wurde.
Danach schaute ich mir einen Film an und freute mich mit einem Glas Champagner auf den Rest des Abends.
Alex schrieb: „Was ist denn los mit dir? Geht’s dir gut? Was machst du?“
Dann schaute ich den Film weiter, ohne weitere innere Regung und ohne Antwort. Meine Konzentration galt nur dem Film, der war spannender und wirkte bei mir besser, als Alex.
Anschließend machte ich noch ein bisschen Bauchtraining und ging duschen. Ich verblieb eine ganze Weile im Bad, da ich regelmäßig einen Wellnesstag mit Komplettprogramm einlegte. Gerade nach dem Date mit Alex war das auf jeden Fall nötig.
Als ich im Bett lag, beschloss ich, Alex zu antworten, damit er sich keine Sorgen machte.
„Mein Herz ist woanders“, schrieb ich, machte die Augen zu und schlief bald darauf ein.

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Du verdienst mich nicht

 
Nachdem ich herausfand, dass ich allergisch auf Anti-Aging-Produkte reagiere und kein Koffein mehr vertrage, verstand ich einige Dinge in meinem Leben besser. Es war wie eine Kehrtwende alter Verhaltensweisen und eine enorme Umgewöhnung, zu Gunsten meiner Gesundheit und meiner Funktion als Loverin, die wenige Tage vorher ihren spekulativen Lover verlor.
Anti-Aging-Produkte machten meine Haut genauso nervös, wie es Koffein mit dem Inneren meines Körpers tat. Beides war nicht gut für mich und das einzusehen, war ein längerer Prozess, den ich erst spät tolerierte. Eigentlich sollte ich wissen, dass ich keine Anti-Aging-Produkte brauche, um nicht zu altern, weil ich noch zu jung dafür bin. Dennoch gibt es schon leichte Anzeichen von feinen Mascara-Fältchen über den Augenbrauen, die sich nach ein paar Minuten Ruhe zum Glück wieder glätten – noch. Um diese Falten komplett zu vermeiden, müsste ich auf Schminke verzichten und würde somit einen Teil meiner Persönlichkeit beerdigen. Von daher unmöglich.

Mit dem Koffeinverzicht war es komplizierter, weil ich Kaffee liebte und die Nachtschichten mit Energydrinks amüsanter und euphorischer waren. Aber nach der Einsicht, dass Koffein mich aggressiver und risikofreudiger machte, musste ich diesem Konsum ein Ende setzen, damit keiner meiner Mitmenschen wegen mir litt oder ich mir mein Leben mit meinen Stimmungsschwankungen selber viel zu schwer machte.

Die Anti-Aging-Produkte wurden bald durch hautfreundliche und sensible Cremes ersetzt und der Kaffee bekam einen neuen Partner, der sich Tee nannte. Oder ich trank koffeinfreien Pseudo-Kaffee, der geschmacklich nicht vom Original zu unterscheiden war.
Meine innere Unruhe verwandelte sich allmählich in inneren Frieden und sorgte für allgemeine Ausgeglichenheit. Ich lebte ohne Stress und ohne Ärger, alles war leichter als sonst. Außerdem gab es keinen Druck mehr, irgendetwas tun zu müssen, das andere Leute eventuell provozierte oder mich zu sehr aufputschte. Seit der Abstinenz konnte ich mein Leben mit einem Wort beschreiben: Zufriedenheit.

Alles andere, was mich sonst aufdrehte und unruhig machte, war am Verblassen, je unwichtiger es mit der Zeit wurde. Jegliche aufwühlende Geschichten verloren an Bedeutung und wurden durch neue Erlebnisse enthusiastisch überdeckt. Vergangenheit ist Vergangenheit. Daran sollte man sich lieber öfter erinnern, denn die Vergangenheit hat mit der Gegenwart nichts gemeinsam.

Mein schadstofffreies Bewusstsein machte mich stärker und meine Anti-Koffein-Einstellung galt als mein persönliches Resilienz-Training. Ich konnte von alten Dingen und Menschen loslassen, die nicht mehr in mein Leben passten bzw. ein gefühlter Bestandteil von mir waren. Abschied war keine Herausforderung mehr, sondern ein Neuanfang. Ein Abschied öffnet im Bestfall die Tür für drei neue Menschen – eine nicht gerade schlechte Option.
Nach einigen Wochen der Umstellung war ich gelassener und fand, dass ich ohne mein unglückliches Verknalltsein in einen unerreichbaren Typen, wieder zu einem normaleren Menschen wurde, der vernünftig denken konnte und nicht mehr zu spontanen Affekthandlungen tendierte, die auch nie halfen.
Getrost konnte ich mich mit dem Gedanken arrangieren, eine von mir hochbegehrte Person stückchenweise zu vergessen, indem ich sie mit neuen Erfahrungen einfach überblendete. Und nicht nur das: Mir wurde endlich klar, dass Leute, die sich von alleine nicht melden, wirklich (!) kein Interesse haben, weil sie längst heimlich vergeben sind und der zeitfressende Beruf manchmal nur ein glaubwürdiges Alibi für die neue Freundin ist. Solche Leute haben mich nicht verdient.

Niemand, der mich ignoriert, verdient mich.

Niemand, dem ich unwichtig bin, verdient mich.

Niemand, der nach anderen (‚besseren‘) Frauen Ausschau hält, verdient mich.

Niemand, der mich nicht zu schätzen weiß, verdient mich.

Niemand, der sich von mir genervt fühlt, verdient mich.

Niemand, der von Kreativität keine Ahnung hat, verdient mich.

Niemand, der mich ausnutzt, verdient mich.

Niemand, der mich anlügt, verdient mich.

Niemand, der mir etwas vorspielt, verdient mich.

Oberflächlichkeit verdient mich nicht.

Im Moment kann ich nur lächeln. Über alles, was in den letzten Monaten passierte und über gewisse Menschen, die mir interessante Erkenntnisse bescherten. Ich bin dankbar für negative Erfahrungen, denn ohne sie wüsste ich nicht, was ich wirklich will und welche Wünsche mir tatsächlich etwas bedeuten.  
  

Erdbeerwoche 

  
Eigentlich hatte ich keinen Hunger, sondern nur Appetit. Wobei Appetit auch kein Synonym für Heißhunger ist. Also: Ich hatte Heißhunger, obwohl ich längst noch vom Frühstück satt war. Und von den drei Tassen Kaffee, die mich inzwischen fast verrückt machten und zum Schwitzen brachten. Irgendwie war ich hyperaktiv und gleichzeitig völlig geschafft. Ich war voller Tatendrang und gleichzeitig zu faul, um paar Schritte weiterzudenken. Ich machte mir sinnlose Gedanken, die es nicht Wert waren, in meinem Kopf zu sein. Schräge Gedanken zwischen hier, früher, später und dazwischen.

Durch den Kaffee flossen die stupiden Gedanken noch schneller durch mein Hirn und versackten dann irgendwo, bevor ich den Stuss vernünftig zu Ende denken konnte. Ich fühlte mich dabei wie ein Freak auf Speed. Manchmal kam es mir vor, als würde Kaffee zu den Amphetaminen gehören. Obwohl Kaffee noch lange nicht so schlimm war, wie 1 Liter Guarana-Tee mit Zucker, der obendrein für verdächtiges Nasenbluten sorgte.

Heute ist der Anfang dieser Tage, die jeden Monat zur gleichen Zeit wiederkehren. Immer dann, wenn meine Pillenpackung leer ist und mein Körper und meine Hormone komplett durchdrehen. Mein Monat hat 21 Tage, danach fühlt sich alles unnormaler an, als gewöhnlich. Die vierte Woche gleicht immer einer manisch-depressiven Episode in Mädelsversion.
Wenn alles zu wenig und alles zu viel ist. Gerade beim Shoppen, beim Essen und beim Sex.

Es sind diese Tage, an denen ich eigentlich alles falsch und alles richtig mache. Je nachdem, wie ich es mir in dem Moment hindrehe. Es wechselt im Stundentakt. Ungefähr. Aber meist schon eher.

Diese Tage beginnen harmlos. Schon zwei Tage vor Beginn kündigt mein Körper die Umstellung leise an. Mit so einem dumpfen Gefühl im Unterbauch, aber ohne weitere Symptome. So eine Art Auftakt, dass sich etwas Großes anbahnt und es ist warm im Bauch. Irgendwie schön, recht angenehm. 
Paar Stunden danach habe ich meist mehr ‚Appetit‘, als sonst und auf Sachen, die in meiner Küche verboten sind. Ich bekomme Appetit auf Schokolade und Chips – gleichzeitig. Nur gleichzeitig essen funktioniert nicht, da salzig und süß nicht zusammenpasst. Deswegen: Erst die Schokolade (meist 2 Tafeln) und dann die Chips (meist Käse-Tortillas..ohne Dipp…).

Diesmal habe ich vor zwei Tagen allerdings nur eine Tafel Schokolade gegessen. Ich wollte es in diesem Monat nicht übertreiben. Vielleicht konnte ich meinen Appetit diesmal überlisten und meine Begierde auf Ungesundes unterdrücken. Dafür hatte ich Lust auf bodenständige Kartoffeln – ungeschält – mit übertrieben viel Meerrettich, Salz und Pizzagewürz.
Ich will nicht immer das Opfer meines Körpers sein, wenn mein Körper mir mit seinem roten Trotz signalisiert, dass ich schon wieder kein Kind gekriegt habe. Jeden Monat der gleiche Zoff mit meinem Körper. 

Dennoch ist es so besser, als anders. Rot ist sowieso meine Lieblingsfarbe. Aber die Hormonüberdosis, die mein Unterleib an mein Gehirn sendet, nervt mich.

Mein Körper hat sich heute übel gerächt.
Mit einer überraschenden Heißhungerattacke, die aus dem Nichts über mich herfiel, während ich auf der Couch lag und über viel interessanten Unsinn nachdachte, der meinen freien Tag füllte.

Der Schoko-Muffin vom Frühstück war schnell vergessen. Die Brötchen auch. Den Kaffee spürte ich noch lange im Blut fließen. Mein Herz raste, mir war heiß. Alles in mir pochte komisch bis in die Halsschlagader. Ich war aufgedreht ohne Ende und panisch, weil ich merkte, dass ich zu viel unwichtigen Kram im Kopf hatte. Es fühlte sich an, wie ein atypischer Frauenherzinfarkt, nur dass die Übelkeit fehlte. Also gab es keinen Grund zur Sorge. 

Genau in dem Moment bekam ich Heißhunger auf Milchnudeln aus der Tüte. 

Eigentlich eine völlig dumme Idee, nach einem Frühstück, das gerade mal drei Stunden zurücklag. Der Muffin, die Brötchen und das Kaffeewasser brauchten noch keinen Besuch. Die hatten noch genug mit sich zu tun. 

Aber….ich konnte nicht anders. 

Ich konnte nicht verzichten, auf diese ollen Nudeln, die ich damals viel zu oft aß. Mein Körper vermittelte mir, dass er diese blöden Nudeln genau jetzt brauchte. Oder vielleicht war es auch meine Seele, die versüßt werden wollte, bei all den unnützen und bitteren Gedanken, die im Kauderwelsch meiner Gefühle kurz auftauchten.
Danke Körper, dass du dir all den Mist reinholst, vor dem ich mich sonst fast konsequent fernhalte. 

Milchnudeln stehen schon seit ein paar Wochen auf meiner roten No-Go-Liste, auf der all meine Lieblingsgerichte stehen. Auf meiner aktuellen grünen Liste stehen nur noch Sachen, die nicht chemisch hergestellt wurden und nur von mir persönlich zubereitet werden. Das heißt, ich koche selber, wenn ich nicht gerade gar nichts esse oder nur einen Apfel und/oder eine Gurke. Oder eine ganze Packung Bio-Maiswaffeln mit Butter.

Dann stellte ich den Kochtopf auf die Herdplatte und legte los. Ein wenig genervt, ein wenig traurig und ein wenig glücklich. Ich schüttete eine halbe Packung Vanille-Soyamilch hinein und wartete, bis diese beinahe überkochte. Zum Schluss rührte ich die Nudeln in die schaumige Milch und das Fast Food war fertig.
Da mir das süße Gericht so in der Form noch nicht reichte, entschied ich mich für 5 Esslöffel Zucker als Extra. Somit war das Essen eklig süß und genau richtig für meine Bedürfnisse. Normalerweise waren die Nudeln nach dem Kochen länger heiß. Aber diesmal konnte ich gleich mit dem Essen loslegen, da sie lauwarm waren, was mich wunderte, aber nicht weiter störte. Vielleicht war mein Empfinden gerade etwas eingeschränkt oder der Zucker war zu kalt. Endlich mal essen, ohne 10 Minuten zu warten. 

Nach 3 Minuten waren die Nudeln in der Schale verschwunden. Als ob sie nie da gewesen wären. Ich schmeckte mehr Zucker, als Nudeln. Von dem Gericht selber merkte ich nicht viel, außer, dass es matschig warm war. Es war also tatsächlich eine Heißhungerattacke, die danach völlig umsonst war. Der Genuss blieb auch vollkommen auf der Strecke. Aber das Bedürfnis nach etwas Süßem wurde befriedigt. Erstmal. 
Danach stellte ich die Schale ins Waschbecken, füllte sie mit Wasser auf und es war endgültig vergessen.

Nur mein Bauch musste nun damit leben, was er sich angetan hat, mit seinem Willen, unbedingt etwas Süßes drin haben zu wollen.

Ich lag mit dem Bauch auf der Couch. Satt und überfressen. Hemmungslos. Fett. Aber das schlechte Gewissen blieb fern, da ich mir der Ursache bewusst war.
Erdbeerwoche. Da passieren immer Dinge, die sonst nie passieren. Mein Körper holt sich dann all den Dreck zurück, den er für diese schwierige Zeit braucht. Die Zeit der Ausschwemmung und des Neuaufbaus.

Also hörte ich meinem Bauch zu, was er zu sagen hatte, während ich auf ihm lag. Er gluckerte ungefähr alle 10 Sekunden vor sich hin. Dieses Gluckern musste wohl aus der Bauchspeicheldrüse kommen, die mit all dem Zucker und Fett überfordert war. Wie sollte sie auch so schnell so viel Hormon- und Enzym-Saft produzieren, um den Scheiß zu zerlegen? So viel wie heute hatte sie selten zu tun. Aber nach einer Weile ließ das Gluckern nach und alles beruhigte sich wieder. Nach einer Stunde war alles wieder draußen. Mein Körper wollte nicht mehr, zeigte Protest und Nachsicht. 

Danach war alles leise. Auch meine Gedanken wurden wieder geordneter und ich spürte innerliche Ruhe.
Koffein und Zucker hatten sich neutralisiert. Alles war wieder normal und nicht so psychotisch und krank. 

Alle Vorbereitungen sind getroffen, nun kann die Erdbeerwoche anfangen und bitte schnell wieder aufhören. Damit mein armer Kater nicht allzu sehr unter mir leiden muss. Und mit mir.

  

Lieblingskuchen

  

Heute gab es auf der Arbeit meinen Lieblingskuchen. Gestapelt auf einem bunten Teller mit Streifen am Rand, im Abseits des Geschehens, sodass jeder wusste: Oh, es ist etwas übrig geblieben – die Kaffeepause hat diesmal mehr zu bieten, als nur fünf Zigaretten. Toll!

Und schon waren alle motivierter. 

Da stand er. 
Geschnitten in viereckige Stückchen, die alle identisch aussahen. 

In typischer Blechkuchenqualität. Aus irgendeiner Backwarenfabrik, denn was anderes kam bei uns aus Preisgründen nie in Frage. 

Ich sah den Kuchen schon flüchtig beim Vorbeigehen aus den Augenwinkeln und wusste sofort: aha, russischer Zupfkuchen. Der Kuchen, nach dem ich früher verrückt war und es heute noch bin, wenn ich mich nicht weigern würde, ein Stück davon zu essen. Selbst probieren war mir zu viel, denn manchmal kann auch Probieren maßlos enden.
Ich genoss ihn also lieber mit Abstand und Ignoranz. Angucken reichte und der Gedanke, dass er da war, ganz in meiner Nähe. Aber mehr wollte ich nicht mit ihm zu tun haben. Denn ich wusste, dass mir seine Kalorien die Laune wahrscheinlich für ein oder zwei Tage verderben würden. Somit war es leichter, zu verzichten. Besser gleich an die bitteren Konsequenzen denken, als später. 

Was hat man von einem Stück Kuchen, das innerhalb von einer kurzen Minute verzehrt wird und danach vielleicht für immer ansetzt, wenn man sich nicht im Griff hat oder nichts dagegen tut? Ein übles Problem.
Und letzten Endes war der Kuchen sowieso nicht selbstgebacken, sondern nur ein aromatisch gut abgestimmtes Kunstprodukt vom Fließband. Ohne Liebe gebacken, sondern anonym von Maschinen aus Blech und Metall in einer kalten Halle.

Lieber schaute ich meinen wohlgenährten Kollegen dabei zu, wie sich jeder großzügig vier Stücke auf den Teller packte und beim Essen feststellte, dass der Kuchen nach Chemie schmeckte. Ganz und gar nicht natürlich, sondern richtig künstlich und ein bisschen eklig. Dennoch wurde der Kuchen artig aufgegessen. Sein Essen mit negativen Bewertungen zu kommentieren, ist immerhin fast normal, weil es überall etwas zu meckern gibt und man nie wirklich zufrieden ist. Oder man spielt damit einfach nur sein schlechtes Gewissen herunter. 

Mir war es egal. Ich hatte von dem appetitlichen Anblick des Kuchens mehr, als die Kollegen von dem enttäuschenden Geschmack.

Kapuzi-Pause

Kapuzi-Pausen waren die Pausen, die mich auf der Busreise am meisten nervten.
Was Kapuzi überhaupt heißt?- Kapuzi = Kaffee, Pullern, Zigarette.
Die drei häufigsten Aktivitäten von Reisegästen im Busfahrerjargon.

Während alle bei der nächsten Gelegenheit wie verrückt zum Klo rannten, wusste ich mit der Zeit nichts anzufangen. Saß im Bus, schaute aus dem Fenster oder stand draußen im Abseits des Geschehens.
…Ich musste nicht zur Toilette oder weigerte mich, zu müssen.
…Ich wollte keinen Kaffee und trank sowieso nichts. Vermeidungsverhalten, um bloß nicht zur Toilette zu müssen.
…Ich rauchte nicht, sondern kaute auf harten vegetarischen Lakritzdreiecken, die an den Zähnen klebten. Meine Ersatzbefriedigung gegen Langeweile.

Außerdem schaute ich den anderen geduldig dabei zu, wie sie sich liebevoll um ihre Grundbedürfnisse kümmerten.
Sie standen kontaktfreudig in langen Reihen vor den Toiletten und tranken danach einen Becher starken Maschinen-Kaffee, um dies bald wieder tun zu können.
Anstehen. Pullern. Trinken. Warten. Pause.
Der Bus hielt alle zwei Stunden, ein perfektes Blasentraining für all die älteren Damen. Hatte der Busfahrer das nicht gut geplant? Ihn selber sah ich nie auf der Toilette. Mir fiel generell auf, dass sich die Männer weniger um die Toiletten drängelten und sich lieber die Beine an der frischen Luft vertraten, auch wenn es nur auf einer Stelle vor dem Bus war. Irgendwie waren sie toilettenmäßig einfach besser trainiert, als die Frauen. Ihnen war es wichtiger, sich mit dem Busfahrer über technische Details zu unterhalten und fragten ihn, ob es schwierig war, auf der linken Straßenseite zu fahren. Die Männer waren fasziniert von seinem Können, den Bus seitenverkehrt zu beherrschen.
Der Busfahrer erntete viel Anerkennung und ließ sich davon abhalten, zwischendurch ein bisschen Privatsphäre zu genießen.

Mehrmals wagte ich es dennoch, mir die Toiletten genauer anzuschauen. Machte aber gleich wieder kehrt, wenn es nicht so war, wie ich es mir wünschte. Ich wünschte mir Ruhe und Einsamkeit.
Die quackelnden Warteschlangen vor der Tür machten mich nervös, obwohl ich sie in der Klokabine gar nicht sehen konnte. Aber ich hörte das unruhige Schaben ihrer Schuhe auf dem matten Fliesenboden, ihre wirren Stimmen und das Rascheln von Papier oder das Klirren der Gürtelschnalle in der Nachbarklokabine.
Mann, warum konnten diese Räume nicht völlig geschlossen sein? Dieser Schlitz unten am Boden machte mich wahnsinnig. Ich bekam alles mit, was nebenan geschah, sah bewegende Schatten und konnte mich dabei nicht mehr auf mich konzentrieren. Schlimm.
Zudem kam ich mit dem Druck nicht klar, dass alle Frauen vor der Tür darauf warten, dass ich ENDLICH fertig war, nur damit sie ihren bohrenden Strahl schnell ins Klo schießen konnten. Was ich unter diesen Umständen, wie Hektik, niemals konnte.
Ich hasste öffentliche Toiletten! Und noch viel mehr, wenn alle Frauen aus dem Reisebus zur selben Zeit pullern mussten.

Deswegen waren diese Kapuzi-Pausen nicht mein Ding. Für mich waren es Pausen des Verzichts und des Leidens. Die Pausen waren zu kurz, um als Letzte in absoluter Stille aufs Klo zu gehen. So musste ich weiterhin auf die perfekte Gelegenheit warten.
Fast alle Frauen hatten es geschafft, an jeder schottischen Raststätte erfolgreich ihren Kaffee auszupullern. Sie nahmen jede Klobrille mit.

Klar trank ich auch gerne Kaffee. Aber nicht, um anschließend in gestörter Umgebung aufs Klo zu müssen. Die damit verbundenen Strapazen waren es mir nicht wert.
Und klar rauchte ich auch ganz gerne mal. Nur leider hat es Nikotin im ungünstigsten Fall an sich, ebenso den Harndrang zu fördern.
Tja.

Der fürsorgliche Busfahrer sorgte in den Mittagspausen für Verpflegung, indem er Dosensuppen und Würstchen warm machte. Dazu gab es eine Scheibe Toastbrot aus Vollkorn. Klang eigentlich ganz gut. Er bot alle möglichen Suppen an und ich dachte, dass mir eine Kartoffelsuppe vielleicht ganz gut tun würde. Ich bestellte sie vorher für 2,50 €. Aber als ich sah, wie die anderen gierig mit ihrem Essen abmaschierten, überlegte ich es mir sofort anders und stand verzichtend am Straßenrand wie ein bockiges Kind. Die anderen guckten mich fragend an, sagten aber nichts. Mir war klar, was sie dachten: Die Jugend ist verwöhnt und mäkelig. Von Vegetarierin erwähnte ich erst gar nichts. Die anderen taten so, als würde ihnen der Billigeintopf in der sterilen Plastikschale schmecken. Wahrscheinlich war es auch so. Alles wie zu Hause. Oder sie hatten zu großen Hunger vom langen Sitzen.

Diese Kapuzi-Pausen machten mich unglücklich.
Für die anderen wiederum waren sie eine Erlösung, sie wirkten danach meist deutlich entspannter, als ich. Aber ich konnte damit leben, war ja meine Schuld, dass ich mich so ‚verklemmt‘ und kompliziert anstellte.

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