Des Wahnsinns

Heute ist mal wieder so ein Tag – ein Tag der Unruhe und der Aufruhr. Gut geschlafen und ab 7 Uhr hellwach. Und das am Wochenende, wo man doch eigentlich die Zeit nutzen könnte, um länger zu schlafen und im Bett zu liegen. Im Bett geblieben bin ich trotzdem, bis kurz nach 10. Aber mit 1000 Gedanken im Kopf. Die sich zum Glück fast alle umsetzen ließen, denn es handelte sich dabei um spontane Kleinigkeiten, die mit dem Internet zu tun hatten. Wenn man damit erstmal angefangen hat, ist man ziemlich drüber und voller Tatendrang, der am Ende dann nirgendwo mehr hinführt, weil alles ineinander verläuft. Aber das ist jetzt egal.

Mein nächster Schritt nach dem Aufstehen folgte auf die Waage und die zeigte ein gutes Ergebnis an. Zur Zeit schwankt mein Gewicht echt extrem. Ich kann mich auf diese Zahlen nicht verlassen und ich finde es langsam ein wenig nervig bzw. ärgerlich, dass mein Körper so stur auf seinem Standardgewicht beharrt. Egal, was man macht – er bleibt konsequent zwischen 59 und 60 Kilo. Weiter runter will er nicht.

Danach gab es meinen morgendlichen Powershake, der mir immer noch gut schmeckt. Was soll an Vanille auch verkehrt sein? Mir kommt noch nicht das Würgen und die Übelkeit lässt sich auch nicht blicken. Jetzt warte ich bis zum nächsten Shake und abends wird dann vernünftig und gesund gegessen. Das wird meiner Waage sicher nicht gefallen, wenn ich sie morgen wieder mit meinen Füßen begrüße.

Ansonsten ist das angebrochene Tag noch lang. Zum Fahrradfahren ist es mir heute zu kalt, sonst hätte das ganz oben auf der Liste gestanden. Ich liebe Fahrradfahren, nur irgendwie bin ich alt geworden, wenn mir nicht mehr jedes Wetter recht ist. Damals war mir das völlig egal. Hauptsache raus. Aber jetzt? Wahrscheinlich werde ich lesen und Filme gucken, um zur Ruhe zu kommen. Ein lässiger Samstag eben und man muss nicht immer etwas tun. Ich stehe einfach zu sehr unter Strom und das muss man aufhören! Der Frühling kommt schließlich erst. Bis dahin kann ich mir meine Energie noch aufsparen und warten, bis die Sonne wieder nach Usedom kommt, denn die scheint ja hier am meisten!

24.12.2017 in Polen

Weihnachten in Swinemünde an der Ostsee

Sehnsucht (Oktober 2013)

Ich sitze fast wie erstarrt und still in meinem Zimmer. Es ist Abend und ich bin allein. Das einzige Geräusch ist der Regen, der gegen das Fenster schlägt. Mein Blick fällt auf einen großen Stapel Zeitungen, die in meinem Schrank ungeordnet aufeinander liegen. Wenn ich auf das Datum schaue, überkommen mich Wehmut und Sehnsucht. Die Zeitungen sind alt, aber wenn ich darin blättere, könnten sie von heute sein. Jedes Bild ist mir bekannt, kein Text ungelesen.

Das Zimmer ist auf einmal gefüllt mit Melancholie und gemischten Gefühlen. Gefühle von heutigem Zweifel und früherer Vorfreude, sowie Glück. Es gab Zeiten, in denen alles perfekt schien. Diese Zeiten liegen heute in Scherben in der Vergangenheit und existieren nur noch in dunkler Erinnerung.

Wird es diese Zeiten je wieder geben – zwar in anderer Form, aber vielleicht ähnlich? Ich werde nachdenklich. Schwer, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Nichts wird wieder so, wie es mal war. Veränderungen kommen, bleiben und gehen. Nie wieder wird Vorfreude so sein, wie sie einst war, die Enttäuschungen der Zeit hat sie vertrieben.

Und wo ist die Unbeschwertheit, die mich stets begleitet hat? Auch sie hat sich im Laufe der Erfahrungen schleichend verabschiedet.

Draußen ist es nass, kalt und bunt. Der Herbst steht vor der Tür. Die Jahreszeit, die trüben Gefühlen die Tür öffnet und sie traurig begrüßt. Ich bin gerne allein und genieße es, mich in meiner Sehnsucht nach dem Vergangenen zu suhlen und alte Jahre wieder aufleben zu lassen.

Eine einzige Kerze brennt nur noch, die anderen sind bereits abgebrannt. Um mich herum ist es halbdunkel, aber warm.

Meine Gedanken wechseln zwischen gestern, heute und morgen. Alles ist möglich. Nur ich entscheide in welcher Realität ich leben möchte und was ich will.

Meine Entscheidung ist: Loslassen und mit einem Lächeln durch den Regen und durch die Pfützen zu springen. Durch das Herbstlaub zu rascheln und mit dem Moment eins zu sein.

Die Kerze erlischt mit einem Hauch, das Zimmer wird dunkel. In mir kehrt Frieden ein, Zweifel verschwinden in der Dunkelheit und verstecken sich. Es liegt an mir, ob ich sie morgen suchen möchte, um sie dann erneut in mein Leben zu holen.

Ich werde müde und schaue im silbernen Mondlicht an die runde verzierte Deckenlampe meiner Oma. Draußen bellt ein Hund in der Nacht, während ich in dem alten Gäste-Bett liege und auf meine Eltern warte, die noch spät in der Küche sitzen und sich mit meinen Großeltern über alte Zeiten unterhalten.

Ich wünschte, die Zeit würde stillstehen oder wiederkommen. Oder wird es eine andere, neue Zeit geben, die dieser ähnelt? Läuft das Leben nicht in einer Endlosschleife, in der sich alles nach einer Weile ähnlich wiederholt?

Der Gedanke lässt mich hoffen und ich werde müde.

Workaholic im Wald

Und da sitze ich nun, einsam im Wald und meditiere. Umgeben von dem hellen Grün der Bäume und der milden Waldluft mitten im Mai. Ich atme die Luft tief ein und spüre den Duft der Natur im ganzen Körper. Sie gibt mir neue Kraft und durchflutet mich mit Frische.

Um mich herum zwitschern versteckte Vögel, von deren Liedern ich noch nie etwas gehört habe und ich höre das sanfte Rascheln der Blätter, die sich in der Frühlingsluft leise bewegen. Diese Klänge sind viel schöner, als der Lärm der drängelnden Autos neben meinem Büro.

Ich schließe die Augen, um mich besser auf die Geräusche konzentrieren zu können, die diffus von allen Seiten auf mich niederrieseln. Manchmal erkenne ich die Geräusche nicht gleich und anfangs musste ich mich erst an das Piepen der Vogelkinder gewöhnen. Sie erinnerten mich an einen Tinitus, den ich oft nach der Arbeit bekam. Heute kann ich darüber nur lachen und genieße jedes Geräusch, das sich anders anhört, als das Tippen auf meiner lauten Tastatur. Mein Gehör ist schon viel sensibler für nicht-technische Reize geworden.

Der Baumstumpf unter mir wirkt beruhigend, die Sonne hat das Holz erwärmt und lässt seinen Geruch mit jedem Atemzug intensiv durch meine Nase strömen. Es riecht nach feucht warmen Gehölz. Ganz anders, als der Geruch meines verqualmten Büros und der fettigen Kantine unten im Kellergebäude.

Ich mag den Wald besonders gerne, nachdem es geregnet hat und wenn ein paar blau transparente Regentropfen von den Bäumen auf mich fallen. Ich schaue dabei zu, wie sich die Tröpfchen in den Stoff meines dunklen Jackets saugen. Oder wie sich die Tropfen im Licht der Sonne spiegeln. Bei dem Anblick erinnere ich mich an Momente meiner Kindheit – ich liebte den Regen und den Herbst. Mich zog es immer nach draußen, in Gummistiefeln und buntem Regencape. Plitsch platsch durch die Pfützen springen und voller Glück wieder nach Hause kommen. Und dreckig. Ich muss grinsen bei dem Gedanken. Wie gerne würde ich das wieder tun, aber mein erwachsener Verstand hat mich davon abgebracht.

Was sollen meine Kollegen von mir denken, wenn ihr Chef in der Mittagspause zum Kind wird und alle das sehen. Meine Autorität würde schwer darunter leiden. Wahrscheinlich würde ich dadurch aber für mehr Sympathie und Nähe sorgen. Dann könnte ich auf meine Krawatte und meinen Designeranzug verzichten.

Okay, Schluss mit dem Quatsch.

Die Meditation hat auf jeden Fall meine Fantasie bereichert.

Der Wald ist wie eine neue Welt für mich. Er steht für Freiheit und Reinheit. Hier kann ich mich entspannen und die Last des stressigen Alltags abwerfen. Ich kann mich mit der Natur verbinden und zu mir selber finden. Meinen Gedanken freien Lauf lassen. Vor allem ist es eine Flucht aus meinem Büro, nicht vor mir selber.

Ich gehe in jeder Mittagspause in den Wald, während meine Kollegen müde in die Kantine gehen und eingeschläfert wieder hinauskommen.

Diese wertvolle Erfahrung mit dem Wald habe ich meinem Arzt zu verdanken. Früher dachte ich immer, er wäre ein Zauberer oder der Weihnachtsmann. Er kennt mich nämlich schon seit meiner Kindheit. Darum sind seine Ratschläge besonders wichtig. Manchmal ist er sogar wie ein uralter Ersatzvater für mich. Ich habe großes Vertrauen zu ihm. Deshalb dringen seine Worte immer noch in mein Ohr, als er vor einigen Wochen sagte: „Sie müssen sich dringend mal entspannen. Wie soll das denn mit Ihnen weitergehen, wenn sie ständig schlapp sind und nie genug Schlaf abkriegen? Zwei Stunden sind in Ihrem Job wirklich zu wenig. Gucken Sie sich doch einmal an. So sieht kein glücklicher Chef aus, oder?“

Die letzten Worte unseres langen Gesprächs waren: „Gehen Sie in den Wald und hören, was er Ihnen zu sagen hat.“

Ich bin ihm sehr dankbar für diese wertvollen Worte. Glück kann man tatsächlich nicht kaufen. Die Internet-Einkäufe in den Pausen hätte ich mir also sparen können.

Gedanken an damals

Mir gefällt der heutige Tag nicht, aber die Location stimmt. Kurzzeitige Ablenkung…


Im Eimer

  
Sagt der Typ, mit dem ich heute Abend zum Pizza-Essen verabredet war und der mir im letzten Moment eine unemotionale Absage per Whatsapp erteilt hat. Eine Stunde vor unserem Treffen. 

Dabei stand der Termin seit Tagen fest und unser Treffen war gut geplant. Pizza-Essen (evtl. mit Gratisgetränk seinerseits), Kommunikation und Badewanne. Normalerweise kommt nie etwas dazwischen, wenn ich nicht gerade diejenige bin, die rumzickt und unangekündigt alles abblockt. Diesmal ist er der Spielverderber und das passt mir gar nicht. Ich mag mich nicht umsonst freuen, das ist Verarsche. Wir wollten uns einen gemütlichen Abend mit Pizza vor dem Fernseher machen und vielleicht noch mit einem Bier aus der hintersten Ecke seines kleinen Küchenkabuffs. Aber nein. Er kommt ausgerechnet heute zu spät nach Hause, ist völlig platt und muss noch wichtige Einkäufe tätigen. Im Supermarkt, der nur zwei Schritte entfernt vor seiner Haustür liegt. 

Da ist natürlich kein Platz mehr für anspruchslose Besucher, die sich eigentlich nur kurz in seiner Badewanne verkriechen wollten – nach dem Pizza-Essen. Ich liebe Baden. Mein Badezimmer ist leider nicht mit einer tollen Wanne bestückt, denn die wurde fahrlässig entfernt, bevor ich einzog.
Seine Badewanne hatte ich mir quasi schon vorbestellt, für ein bis zwei Stunden. Er hätte seine Ruhe gehabt, während ich mich in der Badewanne in ein Buch vertieft hätte und darin abgetaucht wäre. Zusammen mit den ätherischen Düften der aufgelösten Badezusätze in bläulicher Pulverform, die ich mir für die Badewannen-Treffen extra immer kaufe. Entspannung pur. 
Er hätte gar nicht mitbekommen, dass ich da bin. Aber keine Chance. Er meint, ich soll in den nächsten Tagen wiederkommen, als ob ich ein unterwürfiger Patient wäre, der brav auf die nächste Sprechstunde wartet. Das Problem ist: Ich bin kein Patient.
Mein Kumpel macht es sich leicht. Wäre ich er, würde ich es jedoch genauso machen, um ehrlich zu sein. Wer seine Ruhe haben will, will eben nicht gestört werden. Auch nicht von seiner nervigen Lieblings-Freundin.

Silvester

  
 

Von Silvester merke ich nichts. Alles ist beim Alten, nur dass die Stimmung vielleicht ein bisschen angespannt ist und man sich unter Druck setzt, damit nächstes Jahr endlich die große Veränderung eintritt, die man sich jedes Jahr vornimmt. Nur, um dann doch bald zu scheitern, weil alles so verdammt anstrengend ist. Hinter tollen Vorsätzen steckt nun mal viel Arbeit, nichts erfüllt sich von selbst. Es sei denn, man hat Glück.

Ich habe keinen Druck, denn alles passiert so, wie es passieren soll und vorgesehen ist. Der Anfang dieses Jahres war nicht schlecht, die Mitte war aufregend und das Ende sehr deprimierend. Von allem etwas. Und so birgt jedes Jahr neue Überraschungen und Herausforderungen. Auch neue Chancen gibt es immer.

Gegen Mitternacht werde ich wahrscheinlich so eine Art Vorfreude spüren, gemischt mit ein wenig Wehmut, wenn die schönsten Erinnerungen hochkommen, die jedoch vergänglich sind.

Aber im Moment liege ich einfach nur passiv auf der Couch, esse Kekse aus Schottland und bin müde, weil mich die letzten Tage platt gemacht haben, durch mein Versprechen des Schweigens und des Vergessens. 

Eigentlich bin ich froh, dass ich heute Abend und nachts arbeiten muss. Für mich ist das am besinnlichsten und ich gleite ohne Rausch ins neue Jahr hinein. Die Stimmung in solchen Nächten hat etwas Besonderes. Gerade, wenn man alleine arbeitet und das Haus für sich hat. Aus den Fenstern kann ich alles gut sehen, was draußen passiert und irgendwo in der Küche haben sich bestimmt noch ein paar Pfannkuchen und Knabberkram versteckt. Dazu eine große Tasse Kaffee und Silvester ist für mich perfekt.

Ich freue mich, wenn ich mir nachher das Glitzerspray in die Haare sprühe und mit guter Laune zur Arbeit und ins neue Jahr gehe.