Schlagwort: er

  • Online

    Ich habe immer noch Liebeskummer, obwohl es kein typischer Liebeskummer ist. Mein Liebeskummer ist eher krank und nicht normal. Nicht angemessen. Ich spreche von dem Typen, der nicht einmal mein Ex ist, nein. Eigentlich ist er ein völlig Fremder, in dem ich mich bei unserem ersten und letzten Date sofort verliebte. Wie das geht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass er mir seit einem Jahr nicht mehr aus dem Kopf geht. Keine Minute. Es ist so elendig. Ich spreche von dem Typen, der mich überall blockiert hat und kein Weg zum ihm führt. Selbst der Brief, den ich ihm per Post schickte, kam wieder zurück. Falsche Adresse, obwohl ich damals persönlich da war, bei ihm. Komisch war die Sache schon, denn es handelte sich scheinbar um ein Firmenhaus und das stand auch als Stempel auf dem Brief. Firma? Ich war traurig, hatte ich mir doch so viel Mühe gegeben, mal wieder. Der Brief hatte 13 Seiten und meine Schrift stand auf schönem Briefpapier. Egal. Ich dachte mir schon, dass er nicht ankommt. Dieses kreative Meisterwerk liegt nun als Erinnerung bei mir im Schrank – ungeöffnet.

    Letztens habe ich ihn schon wieder auf dieser blöden Dating-App gesehen (die er eigentlich nicht mochte). Online! Das passierte während eines Spaziergangs am Hafen. Ich rechnete nicht damit, ihn nach einigen Tagen wieder dort zu sehen. Was sucht er da? Er braucht kein anderes Mädel, wenn er mich haben kann!! Mein Selbstbewusstsein ist immer noch enorm groß, trotz allem und trotz dieser Enttäuschung. Es ist und bleibt eine beschissene Situation. Ich schreibe ihm dennoch Nachrichten, obwohl mir klar ist, dass sie ins Leere gehen. Aber ich kann es einfach nicht lassen. Vielleicht kommen sie ja doch an..?

    Nach dem Spaziergang ging es mir mies. Natürlich hatte das mit Vernunft alles nichts mehr zu tun. Ich bin sehr unvernünftig, wenn es um ihn geht. So unvernünftig war ich nie und werde es wohl nie wieder sein. Für mich brach gleich alles wieder erneut zusammen, nach seinem Online-Status. Ich hasse diese App und habe beschlossen, dort einfach nicht mehr online zu gehen. Ich will ihn da nicht sehen und nicht daran denken, wie er mit jungen Mädels schreibt und super charmant dabei ist. Und sich dabei 10 Jahre jünger macht. Das ist nicht fair.

    Später beschloss ich, mich für die letzte Lösung zu entscheiden, die mir übrig blieb. Es gab noch einen Weg, ihn zu erreichen. Einen einzigen Weg. Der mir jedoch gleich ein schlechtes Gewissen und ungutes Gefühl bereitete. Ich besaß noch ein 2. Handy als Diensttelefon. Schon einmal hatte ich die dumme Idee, ihn darüber zu erreichen. Aber andererseits erinnerte ich mich daran, dass er mich nicht ohne Grund blockierte, denn er wollte keinen Kontakt mehr. Er gab es mir klar zu verstehen. Also kam es mir wie ein Verbot vor, ihm über mein Zweithandy zu schreiben. Bisher schaffte ich es immer, nicht in Versuchung zu kommen. Aber jetzt ich tat es, zu groß war meine Not. Während ich ihm anonym eine Mini-Nachricht schrieb, fröstelte ich und fühlte mich übel. Was ich tat galt als Grenzüberschreitung und ich hatte keine Ahnung, wie er reagieren würde. Freude konnte ich wohl kaum erwarten.

    Nachdem ich die Nachricht abgeschickt hatte, ging es mir nicht besser. Schuldgefühle und Magendrücken. Ich wartete ab, was passiert. Eine halbe Stunde später antwortete er mit einem simplen Fragezeichen. Ich schrieb weiter. Dann fragte er, wer da ist. Ich sagte nichts, sondern schickte ihm einen recht langen Text. Eine Art Erklärung und Entschuldigung für mein Verhalten von damals. Danach vermutete ich, erneut blockiert zu werden. Es folgte wieder ein Fragezeichen. Er hatte echt keine Idee, wer ich war, obwohl mein Text deutlich war und nach mir klang. Niemand schreibt so wie ich, dachte ich. Um das Rätsel aufzulösen, wagte ich den letzten Schritt und sendete ihm ein Foto von mir. Er schaute es an, antwortete aber nicht gleich, sondern erst eine Stunde später. Er meinte, dass man an allem wächst. Ich war mir nicht sicher, worauf er das bezog und was er wirklich damit meinte. Klar hatte er recht, aber was hieß das nun für mich? Hatte er vielleicht doch wieder ein bisschen Interesse an mir, nach dem Text? Der Text traf immerhin seinen sexuellen Geschmack. 

    Ich wartete auf eine neue Blockade und auch am nächsten Morgen war sein Profilbild noch sichtbar. Gegen 10 Uhr schickte ich ihm eine neue erotische Nachricht. Er las sie gleich. Aber es kam keine Antwort. Vielleicht wird er mich erst einmal testen. Oder er hat – wie immer – viel zu tun und keinen Raum für mich. Ach ja, und eine Freundin hat er schließlich auch. Oder doch nicht mehr..?

    Und was nun bleibt, ist diese gewisse innere Unruhe mit der Hoffnung auf eine Chance.

  • Traumnachricht

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    Heute ist ein schwieriger und zugleich toller Tag.

    Zuerst träume ich, dass mir eine bestimmte männliche Person eine Nachricht schreibt.

    Eine Person, zu der ich bis August keinen Kontakt haben möchte, weil es besser für uns ist. Das war meine Idee, weil ich keinen anderen Ausweg wusste, zwecks Neuanfang, der eigentlich keiner ist. Aber wer weiß, was letztendlich daraus wird? Komplizierte Sache. Aber Aufgeben lohnt sich hierbei nicht.

    Anders ausgedrückt: Wir haben uns eine bewusste Auszeit genommen, damit die ‚Beziehung‘ zwischen uns nicht eskaliert und ich nicht ständig in Dramastimmung verfalle, wenn er nicht auf meine Nachrichten antwortet, obwohl er sie liest. Ich fange dann schnell an, Dinge neu zu interpretieren, die jedoch völlig anders sind, als in meiner Fantasie. Ich reagiere über und das nervt ihn. Er will so etwas nicht immer wieder mit mir erleben. Drama, Drama, Drama. Sorry!

    Der Traum war so echt, dass ich morgens gleich auf mein Handy schaute, um die Nachricht zu lesen.

    Aber da war keine.

    Dabei träumte ich fast detailliert, wie er mir bei whatsapp diese Nachricht schrieb, als ich online war.

    Er schrieb sogar ‚Hey Süße‘, mehr konnte ich nicht sehen. Diese ersten Worte klangen also sehr versöhnlich und ich war gespannt auf seine Nachricht.

    Ich war enttäuscht, als mir klar wurde, dass das nur ein ziemlich echter Traum war. Leider.

    Wahrscheinlich kommt er in den nächsten fünf Monaten nicht auf den Gedanken, mir zu schreiben. Vielleicht möchte er auch sehen, ob ich mein Versprechen wirklich halte und wie diszipliniert ich bin. Ich habe mir fest geschworen, mich vorher nicht bei ihm zu melden – diesmal wirklich! Zu oft bin ich an meinen Versprechen gescheitert. Aber nun bleibe ich stark, um ihn zu überraschen und ihm eine andere Seite von mir zu zeigen. Die entspannte und lockere Seite, die ich ihm bisher zu selten offenbart habe.

    Oft genug sage ich, wie schnell die Zeit vergeht. Also werden fünf Monate auch schneller vergehen, als gedacht. Im August kann ich stolz auf mich sein, wenn ich meinen Ruhe-Plan durchgehalten habe.

    Zum anderen bekam ich heute tatsächlich noch eine reale Traumnachricht.

    In meinem Briefkasten befand sich endlich der Brief, auf den ich knapp zwei Wochen ungeduldig wartete. Ich war nicht nur ungeduldig, sondern hibbelig und teilweise sogar überreizt. Man kann nicht immer locker bleiben. Gerade, wenn es um wichtige Dinge geht. Es geht um einen Traumjob.

    Es war die ersehnte Einladung zum Vorstellungsgespräch in einer psychiatrischen Einrichtung.

    Natürlich hatte ich auch gleich wieder das Bedürfnis, damit die Kontaktsperre aufzubrechen. Aber ich kann mit dieser Mitteilung auch bis August warten, sagt mir mein Verstand. Bis dahin hat sich bestimmt so viel angesammelt, dass unser nächstes Treffen sehr überraschend verlaufen wird und spannend wird.

    Und ich werde nicht schwach. Dazu habe ich meinen Blog. Hier kann ich alles loswerden, was ich bei ihm (noch) nicht loswerden darf. Außerdem macht es die Situation nicht besser, wenn ich ihm ständig mitteile, was los ist. Es ändert gerade nichts an unserem Verhältnis.

    Jetzt heißt es: Geduld haben und Loslassen.