Traumnachricht

large (1)

Heute ist ein schwieriger und zugleich toller Tag.

Zuerst träume ich, dass mir eine bestimmte männliche Person eine Nachricht schreibt.

Eine Person, zu der ich bis August keinen Kontakt haben möchte, weil es besser für uns ist. Das war meine Idee, weil ich keinen anderen Ausweg wusste, zwecks Neuanfang, der eigentlich keiner ist. Aber wer weiß, was letztendlich daraus wird? Komplizierte Sache. Aber Aufgeben lohnt sich hierbei nicht.

Anders ausgedrückt: Wir haben uns eine bewusste Auszeit genommen, damit die ‚Beziehung‘ zwischen uns nicht eskaliert und ich nicht ständig in Dramastimmung verfalle, wenn er nicht auf meine Nachrichten antwortet, obwohl er sie liest. Ich fange dann schnell an, Dinge neu zu interpretieren, die jedoch völlig anders sind, als in meiner Fantasie. Ich reagiere über und das nervt ihn. Er will so etwas nicht immer wieder mit mir erleben. Drama, Drama, Drama. Sorry!

Der Traum war so echt, dass ich morgens gleich auf mein Handy schaute, um die Nachricht zu lesen.

Aber da war keine.

Dabei träumte ich fast detailliert, wie er mir bei whatsapp diese Nachricht schrieb, als ich online war.

Er schrieb sogar ‚Hey Süße‘, mehr konnte ich nicht sehen. Diese ersten Worte klangen also sehr versöhnlich und ich war gespannt auf seine Nachricht.

Ich war enttäuscht, als mir klar wurde, dass das nur ein ziemlich echter Traum war. Leider.

Wahrscheinlich kommt er in den nächsten fünf Monaten nicht auf den Gedanken, mir zu schreiben. Vielleicht möchte er auch sehen, ob ich mein Versprechen wirklich halte und wie diszipliniert ich bin. Ich habe mir fest geschworen, mich vorher nicht bei ihm zu melden – diesmal wirklich! Zu oft bin ich an meinen Versprechen gescheitert. Aber nun bleibe ich stark, um ihn zu überraschen und ihm eine andere Seite von mir zu zeigen. Die entspannte und lockere Seite, die ich ihm bisher zu selten offenbart habe.

Oft genug sage ich, wie schnell die Zeit vergeht. Also werden fünf Monate auch schneller vergehen, als gedacht. Im August kann ich stolz auf mich sein, wenn ich meinen Ruhe-Plan durchgehalten habe.

Zum anderen bekam ich heute tatsächlich noch eine reale Traumnachricht.

In meinem Briefkasten befand sich endlich der Brief, auf den ich knapp zwei Wochen ungeduldig wartete. Ich war nicht nur ungeduldig, sondern hibbelig und teilweise sogar überreizt. Man kann nicht immer locker bleiben. Gerade, wenn es um wichtige Dinge geht. Es geht um einen Traumjob.

Es war die ersehnte Einladung zum Vorstellungsgespräch in einer psychiatrischen Einrichtung.

Natürlich hatte ich auch gleich wieder das Bedürfnis, damit die Kontaktsperre aufzubrechen. Aber ich kann mit dieser Mitteilung auch bis August warten, sagt mir mein Verstand. Bis dahin hat sich bestimmt so viel angesammelt, dass unser nächstes Treffen sehr überraschend verlaufen wird und spannend wird.

Und ich werde nicht schwach. Dazu habe ich meinen Blog. Hier kann ich alles loswerden, was ich bei ihm (noch) nicht loswerden darf. Außerdem macht es die Situation nicht besser, wenn ich ihm ständig mitteile, was los ist. Es ändert gerade nichts an unserem Verhältnis.

Jetzt heißt es: Geduld haben und Loslassen.

Werbeanzeigen

Kapuzi-Pause

Kapuzi-Pausen waren die Pausen, die mich auf der Busreise am meisten nervten.
Was Kapuzi überhaupt heißt?- Kapuzi = Kaffee, Pullern, Zigarette.
Die drei häufigsten Aktivitäten von Reisegästen im Busfahrerjargon.

Während alle bei der nächsten Gelegenheit wie verrückt zum Klo rannten, wusste ich mit der Zeit nichts anzufangen. Saß im Bus, schaute aus dem Fenster oder stand draußen im Abseits des Geschehens.
…Ich musste nicht zur Toilette oder weigerte mich, zu müssen.
…Ich wollte keinen Kaffee und trank sowieso nichts. Vermeidungsverhalten, um bloß nicht zur Toilette zu müssen.
…Ich rauchte nicht, sondern kaute auf harten vegetarischen Lakritzdreiecken, die an den Zähnen klebten. Meine Ersatzbefriedigung gegen Langeweile.

Außerdem schaute ich den anderen geduldig dabei zu, wie sie sich liebevoll um ihre Grundbedürfnisse kümmerten.
Sie standen kontaktfreudig in langen Reihen vor den Toiletten und tranken danach einen Becher starken Maschinen-Kaffee, um dies bald wieder tun zu können.
Anstehen. Pullern. Trinken. Warten. Pause.
Der Bus hielt alle zwei Stunden, ein perfektes Blasentraining für all die älteren Damen. Hatte der Busfahrer das nicht gut geplant? Ihn selber sah ich nie auf der Toilette. Mir fiel generell auf, dass sich die Männer weniger um die Toiletten drängelten und sich lieber die Beine an der frischen Luft vertraten, auch wenn es nur auf einer Stelle vor dem Bus war. Irgendwie waren sie toilettenmäßig einfach besser trainiert, als die Frauen. Ihnen war es wichtiger, sich mit dem Busfahrer über technische Details zu unterhalten und fragten ihn, ob es schwierig war, auf der linken Straßenseite zu fahren. Die Männer waren fasziniert von seinem Können, den Bus seitenverkehrt zu beherrschen.
Der Busfahrer erntete viel Anerkennung und ließ sich davon abhalten, zwischendurch ein bisschen Privatsphäre zu genießen.

Mehrmals wagte ich es dennoch, mir die Toiletten genauer anzuschauen. Machte aber gleich wieder kehrt, wenn es nicht so war, wie ich es mir wünschte. Ich wünschte mir Ruhe und Einsamkeit.
Die quackelnden Warteschlangen vor der Tür machten mich nervös, obwohl ich sie in der Klokabine gar nicht sehen konnte. Aber ich hörte das unruhige Schaben ihrer Schuhe auf dem matten Fliesenboden, ihre wirren Stimmen und das Rascheln von Papier oder das Klirren der Gürtelschnalle in der Nachbarklokabine.
Mann, warum konnten diese Räume nicht völlig geschlossen sein? Dieser Schlitz unten am Boden machte mich wahnsinnig. Ich bekam alles mit, was nebenan geschah, sah bewegende Schatten und konnte mich dabei nicht mehr auf mich konzentrieren. Schlimm.
Zudem kam ich mit dem Druck nicht klar, dass alle Frauen vor der Tür darauf warten, dass ich ENDLICH fertig war, nur damit sie ihren bohrenden Strahl schnell ins Klo schießen konnten. Was ich unter diesen Umständen, wie Hektik, niemals konnte.
Ich hasste öffentliche Toiletten! Und noch viel mehr, wenn alle Frauen aus dem Reisebus zur selben Zeit pullern mussten.

Deswegen waren diese Kapuzi-Pausen nicht mein Ding. Für mich waren es Pausen des Verzichts und des Leidens. Die Pausen waren zu kurz, um als Letzte in absoluter Stille aufs Klo zu gehen. So musste ich weiterhin auf die perfekte Gelegenheit warten.
Fast alle Frauen hatten es geschafft, an jeder schottischen Raststätte erfolgreich ihren Kaffee auszupullern. Sie nahmen jede Klobrille mit.

Klar trank ich auch gerne Kaffee. Aber nicht, um anschließend in gestörter Umgebung aufs Klo zu müssen. Die damit verbundenen Strapazen waren es mir nicht wert.
Und klar rauchte ich auch ganz gerne mal. Nur leider hat es Nikotin im ungünstigsten Fall an sich, ebenso den Harndrang zu fördern.
Tja.

Der fürsorgliche Busfahrer sorgte in den Mittagspausen für Verpflegung, indem er Dosensuppen und Würstchen warm machte. Dazu gab es eine Scheibe Toastbrot aus Vollkorn. Klang eigentlich ganz gut. Er bot alle möglichen Suppen an und ich dachte, dass mir eine Kartoffelsuppe vielleicht ganz gut tun würde. Ich bestellte sie vorher für 2,50 €. Aber als ich sah, wie die anderen gierig mit ihrem Essen abmaschierten, überlegte ich es mir sofort anders und stand verzichtend am Straßenrand wie ein bockiges Kind. Die anderen guckten mich fragend an, sagten aber nichts. Mir war klar, was sie dachten: Die Jugend ist verwöhnt und mäkelig. Von Vegetarierin erwähnte ich erst gar nichts. Die anderen taten so, als würde ihnen der Billigeintopf in der sterilen Plastikschale schmecken. Wahrscheinlich war es auch so. Alles wie zu Hause. Oder sie hatten zu großen Hunger vom langen Sitzen.

Diese Kapuzi-Pausen machten mich unglücklich.
Für die anderen wiederum waren sie eine Erlösung, sie wirkten danach meist deutlich entspannter, als ich. Aber ich konnte damit leben, war ja meine Schuld, dass ich mich so ‚verklemmt‘ und kompliziert anstellte.

IMG_0105.JPG