fuck mind.

Was gerade in mir vorgeht? – selbstverständlich alles!

Mein Körper denkt, dass er momentan ein Kind kriegt. Er hat den ganzen Tag Hunger und zwingt mich dazu, Dinge zu essen, die ich sonst nur selten esse. Warum habe ich plötzlich Appetit auf Rotkohl und Muscheln in CurrySauce? Sobald ich zu Hause bin, sind diese Gelüste wieder verflogen und ich esse nur Miniportionen, weil ich Essen nicht leiden kann. Manchmal würde ich Nahrung sogar als meinen Feind bezeichnen, weil sie nicht zu mir gehört. Aber meist schleicht sich dann irgendwo eine kleine gutmütige Balance ein und flüstert mir zu, dass Essen gesund ist und ein Apfel nicht so viel schadet, wie gar keiner. 

Ich habe Hitzewallungen, enorm viel Energie und warme Marmeladenflecken in der Hose. Mein Körper trifft also Vorbereitungen, auf eine Umstellung, die in den nächsten Monaten überhaupt nicht stattfinden wird. Außerdem hat er ständig Lust auf Sex und bringt mich dazu, in fast jeder Situation anzüglich zu werden. Ich gucke jedem alten Typen, der offensichtlich vergeben ist, hinterher und lächele ihn leicht an. Mir egal, was er denkt. Auch wenn ich gar nichts von ihm will, weil er eigentlich gar nicht mein Typ ist, äußerlich und innerlich definitiv sowieso nicht. Das bringt nicht jeder, mir zu gefallen. Und trotzdem lasse ich es gerne drauf ankommen. Flirten, ohne etwas vom anderen zu wollen. Einfach um zu sehen, was passiert und ob was zurückkommt. Meist ist es spannend. Erst gucken die Männer weg und dann beobachte ich, wie sie aus der Ferne nonverbal doch Kontakt aufnehmen. Dann habe ich gewonnen und sie verloren. Es ist ein interessantes Spiel und umso besser, wenn die Freundin es mitkriegt, was meist der Fall ist. Es tut mir nicht Leid, wenn ich mit meinen Reizen spiele und Männer schwach werden. 

Aber eigentlich ist mir das gerade alles ziemlich egal, weil ich mich eher frage, warum mein Körper so doof herumspinnt und mir falsche Fakten vorgaukelt. Wenn es wieder so ein (Hormon)Schub ist, dann hasse ich ihn. Es ist nicht schön, gleichzeitig östrogen- & testosterongesteuert zu sein. Oder vielleicht bin das einfach nur ich, denn ehrlich nachgedacht kenne ich mich kaum anders, nur an manchen Tagen fällt es mir besonders auf, weil es dann stärker zum Vorschein kommt. Es sind Schwankungen, aber keine Stimmungsschwankungen, sondern etwas anderes. Etwas, das viel tiefgründiger ist. Aber ich weiß nicht, was. Wahrscheinlich ruhen latente Erziehungsfehler in mir, die meinen ganzen Charakter krank gemacht haben. 
Wenn ich vom jetzigen Wochenende rede, ist alles total super und total komisch,… wie immer. Nur dass meine Hormone – oder was auch immer – gerade stark durchdrehen, verstört mich ziemlich. Ständig geil durch die Gegend laufen, macht nicht jeden Tag Spaß, sondern strengt an. Man spürt eine gewisse Unruhe, die mit diesem einen Wort noch nicht einmal verständlich beschrieben ist. Es ist mehr, als innere Unruhe. Irgendwann fühlt man sich erschöpft und hat im gleichen Moment wieder extrem Lust auf Sex. 

Vielleicht befinde ich mich gerade in einer manischen Fake-Schwangerschaftsepisode und ich weiß nicht, ob ich wirklich will, dass es wieder aufhört. Weil es eigentlich auch toll ist, nicht besonders prüde zu sein und mein Körper sexuellen Bereitschaftsdienst leistet. Permanent. Vor allem weil ich nicht jede Frau bin,..sondern anders bin, als die Mehrheit. Und das macht mich wiederum glücklich. 

Letzte Nacht hatte ich Nachtschicht. Arbeit ist meist eine gute Ablenkung, wenn man nass zwischen den Beinen ist. Wenn ich nur nicht ständig die Angst hätte, dass meine Marmelade unbemerkt durch die weiße Baumwollhose sickert, wenn ich zwei Stunden damit beschäftigt bin, im Sitzen Tabletten zu stellen und zu konzentriert bin, um aufs Klo zu wollen. Die Lage im Schritt checke ich meistens erst, wenn ich Feierabend habe. Dann merke ich erst, wie knapp es war, untenrum aufzufliegen.

Eigentlich wollte ich heute Abend nach dem Kino eine ganze Flasche Sekt trinken, um mich mal wieder etwas anders zu fühlen. Vielleicht ist Sekt gut gegen undefinierbare Unruhezustände. Am besten noch mit 100mg Stangyl dazu. Ich glaube, das würde mich komplett runterbringen von meinem überhöhten Energieniveau. Aber auf solche Ideen komme ich erst gar nicht, weil schon eine Tablette ohne Sekt reicht, um mich für zwei Tage lahmzulegen. Nie wieder. Ich fühlte mich wie blaue Zuckerwatte mit Salz und Pfeffer. Und obendrein rief die Chefin an, um mich spontan zwei Stunden früher in den Dienst zu holen, weil jemand krank wurde. Oh happy day.

Worüber ich mich heute sehr freute war die Freikarte im Kino und dass die Ralph Lauren Strickhandschuhe tatsächlich touchscreenkompatibel sind. Endlich mal Handschuhe die sich mit Technik verstehen. 
Was ich nun mit der restlichen Nacht anfange, ist noch fraglich. Vielleicht mache ich ja doch die Flasche Sekt auf, ohne sie gleich auszutrinken. Ein Glas könnte zumindest nicht schaden und wenn ich gut bin, kümmere ich mich anschließend noch um meine Studienaufgabe, auf die ich diesmal überhaupt nicht stehe: Kinderkrimi. Ein weiches Thema für infantile Erwachsene. Was wäre, wenn ich eine Runde im Dark Web surfe….? Das würde meinen neugierigen Geist mit kriminellen Ideen für eine gelungene Story bereichern.

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Vergessener Mond

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Wie jeden Abend entspannte Herr Feddersen sich mit einem Glas Rotwein vor dem Fernseher. Der Wein beruhigte ihn und sorgte für wohlige Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete. In dem Zustand konnte er gut einschlafen und machte anschließend den Fernseher aus. Mit diesem Ritual war sein stets routinierter Tag gelaufen und der Stress folgte ihm nicht in seine Träume.

Mitten in der Nacht klingelte plötzlich das Telefon auf dem Nachttisch und Herr Feddersen erschrak sich fürchterlich. Er meldete sich mit einem heiseren ‚Hallo‘, aber am Ende der Leitung ertönte keine Stimme, sondern nur ein diffuses Rauschen. Feddersen lauschte kurz und legte sich mit einem Blick auf den Wecker wieder schlafen. Es war zwei Uhr und es gab keinen Grund, weiter über komische Anrufe nachzudenken, da ihm gleich wieder die Augen vor Müdigkeit zufielen.

Kurze Zeit später wurde Herr Feddersen durch eine Art Bewegung wach, die sich subtil anfühlte. Es war, als hätte etwas seinen Rücken gestreift oder gar berührt. Er drehte sich um, aber was sollte er erwarten? Schließlich schlief seit Jahren keine Frau an seiner Seite. Dennoch lag das Bettlaken seltsam in Falten. So, als ob jemand dort gesessen hätte. Er strich es glatt und zog seine Hand reflexartig wieder weg, als ihm dabei ein Schauer über den Rücken lief.

Was war hier los?

Herr Feddersen schaute sich suchend um. „Quatsch, was soll das. Ich bin doch nicht paranoid. Wer soll hier schon sein“, murmelte er vor sich hin und zog sich die Decke über den Kopf, da ihm kalt wurde. Vielleicht tat ihm der Wein diesmal nicht gut.

Es war drei Uhr, seine Lider waren schwer und wollten Schlaf. Herr Feddersen verfiel ab jetzt in einen unerholsamen Halbschlaf, da sich diese Nacht anders anfühlte, als sonst. Jedes kleine Knacken im Zimmer war wie ein lautes Krachen und erweckte seine ganze Aufmerksamkeit. In ihm machte sich eine gewisse Unruhe breit, er fühlte sich auf einmal beobachtet. Als ob ihn etwas anstarrte. Er spürte Blicke, die unsichtbar waren und sein Herz fing an zu rasen. Sein Körper wurde schweißig und er traute sich kaum, sich zu bewegen.

Auf einmal hörte er aus der Küche ein schepperndes Geräusch. Es konnte nur die Blumenvase vom Tisch sein, die auf dem Boden zerbrach, denn das Geschirr stand längst abgetrocknet im Schrank.

Wie konnte die Vase ohne Weiteres vom Tisch fallen? Herr Feddersens Magen zog sich fast krampfartig zusammen. Er hatte schon als Kind all diese Gruselgeschichten gehasst, da er sehr ängstlich war und er in allem eine Wahrheit sah. Nun wartete er angespannt auf weitere Geräusche oder auf Schritte oder auf irgendetwas anderes. Aber es blieb vorerst still. Kein Rascheln. Nichts. Nur Stille. Er hoffte, dass es dabei blieb.

Die Uhr zeigte auf vier und Herr Feddersen war klitschnass vor Angst.

Er beschloss, nachzuschauen, was in der Küche passiert war, getrieben von Angst, Neugierde und eingeredetem Mut. Die Vase war tatsächlich vom Tisch gefallen und lag verstreut in vielen kleinen Teilen auf dem Boden. Er nahm sie erst letzte Woche von zu Hause mit, als Geschenk von seiner Mutter, da er diese Vase sehr liebte. Die Vase war sogar einige Jahre älter als er. Und nun lag sie dort erbärmlich in Scherben, die keinen Sinn mehr ergaben. Herr Feddersen war traurig und es tat ihm im Herzen weh, die Scherben zu entsorgen. Als er zurück ins Bett ging, dauerte die Nacht noch zwei Stunden. Tatsächlich versank er noch einmal in einem tiefen festen Schlaf und nahm in diesem Zustand nichts mehr von dem wahr, was in seiner Wohnung passierte. Von dem schwerfälligen Schlurfen im Flur wurde er nicht wach. Erst, als das Schlurfen direkt in seinem Zimmer endete, ihm schroff die Decke wegzog und ihn mit einem Ruck an den Füßen aus dem Bett schleifte.

Herr Feddersen erwachte völlig gelähmt vom Schock auf dem Fußboden. Um ihn herum war alles dunkel, obwohl sich um diese Zeit schon die Sonne durch die Jalousien ankündigte. Nur heute nicht. So lag er nun da, apathisch und in voller Panik, was als nächstes passiert. Er konnte nicht einmal weglaufen, sein Körper regte sich nicht und kein einziger Schrei entglitt aus seinem Mund.

Um fünf Uhr klingelte das Telefon erneut und sein Körper tat sofort wieder das, was er sollte. Herr Feddersen stand zitterig auf und lauschte. Am anderen Hörer meldete sich mit monotoner Stimme ein Arzt, um ihm mitzuteilen, dass seine Mutter im Laufe der Nacht verstorben war. Danach legte der Arzt den Hörer wortlos auf, ohne weitere Fragen zu beantworten und die Leitung begann zu knistern.

Herr Feddersen strömten die Tränen über das Gesicht und ließen seine Augen brennen, wie ein Feuer. Er konnte sie nur noch schließen. Die Lider wurden so schwer, als würden sie sich nie mehr öffnen.

Ein tiefer Schlaf folgte nach diesem nahezu unwirklichen Moment.

Um sechs Uhr klingelte wie gewöhnlich der Wecker und Herr Feddersen war bereit, für seine alltägliche Routine. Er wusste, die Nacht war nur ein Alptraum. Denn Alpträume hatte er immer bei Vollmond. Er hatte sich nur nicht darauf vorbereitet, weil er den Vollmond jedes Mal vergaß.

Einige Minuten saß er still auf der Bettkante, damit dieses unbehagliche Gefühl verschwand, dass er im Bauch hatte. Irgendetwas war heute anders.

Dann klingelte das Telefon. Herr Feddersen schrak auf. Er war im ersten Moment irritiert und zögerte. Sonst rief niemand so früh an, dann es gab nie einen Grund für frühe Anrufe. Nachdem das Telefon fünf Mal klingelte, nahm er vorsichtig ab.

Hallo“, fragte er mit einem ängstlich gereizten Unterton.

Guten Morgen, hier ist Dr. Clement.“

Herr Feddersen spürte eine Art von Übelkeit in sich hochkommen und er erinnerte sich sofort an den geträumten Anruf von letzter Nacht. Er kannte Doktor Clement. Er war der Hausarzt seiner Mutter.

Guten Morgen, Dr. Clement.“

Herr Feddersen war auf alles gefasst. Er hatte eine Ahnung, was jetzt kommt, denn Hausärzte rufen nie an, bevor nicht alles zu spät ist.

Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihre Mutter am Morgen tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, wobei die Todesursache noch ungeklärt ist. Die Nachbarn haben sie schreien gehört und haben mich dann angerufen. Die Polizei ist auch hier. Ich werde Sie benachrichtigen, wenn wir Genaueres wissen. Es tut mir sehr Leid.“

Herr Feddersen fehlten die Worte und die Sprache. Er legte wie gelähmt den Hörer auf und war nicht einmal mehr in der Lage zu weinen. Er blieb stumm auf seinem Bett sitzen. Und wartete.