badredheadlady

Persönlicher Blog

  • Seitdem meine Nahrungszubereitung nicht mehr nur auf zwei nostalgisch primitive Kochplatten beschränkt ist, habe ich oft Heißhunger auf Pizza.
    Die alten Kochplatten gaben kurz vor Weihnachten ihren Geist auf, nachdem ich sie ausgiebig mit Reinigungsschaum geputzt habe. Ein akuter Kurzschluss folgte, der kurzzeitig auch meinen Kühlschrank außer Gefecht setzte und eine bescheidene Koch-Ära ging zu Ende.
    Der Verlust der Platten ließ sich gut verkraften und schneller Ersatz durch einen hochmodernen Minibackofen kam wenige Tage später per Lieferung ins Haus. Dieser stand nun stolz auf einem Schrank in meiner Küche und hatte sämtliches Zubehör, welches ich sicher nie nutzen würde. Den Verwendungszweck konnte ich teilweise nicht mal identifizieren.
    Ich muss zugeben, ich bin ein Kochmuffel. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich nicht kochen kann. Aber: Ich habe keine Lust. Deswegen genügt mir der Minibackofen völlig.
    Von da an änderte sich auch mein Leben und neue Türen in Form von Möglichkeiten öffneten sich.
    Schon beim ersten Einkauf führte mich mein Weg direkt zu den Tiefkühltruhen, die ich vorher so gut wie gar nicht wahrnahm. Es war verlockend. Ich wusste gleich, was ich wollte: Pizza.
    Als Vegetarier bereitet die Entscheidung zum Glück nicht allzu viel Probleme und es dauert nicht lange, bis man seine Tomaten-Mozzarella-Pizza gefunden hat. Bei all der Auswahl war ich froh, Vegetarier zu sein, wie hätte ich mich sonst entscheiden sollen? Da hätte das Nachdenken länger gedauert, als der Verzehr an sich.
    Ich nahm die Pizza gleich im Dreierpack mit und verstaute sie in meinem kleinen Tiefkühlfach. Ja, auch dort lege ich nicht so viel Wert auf Größe.
    Die drei Pizzen habe ich innerhalb einer Woche aufgegessen. Jeden zweiten Tag eine. Immer nachmittags genau um die selbe Zeit, während im TV meine aktuelle Lieblingssendung lief. Irgendwie entwickelte sich in der Woche ein kleines Ritual daraus. Und endlich kam auch mein Pizza-Cutter zum Einsatz, der ewig in meiner Schublade schlummerte.
    Normalerweise bevorzuge ich Ruhe beim Essen. Aber manchmal bestätigen auch bei mir Ausnahmen die Regel. TV gucken und essen – kann das gut gehen? Ich wollte es wissen.
    Beim Essen konzentrierte ich mich natürlich trotzdem auf den Geschmack, die Optik und auf den Genuss. Zudem habe ich die Pizza noch mit getrockneten Pasta-Kräutern aus dem Glas verfeinert. Das gab der Pizza mehr Aroma und Intensität.
    Am Ende muss ich jedoch zugeben, dass die Pizza nur kurzen Anlass zur Freude gab.
    Während des Essens war noch alles in Ordnung und ich zählte nach jedem Bissen, wie viele Pizza-Stücke noch übrig waren. Manchmal wünschte ich, ich könnte wie mein Papa in Zeitlupe essen.
    Ich bemühe mich immer sehr, langsam zu essen. Aber auch dann ist nach knapp fünf Minuten schon wieder alles vorbei und sorgt für leichte Traurigkeit. Und Sehnsucht.
    Danach war es, als hätte ich gar nichts gegessen und mein Magen fühlte sich leer an.
    Es war jedes Mal ein unbefriedigendes Erlebnis. Schon lange hat mich keine Pizza mehr satt gemacht. Manchmal überlege ich sogar, noch eine Pizza in den Ofen zu schieben. Mein Gewissen sagt mir dann aber, dass ich die Kalorien sparen soll, weil es auch dann gefühlsmäßig nicht anders wäre. Vielleicht sollte ich lieber auf Vollkornpizza umsteigen.
    Jetzt verstehe ich zumindest den Werbe-Slogan: Ich will noch ’ne Pizza!
    Ich habe Hunger.

  • Dabei haben wir momentan gar keinen richtigen Winter, sondern eher einen kalten Frühling.
    Trotzdem ändert das nichts an meinem derzeitigen Gemütszustand.
    Ich könnte bei dem Wetter täglich Sport machen, wie sonst auch.
    Aber ich finde jeden Tag einen anderen überzeugenden Grund, es nicht zu tun.

    Irgendwie habe ich das neue Jahr noch nicht verinnerlicht.
    2014? Nein.
    Ich fühle mich, als wurde ich vom alten ins neue Jahr geschleudert, ohne es gewollt zu haben. Seitdem empfinde ich alles, was ich tue, als komisch. Dabei sind es genau die Dinge, die ich sonst auch getan habe und viel Spaß daran hatte. Eine Erfüllung in den Dingen sah, die ich täglich mit großem Eifer tue. Aber nun werde ich von der Farbe schwarz umhüllt. Geschmückt mit einzelnen Glitzerpailletten.

    Auch geht mir diese ewige Dunkelheit inzwischen völlig auf die Nerven. Ich weiß gar nicht, wie die Leute das in Finnland aushalten. Wahrscheinlich genauso wenig, weswegen die Selbstmordrate entsprechend hoch ist.
    Eine Weile ist es schön, wenn es früh dunkel wird, man seine Fensterbeleuchtung anschmeißt und zu Hause überall Duft-Kerzen anzündet. Nun sind alle übrigen Kerzen abgebrannt, die Düfte verflogen und ich vermisse die Sonne.

    Dennoch bessert sich meine Stimmung im Laufe des Abends und ich komme in Hochform, werde aktiv bis spät in die Nacht. Bis ich dann irgendwann einschlafe und gegen Mittag wieder matschig aufwache. Gar keine Lust, aufzustehen. Manchmal denke ich, ich könnte den ganzen Tag schlafen oder halbwach im Bett liegen bleiben.
    Bis meine innere Stimme mir zuflüstert: „Lass‘ dich nicht gehen! Das Bett ist keine Lösung!“

    Also stehe ich unmotiviert auf, füttere meine hungrige Katze und gehe schwermütig ins Bad.
    Der erste Blick in den Spiegel ist vernichtend. Auf einmal habe ich an meinem ganzen Gesicht etwas auszusetzen. Bin unzufrieden, mit mir, meinem Körper und meinem Leben. Momentan kann ich es mir selber überhaupt nicht recht machen, obwohl ich im Normalzustand von meinem Leben schwärme oder es zumindest echt toll finde.

    Beim Schminken versuche ich dann das Beste aus meinem Gesicht herauszuholen.
    Bis mein Blick auf meine Haare fällt. Der nächste Schock folgt. Es kommen Fragen auf:
    Ist das die richtige Frisur? Die passende Haarfarbe? Wie kann ich mich verändern?
    Auch nachdem ich mir etliche Trendfrisurenmagazine angesehen habe, finde ich keine Antwort. Die Frauen darin sehen alle viel hübscher aus. Blah blah blah.

    Also was mache ich nun? Genau, in die Küche gehen und mir etwas zu essen machen.
    Natürlich nichts Gesundes. Schließlich habe ich Heißhunger auf alles, was süß ist und genug Fett hat. Auch das nervt mich gerade sehr. Ich bin gar nicht der Typ, der sich den ganzen Tag mit Essen beschäftigt.
    Nach dem Essen bin ich dann genauso launisch wie davor. Diese Laune zieht sich dann in Höhen und Tiefen über den Tag.

    Ich bin innerlich angespannt, spiele nervös mit meinen Fingern herum und denke auf meiner Couch intensiv über die Zukunft nach.
    Eigentlich habe ich einen super Job. Aber eigentlich könnte ich auch etwas ganz anderes machen, was mehr zu mir passt. Unentschlossenheit.
    Ja, solche Gedanken gehen mir durch den Kopf. Sie kommen und sie verschwinden. Am nächsten Tag kommen viele neue Gedanken, die bald wieder vergessen sind.

    Es ist schlimm, sein inneres Gleichgewicht zu verlieren. Man fühlt sich elendig krank, gespickt mit Minderwertigkeitskomplexen.
    Aber nach jedem Tief folgt ein Hoch.
    Einen Joker habe ich noch: Ich bin ein Optimist, der auf der Flucht vor dem Pessimismus ist.

  • Ego-Craving

    Kennst du das?
    Du liegst nächtelang wach im Bett, obwohl du müde bist.
    Stunden später wachst du auf und weißt nicht, warum.
    Und vor allem wofür?
    Deine Augen schließen sich wieder.
    Ein traumloser Schlaf folgt.

    Du bist auf der Flucht vor dir selber.
    Mit der Hoffnung, irgendwo anders Erfüllung zu finden.
    Bist du dort angelangt, bist du wieder auf der Suche.
    Ohne jemals Erfolg zu haben.
    Diese Suche wird nie beendet sein.

    Dein Kopf wird geflutet von Ideen, doch niemand will sie haben.
    Es gibt zu viele. Zu viele Ideen und zu viele Menschen.
    Dabei sind Ideen dein Leben. Deine Kraft.
    Ein Leben, das du nicht teilen kannst.
    Eine Kraft, die du für nichts anderes aufbringen kannst.
    Dein Leben ist für manche unsichtbar, für dich ist es dein Mittelpunkt.

    Du strebst nach dem Unerreichbarem, siehst darin einen Ansporn.
    Hast du etwas erreicht, ist es nichts Besonderes mehr.
    Ziele verlieren ihren Wert, sobald du sie erreichst.
    Deine Zufriedenheit löst sich auf.
    Dein Glück ist nicht beständig.
    Unmut bedrängt dich.

    Du hast Hunger, doch du wirst nicht satt.
    Eine ewige Sehnsucht durchzieht deinen Körper und deine Seele.
    Befriedigung findest du nur für einen kurzen Moment.
    Danach ist alles nichtig.
    Alles, was du gewinnst, ist schon halb verloren.
    Das Leben ist Risiko und keine Insel der Sicherheit.
    Nichts ist für immer.

    Dein Werkzeug ist dein Herz, nicht dein Verstand.
    Doch was tust du, wenn dein Herz kaputt ist?
    Der Motor deines Handelns, deines Daseins.
    Was wird dich lenken? Was wird dich treiben?
    Es sind die Impulse, die dir den Weg weisen.
    Die Intuition ist dein Fahrschein zurück ins Leben.
    Folge ihr.

  • Auf meinem Tisch, da liegst nur du
    Noch ahnst du nicht, was ich gleich mit dir tu‘.
    Alles scheint dir so wie immer
    Doch auf der Erde bist du bald nimmer.
    Du bist so klein, so krümelig fein
    Findest es toll, ein süßer Keks zu sein.
    Bedeckt mit vielen samtigen Schockoflocken
    So lässt du schnell an dich locken.
    Es wird immer später,
    Und über dir lauert der hungrige Täter.
    Ein unheimliches Knurren erfüllt den Raum,
    Du denkst, Oh mein Gott, was ist das – hoffentlich nur ein Traum!
    Du kleiner Keks, da hockst du nun,
    Ganz unruhig, kannst nicht ruh’n.
    Deine Freunde sind schon alle tot,
    Verschlungen in großer Not.
    Bald wirst du sie alle wiederseh’n,
    Nur werden bis dahin einige Stunden vergeh’n.
    Dir gefiel dein Leben als kleiner Keks,
    Möchtest dich nicht hergeben, keineswegs.
    Würdest am liebsten weghüpfen,
    Schnell in ein sicheres Versteck schlüpfen.
    Doch bald ist es zu spät,
    Dein Alptraum wird harte Realität.
    Ein Gesicht – ein Mund nähert sich,
    Nun ist es gleich aus für dich.
    Du schließst deine kleinen Krümelaugen,
    Bevor weiche Lippen sich an dich saugen, dir deinen pfeffrigen Atem rauben.
    Das war dein Leben, schön und kurz –
    Aber so ist es eben, noch bleibt es einen Moment an des Täters Zähnen kleben.