Du verdienst mich nicht

 
Nachdem ich herausfand, dass ich allergisch auf Anti-Aging-Produkte reagiere und kein Koffein mehr vertrage, verstand ich einige Dinge in meinem Leben besser. Es war wie eine Kehrtwende alter Verhaltensweisen und eine enorme Umgewöhnung, zu Gunsten meiner Gesundheit und meiner Funktion als Loverin, die wenige Tage vorher ihren spekulativen Lover verlor.
Anti-Aging-Produkte machten meine Haut genauso nervös, wie es Koffein mit dem Inneren meines Körpers tat. Beides war nicht gut für mich und das einzusehen, war ein längerer Prozess, den ich erst spät tolerierte. Eigentlich sollte ich wissen, dass ich keine Anti-Aging-Produkte brauche, um nicht zu altern, weil ich noch zu jung dafür bin. Dennoch gibt es schon leichte Anzeichen von feinen Mascara-Fältchen über den Augenbrauen, die sich nach ein paar Minuten Ruhe zum Glück wieder glätten – noch. Um diese Falten komplett zu vermeiden, müsste ich auf Schminke verzichten und würde somit einen Teil meiner Persönlichkeit beerdigen. Von daher unmöglich.

Mit dem Koffeinverzicht war es komplizierter, weil ich Kaffee liebte und die Nachtschichten mit Energydrinks amüsanter und euphorischer waren. Aber nach der Einsicht, dass Koffein mich aggressiver und risikofreudiger machte, musste ich diesem Konsum ein Ende setzen, damit keiner meiner Mitmenschen wegen mir litt oder ich mir mein Leben mit meinen Stimmungsschwankungen selber viel zu schwer machte.

Die Anti-Aging-Produkte wurden bald durch hautfreundliche und sensible Cremes ersetzt und der Kaffee bekam einen neuen Partner, der sich Tee nannte. Oder ich trank koffeinfreien Pseudo-Kaffee, der geschmacklich nicht vom Original zu unterscheiden war.
Meine innere Unruhe verwandelte sich allmählich in inneren Frieden und sorgte für allgemeine Ausgeglichenheit. Ich lebte ohne Stress und ohne Ärger, alles war leichter als sonst. Außerdem gab es keinen Druck mehr, irgendetwas tun zu müssen, das andere Leute eventuell provozierte oder mich zu sehr aufputschte. Seit der Abstinenz konnte ich mein Leben mit einem Wort beschreiben: Zufriedenheit.

Alles andere, was mich sonst aufdrehte und unruhig machte, war am Verblassen, je unwichtiger es mit der Zeit wurde. Jegliche aufwühlende Geschichten verloren an Bedeutung und wurden durch neue Erlebnisse enthusiastisch überdeckt. Vergangenheit ist Vergangenheit. Daran sollte man sich lieber öfter erinnern, denn die Vergangenheit hat mit der Gegenwart nichts gemeinsam.

Mein schadstofffreies Bewusstsein machte mich stärker und meine Anti-Koffein-Einstellung galt als mein persönliches Resilienz-Training. Ich konnte von alten Dingen und Menschen loslassen, die nicht mehr in mein Leben passten bzw. ein gefühlter Bestandteil von mir waren. Abschied war keine Herausforderung mehr, sondern ein Neuanfang. Ein Abschied öffnet im Bestfall die Tür für drei neue Menschen – eine nicht gerade schlechte Option.
Nach einigen Wochen der Umstellung war ich gelassener und fand, dass ich ohne mein unglückliches Verknalltsein in einen unerreichbaren Typen, wieder zu einem normaleren Menschen wurde, der vernünftig denken konnte und nicht mehr zu spontanen Affekthandlungen tendierte, die auch nie halfen.
Getrost konnte ich mich mit dem Gedanken arrangieren, eine von mir hochbegehrte Person stückchenweise zu vergessen, indem ich sie mit neuen Erfahrungen einfach überblendete. Und nicht nur das: Mir wurde endlich klar, dass Leute, die sich von alleine nicht melden, wirklich (!) kein Interesse haben, weil sie längst heimlich vergeben sind und der zeitfressende Beruf manchmal nur ein glaubwürdiges Alibi für die neue Freundin ist. Solche Leute haben mich nicht verdient.

Niemand, der mich ignoriert, verdient mich.

Niemand, dem ich unwichtig bin, verdient mich.

Niemand, der nach anderen (‚besseren‘) Frauen Ausschau hält, verdient mich.

Niemand, der mich nicht zu schätzen weiß, verdient mich.

Niemand, der sich von mir genervt fühlt, verdient mich.

Niemand, der von Kreativität keine Ahnung hat, verdient mich.

Niemand, der mich ausnutzt, verdient mich.

Niemand, der mich anlügt, verdient mich.

Niemand, der mir etwas vorspielt, verdient mich.

Oberflächlichkeit verdient mich nicht.

Im Moment kann ich nur lächeln. Über alles, was in den letzten Monaten passierte und über gewisse Menschen, die mir interessante Erkenntnisse bescherten. Ich bin dankbar für negative Erfahrungen, denn ohne sie wüsste ich nicht, was ich wirklich will und welche Wünsche mir tatsächlich etwas bedeuten.  
  

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Bessere Tipps gegen Liebeskummer 

  

Analyse

Denke an sein Leben und denke an dein Leben. War wirklich alles so toll, wie du es dir jeden Tag schönredest? Wahrscheinlich nicht, sonst hätte es keine Trennung gegeben. Um es dir einfacher zu machen, stelle seine Schwachpunkte in den Vordergrund und denke vermehrt an die Dinge, die dir nicht gefielen, anstatt deinen Ex zu glorifizieren.

Archivieren

Du musst nicht gleich alle Fotos endgültig löschen oder vernichten. Bewahre sie lieber woanders auf und verschiebe sie z.B. in einen Ordner auf deinem Rechner oder lege sie in eine Kiste, die du danach versteckst. So wirst du nicht dazu verleitet, dir die Bilder mehrmals täglich anzugucken. Du solltest lernen, die Fotos zu ignorieren, weißt aber gleichzeitig, dass sie noch da sind. Irgendwann wird es dir leicht fallen, sie zu vergessen.

Vielfalt

Auch wenn du davon überzeugt bist, dass dein Ex der Beste ist – triff dich mit anderen Männern! Du kannst dich ablenken, wenn du mehrere Männer parallel datest. Der Vorteil daran ist, dass du dich nie alleine fühlst und ausreichend mit Komplimenten versorgt wirst. So ein entzückendes Dating-Chaos wird dich sicher auf andere Gedanken bringen. Vor allem, weil du dich auf ganz unterschiedliche Typen konzentrierst und die Chance hast, neue Abenteuer zu erleben.

Vergleiche

Vielleicht hat einer deiner Freunde auch gerade Liebeskummer und ist viel schlimmer dran, als du. Eine kurze Affäre tut lange nicht so weh, wie eine 5-jährige Beziehung mit gemeinsamer Wohnung, inklusive Anhängsel. Wahrscheinlich hat es dich im Gegensatz zu deiner besten Freundin gar nicht so mies erwischt, wie du zuerst dachtest. Deine Freunde können dich mit ihren Geschichten über Glück und Pech bestimmt bald aufmuntern. 

Langweiler

Du schreibst ihm und er antwortet nie. Oder er betrachtet dich mit Ignoranz, wenn ihr euch zufällig seht. Er gönnt dir nur noch seine völlige Abwesenheit. Bei ihm gibt es nichts mehr zu holen und das wird schnell langweilig. Stempel ihn als Langweiler ab, bei dem sich jede Form von Verschwendung (Gedanken + Gefühle) nicht lohnt. Es gibt spannendere Alternativen, als sinnlose Monologe, die im Nirgendwo enden. Dein Ex ist mit seinem passiven Verhalten viel zu langweilig für dich.

Mittelpunkt 

Rücke dein eigenes Leben wieder in den Mittelpunkt und kümmere dich um dich selbst. Im Moment ist nichts wichtiger, als du dir selber. Werde zum defensiven Egozentriker, der sich eine Auszeit nimmt, um sich seine Wünsche zu erfüllen und von neuen Zielen zu träumen. Du bist ein selbständiger Mensch, der es nicht nötig hat, sich von einer anderen Person abhängig zu machen, die auch selbstbewusst ihr eigenes Leben führt. Du kannst dir auch alleine ein wunderschönes Leben machen, denn du bist frei und darfst machen, was du willst.

Notfall

Wenn diese Tipps nach einer Laufzeit von ca. 12 Wochen nichts bewirken, oder sich dein emotionaler Zustand weiterhin verschlechtert, dann ist das eine kritische Phase, die sehr tiefgreifend ist. Du solltest nicht versuchen, dich mit destruktiven Mitteln zu betäuben, sondern locker bleiben und eventuell ein intimes Gespräch mit deinem Ex führen. Rede mit ihm über Sex, denn damit erzielst du schneller eine positive Reaktion, als mit deiner Heulerei. Denke immer daran, dass Männer Stress hassen und versuche, ihn mit Absicht zu vermeiden.

  

Abschied von dir

 
Jetzt sitze ich hier alleine an deinem Geburtstag und kann nichts tun, denn vor einigen Stunden habe ich ernsthaft beschlossen, dich ab jetzt in Ruhe zu lassen. Bis du dich meldest. Irgendwann vielleicht. Oder auch nicht. Du entscheidest. Ich dachte, es ist die einzig beste Lösung – momentan. Aber noch habe ich keine Ahnung, wie lange dieser Moment dauern wird. Wahrscheinlich Monate, oder länger, wenn du mich vergisst. Dir wird es sicher leichter fallen, als mir. Weil ich nicht weiß, wie ich dich je vergessen soll. Obwohl wir uns gar nicht richtig kannten, dabei hätte ich gerne mehr über dich erfahren.

Nun sitze ich hier am Küchentisch mit meinem halbharten Brötchen, das ich heute Morgen nicht mehr geschafft habe, da mein Appetit weg war, nachdem ich dir die Glückwünsche zum Geburtstag sendete. Du hast nicht geantwortet und wirst es bestimmt auch morgen nicht tun, wenn du wieder nüchtern bist und vielleicht mehr Zeit hättest. Und vielleicht bist du sogar froh, dass ich mich so unerwartet von dir verabschiedet habe. Endgültig. Eine Last weniger für dich und keine nervigen Mails mehr jeden Tag, in denen eh immer dasselbe stand. Ich verhielt mich manchmal wie ein Kind, das jeden Tag drängelte und deine Aufmerksamkeit wieder gewinnen wollte, die schon mal da war, anfangs. Aber ich schaffte es nicht mehr und du bliebst stumm. Aus gutem Grund, wie du meintest. Du wolltest keine Nähe, weil es nicht ging. Dein Leben befand sich im Zeitmangelzustand und andere Dinge mischten sich ein.

Jetzt kann ich nichts mehr tun. Ich habe mir selber verboten, dir zu schreiben und darf nichts mehr sagen. Nicht mal ein Foto werde ich dir schicken. Gar nichts. Es wird so sein, als wäre nie etwas gewesen zwischen uns und wir bleiben uns fremd.

Mein heutiges Versprechen muss ich einhalten, bis du mich irgendwann von diesem Schweigen erlöst und alles anders wird.

Mich erfüllt eine Leere, da mir klar ist, dass ich auf keine Nachrichten mehr warten brauche, denn du wirst dich nicht melden. Schließlich gibt es noch genug andere Frauen. Alles lässt sich ersetzen, wenn auch anders. 

Du fehlst mir. Die letzten Stunden waren komisch, und das war erst der Anfang. Es ist nicht leicht, starke Gefühle zu überwinden. 

Gefühle sind abends härter

  

Jeden Abend trage ich einen dicken Wollpullover im Bett. XXL in Rosa und viel zu lang.

Er wärmt äußerlich, aber nicht innerlich.

Die Geräusche, die von draußen durch das offene Fenster dringen, killen die Ruhe im Raum. Aber nicht meine lärmenden Gedanken.

Das regelmäßige Ticken meines Weckers täuscht Harmonie vor. Mein Herz überholt den Takt und hämmert dezent im Innenren, unregelmäßig. Es spürt meinen Kummer.

Mein Magen meldet sich zu Wort. Er nörgelt unter der Decke. Er will Arbeit, aber er bekommt keine, weil ich meinen Appetit nicht finde.

In der Küche liegen Lebkuchen, die ich jedes Mal bedürfnislos anschaue. Früher waren sie nur kurze Besucher, heute sind sie Dauergäste.

Eine Stunde liege ich wach im Bett und merke, wie mein Kopf warm wird, weil mir gleich die Tränen aus den Augen schießen und sich mein Bauch zusammenzieht.

Jeden Abend die gleiche Sehnsucht und die gleichen Tränen. Jeden Abend der gleiche Grund: Du.

Weil ich dich vermisse.

Ich stehe auf, um eine Schlaftablette im Schuhkarton zu suchen. Dabei wird mir kurz schwindelig und vor meine Augen tritt ein schwarzer Schleier, der noch durchsichtig ist. Er erinnert mich daran, dass ich heute nicht mehr als eine Tasse Kaffee getrunken habe.

Auch die Tablette schlucke ich ohne Wasser und lege mich wieder ins Bett.

Ich beobachte die bunte Lichterkette vor meinem Bett, die ihre Farben wechselt und fühle mich Minuten später leicht benommen. 

In dem Moment beginne ich, mir etwas zu wünschen.

Ich wünsche mir, dass wir uns wiedersehen und du mich in deine Arme nimmst.

Aber es wird nie passieren, weil du dich längst von mir verabschiedet hast.

 

Liebeskummer ist wie ein Salmonellenbefall im Herzen

Love_Sick_by_Lissie_Kun

Wobei dieser Text mit dem Titel nicht viel gemeinsam hat.

Was soll man eigentlich über ein Erlebnis schreiben, welches nicht einmal tragisch ist und einen dennoch irgendwie beschäftigt?
Schließlich erlebt jeder einmal eine Abfuhr. Normalerweise auch kein Grund zur Sorge, denn manchen passiert so etwas ständig und sie haben Übung darin, abgeschoben zu werden.
Müll wird ja auch jeden Tag abgeschoben, ohne, dass er sich über die Gründe bewusst ist.
Für mich war es die 2. Abfuhr – umso dramatischer, da ich sonst immer das bekomme, was ich will. Wie eine verwöhnte kleine Prinzessin.
Nur leider trifft das auf Gefühle nicht zu, die kann man nicht steuern.
Und so stehe ich am Ende nach meinem Flirtfehltritt alleine da, der mir aber immerhin eine warme Adventszeit bescherte und mich davon abhielt, zu viele Lebkuchen zu essen.
Verliebtsein und Liebeskummer haben eine Sache gemeinsam: Man verliert die Lust auf’s Essen.
Entweder ernährt man sich nur von Luft und Liebe ODER man kriegt vor lauter Kummer keine Liebe mehr rein.
Totaler Schwachsinn, aber egal.

Es war interessant nach langer Zeit mal wieder bisschen Liebeskummer zu haben und sich deswegen so richtig doll krank zu fühlen. Mit richtigen Symptomen einer mittelschweren Depression sogar, die nur wenige Stunden anhielten und doch eher oberflächlicher Natur waren. Mein Optimismus ist einfach zu stark für solchen Kram. Und ich kann mich einfach nicht ernst nehmen, wenn ich zu lange traurig bin.
Meine Zeit zu wertvoll, um sie mit Nichtstun zu verschwenden.
Und Tränen als Accessoire ein No-Go.

Mein Jahr begann mit 7 Tagen, die anders waren als sonst.
Viele verzweifelte Frauen nehmen sich ja vor, im neuen Jahr endlich abzunehmen und holen sich gleich voll motiviert die neuste Ausgabe der ‚Brigitte‘ oder laufen in die nächste Apotheke.
Ich habe diesen Vorsatz bereits in der ersten Januarwoche erfolgreich geknackt. Mit einer ungewollten Nulldiät. Dabei gibt es an mir nichts mehr zu verlieren, da mein Körper kein Lager für Speckröllchen ist. Dennoch vermisse ich gerade 3 Kilo.

Eine Woche lang habe ich mich zu Hause hinter verschlossenen Türen verschanzt und habe keinen einzigen Schritt nach draußen gewagt. Da mein Kater noch genug Futter im Schrank hatte, war das auch nicht nötig. Aber selbst der merkte, dass irgendetwas anders war.
Er schaute mich liebevoll an, nahm Rücksicht auf mich und bat mir seine Hilfe an, indem er sich endlich von mir auf meinem Schoß streicheln ließ. Das konnte er sonst nie leiden, da er kein verschmuster Kuschelkater ist.
Außerdem schlich er mir vorsichtig um die Beine und hatte überall bunte Fragezeichen auf dem Fell.
Was war nur los mit Frauchen? Warum hat die so komisches, schwarz verschmiertes Wasser im Gesicht?

Freunde wollten mir auch helfen, mit all ihren dämlichen Standardsprüchen, die praktisch nichts taugten.
Ich hatte mir Tipps erhofft, die mir noch nie jemand gegeben hat. Etwas Außergewöhnliches, was mich aus meinem Loch herausholen konnte. Etwas, das zu mir passt.
Ich bin eine Drama-Queen. Meine Freunde hätten mir also helfen können, indem sie mir Schmuck hätten schenken können. Schmuck aus Gold am besten. Das hilft immer. Denn ich war in meinem angeschlagenen Zustand zu schwach. Zum Homeshopping hat die Kraft nicht mehr gereicht und durch die Tränen in meinen Augen sah ich eh alles nur noch verschwommen.

Sogar ein männlicher Bekannter wollte helfen, der plötzlich wie aus dem Nichts auftauchte und die nun die große Chance bei mir witterte. Verzweiflungs-Sex für Singles oder sowas.
Der war schnell genauso enttäuscht wie ich, nachdem ich ihm erklärte, dass da nichts läuft und ging wieder auf Abstand. Er verschwand im Nichts der Ignoranz.
Er war im falschen Moment bei der falschen Person. Nun fühlte auch er sich schlecht.
Es ist schön, wenn man sein Leid mit jemandem teilen kann.

Mein bester, immer noch halbgeliebter Ex-Freund, leistete mir noch am selben Abend mit seiner latenten Anwesenheit Gesellschaft.
Er war genervt von der Situation, weil er extra im Regen mit dem Rad los musste. Aber DAS war genau das, was ich brauchte: Dass ER bei mir auf der Couch sitzt und fast gar nichts sagt.
Außer: Gibt Schlimmeres.
Nach einer Stunde verabschiedete er sich wieder mit einer gezwungenen Umarmung. Ohne Kuss. Seine Freundin hat es ihm schließlich verboten.
Und er hört brav auf sie. Wau wau.
Wobei er bei mir manchmal Ausnahmen macht, da wir jahrelang sehr offene Freunde waren.
Nur diesmal nicht.

Danach konnte ich mir dann mit einer Flasche Kirschlikör endlich die Kante geben und mich schon mal auf den anschließenden Toilettenbesuch vorbereiten.
Wann hat die Klobrille schon mal das Glück, umarmt zu werden. Eben.
Die Flasche führte mich in der Nacht noch mehrere Male zur Toilette, da ich das Zeug überhaupt nicht auf nüchternen Magen vertrug.
Aber vielleicht kam die Kotzerei auch vom Apfelmus, der kurz, nachdem ich ihn gegessen habe, pelzige Augen bekam.
Schimmel, Alkohol und Liebeskummer.
Es haute mich um.
Und weg.

Auf einmal holte ich in der Woche all das nach, was ich mir sonst nie gönnte: Ruhe.
In meiner Wohnung gab es nur zwei Orte, an denen ich mich abwechselnd befand.
Couch oder Bett. Küche wurde völlig ignoriert und mein Kühlschrank redete nicht mehr mit mir.
Nachdem ich den ganzen Tag regenlos auf der Couch lag und elendig müde war, lag ich nachts wach im Bett und wirbelte mich wie ein gefangener nasser Aal von einer Seite auf die andere.
Auf der Couch hingegen ging es mir deutlich besser. Dort ließ ich mich von den Stimmen und den Lichteffekten aus dem Fernseher berieseln.
Angenehm.

Also entschied ich mich die nächsten Tage NUR für die Couch, auf der ich vor mich hingammelte.
Ungeschminkt, in zerissenen Strumpfhosen und in coolen XXL-Shirts.
Allerdings fand ich dann einen anderen Ort, an dem es reichlich mehr Wärme gab, die ich jetzt besonders brauchte: meine Dusche. Manchmal schäumte ich mir den Liebeskummer eine halbe Stunde lang um die Ohren.
Die nächste Affäre mit meinem Duschschwamm hatte begonnen.
Er war grün und rosa.
Manchmal geben Objekte viel mehr Nähe und Freude.

Die muss man wenigstens nicht um Erlaubnis fragen.

Schwarz-weiße Schmetterlinge

Es ist Sonntag.
Ein Sonntag, wie kein anderer.
Ich sitze einsam am Strand, feiner Nieselregen fällt auf mich herab.
Doch ich spüre nichts.
Eine eisige Kälte umhüllt mich, wo einst nur Wärme war.
Mein Körper – abgemagert und blass – Spiegelbild meiner Seele.
Mit leerem Blick starre ich auf die Wellen, die bedrohlich und dunkel auf mich zurollen.
Keine Menschenseele am Strand, nur ich alleine mit mir und dem Regen.
Das Gefühl, für Raum und Zeit – verschwunden.
Ich spüre nichts.
Keinen Schmerz, keine Freude.
Es regnet stärker.
Es ist mir egal.

In meinem Kopf lauter Bilder, die wie ein Film nacheinander ablaufen.
Emotionen, die wieder aufleben wollen. Sie drängen sich in mir auf.
Ein Bilderbuch mit vielen schönen Worten.
Und ein Stück Hoffnung.
Die Kälte um und in mir wird eisiger.
Von Wärme längst keine Spur mehr.
Es ist kaum auszuhalten.
Starke Gefühle von Machtlosigkeit.

Eine Träne fließt langsam über mein Gesicht.
Weitere Tränen folgen.
Alles bricht aus mir heraus.
Ich sitze immer noch alleine am Strand.
Inzwischen regnet es in Strömen.
Doch ich nehme es kaum wahr.
Weil ich es verdient habe.
Ich bin mir sicher.

Abends fahre ich nach Hause.
Völlig leer und nass vom Regen.
Apathisch schaue ich aus dem Fenster.
Jede Kurve könnte die letzte sein.
Mir ist es egal.
Wieder viele Bilder in meinem Kopf.
Und die Frage nach dem Warum.
Eine Beleidigung zu viel.
Nach all den netten Worten.
Eine Beleidigung zu viel.
Und alles ist vergessen.
Es geht mir schlecht.
Meine Seele ist verletzt.
Mein Körper auch.

Ein Haufen schwarz weißer Schmetterlinge.
Sie haben ihre Farbe verloren.
Denn ihr Leben ist aus ihnen gewichen.
Sie haben keine Kraft mehr zu flattern.
Denn ihre Flügel sind gebrochen.
Langsam finden sie ihren Tod.
Der Wind fegt sie fort.
Es ist, als hätten sie nie existiert.
Erinnerungen an schöne Zeiten verblassen.
Hoffnung gibt es nicht.
Die Frage nach dem warum, sie wird bleiben.

Ich wünschte, Schmetterlinge leben.

 

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