Flucht ins Kino 


Welch seltsamer, emotional belastender Tag, der nun endlich zu Ende ist.
Wobei ich mich vor einem Jahr noch auf dem Rückweg nach Hause befand, mit Anflügen von Übelkeit im Zug. Ich erinnere mich gerade genau, wie der Apfelsaft-Gin mir dort fast zum Verhängnis wurde, ich mich jedoch beherrschen konnte, indem ich mich auf die Musik aus meinen Ohrstöpseln konzentrierte. Danach machte ich mitten in der Nacht einen Spaziergang vom Bahnhof nach Hause, da keine Straßenbahn mehr fuhr. Somit hatte ich auch gleich genug frische Luft. War ein gutes Mittel gegen die Übelkeit, die zu Hause ihren Ausbruch im Klo fand. Schönes Treffen, schöne Nacht. Herrlich. Da war noch alles in Ordnung.

Ich zelebrierte diesen gestrigen besonderen Samstag tatsächlich melancholisch im Bett, mit einer Duftkerze und im abgedunkelten Zimmer. Die Sonne schien sowieso nicht. Umso dunkler war es mit heruntergelassenem Rollo. Ich schwelgte in Gedanken und Erinnerungen. Viel zu viel. Und zugleich spürte ich diese gewisse Leere, die mich permanent erfüllt. Widersprüche gehören zu meinem Leben eben dazu, das ist meine Normalität. Ich wünschte, meine Gefühle wären insgesamt nicht so extrem, sondern auch normaler. Aber dann wäre ich vielleicht eine Langweilerin, was ich auch sehr ätzend fände. Langweilig mag ich nicht, war nie mein Ding.
Zwischendurch ging ich kurz shoppen, las drei kleine Kapitel eines spannenden Buches und zappte durch meinen iPod. Auch Lieblingssongs übersprang ich. Innerlich völlig unruhig und aufgewühlt. Ich fand in keiner Tätigkeit Ruhe, nicht einmal beim Mandala ausmalen. Nichts konnte mich gedanklich ablenken und nichts machte richtig Spaß, sondern endete in Zerfahrenheit. Schaute nur auf die Uhr und sah die Szenen des vergangenen Jahres. Wie krank sich das anhört,..oder? Ich klinge wie eine ewig verheiratete Witwe. Oder nach einer Frau, die nach zehn Jahren Beziehung wieder Single ist. Dabei handelt es sich in meinem Fall nur um ein dreistündiges Treffen. Kein Anlass für all diese dramatische Trauer. Und dennoch geht es mir so bescheuert. Vielleicht bin ich jetzt auch durch mit dem Thema, da ich schon dabei bin, mein unsinniges Verknalltsein hier in der Öffentlichkeit ins Lächerliche zu ziehen und es mir dadurch umso bewusster wird, wie dämlich es eigentlich ist. Aber es hat mich leider erwischt. Man erlebt ja auch mal krankhafte Episoden im Leben. Eigentlich eher auf Depressionen bezogen, aber bei mir nennt sich das anders. Emotional instabil…
Abends ging ich ins Kino. Alleine. Ich wusste, dass das die beste Idee ist, um anderen Input zu bekommen. Alleine in Gesellschaft fremder Mensche, zusammen in einem gemütlichen Kino ist immer eine gute Wahl. Kino ist mein zweites Wohnzimmer. Neben mir saß niemand und ich fühlte mich, bis auf das vereinzelte Popcorngeraschel, gut und ungestört. Der Gruselfilm lenkte mich komplett ab, obwohl er gar nicht so toll war. Aber es reichte und es war besser für mich, den Abend nicht alleine zu Hause zu verbringen. Sonst hätte ich diesen nur stumm im Bett verbracht und hätte wieder teilnahmslos die Decke angestarrt. Ich musste unbedingt herauskommen aus diesem Stumpfsinn. Gegen 23 Uhr kam ich nach Hause und war froh, als dieser schräge Tag fast vorbei war. Die letzte Stunde verbrachte ich mit Nachrichten schreiben..an Freunde, bei denen ich mich lange nicht mehr gemeldet habe. Mal wieder mit der Hoffnung auf Ablenkung. Mir war egal, was sie schrieben. Hauptsache, ich fühlte mich in dieser Stunde nicht so einsam. Was tut man nicht alles aus Verzweiflung. Shit. 
Ich hoffe, dass es mir bald besser geht und ich mich privat emotional wieder positiv verändere. Immer wieder rede ich mir ein, dass es keinen Grund gibt, traurig zu sein und dass alles gut so ist, wie es ist und dass andere tolle Männer auf mich warten. Es muss nur einfach mal richtig in meinem Hirn ankommen. Und in meinem Herzen. 

HerbstHerz

… Gedankenmüllhalde 
Manchmal überholt das Ende den Anfang. Und es fühlt sich verdammt beschissen an. Wie ein innerliches Reißen im Herzen. Obwohl ich immer gut darin war, so etwas zu vermeiden. Ich kenne solche Zustände, wie jetzt, nicht. Wenn ich könnte, würde ich ausweichen. Aber ich finde keinen Weg. Es ist zu spät, wenn Gefühle schneller sind, als der Verstand. Besonders, wenn sie selten sind. So wie jetzt. 

Gefühle, die den anderen überfordern, wenn es viel zu früh für solche Ausbrüche ist. Warum muss ausgerechnet ich sie haben. 

Aber ich kann nichts dafür. Mein Herz tickt gerade aus und ich bin hilflos. Stattdessen fließen die Tränen wie ein Wasserfall, unaufhörlich. Wieder einmal. Und das, obwohl es nicht sein sollte. Weil es keinen Grund gibt. Eigentlich.

Ich bin in einer Sackgasse, der ich nicht entkomme.

Mit jedem Wort, das ich schreibe, mache ich nur alles schlimmer. Und mache Druck. Aber was soll ich tun. Ich möchte nur, dass alles so ist, wie vorher. 

Mit Mühe versuche ich, mich abzulenken. Schwer, trotz all der Arbeit. Aber meine Tränen versperren mir die Sicht und machen mich müde.

Vor ein paar Wochen war alles so einfach. Und vor allem anders. Irgendwie ging alles, trotz Zeitmangel und allen anderen Vorwänden, die jetzt aktuell sind. Eigentlich habe ich auch nie Zeit. Und trotzdem habe ich genug davon. Irgendwie. 

Angeflirtet, getroffen und abgeschossen, auf eine Art, die ich nicht verstehe. Oder vielleicht verstehe ich alles falsch. Oder mache alles falsch. Wie jetzt, mit meinen Gedanken. Alles ist falsch gerade. Jeder einzelne Gedanke und auch dieser Text. Alles.

Ich möchte nicht, dass es so bleibt, wie jetzt. 

Ignoranz, statt guten Morgen oder irgendeins dieser Bilder, die es sonst gab.

Keine kurze Nachricht, kein Ton, kein Wort.

Kein Flirt, keine Andeutungen.

Nichts. So, als ob nie jemand da war.

Ich vermisse es.

Das Einzige, was bleibt, ist der Kontakt im Handy. Der nun mehr Schein ist, als Wirklichkeit.

Und ich, mit meiner Naivität, jemanden zu mögen. Und gleichzeitig damit alles kaputt gemacht zu haben.