24.12.2017 in Polen

Weihnachten in Swinemünde an der Ostsee

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Alleine

Jemand könnte auf dich warten. Eine unangenehme Vorstellung.

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Horror-Clowns

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Ich habe mich schon oft gefragt, wovor ich Angst habe und kam nie auf eine klare Antwort. Viele Leute fragen mich, warum ich mich nicht fürchte, wenn ich spät abends mit dem Fahrrad unterwegs bin. Auf Radwegen mit Büschen neben einsamen Straßen. Schließlich könnte mir irgendjemand auflauern, mich belästigen oder sogar umbringen. Nur dieser Gedanke ist mir ziemlich fern. Verbrecher und Kriminelle gehörten nie in mein Leben und werden deswegen perfekt ausgeblendet. Ist mir zu krank. Ich denke nicht im Geringsten daran, dass die Psychothriller, die ich mir bevorzugt im Kino anschaue, zur wahren Bedrohung meines Lebens werden könnten. Nein, das sind nur Filme, deren Wahrheit für mich nicht stattfindet. Ich bin nicht ängstlich. Wer vor allem Angst hat, kann kein normales Leben führen, da in jedem Moment alles passieren könnte. Der Schrecken steckt überall und jedes Weltuntergangsszenario besitzt eine gewisse Tendenz zur Realität. Doch wer jeden Tag daran denkt, kann sein Leben nicht mehr genießen, wenn er denkt, dass alles umsonst ist und sich die Shoppingtouren nicht mehr lohnen, da man bald sowieso alles verliert, wenn die Welt nicht mehr existiert. Oder: Man genießt das Leben umso mehr – ganz nach der alten Floskel: Jeder Tag könnte dein Letzter sein.

Momentan blicke jedoch auch ich verschreckt auf die aktuellen Geschehnisse in den Medien. Der Hype mit den Clowns gefällt mir gar nicht. Vor allem, seitdem sie auch in meiner Stadt auftauchen und andere Leute angreifen. Mit Baseballschläger. What the fuck… Und das genau in dem Stadtteil, durch den ich muss, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre. Da ich in Schichten arbeite und zu jeder Tageszeit unterwegs bin, ist das kein schöner Gedanke. Ich habe keine Lust, dass plötzlich jemand aus dem Gebüsch springt, sich mir in den Weg stellt und mich dann vom Fahrrad schlägt oder mich meterweit verfolgt. Da ich ein Adrenalintyp bin, würde ich wahrscheinlich so viel Energie aufbringen, dass mir so ein Clown nichts antun könnte. Aber da ich mir nicht wirklich sicher bin, ist das nur pure Fantasie. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass ich vor Schreck erstarren würde und machtlos wäre. Am liebsten möchte ich mit dieser grenzwertigen Situation  niemals konfrontiert werden.

Wahrscheinlich ist es ein tolles Gefühl für viele, sich als Clown zu verkleiden. Diese Anonymität gibt ihnen Macht, Selbstbewusstsein und die Erlaubnis, andere Menschen schlimmstenfalls zu verletzen. Niemand kann solchen Clowns etwas antun, nicht einmal eine Anzeige gegen Unbekannt kann etwas bewirken. Das einzige, was hilft wäre, frisch ertappt zu werden und die Leute dann in den Medien zu enttarnen. Fahndungsanzeigen mit Clownsmasken würden nichts bringen, sie wären nur ein Statement dieser morbiden Lächerlichkeit.

Ich hoffe, dass dieser kriminelle Quatsch bald aufhört, wobei ich denke, dass dieser Hype an Halloween noch einmal einen richtig makaberen Höhepunkt erleben wird und ich an diesem Abend Nachtschicht habe.

Meeting Heidelberg

Der Anlass für meine Reise war ein Job. Aber ich erlebte noch viel mehr.

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1. Tag/Donnerstag: Anreise & Stadtrundgang

Frühstück:
– 1 Vanille-Pudding mit Sahne
– 3 kleine Schokoriegel
Vormittag/Nachmittags:
– 1 Tüte Gummibärchen
Abends:
1 Veggie-Sandwich mit Chili-Sauce
Tonic

9 Stunden in einem Zug mit reserviertem Sitzplatz am Fenster – das konnte nur gemütlich werden! Zumindest blieb ich verschont von Verspätungen, kurzen Umsteigezeiten oder Sitzplatzgedrängel.
Der Platz neben mir blieb frei. Ich war gespannt, wie lange das so bleiben würde.
Nach ungefähr einer Stunde bekam ich einen Sitznachbarn – einen älteren Herrn Ende 60. Er war höflich und fragte sogar, ob der Platz noch frei wäre. Dann legte er sein Gepäck auf die Ablage über mir ab und verhielt sich still. Seitdem er da war, hatte ich den Geruch von Alkohol in der Nase. Auf seinen Füßen stand eine Tüte. Aber ich konnte den Inhalt nicht erkennen.

Bis Hamburg fuhr ich rückwärts und irgendwie gewöhnte ich mich daran. Mit der Hoffnung, dass sich die Fahrtrichtung später noch änderte.
Als der Zug in Hamburg hielt und sich der Mann neben mir kurz abmeldete, schaffte ich es endlich, die Tüte mit den Süßigkeiten aufzumachen. So konnte ich wenigstens niemanden mit diesem Tütengeraschel belästigen und in Ruhe essen, so lange der Mann weg war. Mein Papa hasste es früher, wenn ich aus ‚knisternden Tüten‘ aß. Ich durfte es nicht und mache es heute immer noch heimlich. Er sagte: „Ich will nicht, dass du dick, hässlich und dumm wirst.“
Die Macht der Erziehung. Mein Papa war Kapitän und Lehrer, da gab es keine Widerrede. Ich höre seine Worte noch heute jeden Tag in mir.
Als der Mann wiederkam, versteckte ich die Tüte schnell in der Handtasche. Ich hatte keine Ahnung, von wo er kam. Vielleicht war er draußen rauchen oder auf der Toilette.
Als der Zug nach einer halben Stunde wieder seine Fahrt fortsetzte, ging es zum Glück in Fahrtrichtung weiter. Das entspannte mich sehr.

Dann kam die Schaffnerin. Als ich ihr mein Handy hinhielt und sie das Ticket mit einem Blitzgerät abscannte, staunte der alte Mann.
Er kommentierte: „Mit dieser neuen Technik würde ich nie zurecht kommen und das will ich auch gar nicht. Diese komischen Codes sind nichts für mich. Das ist alles kompliziert. Da sind die normalen Fahrkarten immer noch am besten. Aber Sie sind ja noch sehr jung. Sie verstehen das sicher alles, oder?“
„Klar, sonst hätte ich nicht so ein Ticket“, antwortete ich. Aber auch für mich war es eine Premiere – mein erstes Handyticket und ich war mir nicht sicher, ob das wirklich problemlos funktionierte.
„Ja, Sie sind noch sehr jung.“
Gehörte dieser Satz schon in die Kategorie der semi-charmanten Anzüglichkeiten? Mir kam es ein bisschen so vor. Immerhin hatte der Mann inzwischen eine angefangene Bierdose in der Hand. Im Alter verträgt man nicht mehr so viel Alkohol und übertritt Grenzen. Besonders in Verbindung mit beginnendem Alzheimer. Da kommt es leicht zur Selbstüberschätzung und man fühlt sich plötzlich viel jünger, wenn die Vergangenheit wieder zur Gegenwart wird.
Ich sagte nur: „Ja, bin ich“, und drehte mich zum Fenster, um durch meine Körpersprache Desinteresse zu verkünden.
„Okay, dann hören Sie mal weiter Musik. Ich will Sie nicht weiter belästigen.“
Oh, er verstand mich und ich musste lächeln.
„Sie hören doch Musik, oder“, hakte er noch einmal neugierig nach.
„Ja.“
Danach sagte er kein Wort mehr und nippte an seiner Büchse Alkohol.
Fand ich nicht gerade prickelnd. Musste das im Zug sein?
In Osnabrück stieg er aus. Mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Reise und viel Spaß!“
Das war freundlich von ihm und mein abweisendes Verhalten tat mir in dem Moment etwas leid.
„Danke! Gleichfalls“, erwiderte ich. Dann war er weg.

Ein wenig später kam der nächste Mann, der neben mir sitzen wollte. Er fragte nicht und sagte kein Wort. Er war dick und nahm den ganzen Sitz ein. Außerdem hatte er ein Buch, worin er mit einem Kugelschreiber einzelne Sätze unterstrich. Ich konnte nicht entziffern, was das für ein Buch war. Aber der Mann blieb nicht lange und stieg nach zwei Stationen wieder aus.

Mein Platz neben mir blieb nie lange frei. Aber wenn er frei war, nutzte ich die Zeit, um etwas zu essen. Ich brauchte Zucker, da ich langsam müde wurde. In der vorigen Nacht schlief ich kaum und der Mangel machte sich nun allmählich bemerkbar. Dennoch wollte ich im Zug nicht schlafen, um nichts zu verpassen und zählte die Stunden bis zur Ankunft. Es waren viele Stunden, die schnell vergingen. Wahrscheinlich, weil ich mich nie langweilte.

Dann bekam ich ausnahmsweise Gesellschaft von einer Frau. Auch diese erkundigte sich erst einmal nach der Verfügbarkeit des Platzes. Ich nickte ihr zu. Sie sah aus, als würde sie bei RTL arbeiten und sie stieg passend in Köln wieder aus.

Im Ruhrpott war viel los, der Zug war ständig voll und die Gäste wechselten im Stationentakt. Ich konnte mich also darauf gefasst machen, dass ich sensorisch bald wieder einen neuen Nachbarn kennenlernte. Selbstverständlich kam ein Mann. Ohne zu fragen, ohne Worte und sehr neutral. Ich hatte nichts an ihm auszusetzen und hatte auch keine Lust mehr, ihn in irgendeine Schublade zu stecken. Meine Beobachtungen endeten und ich achtete umso mehr auf die Landschaft, die sich inzwischen stark veränderte – zum Flachland zum Bergland. Der Zug fuhr nun direkt am Neckar entlang, mit all seinen verträumten bunten Häusern mit vielerlei Schnörkeln. Es war wie eine andere Welt. Wie ein kleines Märchen. Ich war schon mehrmals in dieser Gegend und jedes Mal machte diese Idylle mich glücklich.
Zwischendurch kam der Schaffner durch die Reihen. Jedes Mal fragte er im Pfälzer Dialekt: „Servus! Ist noch irgendwer zugestiegen?“ Er klang schon beinahe genervt, als die Gäste sich desinteressiert verhielten, sich absichtlich in ihre Zeitungen vertieften und sich niemand angesprochen fühlte.

Die restlichen 1.5 Stunden Fahrt verbrachte ich alleine mit meiner Handtasche neben mir, da inzwischen genug andere Plätze frei waren. Es wurde deutlich ruhiger im Zug und es gab keinen Stress mehr an den Bahnhöfen. Ich aß ungestört die restlichen Gummibärchen. Zwischendurch checkte ich mit dem Handy die Lage meines Hotels, das sich direkt in der Innenstadt befand. Wäre also kein Problem, es zu finden. Ich konnte es kaum erwarten, endlich dort zu sein. Meine Beine wurden schon lahm. Flüssigkeits- und Bewegungsmangel sowie die Einnahme der Pille zählten zu den perfekten Thrombose-Risikofaktoren. Ich könnte bald Patient werden, die Heidelberger Uni-Klinik ist bestimmt aufregend!

Als ich am Abend in Heidelberg ankam, war der Bahnhof überfüllt mit Menschen. Es irritierte mich. So viele Menschen. Zu viele. Erster Eindruck: Heidelberg ist eine sehr internationale Stadt. Zweiter Eindruck: Viel Verkehr und das Hochhaus mit dem Namen ‚Print Media Academy‘ verlieh der Stadt einen außergewöhnlich wichtigen Touch.
Während ich an den zahlreichen Ampeln wartete, stellte ich fest, dass Mercedes, Audi und BMW die Hauptvertreter der Verkehrsmittel waren. Zwischendurch schlich sich auch mal ein Ferrari ein.

Ziemlich erschöpft erreichte ich bald das Hotel. Eigentlich war ich völlig fertig. Beim Einchecken wurde ich gefragt, ob ich jeden Tag Frühstück essen will und in welcher Form ich gerne bezahlen möchte. Dabei war ich mir sicher, dass ich diese Angaben schon bei der Buchung machte.
Also sagte ich: „Ich hab mit Frühstück und mit Kreditkarte gebucht.“
Aber irgendwie waren die Daten wohl nicht vollständig angekommen. Dann kam mir plötzlich der Gedanke auf, dass die Karte vielleicht nicht mehr richtig funktioniert. Oder dass alles am Ende doppelt abgebucht wird. Ich wartete erst einmal ab. Dann steckte die Frau an der Rezeption meine Karte ins Gerät und als ich sie wiederbekam fragte ich: „Hat alles geklappt? Also mit der Karte?“ Die Frau schaute mich etwas verwundert an und sagte dann: „Alles in Ordnung. Hier ist der Beleg.“
Dann gab sie mir den Schlüssel und ich huschte eilig die Treppen hoch. Die Tür bekam ich erst beim vierten Versuch auf. Ein Glück, dass mich in solchen Momenten nie jemand beobachtete.

Das Zimmer in der 2. Etage war perfekt. Rosa Wände, lila Vorhänge, Nachttischlampen mit Schirmen in Perlmutt und ein Boxspringbett mit einer winzigen Tüte Gummibärchen auf der Bettdecke. Und dass, obwohl ich noch zwei Tüten in der Tasche hatte. Eine Tüte reichte schon, um nicht mehr davon essen zu wollen. Die Lust auf Süßigkeiten verschwand schnell wieder.
Der Schreibtisch war super, denn den brauchte ich zum Arbeiten. Der große Flachbildfernseher hing direkt darüber. Ich musste sofort an einen Freund denken und sendete ihm ein Bild vom TV: ‚Den Fernseher würdest du lieben, du Freak.‘ Er schrieb gleich zurück: ‚Oh jaaaaa…….‘ Dann schickte er mir Bilder von seinem gestrigen Filmabend. Im Vordergrund standen einige Flaschen Alkohol, Nüsse und Chips.
‚Das erinnert mich an deine Nussgeschichte‘, antwortete ich. Danach rief er mich an und wir lachten uns über diese Geschichte tot. Heidelberg wurde kurz zur Nebensache. Am Ende des Gesprächs gab er mir jedoch die Aufgabe, genug Fotos zu machen.
Leider hatte das Zimmer keine Badewanne. Leider. Aber so konnte ich mich abends besser auf die Arbeit konzentrieren. Obwohl Baden ein schöner Ausklang gewesen wäre.

Nachdem ich meine Sachen ausgepackt und mich genug ausgeruht hatte, machte ich meinen ersten Rundgang durch die Stadt, um mir eine Gesamtorientierung zu verschaffen, damit ich wusste, was mich in den nächsten Tagen erwartete und wo ich überall hinmusste.
Zuerst schaute ich mich in der Weststadt um und danach in der Altstadt, wo viel mehr los war. Abends wirkte die Stadt leicht orientalisch und ich bildete mir ein, ständig den Geruch von Gewürzen in der Nase zu haben. Ein Stück Indien und in einer anderen Ecke wieder ein Hauch Asien. Mein Blick war mal wieder wie erstarrt, als ich die ganzen Menschen sah. Die Restaurants waren auch alle voll.

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Die Geschäftsstraße (Hauptstraße) war ewig lang. Mir kam sie endlos vor. Sie ist tatsächlich die längste Shoppingmeile Deutschlands mit einer Länge von über 2 km. Die Läden machten mich fertig, es waren zu viele und sorgten bei mir für eine alarmierende Reizüberflutung, auf die ich lieber verzichten sollte. Mir wurde etwas schwindlig. Aber das lag wahrscheinlich eher daran, dass ich nach der langen Anreise etwas essen musste.

Ich hatte Hunger und konnte das Gefühl nicht länger ignorieren. Aber ich wollte in kein Restaurant. Ich wollte etwas Einfaches, aber auch kein Fast Food. Letztendlich stand ich wieder vor dem üblichen Desaster: Ich wusste nicht, was ich will – wie immer, wenn ich richtig Hunger habe. Bevor ich mit Nichts wieder zurück ins Hotel ging, holte ich mir ein warmes Veggie-Vollkorn-Sandwich.
Danach ging ich bis zum Ende der Hauptstraße und kehrte um. Die Leute waren teilweise sehr komisch und beängstigend, deswegen wollte ich den Abend auf der Straße nicht allzu lange hinauszögern, da ich alleine unterwegs war und somit genug Angriffsfläche bot.

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Gegen 20 Uhr war ich zurück im Hotel, aß mein Sandwich und es machte wahnsinnig satt. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Stein gegessen. Mit diesem Stein im Bauch ging ich duschen. Eine Viertelstunde goss ich mir viel zu heißes Wasser über den Körper und fand es entspannend. Mein gestörtes Schmerzempfinden war daran Schuld, dass ich es toll fand.
Nach dem Duschen war das halbe Bad überschwemmt und voller Dampf. Die weißen Handtücher wurden nach dem Abtrocknen als Bodenwischer und Teppich zweckentfremdet.

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(22 – 1 Uhr Meeting)

Nach dem Meeting endete der lange Tag und ich schlief sofort ein. Ohne meiner besten Freundin weitere Infos zu geben.

2. Tag/Freitag: Altstadt, Schloss & Bergbahn
Frühstück:
1 Brötchen mit Käse und Nutella
Vanille Quark
Banane
Mini-Quarkschnecke
Kaffee, Multi-Saft
Nachmittags:
Kaffee + Vanille-Eis + Sahne
Abends:
1 Kurfürstenkugel
Tonic

Am 2. Tag wurde ich gegen 4 Uhr wach, so, wie es neuerdings üblich ist. Danach folgte ein Halbschlaf: Ich träumte die Gedanken, die gerade in meinem Kopf aufblitzten. Schön, wenn man seine Träume so beeinflussen kann.
Gegen 7:30 Uhr klingelte mein Wecker und holte mich aus einem erotischen Wachtraum, in dem es um einen Mann ging. Ich atmete erst einmal tief durch, bevor ich aufstand und zum Frühstück ging.
Auf das Buffet war ich gespannt, da das Frühstück hier den Part der Hauptmahlzeit übernahm.
Das Bad war immer noch nass vom letzten Abend. Aber ich schaffte es irgendwie, nicht darin auszurutschen und ich schaffte es auch nicht, über diese kleine Stufe zu stolpern, die sich genau in der Mitte zwischen Klo und Dusche befand. Ich stieß mir nur kurz den Zeh daran und merkte es mir für die nächsten Tage.

Dann ging ich zum Frühstück. Meine Schuhe machten ungewöhnliche Geräusche, als ich die Treppen hinunterging. Die Sohlen waren mit Luft gefüllt und ließen bei jeder Stufe Dampf ab. Nach jeder Stufe ertönte ein leichtes luftiges Zischen.
Ich begrüßte die Frau an der Rezeption so, als wäre ich kein Morgenmuffel und bog zum Frühstücksraum ab, in dem nur vier Leute saßen. Alles Männer mit Notebooks und Handys. So so…
Ich hatte mein Handy nicht dabei. Grund: Achtsamkeitstraining.
Das Buffet war in Ordnung. Es gab Dinge, die ich sonst auch esse. Aber es gab auch Dinge, die sie nicht hatten. Ich war trotzdem zufrieden, da essen ja nicht so wichtig ist.

Nach dem Frühstück blieb ich nicht mehr lange im Hotel, sondern ging durch die Stadt. Es waren weniger Leute unterwegs, als am vorigen Abend. Viele Läden machten erst um 10 Uhr auf. Ich lief flüchtig die Straße entlang und schaute, welche Läden mich interessierten. Es waren nicht viele, da es die meisten davon auch in meiner Stadt gab und ich sowieso Königin im Internet-Shopping bin, weil ich zum ‚richtigen‘ Shoppen einfach zu wenig Zeit habe.

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In Heidelberg sah man viele Asiaten, die ständig Selfies von sich machten und denen nichts zu peinlich war. Ich konnte es kaum fassen, wie verrückt die waren, mit ihren Metallstäben in der Hand und dem Handy dran. Immer wieder beobachtete ich diese Grüppchen, die kichernd sich und alles knipsten. Einfach so. Und jedes Mal zog ich die Augenbrauen hoch, wenn direkt vor mir schon wieder Selfies gemacht wurden. Verrückt. Was war bloß los mit diesen Leuten? Ich würde schlechte Laune kriegen, wenn ich dauernd Bilder von mir machen würde. Vor allem: Was macht man mit diesen Bildern, die alle gleich aussehen? Für ein Fotoalbum ziemlich langweilig.
Okay, ich versuchte, mich nicht zu sehr auf diese Leute zu fixieren, obwohl mich deren Verhalten teilweise sehr schockierte.

Dann fand ich endlich mal jemanden, den ich ansprechen konnte. Er stand neben seinem Mini-Cabriolet-Bus auf dem Karlsplatz und ich hatte Interesse an einer Sightseeingtour.
„Hey! Kann ich hier noch mitfahren?“, fragte ich etwas aufgedreht.
„Erst in einer Stunde wieder. Die Fahrten sind stündlich!“
„Okay, dann bis nachher.“

Um 11 Uhr also. Eine Stunde Zeit zum Shoppen. Die Souvenirläden waren überraschend unspektakulär. Nur teure Kuckucksuhren und verzierte Kannen aus Zinn für ältere Generationen. Erinnerte mich ein wenig an den Zinnmann aus ‚Der Zauberer von Oz‘.
Die Läden bestanden größtenteils aus Kitsch. Dinge, die man sich anschaut, ohne einen Zweck darin zu finden. Die Japaner fanden das bestimmt alles toll und aufregend. Deswegen gab es den Laden ‚Unicorn‘. Zauberhaft im ersten Moment. Aber nach Betreten des Ladens stellte sich heraus, dass dort alles in chinesischer Schrift gekennzeichnet war. Ein Paradies für die Selfie-Paparazzi.
Es gab so viele Asiaten, dass (ungefähr) zwei von ihnen beschlossen, ein eigenes Geschäft zu gründen, in dem genau die selben Dinge verkauft wurden, wie in den deutschen Läden, die sich fast genau daneben befanden. Wow! Und anscheinend hatten sie eine gute Idee, denn der Laden zog genug Besucher an. Ich hingegen war nach einer Runde schnell wieder draußen, als ich mitbekam, dass sich darin eine andere Welt ohne Buchstaben befand. Eigentlich fühlte ich mich ein bisschen unwillkommen.

Ich hatte die Nase voll. Kein Shoppen mehr!
Mittlerweile füllte sich die Stadt immer mehr mit Menschen, die wahrscheinlich besser wussten, wonach sie suchen und was sie brauchen. Mir fehlte nichts, deswegen hatte ich keine Ahnung, was ich brauche. Das einzige, was ich brauche, sind neue Erfahrungen, die sind am wertvollsten. Den Rest der Zeit vertrieb ich mir, in dem ich hin und her lief.
Kurz vor elf war ich beim Cabriolet-Sightseeing-Bus, der schon fast komplett voll war mit alten Leuten. Okay. Wenn ich Glück hatte, war noch ein Platz frei.
„Ist noch was frei?“, fragte ich den Fahrer.
„Bist du alleine?“
„Ja.“
„Dann ist noch was frei.“
„Wie teuer ist das?“
„9 Euro.“
Ich gab ihm das Geld, suchte mir einen Platz und guckte mir die anderen Fahrgäste an, die alle ein halbes Jahrhundert älter waren und mit den Kopfhörern am Sitz nicht klarkamen.
Ich entdeckte nun auch durch Zufall, dass unten ein Aufsteller (mit Preisen, Route, Abfahrtzeiten in rot) stand. Wie blind ich manchmal bin.
Bevor der Bus losfuhr, erklärte der Fahrer, wie man die Kopfhörer einstellte: 2 + (++++ je nachdem, wie taub man schon war). Mein Kopfhörer hatte ab und zu einen Wackelkontakt, wenn der Bus eine Kurve fuhr und es wurde nicht besser, wenn ich daran herumfummelte.
Die Sightseeing-Tour war toll und half mir dabei, mich auch mal wie ein Tourist zu fühlen, obwohl ich nicht zum Urlaub dort war. Der Bus fuhr durch alle Stadtteile – bei ca. 150 000 Einwohnern auch kein Problem.
Ich war als Kind schon einmal in Heidelberg, habe aber nur die Erinnerung, dass die Rutsche so heiß war, dass ich schrie und bei der Hitze ständig extremen Durst hatte. Ansonsten fehlen alle Erinnerungen, weil ich noch zu klein war.
Die Bustour ging knapp 45 Minuten. Da es sonnig und warm war, wurde auch niemand nass.

Nach der Bustour war Leerlauf.
Vor der Heiliggeistkirche standen auf einmal viele schwarze Autos. BMW, Mercedes, Audi.
Hinweis auf eine wichtige Audienz. Aber ich sah niemanden, bis auf die Leute, die alle um mich herum standen. Als ob irgendetwas gewesen wäre.
Hm.
Ich ging in die Kirche, um zu gucken, was da los war. Vielleicht fand ich dort die Leute, die zu den Autos gehörten. Und ja, sie hielten sich tatsächlich in der Kirche auf. Auf jeden Fall ging es um keine Beerdigung und um keine Hochzeit, sondern um andere Dinge.
Später, als all der Trubel weg war, ging ich noch einmal in die Kirche. Für ein paar stille Minuten.

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Danach guckte ich mich in der Stadt weiter um. Nachdem ich in zwei Läden doch noch etwas Schönes fand, ging ich zurück ins Hotel, um mich auszuruhen und um die Sachen wegzubringen, die ich nicht länger mit mir herumschleppen wollte. Ich hatte Angst, dass die Papiertüte durch die Schwere des Inhalts (2 Flaschen Alkohol) riss. Im Hotel legte ich mich hin und entspannte mich eine Stunde.

Zurück in der Stadt holte ich mir beim Bäcker (Cafe Gundel) 2 Kurfürstenkugeln, um mir rechtzeitig mein Abendbrot zu organisieren. Vor mir stand jemand, der wissen wollte, was das für runde Dinger sind und was da drin ist. Ich konnte seinen Dialekt kaum verstehen. Wisch-Wasch-Deutsch. Die Kugeln füllten die Hälfte meiner Handtasche aus und ich hoffte, dass sie nicht allzu sehr kaputt gingen, nach dem Herumgetrage in der Wärme.

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Was ich eigentlich noch machen wollte: Ich wollte zu Fuß zum Schloss hochgehen.
Aber die Bergbahn kam dazwischen, dessen Haltestelle ich zufällig groß ausgeschildert mitten in der Altstadt fand. Okay, dann mache ich das zuerst, dachte ich. Zum Schloss konnte ich später immer noch gehen. Oder morgen.
Die Warteschlange vorm Ticketschalter löste sich schnell, es war nur eine Familie mit Kindern.
Als ich dran war, bekam ich ein Kombi-Ticket: Hin- & Rückfahrt zum Königstuhl + Eintritt für das Schloss. Alles 12 Euro. Wirkte nicht nach Touristen-Abzocke.
Die Bergbahn kam nach wenigen Minuten. Ich setzte mich in einen mittleren Wagon an den Rand und wagte es einige Male, einen Blick nach unten zu werfen. Es sah komisch aus, weil die Bahn ziemlich schräg nach oben fuhr (ca. 40 % Steigung) und nur an Seilen, die sich unter den Schienen befanden, ‚hochgezogen‘ wurde. So verstand ich es jedenfalls. Über der Bahn waren keine Kabel und Masten zu sehen.
Die Bahn hielt am Schloss und ich stieg aus. Es war wahnsinnig heiß und mir wurde komisch. Kreislaufprobleme. Ich habe leider immer noch nicht gelernt, IMMER Wasser und Traubenzucker dabei zu haben. Oder mir zwischendurch einfach mal etwas zu kaufen.
Überall waren Menschen und eine Menge Asiaten, die auch hier wieder bei jeder Gelegenheit ihr typisches Selfie-Programm abzogen. Aber okay, ich gewöhnte mich langsam daran. Sie waren einfach so und ich akzeptierte es.

Das Schloss war natürlich riesig, teils gut erhalten, teils zerstört. Ich ging durch das hübsche Elisabethentor, vor dem sich die Japaner schon fleißig knipsten und landete danach mitten im Geschehen. Jedoch hatte ich mir von dem Schloss irgendwie mehr vorgestellt. Letztendlich gelangte ich zur Aussichtsplattform, die mir am besten gefiel. Man hatte den perfekten Blick über die Altstadt und ich versuchte mir vorzustellen, wie sich die Leute früher wohl gefühlt haben, als sie dort standen.

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Ins Schloss selber kam ich leider nicht. Oder ich war einfach zu blind, um den Eingang zu finden. Ich sah ’nur‘ das große Fass des Heidelberger Schlosses. Aber ich wusste nicht genau, was es damit auf sich hatte (…und ob es gefüllt war?…Mit Wein?). Es hatte jedenfalls monströse Maße. Ich konnte dem Fass nicht viel abgewinnen und entfernte mich rasch aus dem Keller, ohne mir das Fass noch einmal von oben angeschaut zu haben.
Als ich draußen war, suchte ich nach anderen Eingängen und fand nur die Tür zum Apothekenmuseum. Bevor ich dort meine Erkundungstour fortsetzte, lief ich durch den großen Schlossgarten. Enttäuschend, so ganz ohne Blumen und Prunk. Lediglich einige Baustellen waren zu sehen. Die Aussicht wurde zudem mit zugebretterten Zäunen versperrt – netterweise mit ausgestanzten Gucklöchern, damit man zumindest ein bisschen was sehen konnte. Ich hätte mir den Schlossgarten gerne weiter angeschaut, hatte aber das Gefühl, dass die Zeit drängt und ich mich beeilen müsse. Wahrscheinlich sah ich nur ein Bruchstück des Gartens. Die Schilder um mich herum zeigten mir, dass es noch andere Ecken gab.

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Auf dem Rückweg kreuzte ich eine Hochzeit, die auf dem Innenhof des Schlosses stattfand. Genau die Situation, die ich am allerliebsten meide. Leider musste ich erst einmal warten, bis der Fotograf ausreichend Fotos gemacht hatte. Also stand ich ungeduldig auf der Treppe und schaute mir ziemlich angepisst die ganze Szenerie an. Ich hasse Hochzeiten. Das ist der glänzende Weg ins Aus, obwohl ich es inzwischen manchmal auch anders sehe, mir aber trotzdem nicht sicher bin, was ich von einer Hochzeit halten soll. Selbst bei der Hochzeit meines Bruders konnte ich mich damals nicht zusammenreißen und zickte nur herum. Meine Antwort auf alle Fragen (Essen? Tanzen? Sekt?) lautete: Nein. Und dass, obwohl ich seine Trauzeugin war und für diese Aufgabe sogar mit einer ehrwürdigen Urkunde belohnt wurde. Heute weiß er, dass seine kleine Schwester mit ihrer Heiratsphilosophie recht hatte.
Als sie mit dem Hochzeits-Posing fertig waren und ich schon fast durch den Ausgang lief, bemerkte ich das Plakat mit dem Apothekenmuseum. Ich las nur: Eintritt frei. Das wusste ich vorher nicht. Da ich vorrangig in einem medizinischen Beruf arbeite, war es nicht verkehrt, sich nebenbei mal etwas weiterzubilden. Es war ein normales Museum: 50% Text und 50% ‚Anschauungsmaterial‘ (Gefäße, Pillen, Utensilien aller Art und die Gerüche alter Kräuter in der Luft). Ich hielt mich dort knapp eine Stunde auf, weil es mich einiges sehr interessierte.

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Ich stieg wieder in die Bergbahn. Beim Einsteigen vergewisserte ich mich noch einmal bei einem Opa und fragte, ob die wirklich nach oben fährt. Obwohl der LED-Pfeil es deutlich anzeigte. Der Opa nickte. Die Bahn hielt zwischendurch einmal und ein kleines Stück später musste man umsteigen in die historische Bergbahn (alte Version). Sie bestand aus Holz. Ich stieg mal wieder in ein mittleres Abteil, da die besten Plätze selbstverständlich schon belegt waren. Jeder wollte gerne entweder ganz vorne oder ganz hinten sitzen, denn das war am spannendsten. Mich erinnerte es im entferntesten Sinne an eine Achterbahnfahrt, nur in Zeitlupe und ohne Loopings. Aber vom Prinzip her ähnlich. Gemischt mit dem Gedanken, was passiert, wenn die Seile reißen. Rollt die Bergbahn dann rasant in den Abgrund oder bleibt sie stehen? Paar der Leute filmten die ganze Fahrt mit ihrem Handy. Wieder eine Sache, die ich nicht verstand. Denn: Wer will das sehen?
Die Endstation der Bergbahn rückte immer näher. Manchmal hatte ich den Eindruck, als würde sich die Station im 90° Grad-Winkel befinden. Jedes Mal, wenn man irgendwo ausstieg, musste man sein Ticket in einen Automaten stecken, damit sich die Schranke öffnete. Ich grinste, weil ich an meine Arbeit denken musste. Dort war auch alles geschlossen.
Die Aussicht auf dem Königstuhl (Berg, ca. 570 m hoch) war überwältigend. Die Häuser waren winzig, man erkannte nicht mehr viel. Aber man spürte den Wind, der deutlich kühler und stärker war. Als ich sah, dass es in den Bergen Heidelberg’s noch viel höher ging, faszinierte es mich umso mehr. Leider kam ich nicht weiter. Der Königstuhl bot an sich nicht viel. Dort stand nur ein Imbiss mit einigen Stühlen, daneben eine Falknerei und zahlreiche Wanderwege in der Umgebung. Ein schwarzer BMW fuhr an mir vorbei. Ich sah eine Mountainbikestrecke und Möglichkeiten für andere Arten des Extremsports, wie z.B. Paragliding. Daneben Schilder mit dem Vermerk, wie lebensgefährlich das alles sei.
Ungefähr 10 Minuten hielt ich mich auf dem Gelände auf. Sportler kamen mir mit ihren Mountainbikes entgegen und ich war in dem Moment neidisch auf sie, weil ich auch gerne fahren wollte. Ich hatte Lust auf Mountainbiking. Stattdessen konnte ich nur dastehen und zugucken, wie sie Spaß hatten. Etwas enttäuscht ging ich zurück zur Bergbahn. Ein letzter Blick von oben nach unten und dann hatte sich die Sache mit dem Königstuhl schon erledigt.

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Diesmal musste ich länger warten, bis die Bahn kam. Ich beobachtete einen älteren Mann in Hemd und Jeans, der dringend auf die Toilette musste und seine Familie mit seinem kindlichen Gequengel schon nervte. Seine Laune verschlechterte sich zusehends und ich amüsierte mich darüber sehr. Keiner wusste, wann die Bahn kommt und er war sich deshalb nicht sicher, ob er es schaffen würde, rechtzeitig eine Toilette zu finden. Als er es nicht länger aushalten konnte, drehte sich um und verschwand hinter der erstbesten Tür, die irgendwo hinführte. Er war weg und die Bahn kam. Alle stiegen ein, seine Familie saß mit mir im selben Abteil und auch der Mann war pünktlich wieder da. Danach quengelte er weiter. Er wollte ganz vorne im ersten Wagen sitzen, weil man da besser Fotos und Filme machen kann. Ich guckte den Mann komisch an. Er wirkte nämlich recht überdreht. Als wir beim zweiten Mal umstiegen, schaffte er es endlich, in den ersten Wagen zu gelangen und bekam zum Schluss seinen Willen. Süß.

Nach dem Erlebnis stand für mich nichts mehr an, außer das spätere Meeting. Ich wollte einfach nur noch einen Kaffee trinken und mich hinsetzen. Schließlich hatte ich bisher keine Pause gehabt.
Ich setzte mich in ein Café und trank Kaffee mit Eis. Mein Körper hatte es nötig, so unterversorgt, wie er war. Trotz meines Kreislaufproblems musste er noch einige Stunden auf diese Energiezufuhr warten. Welch selbstzerstörerischer Spleen. In meinem Magen herrschte danach Winter.

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Am Abend probierte ich die erste Kurfürstenkugel. Sie steckten den Transport in der Tasche nicht allzu gut weg. Immerhin waren die Kugeln dabei, als ich das Schloss besichtigte und den Königstuhl erklomm. Deshalb waren sie abends etwas angeschlagen. Egal, der Inhalt zählte.
Feines Mohrenkopfbiskuit, innen mit einem Kern aus Nugatcréme und außen köstlich von Marzipan und Schokolade umhüllt (Quelle: http://www.kurfuerstenkugel.com/cms/iwebs/default.aspx )

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Nach einer Kugel war ich so satt, dass ich die andere nicht mehr schaffte.

(19 – 22 Uhr Meeting)

3. Tag/Samstag: Philosophenweg & Neckar

Frühstück:
1 Vollkornbrötchen mit Quark, Käse und Nutella
Banane
Schoko-Gries-Pudding
1 Eclair
1 Keks
Kaffee, Saft
Nachmittags:
Cola
Abends:
Salat mit Mozzarella und getrockneten Tomaten mit Balsamico-Dressing
1 Kurfürstenkugel
Wasser

Der Tag begann wie gestern: Aufstehen, Frühstück und Planung des Tages via Handy.
Als ich beim Frühstück saß, kam plötzlich eine Horde Touristen in den Raum. Niemand wusste, ob die Plätze reichen, deswegen wurden die freien Plätze erst einmal gründlich ausgezählt. Aber irgendwie würde es wohl gehen, meinten die Leute dann. Ich war schon fast fertig mit dem Frühstück, wollte mir aber noch einen Saft holen. In der Zwischenzeit räumte die emsige Küchenhilfe schon meinen Platz ab, samt voller Tasse Kaffee, damit die anderen Gäste dort sitzen konnten. Ich rief: „Hey, ich bin noch nicht fertig! Da ist noch Kaffee drin!“ Ich hatte die Tasse eigentlich extra dort stehen lassen, damit klar war, dass ich gleich zurückkomme. Die Tasse war mein Platzhalter! Sofort stellte die Küchenhilfe alles wieder hin, bis auf das benutzte Geschirr. Sie entschuldigte sich und auch eine Frau unter den Gästen entschuldigte sich 2x bei mir. Ich sagte: „Nicht so schlimm. Alles gut.“ Lächeln.

An diesem Tag wollte ich wandern gehen. Im Odenwald auf dem Philosophenweg, der insgesamt ca. 3 km lang war und sich danach noch in andere Richtungen und Höhen schlängelte. Nur der Weg nahm dann andere Namen an.
Wie an jedem Tag musste ich dazu erst durch die gesamte Altstadt laufen, denn um die kam ich nie herum.
Meine Sonnenbrille trug ich immer. Inzwischen kannte ich die Vorteile, die man dadurch hat: Privatsphäre. Die Hauptstraße in der Altstadt war Heidelberg’s Catwalk. Jeder präsentierte sich dort und viele von ihnen leider ziemlich unvorteilhaft. Wenn man dick ist, sollte man sich nicht in einen bunten Jumpsuit quetschen, der von der Muschi gefressen wird. Aber es gab auch andere unschöne Styling-Sünden, bei denen ich nicht weggucken konnte.
Manchmal, wenn mir alles zu viel wurde, ging ich stur geradeaus – ohne nach links und nach rechts zu schauen – Kopf ein bisschen weiter nach oben, ohne Mimik im Gesicht und wartete ab, was passierte. Die Leute machten Platz und einige guckten hinterher, wobei die Gäste in den Cafés immer die Schlimmsten waren. Die waren schließlich eh nur zum Gucken da.
Manchmal, wenn mir danach war, nahm ich meine Sonnenbrille ab, suchte mir ältere Männer aus und lächelte sie einfach mal an. Da die meisten von denen Familie hatten, waren sie mit meinem Lächeln schon überfordert. Pech gehabt. Es tat mir ein wenig Leid – für sie und für mich.

Ich suchte die Gasse, durch die ich zur Alten Brücke kam. Aber ich nahm immer die falsche Gasse und ging letztendlich woanders lang, wo ich jedoch auch zum Ziel kam. Auf der Alten Brücke stand sie wieder – die Selfie-Population. Sie machten Bilder von sich und dieser dunklen Katzenstatue.
Die Brücke war mit Menschen überfüllt. Ich blieb stehen, sah herunter zum Wasser und als ich weitergehen wollte, stand vor mir ein Liebespaar, das sich knutschte. Mann, bitte nicht das auch noch, dachte ich. Die Frau war jedenfalls dick und gefiel mir nicht. Und er gefiel mir auch nicht. Nach diesem Check ging es mir gut. Wenn ich arrogant wäre, würde ich sagen: Mich darf fast niemand haben.

Von der Alten Brücke war es nicht mehr weit bis zum Philosophenweg. Einmal über die Ampel gehen und neben der Bushaltestelle begann der Weg. Zuerst ein geschachtelter Steinweg, mit groben Pflastersteinen und hohen Mauern an den Seiten. Der Weg verlief konsequent bergauf, schlängelte sich nach oben und ab und zu durfte man flache Treppen steigen. Es war anstrengend, gerade auch wegen der Hitze. Selbst ich kam aus der Puste, obwohl ich sportlich bin. Zwischendurch musste ich immer kurz innehalten und genoss die tolle Aussicht. Mittendrin gab es Aussichtsplattformen und Bänke, die aber alle schon besetzt waren. Eine längere Pause hatte ich auch nicht nötig. Nach ungefähr 12 Minuten kam ich oben an, total fertig und kaputt. Außerdem war ich komplett durchgeschwitzt und das mit 28 Jahren. Ein Grund, sich doll zu schämen. Aber ich stellte fest, dass jeder kaputt war und/oder unter Luftnot litt, der den ersten Teil des Philosophenwegs bewältigte. Alle schnieften und schwitzten. Jeder, der es nicht tat, war ein Fake oder ein ehrgeiziger Hochleistungssportler.

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Oben angekommen. Alles war wieder einfach und gut. Der Weg ging nach links und nach rechts. Ich ging zuerst in die linke Richtung. Viele Meter hoch, entlang der Stadt. Wunderschöne Aussicht und überall Bänke. Typisch für Wanderwege: Viel Grün, viel Natur. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Der Weg gabelte sich zwischendurch in andere Richtungen. Es war nicht nur ein Weg. Ich kam an einer Imbissbude vorbei. Dort gab es Eis und Getränke. Ich lief so lange geradeaus, bis ich in einem Stadtteil wieder herauskam. In dem Stadtteil, wo die teuersten Häuser und Villen stehen. Ich ging wieder zurück, da ich den kompletten Philosophenweg erleben wollte. Der Weg führte wenig später in den Wald hinein. Dort war ich völlig alleine und ich wunderte mich, wo all die anderen Menschen waren. Mit so viel Einsamkeit rechnete ich nicht. Aber ich dachte auch nicht daran, zurückzugehen. Ich hatte keine Angst. An Männer, die einem auflauern, denke ich sowieso nicht. Trotzdem kam der Gedanke in diesem Wald immer mal wieder durch. Ich fühlte mich tatsächlich sehr alleine und drehte mich ständig um, ob nicht doch andere Leute in Sicht sind.

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In großen Abständen kamen mir Jogger und Radfahrer entgegen. Sonst niemand. Ich gab mir Mühe, nichts Negatives zu denken. Mich würde hier schon niemand umbringen, obwohl dieser Wald perfekt dazu war. Überall hohe Bäume und Vogelgezwitscher. Die Stimmung fühlte sich teilweise unwirklich an. So, als ob ich nicht wirklich da war. Meine Gefühlswelt spielte mir einen Streich. Derealisation. Dieses Gefühl, als ob man tot wäre und irgendwo anders ist. Und vor allem: Nicht im eigenen Körper. Es überwältigte mich, was dieser Weg mit mir anrichtete. Es war eine dieser intensiven Erfahrungen und dieser Weg regte einen tatsächlich dazu an, sehr nachdenklich zu werden und zu sich zu kommen – auf welche Art auch immer. Ich lief bis zum Ende. Natürlich war es längst nicht das Ende, es ging noch viel weiter. Nur wie weit? Auf meinem Navi ließ es sich nicht erkennen. Ich denke, es waren noch mehrere Kilometer. Auf Steinen standen in weißer Farbe die Namen der Wege, sodass man sich kaum verlaufen konnte.
Zumindest hatte ich mein Ziel für diesen Tag erreicht und mir qualmten die Füße. Sie taten weh. Aber Blasen waren noch nicht in Sicht.

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Auf dem Rückweg, gegen Mittag, kamen mir mehr Menschen entgegen. Der Weg füllte sich mit Leben, im Gegensatz zu morgens. Ich war erleichtert, nicht mehr alleine zu sein und wurde innerlich deutlich ruhiger, als vorher. Jetzt weiß ich, dass es doch Dinge gibt, vor denen ich Angst habe.
Als ich den Schlängelweg (eigentlich Schlangenweg) wieder hinunterging, war ich genauso platt. Auch der Abgang erwies sich als nicht allzu prickelnd. Es war auch anstrengend. Ich musste mich konzentrieren, nicht über die unebenen Steine zu stolpern oder über die Stufenkanten. Ich hielt mich wie eine alte Oma an den Seiten fest und bewegte mich nur vorsichtig. Trotzdem stolperte ich. Aber nicht so, dass ich hinfiel. Froh war ich, als ich heil vor der Alten Brücke stand.
Jetzt brauchte ich Entspannung und mir fiel spontan eine Bootstour ein. Wenn ich schon mal hier bin, dann auch AUF dem Neckar. Außerdem liebte ich Schiffe als Kapitänstochter.

Boote gab es genug. Ich entschied mich für die ‚Neckar-Sonne‘ – ein solarbetriebenes Boot mit nichtüberdachten Plätzen. Es fuhr stündlich und machte Rundfahrten über den Neckar.
Da ich noch Zeit hatte, ging ich am Neckar entlang und guckte mir die anderen Schiffe an, die alle unterschiedliche Fahrten im Angebot hatten. Unter anderem auch Burgenfahrten, die länger dauerten. Auch interessant, aber ich wollte gerade nichts Großes planen, wo man sich vorher anmelden musste. Als ich zur Neckar-Sonne zurückging, saßen schon Leute auf dem Schiff. Eine Fahrt kostete 8€ und ich suchte mir einen Platz direkt am Ende. Gleich wurde ich gefragt, ob ich was trinken möchte und ich bestellte mir eine Cola. Die Sonne schien die ganze Zeit und verursachte einen Sonnenbrand auf meinem Nacken.
Auf dem Boot war ein Mädel in meinem Alter mit einem Freund, der ungefähr 20 Jahre älter war. Ich konnte das Mädel absolut verstehen. Und ihn auch. Wie schnell ich bei dem Anblick wieder ins Schwärmen geriet – oh Mann!

Die Fahrt auf dem Schiff war normal. Nur dass die Geräusche des Motors fehlten, da solarbetrieben. Eine ruhige Fahrt und aus dem Lautsprechern wurde Heidelberg erklärt. Allerdings verstand ich kaum etwas. Das Schiff fuhr langsam über den Neckar, sodass man die Stadt von allen Seiten betrachten konnte. Eigentlich sah man nur Häuser und Teile des großen Klinikgeländes, sowie Liegewiesen und halbnackte Menschen. Wasser, Brücken und mehrere Krankenwagen und Polizei fuhren im Schnelltempo durch die Stadt. Das war die Schifffahrt. Am Ende musste ich noch meine Cola bezahlen. An Trinkgeld dachte ich allerdings nicht.

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Nach dem Ausflug ging ich Shoppen und lief durch die Weststadt zum Hotel zurück, um nicht immer die gleichen Wege zu nehmen. Auch die Weststadt bestand aus sehr schicken Häusern und war anscheinend eine beliebte Wohngegend. Ziemlich gediegen und ohne Trubel.

Abends trieb es mich zu Kaufland, das war gleich in der Nähe. Ich wollte einen Salat und hatte keine Lust mehr, mich in ein überfülltes Restaurant zu setzen. Sicherheitshalber kaufte ich noch Blasenpflaster, bevor alles zu spät war und ich nicht mehr laufen konnte. Meine Füße waren von der Wandertour schwarz. Entweder war es Dreck oder meine Schuhe färbten ab. Im Kaufland suchte ich außerdem noch eine Flasche Wasser, komischerweise fand ich nur eine Sorte. Eine andere Frau suchte auch erfolglos nach Wasser. Die hatten alles, aber nur eine Sorte Wasser? Verrückt. Den Salat musste ich genauso suchen, fand dann aber ein ganzes Regal. Mehr wollte ich auch gar nicht.

Als ich im Hotel war, aß ich den Salat samt Kurfürstenkugel und wartete auf das Meeting.

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(21 – 1 Uhr Meeting)

4. Tag/Sonntag: Bergfriedhof & Philosophenweg

Frühstück:
1 Vollkornbrötchen mit Käse und Nutella
Pfirsich Quark
kleine Portion Müsli
Kaffee, Apfelsaft
Nachmittags:
Eiskaffee mit Vanille-Sirup und Sahne
Cola
Abends:
1 Veggie-Burger
Mc Flurry

Frühstück wie immer. Nur, dass ich diesmal so clever war und mir mein Frühstück nicht stückchenweise, sondern gleich komplett holte. Für den Fall, dass mein Platz wieder zu früh abgeräumt wurde.

Dieser Tag begann auf dem Bergfriedhof. Am Eingang stand eine Tafel mit Informationen und Wegbeschreibungen.Wie sein Name schon verrät, handelt es sich um einen Berg mit Friedhof. Ich erzähle nicht viel über den Friedhof, weil Friedhöfe sich von selbst erklären. Dennoch fand ich den Friedhof aufregend. Er war aufgebaut wie ein Labyrinth. Zahlreiche Wege und manche von ihnen endeten im Nichts. Ich fand immer wieder neue Stufen und stieg immer höher auf den Berg, auf dem überall Steine, größere und kleinere Grabstellen verteilt waren. Auf diesem Friedhof lagen definitiv viele Professoren, Mediziner und sogar Erfinder. Ich war beeindruckt. Manche Treppen waren alt und verwildert. Außerdem gab es kaum Absperrungen auf den schmalen Wegen. Wenn man nicht aufpasste, konnte man leicht abrutschen und abstürzen.
Als nach 3.5 Stunden Bergfriedhof dieses seltsame Gefühl in mir aufkam, wusste ich, dass ich jetzt lieber gehen sollte. Das Gefühl von tiefer Nachdenklichkeit, körperlicher Vergänglichkeit, Mitleid und Melancholie. Wenn man sich fragt, ob man privat alles richtig macht oder was einem noch im Leben erwartet. Oder auch nicht…? Oder was ich mache, wenn ich nur noch einen Tag lebe oder krank werde,..körperlich. Oder einen Unfall habe, obwohl ich diese bisher immer mit nachfolgender Belastungsstörung überlebte. Gewisse Situationen bleiben für immer präsent und tauchen als Flashback wieder auf.
Bevor ich mich in diese Gedanken weiter hineinsteigern konnte, verließ ich den Friedhof sehr zügig. Ich wollte so schnell wie möglich weg und fand keinen Ausgang. Dabei wirkte der Friedhof zuerst noch recht überschaubar. Zum Glück fand ich den Ausgang bald.

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Danach schaltete ich sofort meinen MP3-Player an, um mich abzulenken.Vor dem Friedhof stand ein Lamborghini und ich war völlig geschockt, so ein Auto dort stehen zu sehen, wo ich es am allerwenigsten erwartete. Ich konnte es wirklich nicht fassen und blieb erst einmal wie erstarrt stehen. Vielleicht war der ja nur gemietet und kein Eigentum. Obwohl ich so geflasht war, schaffte ich es trotzdem, weiterzugehen. Ich musste ja nicht sehen, zu wem der gehört.

Mein nächster Weg: Altstadt – Alte Brücke – Philosophenweg.

Bevor ich mit der Wanderung anfing, machte ich einen Abstecher zum Kaffeetrinken, sonst würde ich umkippen, bei dem Durst, den ich hatte. Ich bestellte Kaffee mit Vanille-Eis, aber leider war der ausverkauft. Kein Wunder, bei der Hitze war das der begehrteste Kaffee. Mir wurde stattdessen Eiskaffee mit Vanille-Sirup angeboten. Der schmeckte zwar nicht ganz so gut, war aber okay. So wählerisch war ich nicht. Hauptsache, Kaffee – kalt.

Danach ging es sofort weiter. Obwohl man bei der Wärme auch super herumsitzen konnte. Zufällig kam ich noch an einem Wellness-Laden vorbei. Hauptthema: gesundes Essen. Bio natürlich und aus eigener Herstellung. Ich nahm Kräuter-Kräcker, denn mit Apfelchips, Vollkorn-Orangenkeksen und Saucen konnte ich nichts anfangen. Der Laden war nicht wirklich mein Fall. Zu viel Bio und Geschmacksvariationen, die nicht meine waren.

Ansonsten: Gleiches Programm wie gestern. Anstrengender Aufstieg, Schweiß und Hitze.
Unterschied: Auf dem Philosophenweg war mehr los (ab 14 Uhr).
Ich lief die gleiche Strecke, wie am Tag zuvor – nur ein Stück weiter. Überall wanderten Leute, auch tiefer im Wald. Dann kam eine Frau auf mich zu, die eine Wanderkarte in der Hand hielt: „Kennen Sie sich hier aus“, fragte sie mich.
„Nein, ich bin auch nicht von hier. Leider kann ich Ihnen nicht helfen.“
„Okay, trotzdem danke!“

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All meine Eindrücke bzw. mein Erleben auf dem Weg glichen dem Vortag: Nachdenklichkeit, Freiheit und Glück. Ich merkte, dass Wandern eine gute Entspannungsalternative ist und dass ich es öfters machen sollte, wenn ich mich seltsam fühle oder wenn sich irgendetwas in mir anbahnt. Wahrscheinlich brauche ich diese Mischung aus Ruhe und Aktivität. Vielleicht ist das für mich genauso passend, wie meine aktuellen Favoriten: Fitnessstudio, Chiasamen und Detox.

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Ich bekam wieder wahnsinnigen Durst. Natürlich hatte ich auch diesmal nichts zum Trinken mit und musste warten, bis ich wieder am einzigen Imbiss vorbeikam. Vorher war eine Pause auf der Bank nötig, da meine Füße und Beine vom vielen Laufen pulsierten. Nach 10 Minuten machte ich mich wieder auf den Weg. Jetzt fiel das Aufstehen umso schwerer, da mein ganzer Körper nur noch wehtat. Wenn ich zählte, wie viele Kilometer ich in den letzten Tagen insgesamt zurücklegte, war das kein Wunder. Am Tag kam ich locker auf 15 Km und vielleicht sogar noch mehr. Ich kaufte mir eine Cola und setzte mich auf eine etwas abgelegenere Bank in den Schatten. Dann dachte ich kurz darüber nach, dass es bis zum Hotel noch weit war und beschloss, nicht weiter daran zu denken, sondern nachher einfach zu laufen. Wenn man an unangenehme Dinge denkt, werden sie schlimmer. Ich dachte also an nichts mehr. Nur noch ans Jetzt.

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Auf dem Rückweg zog sich allmählich der Himmel zu und es wurde immer dunkler. Ich ging also genau im richtigen Moment los. In der Altstadt sah es nach Gewitter aus und es wehte plötzlich ein kühler Wind durch die Straße. Trotzdem standen die Leute Schlange, um ein Eis zu bekommen. Ich begriff nicht, warum sie so viel Geduld hatten, so lange zu warten, wenn vor ihnen schon 20 Leute bedient werden wollten. Sollte man für ein Eis so viel Zeit investieren?
Wenn sie Glück hatten, durften sie ihr Eis gleich im Regen mit Blitz und Donner essen.

Ich lief im Schnellschritt, weil ich nicht im Gewitter enden wollte. Allerdings musste ich mir noch irgendwo etwas zu essen kaufen, obwohl ich die Kräuter-Kräcker in der Tasche hatte. Nur hatte ich darauf gerade keinen Appetit und wollte etwas Anständiges.
Also lief ich auf dem Rückweg zu Mc Donald’s, da ich keine Lust auf andere Experimente und unbekannte Läden hatte. Der Bio-Shop reichte schon. Zwar der Besuch bei Mc Donald’s für mich eine Seltenheit, aber ich wusste, dass ich dort fündig werde. Ich nahm einen Veggie-Burger und einen Mc Flurry. Alles andere interessierte mich kaum. Allerdings verstand mich die Bedienung nicht richtig und fragte, welche Sorte Fleisch ich drin haben wollte. Was war an Veggie nur falsch zu verstehen? Lag vielleicht daran, dass der Typ unaufmerksam war, bei all den Geräuschen.

Im Hotel wartete ich nicht lange. Zuerst aß ich den Burger und dann das Eis. Danach Einatmen, Ausatmen, Ruhe. Und später Meeting. Plötzlich fing ich an zu weinen. Viel zu spontan, unangemessen und ziemlich ohne Grund. Oh Mann, bitte nicht schon wieder diese Emotionen, die aus dem Nichts kommen. Ungefähr 5 Minuten weinte ich heftig und ließ es einfach geschehen. Niemand sah mich, also musste ich mich nicht für meine kranke Seite rechtfertigen. Die gestörte Seite, die immer mal wieder ohne Ankündigung durchkommt und den Zustand meiner angeschickerten Seele repräsentiert. Mir war bewusst, dass es an diesem Tag eine Situation gab, die mein Unterbewusstsein triggerte. Dann wusste ich es: Es war der Friedhof, der in mir etwas auslöste. Was genau, das kann ich nicht sagen. Meine Emotion hing mit irgendeinem unbekannten Defizit und innerem Konflikt zusammen, den ich nicht kannte. Ich muss also erst herausfinden, um was für einen Defizit es sich handelt und beschloss, die Sache erst einmal ruhen zu lassen, bis sie sich von alleine löst, z.B. durch neue Erfahrungen oder mehr Reife.
Nach 5 Minuten war alles wieder in Ordnung und ich fühlte mich kein bisschen schlecht. Sondern ganz ’normal‘.

(21 – 1 Uhr Meeting)

Als ich nachts wieder zurück kam, war alles so anders, denn das war der letzte Tag in Heidelberg. Die Zeit verging – wie immer – viel zu schnell. Aber es hat gereicht, um die schönsten Orte zu sehen und ein wenig kennenzulernen. Wäre ich ein Heidelberger, würde ich jeden Tag wandern gehen. Dabei kann ich bei mir zu Hause sogar am Strand entlangwandern. Ist das nicht eigentlich auch schön? Würden das die Heidelberger nicht auch gerne tun? Man will doch immer das, was man nicht haben kann und wenn man es hat, dann ist es nicht mehr so spannend. Man schätzt die Dinge und manche Gelegenheiten einfach zu wenig.
Ich packte noch schnell die Sachen für meine Reisetasche zusammen, denn morgen früh war es mir zu spät. Zwar hatte ich nicht allzu viel mit, aber es reichte, dass die Tasche schwerer wurde, als auf der Hinfahrt. Nachdem die Tasche gepackt und ich duschen war, konnte ich mit einem ruhigen Gewissen einschlafen. Alles war reisefertig und passte in die Tasche.

Draußen regnete es, sowie abends schon. Ich hörte ein Donnern, aber letztendlich waren es nur die Geräusche eines Feuerwerks oder einer Party. In Heidelberg war abends viel los, völlig ruhig wurde es nie. Großstadtfeeling. Manchmal hörte man betrunkene Leute und manchmal war es nur das Rollen eines Koffers auf dem Asphalt. Obwohl ich in einer noch größeren Stadt lebte, war es hier anders. Lauter, kultivierter und lebendiger. Oder ich wohnte bei mir einfach in der falschen Ecke, in der es zu gediegen zuging. Im gegenüberliegenden Haus fielen die Rollläden zu. Ich schaute nach, ob es an meinem Fenster auch so etwas gab – ja.
Dann tat ich dem Nachbarn gleich und ließ sie zum ersten Mal seit meinem Aufenthalt herunter.
Anschließend ging ich zu Bett. Im Zimmer war es schwarz. Dieses Schwarz machte mir Angst, es engte mich ein und schnürte mir die Luft ab. Ich bekam Panik. Reflexartig machte ich die Nachttischlampe an und zog die Rollläden wieder hoch. Wie konnte man nur in so einem schwarzen Raum schlafen? Grausam. Mir war es lieber, das Licht der Laternen oder des Mondes zu sehen, als in dieser völligen Schwärze verschlungen zu werden und sich wie tot zu fühlen. Mit offenem Fenster und lichtdurchlässigen Vorhängen fühlte ich mich wohler.

Die Nacht war dennoch schlaflos. Innere Unruhe, viele Pläne und die unterschiedlichsten Gedanken. Es war kein Grübeln. Aber in meinem Kopf war es bunt, wie es für einen kreativen Geist üblich ist. Ich möchte viel machen und habe Angst, dass mein Leben zu kurz dafür ist. Es ist schlimm, wenn man den eigenen Erfolg nicht sieht und denkt, dass man nie genug tut, obwohl man jeden Tag überdurchschnittlich viel arbeitet. Ich bin einfach verkorkst und blind für meine Leistung, weil es für mich zu selbstverständlich ist, all das zu tun, was ich tue.

5. Tag/Montag: Abreise

Frühstück:
1 Vollkornbrötchen mit Käse, Nutella und Schinken (Sorry…Ausnahme)
Mini Quarkschnecke
Erdbeer Griespudding
1 Ecke Camembert
Kaffee
Abends:
paar Kräuter-Kräcker
Ginger Ale

Frühstück wie immer. Nur diesmal hatte ich Appetit auf Schinken und wunderte mich, warum. Warum plötzlich dieser Heißhunger auf Schinken? Es war zum Glück nur eine Scheibe.
Den Rest des Morgens verbrachte ich im Zimmer, auf dem Bett sitzend. Ohne dabei etwas anderes zu tun. Ich war also ziemlich bei mir. Neutral und abreisebereit.
Gegen 10 Uhr checkte ich aus. Mit wenigen Worten und einem Lächeln.

Am Bahnhof kam ich an dem Donut-Laden vorbei. Aber ich hatte keinen Appetit und brauchte nichts für den Zug. Bei den vielen Sorten von Donuts konnte ich mich eh wieder nicht entscheiden. Ich ging zwar kurz in den Laden, schaute über die Theke, aber es war mir zu viel. Zu viel Auswahl. Ich wollte nicht mit diesem Überangebot konfrontiert werden und hatte keine Lust, Entscheidungen zu treffen. Auch wenn es nur um einen einfachen bekloppten Donut ging. Dann lieber gar nichts. Lieber Hungern.

Ich saß 45 Minuten am Bahnhof auf der Bank. Es war trübe und kalt. Ich trug nur ein dünnes T-Shirt unter der Jacke und fing bald an zu frieren. Ekliges Wetter, so ganz ohne Sonne und mit Regenwolken. Trotzdem verging die Zeit überraschend schnell und dass, obwohl ich nicht mal mehr Gedanken im Kopf hatte, weil ich zu müde war.
Der Zug kam pünktlich und auf meinem reservierten Platz saß jemand. Ohh, dachte ich. Aber reserviert ist reserviert – ein bezahlter Platz. Also warum sollte ICH mir dann einen anderen Platz suchen? Das sah ich gar nicht ein.
Ich sagte freundlich: „Guten Morgen! Dürfte ich Sie bitten, aufzustehen? Ich habe diesen Platz reserviert [smile].“
Die Frau, die dort am Fenster saß packte in Windeseile ihre Sachen zusammen und sagte verlegen: „Oh, entschuldigen Sie! Tut mir Leid!“
Und während sie ihre Sachen packte, versuchte ich nett weiterzulächeln und tat so, als wäre alles gar nicht so schlimm.
Als sie an mir vorbeihuschte, sagte ich aufrichtig: „Danke….[smile]….Danke! [smiiiillllllllee]“
Nun konnte ich ungestört auf meinem Platz sitzen. Und dachte danach darüber nach, ob es wirklich okay war, die Frau wegzuscheuchen. Aber ich denke, jeder Anwalt wäre rechtlich auf meiner Seite gewesen. Ich versuchte also, die Sache aus den Augen meines Anwalts zu sehen und mich in sein Wissen hineinzufühlen, obwohl ich in Rechtskunde immer eine Eins auf dem Zeugnis hatte und es selber wissen musste.

Nächster Umstieg war in Frankfurt/Main.
Der ICE kam und ich stand genau vorm falschen Wagen – Wagen Nr. 14 und Wagen Nr. 2 war mein Ziel. Ich rannte so weit vor, wie ich es in der kurzen Zeit schaffte und stieg in den Wagen Nr. 4, damit der Zug nicht eher losfuhr, als ich drinnen war. Der ICE wartete immerhin nicht ewig und alle anderen Leuten waren schon eingestiegen, sodass ich draußen die Letzte war. Den Zug hätte ich nicht verpassen dürfen.
Im Abteil 2 suchte ich den Platz und mein Fuß verhedderte sich in irgendetwas. Ich befreite mich aus diesem komischen Bandsalat und die dazugehörige Person entschuldigte sich, als sie das Malheur bemerkte. Ich wusste nicht, was das war. Die Schnur war rot und es handelte sich nicht um Kopfhörer. Ich hoffte, dass ich nichts kaputt gemacht hatte. Die Person sagte nichts weiter.
Ich fand meinen Platz nicht. 116. Beim Umkehren fand ich heraus, dass Platz Nr. 116 eine 6er Kabine war. Dort saß schon eine Familie mit einem Teenie und einem Kind. Zum Glück verhielten sich alle ruhig und ließen keinen Stress aufkommen. Trotzdem war ich nicht gerade begeistert. Lieber wollte ich meine Ruhe haben, als mit anderen in so einer engen Kabine zu sitzen. Es wurde häufig gegessen und die Handys wurden dauerbespielt.
Nächste Frage: Warum muss man sein Handy permanent in der Hand haben? Geht es denn gar nicht mehr ohne? Die Frage stelle ich mir oft. Es ist so, als würde man ohne nicht mehr klarkommen. Als ob man kein eigenes Leben mehr hätte. Ständig mit anderen Menschen kommunizieren oder dumme Spiele-Apps herunterladen. Klar brauche ich mein Handy auch, um berufliche Kontakte zu knüpfen und auch für Nebensächliches. Aber ich hänge nicht daran und bin auch nicht süchtig nach Aufmerksamkeit und Gesellschaft. Man muss auch mal alleine sein können.

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Letzter Umstieg: Hamburg.
Dort war ich wieder auf gewohntem Boden. Mein Anschlusszug stand schon, das sah ich vom Weitem. Nun musste ich es nur noch irgendwie dorthin schaffen. Wieder schlängelte ich mich durch die Leute, die überall herum und ziemlich im Wege standen. Rolltreppe hoch und Treppe runter. All das im besonders schnellem Tempo, denn ich wollte nur noch in den Zug und die letzte Etappe starten, denn ich war körperlich und psychisch sehr angeschlagen nach der langen Fahrt. Das überraschte mich selber, denn normalerweise steckte ich Reisen bisher immer gut weg und mochte es sogar. Nur diesmal war es anders und ich kann gar nicht sagen, warum. Vielleicht wollte ich gerade einfach nicht in Hamburg sein. Nicht jedes Mal die gleichen Erinnerungen spüren, wenn ich mich dort am Hauptbahnhof befand. Sehnsucht. Nach jemandem, der in Hamburg gleich in der Nähe vom Bahnhof wohnte.

Im Zug setzte ich mich ans Fenster und in die Richtung, die meiner Meinung nach,vorwärts fuhr.
Ich schaute aus dem Fenster, nachdenklich und wehmütig. Dachte an die letzten Tage, den Job und die vielen Erlebnisse. Dann dachte ich an Hamburg und beobachtete die Menschen, die am Bahnsteig standen. Nichts Besonderes zu sehen.
Immer wieder der Gedanke: Ich möchte die Zeit um ein Jahr zurückspulen – bitte. Noch nie habe ich mir so sehr eine Zeitreise gewünscht und kam ins Träumen. Was wäre wenn…
Als der Zug nach ca. 20 Minuten losfuhr, wurde ich in die Realität zurückgeholt. Ich durfte die Fahrt mal wieder rückwärts genießen. Oh Mann! Langsam hatte ich es wirklich satt. Einen neuen Platz konnte ich mir nicht suchen, da aus meinem Blickwinkel heraus alles besetzt schien. Na gut, die drei Stunden bis nach Hause würde ich jetzt auch noch aushalten. Es dauerte nicht lange, als sich eine dicke Frau zu mir setzte und Kreuzworträtzel machte. Aber sie blieb nicht lange, sondern setzte sich nachher woanders hin, als es im Zug leerer wurde.
Die Fahrt kam mir vor, wie eine Ewigkeit, da der Zug zwischendurch immer mal wieder anhalten musste, um andere Schnellzüge vorbei zu lassen.
Ab Schwerin wurde alles wie früher, da ich diese Strecke sehr oft fuhr. Auch das weckte einige alte Erinnerungen. So schnell wird man älter, ohne es zu spüren.

Ich freute mich, als ich endlich am Bahnhof zu Hause ankam und das letzte Stück mit der Straßenbahn fuhr.
Sogar der Briefkasten war, bis auf einen Gutschein, diesmal leer. Eigentlich fühlte ich mich viel zu kaputt, um meine Tasche noch auszupacken. Aber nach einer Tasse Kaffee riss ich mich zusammen und packte meine Sachen aus. Danach war der Abend für mich gelaufen, ging duschen und verschwand anschließend sofort im Bett.
In dieser Nacht wachte ich kein einziges Mal auf.

Berlin’s Straßen

 

Nach einem Blitzgedanken folgt sofort eine Tat.

So war es auch diesmal, als ich meine Wut und Enttäuschung über den misslungenen Abend nicht mehr verdrängen konnte und das Gefühl bekam, ausbrechen zu müssen. 

Weg, weg, weg!

Weg aus diesem Zimmer, weg aus dieser Situation und weg von diesem Mann.

Während ich im Bett auf dem Rücken lag und fassungslos an die Wand mit dem rot flimmernden LED-Streifen starrte, erinnerte mich das Licht an meine innere Wut, die erbarmungslos in mir hochstieg und wie eine Flasche Cola mit Corega Tabs sprudelte. Ich hasste dieses Gefühl, denn ich wusste, dass ich nicht in der Lage war, es zu kontrollieren und zu drosseln. 

Das war nicht der Abend, den ich mir vorstellte, denn dieses Rot verursachte mittlerweile keine Erotik mehr, sondern förderte meine Aggression und meinen Fluchtreflex. 

Ich haue ab. 

Dieser Gedanke war so schnell da, dass ich eine Sekunde später schon handelte. Ohne weitere Worte zog ich meinen Schlafanzug aus und suchte mein Kleid, das irgendwo neben dem Bett lag. Danach sammelte ich das Bett nach meinen Ohrsteckern ab, die verstreut unter dem Kopfkissen und am Fußende lagen. Mir war alles egal, außer, dass ich nichts in dieser Wohnung vergessen wollte, da ich beschloss, nie wieder zurückzukommen. Für mich war es jetzt nur noch die Wohnung eines impotenten Verlierers und nicht die eines potentiellen Lovers.

Mehrmals checkte ich meine XXL-Handtasche, ob auch alles drin war. Vor Aufregung war ich völlig unkonzentriert und meine Hände zitterten. Auch mein Herz zitterte, weil es dehydriert war und meinen Puls rasen ließ. Ich hatte seit mehreren Stunden nichts gegessen und nichts getrunken. Mein Kreislauf litt spürbar, aber ich ignorierte meinen Körper und versuchte nur meiner verletzten Seele zu helfen, indem ich einen Ausweg suchte.

Als ich mir sicher war, dass der Inhalt meiner Tasche komplett war, verabschiedete ich mich von dem Mann, der keinen hochbekam und der nicht wusste, was los ist. Schließlich war er bekifft und in einer anderen Dimension, die nicht meine war. Er war in einem psychedelischen Dämmerzustand, in dem alles immer so schön ist. Alles so schön unrealistisch vor allem. Ich konnte dieses Hippie-Gerede nicht mehr ertragen und die verweichlichten Folgen im Genitalbereich schon gar nicht. Hippies wollen nur kuscheln, denn zu mehr sind sie gar nicht fähig. 

Mein Abschied bestand aus einem Satz, in dem ich sagte: „Sowas hab ich noch nie erlebt, du Arsch.“ Am liebsten hätte ich dabei noch auf sein schlaffes Ding gezeigt, um den Satz bedeutender zu machen. Aber da er seinen Kopf im Kopfkissen vergrub, war er sowieso blind. Und taub. Er gab mir keine Antwort. Wahrscheinlich dachte er, dass alles nur ein Traum ist und dass ich, wenn er wach wird, nackt neben ihm liege und ihn sanft streichele. Schließlich ist jede Berührung ein Geschenk und ein kleiner Orgasmus. Kiffende Männer brauchen nämlich keinen Penis mehr, weil Kuscheln der bessere Sex ist. 

…Definitiv…

Ich zog ab, ohne noch einmal einen Blick in den Badezimmerspiegel zu werfen. Da ich kaum geschminkt war, hatte ich nichts zu befürchten. Nur unsichtbare Spucke und ein paar Stressflecken im Gesicht. Aber in Berlin guckt dich eh niemand an, wenn du im Chaos der Stadt untergehst. 

Ich war froh, dass ich die passende Kleidung trug, die meinen Oberkörper und meine Füße warmhielt. Meine Beine mussten sich allerdings an die niedrigen Temperaturen gewöhnen, da sie nur von einer dünnen Strumpfhose bedeckt wurden. Eigentlich sollte ich um diese Zeit unter einer warmen Bettdecke neben einer voll aufgedrehten Heizung liegen. Aber ich entschied mich für die harten Konsequenzen einer spontanen Flucht. 

Es war eine Flucht ins Unbekannte. Hinaus aus einer vertrauten Wohnung eines bekannten Kiffers und hinaus in das Leben fremder Penner, die auf der Straße ihren Schlafplatz haben und einem gierig hinterherschauen oder obszöne Begriffe von sich geben.

Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich eine Nacht auf der Straße verbrachte. Aber es war trotzdem anders. Ein Winter ohne Schnee kann auch kalt sein, wenn man nicht viel Speck mit sich herumträgt und alleine ist. Wenn man nur sich hat und durch niemanden abgelenkt wird. 

Ich wusste nicht, wo ich hin sollte. Diesmal setzte ich mich auf keine Bank, auf der ich verharrte und geduldig wartete, bis der Morgen anfing. Es war zu kalt, um zu warten und es war zu kalt, um sich irgendwo hinzulegen. Hier war es nachts überall laut. Das kannte ich von zu Hause nicht. Da war es nachts still und die Straßenbahn fuhr erst ab vier Uhr, außer am Wochenende.

Eigentlich hätte ich mir ein Hotel suchen können, bei all der Auswahl um mich herum. Vielleicht wäre eines dabei gewesen, das nicht mein ganzes Budget vernichtet hätte. Aber ich bin einfach kein Hotelmensch, wenn es nicht gerade um Urlaub geht. Ich wollte nicht für paar Stunden ins Hotel, denn für mich war das Geldverschwendung. Es lohnte sich einfach nicht und die fehlende Nacht konnte ich zu Hause auf meiner Couch unter meiner extrawarmen Decke nachholen. Darauf freute ich mich schon und musste bei dem Gedanken grinsen.

Also ging ich ziellos die Straßen entlang, um die nächsten acht Stunden herumzukriegen und um in Bewegung zu bleiben, damit mir nicht kalt wurde. Das Gefühl, so orientierungslos zu sein, machte mir Angst. Allerdings konnte ich mein Handy auch nicht die ganze Nacht anlassen, da ich später noch genug Akku brauchte, um den Busfahrer auf dem Display mein Ticket zu zeigen, das per App funktionierte. Mein Handy frisst viel Akku. Deshalb nutzte ich mein Handy-Navi nur sporadisch und laut Navi war die Bushaltestelle für mich unendlich weit entfernt. Aber dennoch zu Fuß erreichbar. Für jemanden, der sich auskannte, war das keine Herausforderung. Aber dieser Jemand war ich leider nicht. Sondern ich war eher ein Niemand.

Die nächtliche Kälte zog stur an meinem Körper und ich fror langsam. Es war nicht windstill, verdammt..!

Außerdem kamen Zweifel auf, nachdem ich ungefähr zwei Stunden pausenlos unterwegs war. Hätte ich die paar Stunden nicht doch noch bei ihm aushalten können? Immerhin war nichts Schlimmes passiert, bei all seiner lethargischen Inaktivität. Ich war lediglich wütend auf sein verkuscheltes und stumpfsinniges Verhalten. Aber es war nicht lebensbedrohlich und somit kein richtiger Grund, abzuhauen. 

Und dennoch hielt ich es nicht aus. Ich hätte dort keine einzige Stunde mehr verbringen können, weil ich mich nicht wohlfühlte zwischen den Räucherstäbchen und dem Kiffzeug, das man überall roch. Mir waren die giftigen Abgase der Stadt lieber, die ich unwillkürlich inhalierte und den Geruch nur unbewusst durch meine Nase aufnahm. Die Großstadt roch besser, als dieses von Drogen vernebelte kleine Zimmer.

Ich durchquerte viele Straßen und passte an jeder Ampel auf, nicht vor ein unaufmerksames Auto zu geraten, da die Farben der Ampeln hier teilweise von den Autofahrern ignoriert wurden. Irgendwie waren es die Taxifahrer, die gern etwas drängelten, weil sie unter Zeitdruck standen.

Wenn ich nicht gerade eine Kreuzung überquerte, was sehr oft vorkam, schaute ich mir flüchtig die Schaufenster an. Denn davon gab es auch genug. Berlin hat ein Überangebot an Konsumartikeln. 

In der Nacht fiel es mir leichter, an Schmuckläden vorbeizugehen, da sie alle geschlossen hatten und ich somit nicht in Versuchung kam, etwas zu kaufen, so wie sonst immer. Ich komme an keinem dieser Läden vorbei. Jetzt konnte ich nur stehenbleiben und fasziniert beobachten, wie die Diamanten im Licht des Schaufensters in allen Farben schimmerten. Für mich ein fast hypnotisierender Anblick. Ich liebe Diamanten.

Die Stunden vergingen trotzdem wie in Zeitlupe und mein Blick huschte regelmäßig auf die Uhr, um zu gucken, wie lange ich noch durchhalten muss. Die Zeit verging nicht und ich rechnete aus, in wie vielen Stunden ich zu Hause bin oder was ich in einem Tag um diese Uhrzeit mache: Arbeiten. Morgen musste ich also unbedingt wieder zu Hause sein, denn sonst konnte ich mich auf eine Abmahnung freuen.

Immer wieder kamen mir auch andere Menschen entgegen, die nicht so verwirrt waren, wie ich. Ich hätte niemanden nach dem Weg zum Busbahnhof fragen brauchen, es hätte mir eh nicht geholfen. Die vielen Straßen und die bunten Lichter brachten mich einfach durcheinander. Überall leuchteten Lampen und die Stadt gab rauschende Geräusche von sich. Um mich herum herrschte fremde Anonymität. Ich musste alleine zusehen, wie ich klarkomme. Sehr bedrückend. 

Nach einer Weile schaltete ich mein Handy wieder ein. Es kamen einige Nachrichten an, aber nicht von meinem Fluchtort. Dort blieb es still und niemand machte sich Sorgen um mein Wohlergehen. 

Mein Navi zeigte mir an, wo ich war und wo ich hinmusste. Ich sah einen langen roten Strich, der meist nur geradeaus ging. Eigentlich nicht besonders schwierig. Ich setzte mich kurz auf eine Treppe, damit ich besser und entspannter nachdenken konnte. Auf dem Navi sah gerade alles so einfach aus und die Uhrzeit verdeutlichte mir, dass ich inzwischen schon recht lange unterwegs war. Es war fünf Uhr morgens und ich irrte bereits einige Stunden sexuell unterkühlt durch die Stadt. Mein Bus fuhr um neun Uhr. Damit war ein Ende langsam in Sicht, wenn ich es bis dahin schaffte, die Haltestelle zu finden.

Allmählich merkte ich auch, wie erschöpft ich war. Mein Bauch war leer und ab und zu machte sich ein leichtes Schwindelgefühl breit. Es fühlte sich alles so dumpf und komisch in mir an. Außerdem schwitzte ich. Auf meiner Stirn versammelten sich unzählige kleinperlige Tröpfchen. Ich war kaltschweißig und das war ein Zeichen, dass gerade alles zu viel für meinen zierlichen Körper war, dessen wertvolle Bedürfnisse ich in dieser Nacht missachtete. Ein fortschreitender Schockzustand kündigte sich an. Und mir war klar, was ich brauchte: Essen und Trinken.

Ich hatte Lust auf einen Mc Flurry von Mc Donald’s und stellte mir vor, dieses Eis jetzt in dieser Kälte zu essen. Eis im Winter, irgendwo auf einer Bank unter einer Laterne. Ich wollte nichts anderes, als das, obwohl mir kalt war. Diesen widersprüchlichen Gedanken konnte ich mir nicht erklären, da ich Kälte ansonsten nicht mochte. Aber ich hatte einfach Heißhunger auf etwas Süßes und Durst auf Milch. Wahrscheinlich war mein Kreislauf schon so zerstört, dass solche Notgelüste daraus resultierten. Ich hoffte, dass ich diese Lust bald am Busbahnhof befriedigen konnte, denn dort gab es einen Mc Donald’s, der von außen aussah, wie eine normale Imbissbude. 

Die Straßen wurden zusehends voller und der Berufsverkehr erwachte. Dadurch fühlte ich mich bald weniger allein und das beförderte mich wieder mehr ins normale Alltagsleben zurück. Auch in den Häusern sah ich Licht und es beruhigte mich, dass ich meinen Schlaf bald im Bus nachholen konnte, wenn all diese Leute zur Arbeit mussten. 

Meine zunehmende Müdigkeit und Schwäche sorgten dafür, dass ich in einem psychischen Ausnahmezustand war, der mich überreizte. Ich spürte, dass jeder neue Eindruck zu viel war und dass alles anfing, mich zu nerven. Auf einmal hasste ich diese hupenden Autos, die mit ihren Reifen auf der Straße quietschten, weil sie schnell bremsen mussten.

Der ganze Verkehr war Stress für mich und ich war mir sicher, dass ich meinen Führerschein in dieser Stadt vergessen konnte. Dieses riskante Abenteuer würde ich niemals wagen. 

Wieder schaute ich auf mein Navi und auf die Uhr. Je mehr draußen los war, umso schneller verging alles. Zum Glück war es bis zum Ziel nicht mehr allzu weit. Irgendwann nahm ich den Gehweg nur noch durch einen engen Tunnelblick wahr. Nur selten verflüchtigte sich mein Blick auf andere Personen, da ich mich sowieso unwohl fühlte, in meiner schläfrigen und verpeilten Verfassung. Aber wahrscheinlich wäre dieser Anblick auch jedem egal gewesen, da in Berlin weitaus schlimmere Gestalten herumlaufen und ich wohl noch zu den halbwegs ‚Normalen‘ zählte.

Ich näherte mich dem Busbahnhof, den ich von weitem durch Schilder erkennen konnte. Okay, jetzt konnte ich ihn nicht mehr verfehlen und spürte endlich wieder eine aufkommende Sicherheit in mir. Ich war nicht mehr verloren und mein Handyakku reichte noch für die restliche Stunde. 

Als ich dichter an den Bahnhof kam, wurde die ganze Lage wieder etwas unübersichtlich, da ich den Bahnhof zuerst mit einem anderen Gebäude verwechselte. Erst als ich vorsichtig zur rechten Seite schaute, merkte ich, dass ich auf der falschen Straßenseite war. Zu meiner absoluten Sicherheit sah ich auch schon einige Busse dort rechts an den Haltestellen stehen. Anschließend suchte ich nach einer passenden Stelle, um über die riesige Straße zu kommen. Die nächste Ampel war noch mehrere Meter entfernt. Aber Hauptsache, sie war da, denn ich hatte große Angst, erneut über die gefährliche Straße laufen zu müssen.

Ich war erleichtert, als ich mein Ziel erreichte. Mein Körper rebellierte unheimlich. Meine letzte Kraft verschwand sofort bei meiner Ankunft. Und dennoch konnte ich nicht ruhen, da ich erst wissen wollte, von welcher Stelle der Bus genau fuhr. Ich hatte nämlich keine Lust, noch länger hier sitzen zu bleiben und eine weitere Stunde zu warten.

Aber ab jetzt war alles einfach. Die Anzeigetafel und die Lautsprecheransagen waren meine Helfer und ich konnte endlich mit meinem kranken Gesichtsausdruck zu Mc Donald’s gehen. Kurz fühlte ich mich wie bei einem Arztbesuch, bei dem meine Medizin aus zwei Varianten bestand. 

Der Mc Flurry stand immer noch in der engeren Auswahl. Aber ich entschied mich spontan für einen großen Vanille-Milchshake. Das war Eis und Milch zusammen, in einem unkomplizierten Becher zum Trinken mit Strohhalm. Optimal für meinen geschwächten Körper, der jetzt nur noch eine Hand zum Halten brauchte. 

Ich stellte mich mit meinem Getränk ins Abseits und beobachtete müde das Geschehen. Allerdings konnte ich auch diesmal nicht ruhig bleiben und ging von einer Haltestelle zur anderen und verglich die Abfahrten mit der Nummer auf meinem Ticket. Dabei merkte ich, dass Abfahrzeit und Nummer nicht übereinstimmten. Aber da noch genug Zeit war, machte ich mir keine unnötigen Gedanken und setzte mich in die beheizte Wartehalle, in der ich alles exakt im Überblick hatte. Mein Blick fixierte danach fast nur noch die orange leuchtende Anzeigetafel, um keine wichtige Änderung zu verpassen. 

Zum anderen tat es gut, zwischen all den fremden Menschen zu sitzen und nicht mehr so einsam zu sein. Wahrscheinlich froren sie auch alle und kannten unangenehme Erfahrungen. Vielleicht waren sie auch gerade auf einer Flucht, denn teilweise sah es ganz danach aus.

Nach einer Viertelstunde kam die lang erwartete Ansage meines Busses und ich war happy, dass diese frustrierende Reise nun ein Ende hatte. 

Beim Einchecken gab es keine Probleme und der Fahrer heiterte mich mit seiner lockeren Art etwas auf. Wahrscheinlich war sein Leben auch nicht immer leicht. Aber alles geht weiter und manchmal auch viel besser, als vorher. Zumindest bei anderen Menschen. 

Als ich im Bus saß, spürte ich, wie mein Körper in den Sitz sackte und meine Beine kribbelten. Es war eine enorme Erleichterung, in den nächsten zwei Stunden nichts machen zu müssen und vielleicht ein bisschen schlafen zu können. Der Platz neben mir blieb frei und meine letzte Hoffnung erfüllte sich damit. Ich wollte einfach nur noch meine Ruhe haben und von niemandem mehr angequatscht werden. 

Nachdem ich wieder etwas zu mir kam, nahm ich mein Handy und löschte selbstbewusst seine Nummer. Denn ich hatte keinen Bock auf weiteren Kontakt. Für mich hatte sich die Sache nach der bescheuerten Nacht erledigt und ich wusste, dass er sich nicht ändern würde und weiterhin so verkifft blieb. Als die Nummer weg war, fühlte ich mich besser und losgelöster. Irgendwie war ich nicht einmal traurig, denn ich hatte nichts verloren.

Alte Wege

Heute war ich zu Besuch in meiner alten Heimatstadt.
Eine Stadt, in der ich meine Freiheiten genoss, wie nie zuvor und in der ich vier Jahre emotionale Achterbahn fuhr.
Ein Auf und Ab zwischen Ausbildung, erster großer Liebe, erster Arbeitsstelle, Unabhängigkeit und ersten Liebeskummer. Der normale Teenie-Alltag.
Es war eine Stadt, in der ich erwachsen wurde, mich Herausforderungen stellen musste und alle Entscheidungen alleine traf.

Ich stieg aus dem Zug und schon waren sie da, die alten Gefühle und Eindrücke. Ein Bild nach dem anderen kam mir ins Gedächtnis. Diese kleine Stadt war voll mit Erinnerungen, die an jeder Ecke lauerten und auf mich warteten. Wiedersehen und Abschied geliebter Menschen und der Blick vom Bahnhof auf meine erste Wohnung, die nur paar Meter entfernt lag. Aber ich beschloss, nicht dorthin zu gehen, weil ich wusste, was ich mir damit antue. 
Wehmut an verlorenes Glück und Schmerz, sowie schöne Momente im Sommer und schlechte Laune im Winter, wenn ich mein Fahrrad durch den matschigen Schnee schieben musste.

Der Bahnhof hatte sich kaum verändert, selbst die Baustellen sind geblieben. Die ganze Stadt war eine ewige Baustelle.
Mit jedem Atemzug atmete ich einen Hauch Vergangenheit ein, es roch nach Frühling und nach Veränderung. 
Der Frühling steht für Neuanfang und ich bin froh darüber. 
Die Bäume waren hier schon viel grüner, als zu Hause und ich war überrascht. 
Die Sonne schien und ließ das helle Grün der Bäume in ihrem Licht strahlen. Die Vögel zwitscherten und leiteten mit ihrem Gesang den Frühling ein. Es war schön, alles war so wie früher. 
Die Gerüche, die Luft und die Menschen, die sich um mich herum tummelten, in ihrem Stress, in den Zug zu kommen und sich die besten Plätze zu sichern. 

Ich spazierte durch den nahe liegenden Park, in dem ich mich früher gerne aufhielt und ging die Wege, die ich damals mit meinem Freund ging. Meistens war das abends, als die Frösche aufwachten und lautstark ihr Froschkonzert im dunklen Teich gaben. Tagsüber war von ihnen nichts zu hören, nur das leichte Plätschern des Wassers oder Geräusche aus dem Tierpark.
Heute ging ich diese Wege alleine und jeder Schritt erinnerte mich daran, wie es damals war und welche Gespräche wir führten. An manchen Stellen konnte ich mich sogar noch genau an einige Sätze erinnern, die er sagte. Absurd.

Und all das soll schon fast zehn Jahre her sein? Ich konnte es kaum glauben und war ein bisschen entsetzt. Alles fühlte sich so an, als wäre es erst gestern gewesen. Die Erinnerungen sind im Gedächtnis frisch geblieben und jederzeit abrufbar.
Das machte mich nachdenklich und ich fragte mich, wie es wohl heute wäre? Zu zweit, mit ihm.
Und vor allem: Warum habe ich damals eigentlich Schluss gemacht?